Risiko Aneurysma: „... und dann knallte es im Kopf“!

14.03.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
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Sie zählen zu den häufigsten Todesarten überhaupt: Viele Ärzte bezeichnen Aneurysmen als tickende Zeitbomben. Je früher diese gefährliche Aussackung erkannt wird, desto besser. Idealerweise geht man schon beim geringsten Verdacht zu einem Spezialisten. In der Schweiz hat sich ein Neurochirurg nicht nur ein enormes Renommee bei diesem Thema erworben – Prof. Dr. med. Ralf A. Kockro hat sogar einen Online-Rechner zur Risikobeurteilung zufällig nachgewiesener Aneurysmen entwickelt! Kein Wunder, dass seine Patienten begeistert sind. Beispielsweise C.C. Anders, der sogar einen Bericht über seinen Leidensweg verfasste.

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„... und dann knallte es im Kopf“

„Normalerweise bekomme ich etwa ein- bis zweimal pro Jahr einen Migräneanfall“, schreibt C.C. Anders – und erzählt seine spannende Geschichte ausführlich weiter. Er bekam, gerade fünfzig Jahre alt, „diesen heftigen Migräneanfall“. Zu jener Zeit war er „selbstständig tätig, hatte sehr hohen Stress und arbeitete leider viel zu oft vor dem Computer und sehr häufig von früh bis spät in die Nacht.“ 

Wie bei vielen Menschen, die unter Migräne leiden, kündigten sich auch bei C.C. Anders die jeweiligen Attacken immer frühzeitig an. „Man fühlt sich matt, müde oder hat eine Art Druck im Kopf“, so C.C. Anders. „Aber dieses Mal“, erzählt er weiter, „wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Es knallte im wahrsten Sinne des Wortes in meinem Kopf. Plötzlich überkamen mich Schmerzen, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte. Ich wusste nur – jetzt muss ich schnell handeln.“

„Schnell handeln“

Wie viele Patienten, die über plötzliche Schmerzen klagen, ging auch Anders zu seiner Hausärztin. „Ich wurde gleich zur MRT-Untersuchung in eine radiologische Praxis geschickt, vereinfacht gesagt: zum Kopfscan. Dort hie es noch vor der Untersuchung, es sei wahrscheinlich nur ein Migräneanfall, ich möge mir keine Sorgen machen. Aber als ich aus der Röhre herauskam, wurde mir gesagt: Ein Aneurysma wurde entdeckt, ungefähr fünf Millimeter groß an den vorderen Hirnarterien“. Frisches Blut um das Aneurysma herum habe man nicht sehen können, aber man solle das Aneurysma unbedingt in einer Fachklinik abklären.

„Plötzlich dämmerte es mir: Aneurysma? Da habe ich doch mal eine Dokumentation über Aneurysmen gesehen.“ Er erinnerte sich vage: „Dabei handelt es sich um eine lebensgefährliche Aussackung eines Blutgefäßes, die entweder im Kopf oder in der Bauchregion sitzt. Reißt diese ein, verblutet man quasi innerlich. Mir schlotterten die Knie: War die gefühlte kleine Explosion im Kopf vielleicht doch ein solcher schwerwiegender Gefäßriss?“

Und nun hatte C.C. Anders zum ersten Mal in dieser Geschichte Glück: Er lebte in Zürich – und da hatte er bereits von einem außergewöhnlichen Spezialisten gehört, der sich mit Aneurysmen so gut auskennt wie wohl kaum jemand sonst. Die Rede ist von Prof. Dr. med. Ralf A. Kockro, einem Neurochirurgen von Weltruf. Prof. Kockro ist vor allem bekannt für seine komplexen Operationen an Gehirn, Schädelbasis und Rückenmark und hatte bereits einen Bekannten von C.C. Anders sehr erfolgreich am Gehirn operiert. Er verfügt über eine enorme Erfahrung bei mikrochirurgischen und endoskopischen Techniken und er war federführend an der Entwicklung eines „3D Virtual Reality OP Simulators“ zur Planung von komplexen Eingriffen. Damit und mit seinem Online-Rechner zur Aneurysma-Risikoberechnung erregt er weltweit Aufmerksamkeit in der Fachpresse.

