Experteninterviews

HERNIE - wer unseren Blog bereits eine Weile verfolgt, wird wissen, dass wir zahlreiche Hernienspezialisten im Leading Medicine Guide führen, ein erfolgreiches medizinisches Fachportal hernia.guide ins Leben gerufen haben und mit der Online-Qualitätssicherungsstudie HerniaMed, den jährlichen HerniaMed Studientreffen (Deutscher Hernien Kongress) und Swiss Hernia Days (Schweizer Hernien Kongress) kooperieren.Unter Hernien versteht man allerlei Eingeweidebrüche: Bauchwand- aber auch Nabel-, Leisten-, Schenkel-, Narben- oder auch Zwerchfellbrüche. Dabei entstehen sogenannte Lücken (etwa Risse) in der Bauchwandschicht, so das innere Organe durch die geschwächte Gewebeschicht hindurchdrücken können. Sichtbar werden Hernien manchmal durch Verwölbungen an der Hautoberfläche - man spricht dabei von sogenannten Brüchen.Eine Hernie kann völlig harmlos (und schmerzfrei) sein aber auch lebensgefährlich, vor allem, wenn Sie sich entzündet. Hernien gehören definitiv in Expertenhände. Jährlich werden bis zu 200.000 Hernienoperationen durchgeführt. Nicht nur alte oder übergewichtige Menschen trifft diese Erkrankung - wie man fälschlicherweise annimmt - sondern auch Sportler, Kinder und Säuglinge.Wir wollten mehr über HERNIEN erfahren und möchten Ihnen in diesem Zusammenhang den mehrfach ausgezeichneten Experten Dr. Kusch vom Akademischen Lehrkrankenhaus der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster vorstellen.

Herr Dr. Kusch, wie "passiert" eine Hernie? Wie macht sie sich bemerkbar und kann auch ein "durchtrainierter Körper" Hernien erleiden?

Kusch: Eine Hernie kann zunächst einmal jeden treffen. Dieser Bruch entsteht durch einen permanenten Druck, etwa in der Bauchwand oder Leistengegend. Beim Heben, Niesen, Husten, genauso wie beim Stuhlgang wird der Druck nochmals deutlich erhöht.

Der dauerhafte Anstieg kann dazu führen, dass eine Schwachstelle in der entsprechenden Region entsteht. Am Beispiel des Bauchwandbruches sackt das Bauchfell durch die entstandene Lücke (Bruchpforte) ab und es kommt zu einem Bruch - einer sichtbaren Ausstülpung der Hautoberfläche.

Auch Sportler können an einer Hernie erkranken, besonders häufig kommen Brüche in der Leistengegend vor. Hierbei kann das Leistengewebe dem enormen Druck eines Trainings nicht standhalten, wodurch schließlich Leistenbrüche begünstigt werden.

Wie kam es zur Spezialisierung auf den Bereich "Hernien"?

Kusch: Ich bin ein großer Anhänger der minimal-invasiven Chirurgie, die der konventionellen Hernienchirurgie deutlich überlegen ist. Nachdem ich diese Technik als einer der ersten Chirurgen in Ostwestfalen in der Behandlung von Leistenbrüchen eingesetzt hatte, verfünffachte sich anfangs die Zahl der bei uns operierten Leistenhernien.

Heute führen wir jährlich über 500 Leistenhernien-Eingriffe und zusätzlich weitere 100 Bauchwandhernien (Schenkelhernien, Nabelhernien, Narbenhernien, epigastrische und parastomale Hernien) durch.

Dieser enorme Anstieg der Operationen, sowie die Anzahl der äußerst zufriedenen Patienten führten dazu, dass sich die Hernienchirurgie als ein Schwerpunkt meiner Klinik etablierte.

Warum sind Männer (im Schnitt ca. 8 Mal) häufiger betroffen?   

Kusch: In Bezug auf Leistenbrüche sind Männer hierbei vorbelastet. Denn bei männlichen Ungeborenen wandern die Hoden - während des Entwicklungsprozesses im Mutterleib -  bis zur Geburt aus dem Bauchraum durch den Leistenkanal in den Genitalbereich. Verschließt sich der Kanal danach nicht vollständig, begünstigt die vorhandene Lücke einen Leistenbruch.

Wie ist es bei Säuglingen und Kleinkindern?

Kusch: Der Leistenbruch ist bei Säuglingen und Kleinkindern eine sehr häufige Erkrankung. Sie entsteht wie soeben beschrieben dadurch, dass sich das Bauchfell des Ungeborenen während der Schwangerschaft im Leistenkanal nicht richtig verschließt. Während der fetalen Entwicklung wird der Leistenkanal vom Bauchfell ausgekleidet, das sich bis zur Geburt zurückbildet und den Zugang ganz verschließt. Beim inkompletten Verschluss bildet sich ein Leistenbruch, der in vielen Fällen notfallmäßig operiert werden muss.

Sie haben außerdem eine Zusatzqualifikation in der Phlebologie. Wie hängt dieses medizinische Fachgebiet mit der Behandlung von Hernien zusammen? Wie hilft Ihnen diese Spezialisierung in der Hernienchirurgie weiter?

Kusch: Die Fachkunde Phlebologie hilft in der Behandlung von Leistenbrüchen nur bedingt. Bei der Diagnostik von Venenerkrankungen werden allerdings auch Leistenbrüche als Zufallsbefund festgestellt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Dr. Kusch!


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