Experteninterviews

Schlägt man den Begriff Vasektomie in unserem Leading Medicine Guide Ratgeber nach, findet man folgende Erklärung: "Grundsätzlich versteht man [...] (darunter) einen operativen Eingriff, bei welchem Gefäße oder Gefäßteile aus dem menschlichen Körper entfernt werden."

Im Alltag verwenden wir den Begriff hauptsächlich als synonym für die Sterilisation beim Mann. Weiter heißt es im Guide: "Die Vasektomie [...] gilt als eines der wirkungsvollsten Verhütungsmittel da sie zu einer permanenten Unfruchtbarkeit des Mannes führt, auch wenn der Mann weiterhin in der Lage ist, Ejakulat – jedoch keine Spermien - zu produzieren."

 Wow, das klingt nach einer wirklich vielversprechenden und bequemen Verhütungsmethode: Keine Hormone, keine Gummis, keine Implantate, Ringe oder Spiralen. Aber diese Methode hängt zusammen mit einer unwiderruflichen und damit ziemlich wichtigen Entscheidung. Daher unsere Frage: Traut MANN sich? Was ist zu beachten? Was genau passiert bei einer Vasektomie und ist das wirklich endgültig?Wir sind froh, dass wir unseren Leading Medicine Guide Experten fragen können! Prof. Dr. med. Mark Schrader ist Chefarzt im Fachbereich Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch. Wir sprachen mit ihm über Vasektomie, die Sterilisation für Männer, und was sie für Paare bedeutet.

Herr Prof. Schrader, Vasektomie, also die Sterilisation des Mannes zum Zweck der Empfängnisverhütung, ist mit einem chirurgischen Eingriff in den Körper verbunden. Das ist keine leichte Entscheidung. Für wen empfiehlt sich diese Verhütungsmethode?

Prof. Schrader: Die Vasektomie eignet sich nur für Männer, deren Kinderwunsch definitiv abgeschlossen ist, also in der Regel Männer ab 40. Der Eingriff ist dauerhaft und nur mit einem erneuten aufwendigen chirurgischen Eingriff innerhalb weniger Jahre rückgängig zu machen, denn der Körper des sterilisierten Mannes stellt nach einer gewissen Zeit die Spermienproduktion ein.

Was genau geschieht eigentlich bei einer Vasektomie?

Prof. Schrader: Der Arzt sucht die Samenleiter auf und schneidet die Haut darüber ein klein wenig ein. Durch die Öffnung zieht er die Samenleiter etwas heraus und durchtrennt sie. Das geht sehr schnell und hat in der Regel auch keine Nebenwirkungen oder Folgeprobleme. Der Patient kann die Behandlung ambulant in der Klinik oder in einer urologischen Praxis durchführen lassen und nach kürzester Zeit wieder nach Hause gehen.

Was sind die größten Sorgen oder Fragen der Männer, die eine Vasektomie in Erwägung ziehen?

Prof. Schrader: Eine häufige Frage von Seiten des Patienten ist, was eigentlich mit dem Samen geschieht, der ja weiterhin produziert wird. Die Antwort ist ganz einfach: Er verbleibt im Körper, stirbt ab und wird vom Körper so wie andere Körperzellen auch abgebaut, was wegen der geringen Menge ebenfalls kein Problem ist.Und was wenige wissen: Das Samendepot im Körper ist auch nach dem Eingriff noch eine zeitlang gefüllt. Der Empfängnisschutz tritt erst nach etwa drei Monaten ein.

Welche Vor- und Nachteile hat die Vasektomie gegenüber anderen Verhütungsmethoden?

Prof. Schrader: Die Vasektomie ist eine sehr sichere Methode zur Empfängnisverhütung. Wer sich dafür entscheidet, braucht sich keine Gedanken mehr über Verhütung zu machen. Aber dieser Vorteil kann auch zum Nachteil werden, wenn der Mann den Eingriff später bereut. Junge Männer können manchmal noch nicht überschauen, was das für den Rest ihres Lebens bedeutet.
"Wir hatten zum Beispiel den Fall eines 22-jährigen mit einer weit älteren Freundin, die bereits vier Kinder in die Beziehung mitbrachte und keine Kontrazeptiva, also Arzneimittel zur hormonalen Empfängnisverhütung, vertrug. Wir haben in diesem Fall von dem Eingriff abgeraten und hätten auch abgelehnt, ihn durchzuführen. Da empfinde ich als erfahrener Arzt eine besondere Verantwortung gegenüber einem jungen Mann."

Was raten Sie Unentschlossenen?

Prof. Schrader: Auf keinen Fall durchführen lassen! 

Dieses kurze und klare Fazit des Facharztes Prof. Schrader stimmt nachdenklich und nimmt die Männer in Schutz, die die Entscheidung für eine Vasektomie hinauszögern, auch wenn ihre Partnerinnen sie möglicherweise drängen. Anders als die zugegeben etwas provozierende Titelfrage es vermuten lässt, handelt es nicht nämlich keineswegs nur um Feiglinge, sondern um Männer, die ihre Wünsche vielleicht einfach gewissenhaft prüfen.


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