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Virtuelle Operationsplanung mit „3D Virtual Reality OP Simulators“

Prof. Kockro legt großen Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und bietet mit den Kollegen der Neuroradiologie die jeweils bestmögliche Therapie einer Gefäßerkrankung im Gehirn an. Das betrifft neben Aneurysmen auch Fisteln oder Arterio-Venöse Malformationen. Für C.C. Anders war jetzt wichtig: Hier ist ein Facharzt, der über eine herausragende Expertise verfügt – und der für ihn mit einem Team von Spezialisten die beste Strategie zum Verschluss des Aneurysmas ausarbeitet.

Unter strenger Beobachtung

Also rief C.C. Anders im Zentrum für Mikroneurochirurgie in der Klinik Hirslanden Zürich an – und sprach mit Prof. Dr. med. Ralf A. Kockro. Von da an ging alles schnell: „Prof. Kockro riet mir, ich möge sofort in die Hirslanden-Klinik kommen, er werde alles vorbereiten. Eine halbe Stunde später konnten die Untersuchungen bereits beginnen: Um festzustellen, ob es zu einer Blutung im Gehirn gekommen ist, müsse man Flüssigkeit am Rückenmark entnehmen. Es wurde also unter lokaler Betäubung eine Lumbalpunktion durchgeführt“. Denn obwohl im MRI – und auch in dem in der Klinik Hirslanden zusätzlich durchgeführten CT – kein Blut außerhalb des Aneurysmas nachweisbar war, kann die Untersuchung des Hirnwassers eine Blutung aus dem Aneurysma mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit entweder bestätigen oder ausschließen.

„Die Wartezeit nach der Punktion – unter strenger Beobachtung – dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Aber dann war klar: Auch im Hirnwasser (der Fachausdruck ist Liquor) ließ sich kein Blut nachweisen.“


Was versteht man unter einem Aneurysma?

Der Begriff Aneurysma leitet sich aus dem altgriechischen Wort „aneúrysma“ ab, was „Erweiterung“ bedeutet. Grundsätzlich können alle Blutgefäße von einer solchen Erweiterung betroffen sein, aber mehrheitlich findet man eine derartige Gefäßerweiterung, häufig auf die doppelte Größe, entlang der Arterien. Arterien sind diejenigen Blutgefäße, die das mit Sauerstoff angereicherte Blut vom Herzen weg zu den Organen, Muskeln und zum Gewebe transportieren. Aus diesem Grund bezeichnet man ein Aneurysma auch als Arterienerweiterung oder arterielle Aussackung.


„Ein kleiner Knubbel, ein großes Risiko“

„Zwar schien es nun so zu sein, dass noch nichts eingerissen war, aber das Aneurysma war ja noch da – und ich hatte kein gutes Gefühl dabei. Aber immerhin: Wir waren nicht mehr unter akutem Zeitdruck“, so C.C. Anders. Bei einem – noch – nicht geplatzten Aneurysma entscheidet dessen Größe, Lage und vor allem auch dessen Form, ob es verschlossen werden sollte oder ob man unter MRI-Beobachtung erst einmal abwarten kann. Bei C.C. Anders war das Aneurysma unregelmäßig geformt. In der 3D-Simulation konnte man eine kleine zusätzliche Aussackung an der Wand identifizieren – beides Hinweise auf eine mögliche Instabilität. Hinzu kam die Lage an der „vorderen kommunizierenden Arterie“.

Das bedeutet ein hohes Risiko: In diesem Bereich platzen Aneurysmen häufiger als an anderen Stellen. „Also war die Empfehlung klar: Das Aneurysma sollte verschlossen werden. Mir war das sehr recht, denn meine Gedanken kreisten Tag und Nacht um diesen kleinen Knubbel in meinem Gehirn. Immerhin überlebt die Hälfte der Menschen ein Platzen eines Aneurysmas nicht! Aber nun stand noch eine weitere Entscheidung an, nämlich ob das Aneurysma von innen mit feinen Drähten ausgefüllt werden sollte oder ob es besser wäre, es mit einem kleinen Clip mikrochirurgisch zu verschließen.“

