Neuroonkologisches Zentrum - Medizinische Experten

Ein Zentrum für Neuroonkologie ist auf die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen des zentralen Nervensystems spezialisiert. Die Neuroonkologie ist ein Fachgebiet, das sowohl die Neurologie als auch die Onkologie umfasst.


Medizinischer Fachlektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Neuroonkologisches Zentrum - Weitere Informationen

Was ist ein Zentrum für Neuroonkologie?

Das medizinische Teilgebiet der Neuroonkologie befasst sich mit in der Regel bösartigen Tumorerkrankungen (Malignomen), die entweder von Geweben des Nervensystems ausgehen oder die von Tumoren andere Organe abstammen und Tochtergeschwulste (Metastasen) im Gehirn oder Rückenmark gebildet haben. Ein Zentrum für Neuroonkologie ist eine Klinik, in dem hoch spezialisierte Ärzte aus den Bereichen Onkologie, Neurologie und Neurochirurgie für die Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Patienten mit allen Arten von Tumoren des zentralen Nervensystems zur Verfügung stehen. In diesen Zentren können aufgrund ihrer modernen apparativen Ausstattung auch schwierige Operationsverfahren durchgeführt werden.

Idealerweise ist ein Zentrum für Neuroonkologie von der Deutschen Krebsgesellschaft als Neuroonkologisches Tumorzentrum zertifiziert. Das bedeutet, dass strenge Qualitätsanforderungen in der Patientenbehandlung hinsichtlich personeller, räumlicher und apparativer Ausstattung erfüllt sowie Mindestzahlen an jährlichen Therapien nachgewiesen werden müssen.

An neuroonkologischen Tumorzentren finden in der Regel auch klinische Studien statt, in denen neue Medikamente oder Verfahren auf ihre Wirksamkeit getestet werden.

Die Ärzte, die in einem Zentrum für Neuroonkologie tätig sind, sind in der Regel Fachärzte für Neurochirurgie, Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie und/oder Fachärzte für Neurologie. In der Regel entwickeln sie gemeinsam mit weiteren Experten (zum Beispiel Radiologen) im interdisziplinären Team im Rahmen einer sogenannten Tumorkonferenz eine auf den Patienten individuell angepasste Behandlungsstrategie. Darüber hinaus sind in einem Zentrum für Neuroonkologie an der Versorgung und Unterstützung der Krebspatienten weitere therapeutische und soziale Berufsgruppen beteiligt, wie zum Beispiel Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeiter.

Welche Krankheiten werden in einem Zentrum für Neuroonkologie behandelt?

Die neuroonkologischen Spezialisten behandeln Patienten mit hauptsächlich bösartigen, aber auch gutartigen Tumoren des Gehirns, des Rückenmarks und der Rückenmarkshüllen. Auch Patienten mit Hirn- und Rückenmarksmetastasen werden in neuroonkologischen Zentren betreut. Und für Patienten mit paraneoplastischem neurologischen Syndrom sind die Experten eines neuroonkologischen Tumorzentrums ebenfalls die richtigen Ansprechpartner.

Paraneoplastische neurologische Syndrome (PNS) sind Komplikationen von Tumorerkrankungen, die nicht durch den Tumor selbst, von Metastasen, therapiebedingten und bestimmten anderen Ursachen ausgelöst werden. Dabei muss es sich nicht um neurologische Tumoren handeln. Vielmehr sind beispielsweise Lungenkarzinome, Brustkrebs oder Eierstockkrebs häufige Ursachen für dieses Syndrom. PNS zeigen sich zum Beispiel in Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems oder der Muskeln.

Zu den Erkrankungen, die im Zentrum für Neuroonkologie therapiert werden, gehören unter anderem folgende Hirntumoren:

  • Gliome (häufigster Gehirntumor; häufigste Untergruppe sind die Astrozytome)
  • Medulloblastome (Kleinhirntumor)
  • Meningeome (Tumoren der Hirnhäute)
  • Neurinome (Tumoren der Hüllzellen von Gehirn- und Rückenmarknerven), zum Beispiel Akustikusneurinom (Tumor der Hörnervs)
  • Lymphome (Tumoren ausgehend von Lymphzellen)
  • Hypophysenadenome (meist gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse)
  • Metastasen im Gehirn (meist ausgehend von Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenkrebs oder Malignem Melanom)

Diagnosemethoden in der Neuroonkologie

Die Erhebung der Krankengeschichte und der Beschwerden (Anamnese), die klinische Untersuchung sowie neurophysiologische Tests sind unter anderem wichtig, um das Ausmaß von etwaigen neurologischen Ausfällen bestimmen zu können.

Um einen Tumor des Nervensystems zu diagnostizieren, sind häufig mehrere Diagnoseverfahren erforderlich. Eine entscheidende Rolle spielen hier die bildgebenden Verfahren wie das Röntgen, die Computertomographie (CT) und insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) mit und ohne Kontrastmittel.

