Experteninterviews

Die Gallenblase – ein Hohlorgan, irgendwo zwischen Leber und Darmtrakt, gefüllt mit von der Leber produzierter Galle. Aber eigentlich wissen die meisten Menschen wenig über die Gallenblase. Sie fällt uns spätestens auf, wenn sie Probleme bereitet: Gallenentzündung (Cholezystitis) Gallensteine (Cholecystolithiasis) und selbst Poplypen sind an der Gallenblase möglich. Nicht selten wird sie “einfach entfernt”. Aber was ist ihre Funktion? Benötigen wir sie für etwas bestimmtes? Können wir ohne Gallenblase funktionieren?

GallenblaseDie Gallenblase speichert bis zu 1 Liter Galle, die vorwiegend aus Wasser, Gallensalzen, Cholesterin und Phospholipiden besteht. Dieser grüngelbe Dicksaft ist vor allem für die verdauung notwendig, um Nahrungsfette zur Verdauung effektiv zu spalten. Die großen Fettkügelchen werden von ihr in kleine zerlegt, so dass diese Kügelchen im Verdauungstrakt leichter gespalten und besser von den Darmzellen aufgenommen werden können. Die Galle reguliert außerdem den Cholesterinstoffwechsel und aktiviert die Bauchspeicheldrüse. Sie ist zum Beispiel für den Transport von Vitaminen und anderen Substanzen verantwortlich.

Dr. Sporn

Gleichzeitig gehören Eingriffe an der Gallenblase inzwischen zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Ca. 175.000 Frauen und Männer werden pro Jahr an der Gallenblase operiert. 

Warum ist das so und wie blickt ein Viszeralchirurg – der sich auf die Behandlung der Gallenblase spezialisiert hat – auf diese Thematik? Wir freuen uns, hierzu mit dem medizinischen Experten Assoc. Prof. Emanuel Sporn aus Wien zu sprechen. 

Die Gallenblasenchirurgie bildet einen wichtigen Kern Ihrer Tätigkeit als Viszeralchirurg. Wie kommt es zur Bildung von Gallensteinen, die ja dann für den Betroffenen sehr schmerzhaft werden können? 

Prof. Sporn: Zur Entstehung von Gallensteinen kommt es bei einem Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit. In Folge kommt es zur Kristallisation der Gallenflüssigkeit und zur Bildung von sogenanntem Gallensludge, einer sandartigen Ablagerung, welche dann zu Gallensteinen werden können. Oft ist die Entstehung von Gallensteinen familiär gehäuft zu beobachten und kaum zu beeinflussen. Es gibt jedoch auch gewissen Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen. Diese findet man häufiger bei Frauen im mittleren Alter, bei übergewichtigen Personen und bei Menschen mit Gewichtsschwankungen. 

Galle

Was ist so gefährlich an Gallensteinen? 

Prof. Sporn: Gallensteine können Koliken auslösen – darunter versteht man krampfartig auftretende Schmerzen im Bauchraum. Weiterhin können Gallensteine eine Cholezystitis, eine Entzündung der Gallenblasenwand, verursachen. Eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung, die von Gallensteinen ausgelöst werden kann, ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung. Bei Patienten, die derartige Symptome oder Probleme aufgrund ihrer Gallensteine haben, sollte eine operative Entfernung der Gallenblase und der darin enthaltenen Steine durchgeführt werden.

Schnell wird eine Galle entfernt. Welche Funktion hat die Galle, wenn man offenbar gut auf sie verzichten kann?

Prof. Sporn: Entfernt wird in der Regel nur die Gallenblase, die nur ein Reservoir für die Gallenflüssigkeit darstellt, welche von der Leber produziert wird. Nach erfolgter Entfernung der Gallenblase wird von der Leber natürlich weiterhin Gallenflüssigkeit, die ja bei der Fettverdauung benötigt wird, gebildet und über den Gallengang in den Zwölffingerdarm ausgeschieden. Daher geht den Patienten die Gallenblase nach einer operativen Gallenblasenentfernung nicht ab.

Das ist interessant zu wissen. Vielen Dank für das informative Gespräch über die Gallenblase, Herr Professor Dr. Sporn!

Hier finden Sie weitere Informationen zur Gallenblasen-Operation.


Der Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Emanuel Sporn ist Spezialist für Bauch- und Brustchirurgie in Wien, wo er zwei Privatordinationen betreibt. Seine Schwerpunkte sind die Hernienchirurgie, Brustkrebschirurgie, Magen- und Darmchirurgie (inkl. Magen- und Darmspiegelungen), onkologische Chirurgie und Gallenblasenchirurgie. Prof. Sporn absolvierte darüber hinaus Zusatzausbildungen, wie etwa für die Gefäßchirurgie. Diese helfen ihm einerseits, Erkrankungen besser zu beurteilen, und andererseits sind damit Großeingriffe bei Tumorpatienten sicherer zu bewältigen und kritische Situationen während eines Eingriffs zuverlässiger in den Griff zu bekommen.


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