Gesundheit

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 797 Organspender. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die Zahl der Organspender damit den tiefsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert ein Umdenken. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema „muss für uns alle zur Selbstverständlichkeit werden. Das sind wir den mehr als 10.000 Menschen, die auf ein Organ warten, schuldig“, erklärte der Gesundheitsminister kurz vor dem Tag der Organspende, der am 2. Juni 2018 stattfindet.

Wann dürfen Organe entnommen werden?

Organe können nur von Menschen gespendet werden, bei denen der irreversible Ausfall der gesamten Hirnfunktionen, der sogenannte Hirntod, vorliegt. Der Hirntod muss nach den Richtlinien der Bundesärztekammer von zwei geschulten Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Einer der Ärzte muss Neurologe oder Neurochirurg sein. Bei einem Hirntod sind alle Funktionen des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms erloschen. Für eine Organspende ist wichtig, dass das Herz-Kreislaufsystem noch künstlich aufrechterhalten werden kann. Bei dem Großteil aller Sterbefälle tritt der Herzstillstand, der klinische Tod, jedoch vor dem Hirntod ein. Deshalb ist die Organentnahme überhaupt nur bei wenigen Verstorbenen möglich. Wer einen Hirntod erleidet, hat noch einen warmen Körper und kann künstlich beatmet werden. Das macht es vielen Menschen schwer, einen Hirntoten als tot zu betrachten. Bei einem Hirntoten hat die Eigenatmung ausgesetzt. Ohne maschinelle Beatmung würde es zum Herz-Kreislaufstillstand kommen. Wird ein Hirntod bei einem Menschen festgestellt, kann dieser nicht mehr wiederbelebt werden. Hirntote empfinden auch nichts mehr, da ihr Gehirn nicht mehr funktioniert, sie zeigen keine Reaktionen auf Schmerzreize. Falls einem Verstorbenen Organe entnommen werden dürfen, kann und darf dies nur in zugelassenen Transplantationszentren vorgenommen werden.Während für eine Organentnahme nur wenige Verstorbene infrage kommen, sieht das bei einer Gewebeentnahme anders aus. Bei zwei Dritteln aller Verstorbenen kann noch bis zu 72 Stunden nach dem Herzstillstand Gewebe entnommen werden. Gewebeentnahmen lassen sich über Jahre lagern. Bei einer Transplantation kommt es seltener zu medizinischen Komplikationen. Gewebe wird daher wesentlich häufiger transplantiert.Sowohl die Organe als auch das Gewebe dürfen jedoch nie ohne vorherige Zustimmung entnommen werden. Dafür sind ein Organspendeausweis oder eine andere schriftliche Erklärung notwendig. Den Organspendeausweis kann sich jeder gratis in der Apotheke, beim Arzt oder in den Kliniken besorgen oder ihn online erstellen. Auf dem Organspendeausweis lässt sich eintragen, ob einer Organspende zugestimmt oder sie abgelehnt wird. Auch ob bestimmte Organe von einer Spende ausgeschlossen werden sollen, lässt sich vermerken.Kommt ein Verstorbener für eine Organspende infrage und es liegt kein Spenderausweis vor, werden die Angehörigen gefragt, was der Wille des Patienten war. Es ist daher sinnvoll, sich darüber rechtzeitig selber Gedanken zu machen.

Welche Organe und Gewebe kommen für eine Spende infrage?

Bei den Organen können die Niere, die Leber, das Herz, die Lunge, die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und der Dünndarm gespendet werden.Beim Gewebe lassen sich die Augenhornhaut, die Blutgefäße, die Haut, die Herzklappen, die Sehnen und Bänder, die Knochen, die Weichteilgewebe und die Eihaut der Fruchtblase transplantieren.Organtransplantationen werden meist bei Menschen vorgenommen, die unter lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. Das können Herz-, Lungen- oder Leberversagen sein. Auch wenn ein Organ seine Funktion verliert, kann eine Transplantation notwendig werden.

Muss ich jung sein, um Organe zu spenden?

Das Lebensalter spielt bei der Organspende keine Rolle. Wichtiger ist das biologische Alter des Spenders, also der allgemeine Gesundheitszustand und der Zustand der Organe. Auch Niere, Herz oder Leber eines gesunden 70jährigen Menschen können einem Patienten ein nahezu normales Leben schenken. Bei Kindern unter 14 Jahren entscheiden die Eltern über eine Organentnahme. Ab dem 14. Lebensjahr dürfen Kinder der Entscheidung ihrer Eltern widersprechen. Jugendliche ab 16 dürfen entscheiden, ob sie einer Organspende zustimmen oder sie ablehnen.Werden bei dem Spender bestimmte Infektionskrankheiten oder auch Krebserkrankungen festgestellt, kann eine Organspende ausgeschlossen werden. Generell wird vor der Organentnahme immer geprüft, ob die Organe funktionsfähig sind und sich für eine Spende eignen.Da es mehr Patienten als Spender gibt, ist die Warteliste für Organe lang. Obwohl die medizinischen und die technischen Möglichkeiten immer besser und versierter werden, ist eine Organtransplantation jedoch stets mit Risiken verbunden. Ein gespendetes Organ kann vom Körper als fremd empfunden und wieder abgestoßen werden. Je mehr sich die Gewerbemerkmale von Spender und Nehmer ähneln, desto wahrscheinlicher wird das gespendete Organ angenommen.

Die Lebendtransplantation

Neben der Organentnahme bei Hirntoten gibt es noch die Lebendorganspende. Dabei werden ein Organ oder ein einzelnes Organteil von einem lebenden Menschen auf den Patienten übertragen.Bei der Lebendtransplantation muss der Spender volljährig sein. Er muss der Spende zustimmen und vorher aufgeklärt werden. Eine Lebendorganspende darf vorgenommen werden, wenn kein Organ eines Verstorbenen zur Verfügung steht und die Transplantation für den Patienten die bestmögliche Behandlungsmethode darstellt. Die Niere wird bei Lebendorganspenden und bei postmortalen Transplantationen am häufigsten übertragen.

Organspende – Ja oder Nein?

Im Jahr 2012 wurde bekannt, dass in Deutschland Ärzte die Werte ihrer Patienten manipuliert hatten, um bessere Chancen auf ein Spenderorgan zu bekommen. Das Transplantationsgesetz wurde daraufhin im Jahr 2013 umfassend modifiziert, die Kontrollen wurden erhöht und der Strafbestand der Manipulation geschaffen. Seit dem Jahr 2016 existiert darüberhinaus ein bundesweites Transplantationsregister.Auch Menschen, die Organspenden prinzipiell befürworten, fühlen sich nach wie vor jedoch oft unsicher und haben Angst. Für viele ist das ein Grund, keinen Spenderausweis auszufüllen. Organspenden können Menschen aber das Leben retten oder die Lebensqualität verbessern.Der Tag der Organspende am 2. Juni 2018 steht unter dem Motto Richtig.Wichtig.Lebenswichtig! und bietet Gelegenheit sich ausgiebig über Organspenden zu informieren. In diesem Jahr findet der Tag in Saarbrücken statt.