Experteninterviews

An der Klinik Beau-Site, der Hirslanden Klinik Bern, trifft man auf hochspezialisierte medizinische Experten mit einzigartigen Kompetenzen. Darunter befindet sich der renommierte Neurochirurgen Professor Merlo. Der Fachexperte Merlo ist unter anderem  spezialisiert auf Hirntumoren, auf Spinalstenosen (Verengung des Wirbelkanals), Diskushernien (Bandscheibenvorfall) und Trigeminusneuralgie (hierunter versteht man einen äußerst schmerzvollen Reizzustand im Gesicht, der den fünften Hirnnerven, sprich den nervus trigeminus betrifft). Der Neurochirurg führt das gesamte Spektrum an neurochirurgischen Eingriffen durch. Wir freuen uns, mit Professor Merlo einen beachtenswerten Spezialisten auf diesem Gebiet im Premiumportal Leading Medicine Guide zu führen. Heute erzählt er uns, welche verschiedenen Formen von Hirntumoren es gibt, welche gut behandelt werden können welche neuartige Methoden es hierzu gibt.  Professor Merlo. Sie behandeln so ziemlich alle aber vor allem komplexe Erkrankungen im neuronalen Bereich, darunter auch Hirntumore. Welche Formen gibt es und was daran ist so schwierig?Man muss drei Typen unterscheiden:1. hirneigene bösartige Tumore vom Hirnstützgewebe (sog. Gliome)2. gutartige Tumore der Hirnhäute (sog. Meningeome)  und3. Metastasen, das heißt Ableger von Krebsgeschwülsten im Gehirn. 1. Hirneigene bösartige Tumore vom HirnstützgewebeBei der ersten Variante handelt es sich um Gliome und diese sind immer bösartig. Medizinisch gesprochen, werden diese eingeteilt in WHO Grade II-IV. Solch bösartigen Gliome führen immer zum Tod, weil die Tumorzellen diffus ins gesunde Hirngewebe hineininfiltrieren. Gliome haben also keine klaren Grenzen, auch wenn sie von einer einzigen Zelle an einem bestimmten Ort ihren Ursprung nehmen.Man unterscheidet außerdem den scheinbar gut abgegrenzten Tumorhauptknoten und die nicht abgrenzbare diffuse Infiltrationszone.  Den Knoten beispielsweise kann man operieren und so den erhöhten Hirndruck senken, was vorübergehend Linderung verschafft.Allerdings ist die Infiltrationszone mit herkömmlichen Methoden zurzeit nur vorübergehend behandelbar. Der Einsatz von Radio- und Chemotherapie etwa, verzögert das Weiterwachsen, was uns wertvolle Zeit schenkt. Beim Grad IV Tumor (auch „Gliomblastom“ genannt) beträgt das mittlere Überleben ca. 10 Monate, beim Grad II Tumor („Astrozytom „oder „Oligodendrogliom“ bezeichnet) sogar ca. 10 Jahre. Also, es kommt immer auch auf den Schweregrad an!Die Gliomtypen WHO II-IV sind dennoch alle nicht heilbar, eben aufgrund der diffusen Tumorzellinfiltration in das normale Gehirn. Neue Therapieansätze müssen sich also auf diese Infiltrationszone konzentrieren. 2. Gutartige Tumore der HirnhäuteKommen wir zur zweiten Form von Hirntumoren. Diese bezeichnet man Meningeome. Sie sind fast immer gutartig und heilbar mittels chirurgischer Entfernung. Das ist das besondere an der modernen Medizin – die wir erfolgreich einsetzen können: Bei ungünstiger Lage in der Schädelbasis ist oft eine Teilentfernung in Kombination mit einer Form der Strahlentherapie der schonendste Weg zur langfristigen Tumorkontrolle. Dabei kommen sogenannte stereotaktische Strahlentherapien (zum Beispiel „GammaKnife“, „Cyberknife“, „Mehrfeldbestrahlung mit LINAC“) in Frage – aber auch die metabolische Beta-Strahlentherapie bei größeren Prozessen (z.B. „Lutetium-177“ oder“Yttrium-90-DOTATOC“). Kommen wir aber zurück zum seltenen WHO Grad III Meningeom. Diese Tumoren sind bösartig.  Hier ist die Beta-Strahlentherapie nicht effizient genug, es müssen klinische Heilversuche mit Alphastrahlern geplant werden (z.B. Ac-225 DOTATOC). 3. Ableger von Krebsgeschwülsten im GehirnDer dritte und letzte Typus von Hirntumoren sind große Tochtergeschwülste im Gehirn, die zu Hirndruck und neurologischen Ausfällen führen. Diese lassen sich aber meist entfernen!Wenn etwa multiple Tumore vorliegen, kann auch eine Kombination von Chirurgie für große Metastasen und stereotaktischer Strahlentherapie für kleinere Ableger angewandt werden - vorausgesetzt der Grundzustand der Patienten ist noch gut! Die Prognose und damit auch die Behandlungsintensität richtet sich grundsätzlich nach dem Verlauf der onkologischen Grundkrankheit. 