Bei jedem Aneurysma stehen prinzipiell zwei Möglichkeiten des Verschlusses zur Verfügung: Beim sogenannten Coiling wird ein feiner Draht unter Röntgenkontrolle von innen in den Sack des Aneurysmas geschoben und bildet einen Knäul. Dazu wird eine Leistenarterie punktiert und ein Katheter bis zum Aneurysma geschoben. Dies funktioniert aber nicht bei allen Aneurysmen: Bei C.C. Anders war der Hals des Aneurysmas breit und so ungünstig geformt, dass ein Coiling nicht möglich war. Daher kam nur die zweite Variante in Frage: das Aneurysma durch eine Operation mit einem kleinen Clip zu verschließen.

Dem Patienten zeigte sich nun eine weitere Stärke des Neurochirurgen: „Prof. Kockro nahm sich viel Zeit, um mir den Sachverhalt bis ins kleinste Detail zu erklären. Er diskutierte meinen Fall mit den Radiologen und er bezog mich auch direkt in diese Fachgespräche ein. Als klar war, dass man operieren sollte, wusste ich nach einigen Gesprächen ziemlich genau über das Aneurysma und die Operationstechnik Bescheid. Sehr beruhigend fand ich dabei die Zuversicht und das Vertrauen, das Prof. Kockro ausstrahlt – und die Kunst, komplexe Dinge einfach zu erläutern.“

Ein Simulator in Stereo-3D: Virtual Reality zur filigranen Operationsvorbereitung

Dass die Neurochirurgie heute so weit fortgeschritten ist, liegt nicht zuletzt an engagierten Fachärzten wie Prof. Dr. med. Ralf A. Kockro. Seit über zwanzig Jahren beschäftigt er sich federführend mit der Entwicklung eines 3D-Simulators zur patientenspezifischen Planung komplexer neurochirurgischer Operationen – insbesondere vaskulärer Natur. Das mit einem Team von über zwanzig Software-Ingenieuren entwickelte „Dextroscope“ ist in der Schweiz einzigartig und wird von Prof. Kockro zur Simulation aller Aneurysma-Operationen eingesetzt.

„Das Aneurysma lag in meinem Fall an der vorderen Arterie,“ so C.C. Anders, „die das Gehirn mit Blut versorgt und sich also mitten im Kopf befindet – unterhalb des Gehirns.“ Um zum Aneurysma zu gelangen, gab es nun mehrere Möglichkeiten. So konnte man beispielsweise von rechts oder von links kommen oder etwas weiter von seitlich oder eher von vorne. Um das Aneurysma und die Wege dorthin genau zu verstehen, werden hochauflösende 3D-Aufnahmen gemacht, die Operation wird zudem durch hochmoderne Virtual-Reality-Technologie simuliert. „Dabei schwebt das Aneurysma vor einem Bildschirm, ist so groß wie eine Birne und kann von allen Seiten mit 3D-Brillen betrachtet werden. Ich dachte, das gibt es nur im Science-Fiction-Film!“ 

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Vor der Operation: hochprofessionelle 3D-Planung

Mikrochirurgische Technologie: durch die Augenbraue

In diesem Fall entschied sich Prof. Kockro für die Augenbraue als Eintrittspunkt: „Prof. Kockro erklärte mir am Simulator jeden einzelnen Schritt, den er in meinem Fall vornehmen würde. Ich war froh, dass es in meinem Fall möglich war, den kleinen Schnitt in der Augenbraue zu wählen“. Auch was die Ausstattung im Operationssaal angeht, kann Prof. Kockro in seiner Klinik aus dem Vollen schöpfen. So operiert er alle Aneurysmen mit der intra-operativen Angiographie, die in der heutigen Gefäßchirurgie als innovative Methode gilt. Auch bei C.C. Anders sollte diese Bild-Technik zur Kontrolle des Clippings im OP eingesetzt werden.

