Gesundheit

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist vor einigen Tagen in Oxford (GB) im Alter von 76 gestorben. Er ist vor allem für seine tiefgründige Erforschung von Schwarzen Löchern, für die Weiterführung der Relativitätstheorie und die beängstigenden Annahmen über Außerirdische bekannt. Intellektuell ist er wahrscheinlich einzuordnen in die Reihe neben Albert Einstein, Isaac Newton, Wilhelm Röntgen und Galileo Galilei. Er gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftlern unserer Zeit! Aber er ist eben auch für seine nicht heilbare degenerative Erkrankung namens Amyotrophe Lateralsklerose (kurz: ALS) bekannt, die ihn lebenslang an seinen Rollstuhl fesselte. Am Ende konnte er nicht einmal mehr selbstständig sprechen. Nur noch mithilfe eines Sprachcomputers verständigte er sich mit dem Rest der Welt. Am Anfang, nachdem auch seine Fingermuskulatur für die Tastatur zu schwach wurde, nutzte er seine Augenbrauen, um die richtigen Buchstaben auf dem Monitor auszuwählen, später ermöglichte ihm eine verbesserte Infrarot-Technologie über die Anspannung seiner Wangenmuskulatur und seine Augenbewegungen mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren.  Doch woran litt Stephen Hawking genau?ALS ist eine nicht heilbare Nervenerkrankung. Dabei handelt es sich um eine Schädigung von Nervenzellen, welche für sämtliche Muskelbewegungen verantwortlich sind. Die ersten Symptome zeigten sich bei Hawking bereits während seines Physikstudiums in Harvard mit 21 Jahren. Er bemerkte, dass etwas mit seiner Motorik nicht stimmte. Dennoch ließ er sich davon nicht irritieren. Erst der schwere Sturz auf einer Treppe deutete ganz darauf hin, dass er an einer ernstzunehmenden Krankheit leidet. Die medizinischen Untersuchungen bestätigten dies: Hawking litt an einer fortschreitenden, irreversiblen Degeneration von Nervenzellen, die kognitiven Fähigkeiten bleiben davon allerdings unberührt. Man gab Hawking zu diesem Zeitpunkt nur noch drei Jahre zu leben – zu Unrecht, wie sich herausstellte. Keine Zeit zum Sterben - Hawking hatte große PläneDie Diagnose beeindruckte den jungen enthusiastischen Forscher nämlich kaum: Er stand kurz vor dem Universitätsabschluss, hatte interessante wissenschaftliche (astronomische) Beobachtungen aufgestellt und war zudem auch noch frisch verliebt.Nach dem Uniabschluss folgte die Hochzeit, er bekam Stipendien, wurde Vater, sammelte Auslandserfahrungen, schrieb eine bemerkenswerte Doktorarbeit und wurde mit hohen Auszeichnungen gewürdigt. Dennoch ließ sich die Krankheit nicht aufhalten: Seine Koordinationsfähigkeiten wurden immer schlechter, er bekam spastische Muskellähmungen, litt zunehmend an Sprach- und Schluckstörungen und konnte den Alltag schließlich nicht mehr ohne Hilfe bewältigen. Was weiß man über ALS?Die Krankheit ALS ist erst seit etwa 100 Jahren bekannt. Sie betrifft etwa einen bis drei von 100.000 Menschen (Tendenz steigend). Am häufigsten sind Männer betroffen, die meisten erst ab dem Alter von 50 Jahren. Die Ursache ist noch immer unklar, man vermutet dahinter eine Mutation verschiedener Gene. Diese führe wahrscheinlich zu einem vorzeitigen Abbau von vermutlich falsch angereihten Proteinen. In der Fachzeitschrift Front Cell Neurosci (10/2015) heißt es zum Beispiel, dass der Zwischenraum von Gehirn und Rückenmark bei ALS-Betroffenen, das sogenannte glymhatische System, sei nicht genügend „ausgeschwemmt“ , was vielleicht die Ursache für eine Mutation sein könnte.Außerdem wurde in einer Studie von der italienischen Pavia Universität sogar die Beobachtung gemacht, dass besonders Profisportler, zum Beispiel Baseball- oder Fußballspieler, die eine oder mehrere Kopfverletzungen davon trugen, später häufiger an ALS erkrankten Hawking lebte nach der Diagnose schließlich noch weitere 50 Jahre. Die Krankheit erinnerte ihn jeden Tag daran, dass dieser vielleicht sein Letzter ist. Somit vergeudete er keinen einzigen Tag mehr – was vielleicht auch sein großes Erfolgsgeheimnis ist. Erfahren Sie hier mehr zu diesem Thema:Von Jim Campbell/Aero-News Network - https://www.flickr.com/photos/39735679@N00/475109138/ / http://mediaarchive.ksc.nasa.gov/detail.cfm?mediaid=31873, Gemeinfrei, Link