Drei Typen von Hirntumoren
  1. hirneigene bösartige Tumoren vom Hirnstützgewebe = „Gliome"
  2. gutartige Tumoren der Hirnhäute = „Meningeome"
  3. Metastasen = das heißt "Ableger von Krebsgeschwülsten im Gehirn"

 Wie sind denn Ihre eigenen Erfahrungen in der Behandlung von Menigeomen und Metastasen aus? Bei der Behandlung von einfachen Meningeomen und Metastasen ergeben sich meistens keine neurochirurgischen Probleme. Wir wenden die mikrochirurgische Technik an unter Zuhilfenahme modernster Bildgebungsverfahren und Navigationstechniken. Mit der Behandlung von komplexen Meningeomen der Schädelbasis wie auch mit malignen Meningeomen WHO Grad III habe ich eingehende Erfahrungen gesammelt in Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin der Universität Basel.Inkomplett resezierbare Schädelbasis-Meningeome WHO Grad I (= gutartig) sind gut kontrollierbar mit Teilresektion und metabolischer Beta-Strahlen-Therapie. Ich überblicke einen klinischen Beobachtungsraum von mittlerweile 15-20 Jahren Rückfallfreiheit bei ausgewählten Fällen.Bei Grad III Meningeomen empfiehlt sich aufgrund unserer nicht wirklich guten Erfahrungen mit Y-90 DOTATOC (nur vorübergehende Tumorkontrolle) unbedingt ein Heilversuch mit einem Alphastrahler, z.B. Actinium-225 DOTATOC. Bei der Behandlung von malignen Astrozytomen WHO II-IV untersuchen wir in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Institut für Transurane, Karlsruhe und der Universtitätsklinik für Nuklearmedizin in Warschau (Fortsetzung der Basler Arbeiten) die Wirkung der Alpha-Strahlentherapie bei diesen unheilbaren Gliomen. Bei den Grad II Gliomen beobachten wir Langzeit-Rückfallfreiheit zwischen 4 und 17 Jahren (median 9 Jahre).Wir müssen sagen, die Alphatherapie erscheint hochwirksam und nachhaltig im Frühstadium der Grad II Gliome. Beim Glioblastom ist der Effekt auch eindrücklich, das mittlere Überleben kann im Rückfall fast 1 Jahr verlängert werden. Die Behandlung soll aber im Frühstadium nach Abschluss der Primärtherapie erfolgen gemäß laufender Studie. Dort dürfte sich eine wesentlich längerer Therapieeffekt einstellen (gemäß Indexfällen mind. 3 Jahre). Die Alphatherapie kann zurzeit nur punktuell angewandt werden wegen des Radionuklid-Engpasses. Dieser sollte aber innerhalb der nächsten 3-4 Jahre überwunden sein. 
Was ist ein Gliom?Gliom ist ein Sammelbegriff für eine bestimmte Sorte von Hirntumoren im Zentralnervensystem. Sie treten hauptsächlich im Gehirn auf, tauchen aber auch in Hirnnerven und im Rückenmark auf. Der Begriff Gliom (griech. glia „Leim“) ist auf den Forscher Rudolf Virchow 1863 zurückzuführen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat den Tumor in einer weltweit anerkannten „Gradierung der verschiedenen Tumorentitäten“ klassifiziert und somit eine wichtige Ressource für neuropathologische Diagnostik und Prognose zur Verfügung gestellt. WHO Grad I – gutartig, durch operative Eingriffe heilbarWHO Grad II – gutartig, jedoch infiltrativ wachsend, neigen zu rezitativen Rezidiven, mittleres Überleben 5-10 Jahre)WHO Grad III – bösartig, mit Reduktion der Überlebenszeit WHO Grad IV – bösartig, mit deutlicher Reduktion der Überlebenszeit (ca. 1 Jahr)
 Vielen Dank für das Interview Herr Professor Merlo! Wollen Sie mehr erfahren? Dann besuchen Sie das Arztprofil oder nehmen Sie direkt Kontakt zum Experten auf.