Gesundheit

Energie einsparen, bessere Nutzung des Tageslichts, mehr Lebensqualität – die Argumente für die Sommerzeitregelung sind sattsam bekannt. Doch was so positiv daherkommt, hat auch seine Schattenseiten. Vor allem, wenn es um den gesundheitlichen Aspekt der Zeitumstellung geht. Und das anvisierte Ziel, Energie zu sparen, wurde sowieso verfehlt. Was läge da näher, als die obsolete Maßnahme zu überdenken? Nun fühlt die EU-Kommission mit einer Umfrage vor, was ihre Bürger über eine eventuelle Abschaffung der umstrittenen Regelung denken. Denn bindend ist das Ergebnis der Befragung nicht.Noch bis zum 16. August können alle EU-Bürger, Organisationen und Interessenverbände online über die Beibehaltung oder Abschaffung der Zeitumstellung abstimmen. Das Interesse scheint groß – schon mehrfach brach der Server bei der Abstimmung wegen Überlastung zusammen. Wussten Sie, dass auch Sie teilnehmen dürfen? Jeder Bürger ist stimmberechtigt!

Warum es die Sommerzeit gibt

Die Zeitumstellung im Jahr 1980 geht auf die Ölkrise der 1970er Jahre zurück. Damals stand der Aspekt des Energiesparens im Vordergrund. Erst seit 1996 stellen alle Europäer einheitlich ihre Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Sonntag im Oktober eine Stunde zurück.Allerdings gab es schon zuvor Experimente mit der Sommerzeit. So wurde sie während des Ersten und Zweiten Weltkriegs zur Unterstützung der Rüstungsindustrie eingeführt. Die EU-weite Einführung der Sommerzeit hatte vorwiegend wirtschaftliche Gründe. Die Vereinheitlichung versprach ein reibungsloseres Funktionieren des Binnenmarkts.[caption id="attachment_6789" align="aligncenter" width="840"]Uhrumstellung © absolutimages / Fotolia[/caption]

Was macht die Zeitumstellung mit unserer Gesundheit?

Die Zeitumstellung wurde lange nur aus wirtschaftlichen und energiepolitischen Aspekten betrachtet. Die hohe gesundheitliche Belastung, die die Uhrenumstellung mit sich bringt, trat dabei in den Hintergrund.Wie sich herausgestellt hat, ist der negative Einfluss auf den Biorhythmus stärker als gedacht. Das scheint auch die Mehrheit der Betroffenen so zu empfinden – die Beliebtheit der Sommerzeit schwindet zusehends. Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK wünschen sich 74 % der Deutschen eine Abschaffung. Als Grund führen die meisten Probleme mit Schlaf, Gesundheit und Wohlbefinden an.Kein Wunder – gerät doch die innere Uhr durch die Zeitumstellung völlig aus dem Takt. Das ist für Organismus und Immunsystem eine hohe Belastung. Schließlich muss unser Körper eine Art Mini-Jetlag verarbeiten. Folgerichtig fühlen sich die meisten Menschen schlapp und müde und leiden unter Konzentrationsstörungen. Leistungsschwäche ist da vorprogrammiert – die Produktivität sinkt, Fehler und Unfälle häufen sich. Besonders Schichtarbeitern, Kindern und älteren Menschen macht das Gedrehe an der Uhr schwer zu schaffen.

Auch das Herz kommt aus dem Rhythmus

Die willkürliche Umstellung der Uhren stört nicht nur den gewohnten Lebensrhythmus – sie kann auch krank machen. Wissenschaftler gehen inzwischen von einem um 25 – 30 % erhöhten Risiko aus, an den Tagen nach der Umstellung einen Herzinfarkt zu erleiden. Dazu passt die Beobachtung der DAK, dass in den Ambulanzen in diesem Zeitfenster auffällig viele Patienten mit Herzbeschwerden vorstellig werden.Nur noch wenige Menschen sind davon begeistert, eine Stunde geschenkt oder entzogen zu bekommen. Die vermeintliche Trumpfkarte des Energiesparens bekommt keinen Stich – ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Konsequenzen. Da fragt sich, ob die Zeitumstellung noch Sinn macht. Man darf gespannt sein, was die Umfrage ergibt – und was die Politik daraus macht!Bildnachweis: Hauskatze schaut auf Uhr an der Wand © absolutimages #159498449 | fotolia.de