Gesundheit

Jedes Jahr ist es das gleiche Spiel: Sobald die ersten Herbstblätter fallen und es früher dunkel wird, redet alle Welt von der sogenannten Winterdepression. Aber was ist da dran? Gibt es medizinisch gesehen überhaupt eine Winterdepression oder ist das eine Art Mythos?

Es gibt zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ahnen manche Menschen, dass sie eine „depressive Episode“, wie die vorübergehende depressive Verstimmung im Fachjargon genannt wird, durchleben – sie trauen sich aber nicht, sich das einzugestehen. Zu groß sind nach wie vor die Vorbehalte in der Gesellschaft gegenüber dieser Erkrankung – trotz aller Aufklärung, die in den letzten Jahren stattgefunden hat. Viel harmloser klingt es, wenn man sagt: „Ach ja, ich hab‘ halt den Blues in der dunklen Jahreszeit“.

Winterdepression – eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Auf der anderen Seite kann das Thematisieren der Winterdepression in den Medien dazu führen, dass der Einzelne gerne daran glauben will und sich eine Winterdepression herbeiredet. Ganz nach dem Motto: Wenn alle davon reden, muss es sie geben. Dann ist es nicht der Beziehungsstreit, der Schlafmangel oder der Rüffel vom Chef – dann liegt es an der Winterdepression, die dafür verantwortlich ist, dass wir uns so niedergedrückt fühlen. Obwohl wir im Sommer ja dieselben Probleme haben. So gesehen bietet die Ankündigung der Winterdepressionszeit einen willkommenen Grund, „schlecht drauf“ zu sein. Sie wird zum Selbstläufer.

 

Was sagt die Wissenschaft?

Tatsächlich werfen neuere wissenschaftliche Studien Zweifel an der Existenz der Winterdepression auf. Der amerikanische Wissenschaftler Steven Lo Bello stellt fest: „Depressionen kommen und gehen. Wenn sie im Herbst oder Winter auftreten, heißt das nicht, dass der saisonale Wechsel die Depression verursacht hat.“ Mit anderen Worten: Wenn jemand im Winter depressiv ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er depressiv ist, weil Winter ist. Anscheinend gibt es gar keinen Zusammenhang zwischen Depressionssymptomen und der Jahreszeit. Es scheint eher so zu sein, dass der Glaube an einen Zusammenhang in unserer Kultur fest verwurzelt ist.

 

Winterdepression – ein ganz natürliches Phänomen

Dennoch reagieren manche Menschen auf die Herbst- und Wintermonate so stark, dass die Diagnose „saisonal abhängige Depression“ (SAD), die offizielle Bezeichnung für die Winterdepression, zutrifft. Dr. Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin am Berliner St. Hedwig-Krankenhaus, sagt dazu: "Die saisonal abhängige Depression ist eigentlich nichts anderes als ein 'Überbleibsel' des Winterschlafs beim Menschen – der Körper geht in einen Energiesparmodus. Bloß brauchen Menschen dies heute nicht mehr". Das bedeutet, dass man im Winter evolutionär bedingt einen Gang zurückschaltet, weniger aktiv ist – eine Gemütslage, die jedoch nicht mit einer echten Depression zu verwechseln ist. Man muss sich also keineswegs gleich als seelisch krank empfinden, wenn man im Winter „den Blues“ bekommt. 

Licht hellt auch die Stimmung auf

Dass der Winterblues so viele Menschen befällt, ist ebenfalls auf unser biologisches Erbe zurückzuführen: Der Lichtmangel hat Einfluss auf den Hormonhaushalt. Wenn es draußen dunkel wird, schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus. Das macht müde und dämpft den Antrieb. Im Gegensatz dazu führt Sonnenlicht zur Vitamin-D-Bildung im Körper, was eine erhöhte Serotoninproduktion, eine Stimmungsaufhellung, zur Folge hat. Deshalb kann man einerseits mit sehr hellem Kunstlicht, andererseits durch eine Vitamin-D-Gabe dem „Winterblues“ entgegenwirken.

Kein Geheimtipp mehr: Vitamin D

Vitamin-D-Mangel ist ein weit verbreitetes Phänomen – genauso weit verbreitet wie die typische Winterdepression, die man eher als vorübergehende Verstimmung betrachten sollte. Eine gute Empfehlung wäre es, den eigenen Vitamin-D-Speicher vom Arzt seines Vertrauens einmal überprüfen zu lassen! Wenn es wieder früher dunkel wird und die „Winterdepression“ von den Medien angekündigt wird, ist dazu eine gute Gelegenheit. Vitamin D kann dann helfen, der tristen Stimmung vorzubeugen und den Mythos von der Winterdepression zu entzaubern. 


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