Gesundheit

Inkontinenz, also das Unvermögen Stuhl oder Harn zurückzuhalten, ist nach wie vor mit sehr viel Scham behaftet. Dabei sind allein in Deutschland etwa neun Millionen Menschen davon betroffen. Die World Continence Week (Internationale Woche der Inkontinenz), die jedes Jahr im Juni stattfindet, will mit dem Tabuthema aufräumen.

Inkontinenz ist bei weitem kein gesellschaftliches Randthema und auch kein Phänomen, das erst im Alter auftaucht. Gerade von Harninkontinenz können Kinder genauso betroffen sein wie junge Mütter. Die Stuhlinkontinenz hingegen ist keine eigenständige Krankheit, sondern tritt als Symptom bei verschiedenen Erkrankungen auf (etwa bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn). Bei der Harninkontinenz gibt es viele verschiedene Formen und Ausprägungen, aber die beiden Hauptformen sind die sogenannte Stressinkontinenz und die Dranginkontinenz. Die Stressinkontinenz ist der Urinverlust bei körperlicher Belastung und entsteht dadurch, dass der Druck im Bauch den Druck in der Harnröhre überschreitet. Wahrscheinlich ist die Ursache ein Ausreißen des Aufhängeapparates der Harnröhre, wodurch der Harnröhre ihr Widerlager fehlt. Die Dranginkontinenz hingegen wird definiert durch häufiges Wasserlassen und ständigen Harndrang bis hin zur spontanen Entleerung. Ihre Ursachen können sowohl körperlich als auch seelisch sein. Ob eine Behandlung zwingend notwendig ist, entscheidet nicht der/die Ärzt*in, sondern die Betroffenen selbst. In ihrem Ermessen liegt es ob und in welcher Form sie sich behandeln lassen wollen.

Diagnose von Inkontinenz

Inkontinenz

Wenn man sich für eine Behandlung entscheidet, ist der/die eigene Haus- oder Frauenärzt*in hier oftmals auch schon eine kompetente erste Ansprechperson. Eine Reihe von Tests kann helfen den Schweregrad des Problems zu bestimmen. Durch den einfachen Streifentest kann beispielsweise ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden von einer Entzündung herrühren. Selbstverständlich muss auch eine gynäkologische Untersuchung mit Ultraschall durchgeführt werden. Dies dient vor allem zur Feststellung begleitender Senkungszustände. Häufig wird dabei die gynäkologische Ultraschalldiagnostik mit einem Beckenboden-Ultraschall kombiniert. Ebenfalls ein ganz einfacher Test ist der Hustentest, bei dem die Patientin am besten im Stehen aufgefordert wird, mit voller Blase zu husten.

Inkontinenz bei Müttern und Kindern

Laut Angaben der Deutschen Kontinenz Gesellschaft haben etwa 20 Prozent aller Mütter nach der Geburt ihres Kindes Probleme, ihren Urin zu halten. Gerade wenn die Geburt länger gedauert hat, oder das Kind sehr groß war, steigt das Risiko nach der Geburt an Inkontinenz zu leiden. Gezielte Übungen vor und nach der Geburt, die den Beckenboden stärken, können dabei helfen wieder „Chefin“ über die eigene Blase zu werden. In vielen Fällen führt auch schon eine geringe Gewichtsabnahme zu positiven Ergebnissen: Schon eine Gewichtsreduktion von 5% kann Inkontinenz bis zu 50% lindern. Bei Dranginkontinenz können auch Medikamente helfen, die eine Wirkung auf die eigene Wahrnehmung der Blase („Ich bin voll!“) haben und die Blase daran hindern, sich spontan zusammenzuziehen. Eine Operation ist die letzte Option, der genaue Eingriff hängt jedoch sehr von der Art der Inkontinenz und ihren spezifischen Ursachen ab.

Baby mit Windeln

Auch Kinder sind von Inkontinenz betroffen: Jedes 10. Kind leidet an Bettnässen, damit ist Einnässen nach Allergien die zweithäufigste Kinderkrankheit. Jungen sind hier doppelt so oft betroffen wie Mädchen. Die Chancen auf Heilung sind hier allerdings hoch, die Deutsche Kontinenz Gesellschaft empfiehlt etwa das Führen eines Pipi-Tagebuchs und das Erlernen von neuen Trinkgewohnheiten oder eine Wecktherapie.


Was ist eine Wecktherapie? 

Unter der Wecktherapie versteht man ein Training für Jung und Alt, nachts zu einer bestimmten Zeit geweckt zu werden, um zur Toilette gehen zu können. Es gibt dazu verschiedene Hilfsmittel, spezielle Wecker aber auch eine sogenannte „Klingelhose“, die den Gang zur Toilette erinnert. Weitere Informationen finden Sie hier. 


Mehr Informationen im Rahmen der World Continence Week und im Leading Medicine Guide

Vom 17. bis 23. Juni 2019 findet zum bereits elften Mal die World Continence Week statt mit einer Vielzahl von Veranstaltungen für Interessierte und Betroffene, die rund um das Thema Inkontinenz informieren und aufklären. Weltweit sind etwa 400 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Viele leiden aber still und unbemerkt. Denn oftmals ist der erste Schritt, nämlich eine/n Expert*in aufzusuchen, der schwierigste. Den meisten Betroffenen kann aber geholfen werden – die eigene Scham zu überwinden, lohnt sich also.

Blase

Der Leading Medicine Guide führt zudem zahlreiche Experten im gesamten deutschsprachigen Raum, die Inkontinenz in allen Lebensphasen kompetent behandeln können. Darunter beispielsweise PD Dr. med. Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Marienhospitals in Bottrop, Prof. Dr. med. Mark Schrader, Chefarzt des Fachbereichs Urologie im Helios Klinikum Berlin-Buch oder Prof. Dr. Ulrich Baumgartner, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Proktologie und Chirurgische Intensivmedizin in Emmendingen. Die Ärzteprofile weiterer ausgewählter Spezialisten finden Sie hier.

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