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3D-Show: Filigrane Operationsvorbereitung mit interdisziplinärem Spezialisten-Team

Beim Eingriff selbst kommen feinste mikrochirurgische Instrumente zur Anwendung. Endoskope mit abgewinkelten Optiken erlauben den Blick „um die Ecke“, damit jeder Bereich des Operationsgebietes überblickt werden kann. So gelangt man präzise und schonend auf direktem Weg über die Hirnwasserräume zum Aneurysma. C.C. Anders hat genau aufgepasst: „Dafür musste eine rund zweieinhalb Zentimeter große Öffnung der Schädeldecke direkt hinter der Augenbraue hergestellt werden.“

Der Verschluss des Aneurysmas war genauso durchführbar, wie er vor der Operation am 3D-Simulator geplant worden war. Das Aneurysma wurde vollständig verschlossen, Schwierigkeiten traten keine auf.

Patient C.C. Anders ist zufrieden: „Unmittelbar nach der Operation konnte ich sofort alles wahrnehmen, mich an alles erinnern, sprechen und vollständig auf meine Umwelt reagieren. Vier Tage nach dem Eingriff habe ich die Klinik schon wieder verlassen können. Es folgten zwei Wochen Schonung, danach durfte ich mich schon wieder in das normale Leben integrieren. Nach etwa vier Wochen war ich wieder voll da“.

Ein Jahr danach: ohne Einschränkungen aktiv

Auch auf die fürsorgliche Nachbetreuung legt Prof. Kockro großen Wert. Dass Patienten von der Diagnose über die Operation bis hin zur Nachsorge unterschiedliche Phasen durchmachen, ist dem empathischen Chirurgen immer bewusst. „Meine Angst direkt nach der Diagnose bis zur OP nahm mir Prof. Kockro mit seinem Team durch die äußerst professionelle Vorbereitung – und auch danach“, so der Patient. Ein Jahr später nahm er längst wieder „aktiv und ohne Einschränkungen am Leben teil“. Die Narbe in der Augenbraue ist vollkommen unsichtbar. Doch eines hat sich verändert: „Ich bin für alles dankbarer als je zuvor!“

C.C. Anders hat viel Zeit zum Nachdenken gehabt und einige Entschlüsse gefasst, mit denen er Schritt für Schritt sein Leben veränderte. Wichtigste Änderung: „Ich habe meine selbstständige Tätigkeit gegen einen Job in Anstellung getauscht.“ Das Ergebnis: Er lässt sich „nicht mehr so schnell stressen“, wie er sagt und „ich habe mehr Zeit für Sport und gesunde und gute Ernährung“ – denn „jeder einzelne Augenblick dieses wunderbaren Lebens zählt“.

Symptome behoben – aber was war die Ursache?

Bei der Erforschung der Ursachen für ein Aneurysma hilft beispielsweise die Anamnese. Dabei kommen Faktoren zur Sprache, die Aneurysmen fördern können: Neben dem erwähnten Stress und der damit oft verbundenen ungesunden Lebensführung sind das hauptsächlich Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel. Für Prof. Kockro sind genau solche Dinge entscheidend: Alles, was zu Bluthochdruck führen kann, sollte man vermeiden: Empfehlenswert ist viel Bewegung, gesundes Essen – und natürlich unbedingt auf das Rauchen verzichten.

Und auch C.C. Anders hat noch ein paar Tipps: „Die Anzahl an Menschen mit einem bereits vorhandenen Aneurysma ist, wie ich gelernt habe, erstaunlich hoch: Circa vier Prozent aller Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Hirnarterienaneurysma oder können es bereits in sich tragen!“ Die meisten Aussackungen bleiben unentdeckt – bis sie platzen. Daher: „Eine Vorsorgeuntersuchung, also ein MRI, ist aus meiner Sicht unbedingt empfehlenswert. Und – das ist noch viel wichtiger: Wird ein Aneurysma festgestellt, kann man etwas dagegen unternehmen!“

Vor allem an die ersten Stunden muss C.C. Anders nach wie vor häufig denken: „Ich habe noch nie so viel Angst verspürt wie in der Zeit zwischen Entdeckung und tatsächlicher Operation des Aneurysmas. Und ich bin rückblickend immer noch erstaunt, wie ich so gut durch diesen ganzen Prozess einschließlich der Operation durchgekommen bin. Ich bin wirklich froh, dass Prof. Kockro für mich da war. Danke!“



 


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