Ein weiteres bildgebendes Verfahren ist die Positronenemissionstomographie (PET). Im Gegensatz zu CT und MRT lässt die PET auch Aussagen über die Stoffwechselaktivität des Tumors zu.

Die Liquordiagnostik, bei der Hirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) mittels Rückenmarkpunktion entnommen wird, kann zur Abgrenzung einer entzündlichen Erkrankung von Bedeutung sein.

Bei bestimmten Symptomen, wie Krämpfen, kann ein Elektroenzephalogramm (EEG) weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung und für die Therapieplanung geben.

Vor allem bei einer Erstdiagnose kann selbst bei deutlich sichtbarem Tumor nicht auf eine stereotaktische Biopsie (Gewebeentnahme) verzichtet werden. Dieser Eingriff wird bis ins Detail mithilfe des Computers geplant und gilt als einer der sichersten Eingriffe in der Neurochirurgie. Der Pathologe untersucht das entnommene Gewebe und beurteilt, ob krankhafte Zellveränderungen vorhanden sind, welchen Ursprungs sie sind (das heißt, um welche Tumorart es sich handelt), welchen Differenzierungsgrad sie aufweisen und ob es sich um einen Primärtumor oder um eine Metastase handelt. Das Ergebnis dieser histologischen Untersuchung ist entscheidend für die Therapieplanung, da nicht jede Tumorart gleich auf die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten anspricht. Aus diesem Grund werden häufig auch molekulargenetische Untersuchungen der Tumorzellen auf bestimmte Genveränderungen vorgenommen.

Behandlungsmethoden im Zentrum für Neuroendokrinologie

Die Art der Therapie hängt ab von der Tumorart, der Lokalisation des Geschwulstes, dem Tumorstadium und individuellen Faktoren des Patienten.

Je nach Art, Lokalisation, Größe, Alter, Allgemein- und neurologischer Zustand des Patienten ist die operative Entfernung des Tumors die primäre therapeutische Vorgehensweise. Neurochirurgische Eingriffe am Gehirn können stereotaktisch (minimalinvasiv) oder offen chirurgisch ausgeführt werden, je nach Lage und Größe des Tumors sowie Alter und Zustand des Patienten. Mithilfe der computerassistierten intraoperativen Neuronavigation sind heute auch operative Eingriffe in kritischen Gehirn- und Rückenmarksregionen sicher durchführbar.

Im Anschluss an die Operation folgen unter Umständen, abhängig vom Ergebnis der histologischen Untersuchung und der Operation, eine Chemotherapie und/oder eine Strahlentherapie (sogenannte adjuvante Chemo- oder Strahlentherapie). In manchen Fällen wird bereits vor einer Operation eine Chemo- oder Strahlentherapie (sogenannte neoadjuvante Chemo- oder Strahlentherapie) durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern, sodass er überhaupt erst operiert werden kann.

Die Chemotherapie ist eine der zentralen Säulen der Krebstherapie. Hierbei erhalten die Patienten Medikamente, die die Vermehrung der Krebszellen stoppen sollen. Diese Medikamente werden auch Zytostatika genannt.

Eine moderne Methode der Tumorbehandlung ist die zielgerichtete Therapie mit monoklonalen Antikörpern, die spezifisch das Wachstum des Tumors hemmen sollen und nicht unspezifisch wie die klassischen Zytostatika auf den gesamten Körper wirken. So konnte beispielsweise beim Glioblastom, der häufigsten bösartigen Hirntumorart bei Erwachsenen, durch eine Kombinationstherapie aus bestimmten Antikörpern und einem Chemotherapeutikum das Tumorwachstum gestoppt werden.

Ein weiteres wichtiges Behandlungsverfahren ist die Strahlentherapie (Radiotherapie). Im Gegensatz zur Chemotherapie wirkt sie nicht systemisch, das heißt auf den ganzen Körper, sondern lokal. Die Krebszellen werden durch energiereiche Strahlung so geschädigt, dass der Tumor kleiner wird oder im Idealfall oder sogar ganz verschwindet.

Quellen:

Ärzte Zeitung online (2018) Glioblastom. Neuer Ansatz zur Glioblastom-Therapie. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/zns-tumoren_hirntumor/article/972672/glioblastom-neuer-ansatz-glioblastom-therapie.html

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2015) Paraneoplastische neurologische Syndrome. S1-Leitlinie. AWMF-Register-Nr.: 030/064. https://www.neuroonkologie.de/files/guidelines/11-paraneoplastische-syndrome.pdf

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2014) Gliome. S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr.: 030/099. https://www.dgn.org/leitlinien/2977-ll-76-gliome

Hofer s et al. (2019) Gliome im Erwachsenenalter. onkopedia-Leitlinien. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/gliome-im-erwachsenenalter/@@guideline/html/index.html

Klekamp J. (2018) Spinale Tumoren. In: Berlit P. (eds) Klinische Neurologie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin

Neuen-Jacob E. (2017) Stereotaktische Hirnbiopsien. In: Berlit P. (eds) Klinische Neurologie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin

 

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2019

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