Experteninterviews

Das griechische Wort οὖρον bedeutet übersetzt "Harn", von dem auch die medizinische Fachrichtung Urologie abgeleitet wurde. Sie ist vergleichsweise eine recht junge Disziplin, hat aber ihre Wurzeln in der Antike. 1.000 v.Chr. verwendeten die Alten Ägypter beispielsweise bereits den so genannten "Blasenkatheter", und auch eine Blasenstein-OP war zu jener Zeit schon üblich. Aber erst die Griechen der klassischen Antike beschäftigten sich eingehender mit dem Harnwegesystem. Die erste Abbildung einer Prostata verdanken wir dem Arzt und "Vater der Anatomie", Herophilos von Chalkedon (um 300 v. Chr.). Ihm werden auch die ersten wissenschaftlich fundierten Obduktionen zugeschrieben.In der Zwischenzeit hat sich die Urologie selbstverständlich gewandelt und enorm weiterentwickelt. Endoskopie, Laparoskopie, Krytpo-, Strahlen- und Chemotherapie und der Einsatz von Robotertechnologie (z.B. der 3D-HD-Kameraarm des Da-Vinci). Heute beschäftigt sich die Urologie vor allem mit beidgeschlechtlichen harnbildenden und -ableitenden Organen wie Harnblase, Harnröhre, Harnleiter, der Niere und natürlich mit den Erkrankungen von Geschlechtsorganen. Urologen arbeiten auch eng mit benachbarten Disziplinen wie der Gynäkologie (Frauenheilkunde) und Nephrologie ("Nierenlehre"), aber auch mit der Neurologie, Onkologie (Medizin zur Tumor- und Krebserkrankung) und Chirurgie zusammen. 
Vitruvian-Icon-GrayDas Da-Vinci ist ein neuartiges Operationssystem, welches verstärkt in der Chirurgie hinzugezogen wird. Einige unserer Leading Medicine Guide Experten arbeiten bereits erfolgreich damit. Mithilfe des Da-Vinci lassen sich dreidimensionale Bilder in HD-Qualität darstellen. Seine miniaturisierten, dem Handgelenk nachempfundenen chirurgischen Instrumente erlauben präzise minimal-invasive Eingriffe, die mit der menschlichen Hand nicht mehr möglich wären. Somit können komplexe Eingriffe durchgeführt und offene Operationen verhindert werden.Der Name geht auf den italienischen Maler, Bildhauer und Universalgelehrten Leonardo da Vinci (1452-1519) zurück. Der Künstler zählt zu den bedeutendsten Entdeckern der Anatomie. Er beschäftigte sich intensiv mit den menschlichen Körperteilen und trug mit seinen umfangreichen anatomischen Studien einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Verständnis des Urogenitalbereichs bei.
 Professor Becht ist Mediziner und Chefarzt am Krankenhaus Nordwest Frankfurt am Main und verfügt über mehr als 30 Jahre Praxiserfahrung. Der Facharzt mit eigener Urologischer Privatpraxis ist spezialisiert auf Urologie und Kinderurologie und untersucht beispielsweise Fruchtbarkeits- oder Erektionsstörungen, Prostatabeschwerden, Inkontinenz, Fehl- und Missbildungen von Organen oder Nierensteinbeschwerden. Wir wollten es genauer wissen und haben nachgefragt. Welche Erkrankungen kommen am häufigsten vor und wie erklärt sich dieser Trend?Prof. Becht: (lacht) Häufige Erkrankungen sind häufig und seltene Erkrankungen sind selten. Es ist in der Tat so, dass z. B. Nierensteinleiden den Charakter einer Volkserkrankung haben mit der gleichen Inzidenz wie z. B. Diabetes mellitus. Außerdem kann man eine zunehmende Erkrankung der Prostata feststellen, die vermutlich mit der mit immer höheren Lebenserwartung der Menschen zusammenhängt. Dasselbe gilt für Inkontinenzprobleme bei der Frau. Zu beobachten ist auch ein Anstieg im Bereich Hodentumore und Blasentumore („Umweltkarzinom“).Bei Kindern (Jungen) ist zu beobachten, dass der häufige Hodenhochstand viel zu spät behandelt wird. Es gilt eine Ein-Jahres-Grenze. Sind die kleinen Buben älter, wenn sie erstmals zur Behandlung kommen, besteht nach neuesten klinischen Forschungsergebnissen eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige urologische Beurteilung beim Kleinkind erforderlich! Wenn es um derartige Beschwerden geht, sucht man oft eine Zweitmeinung, bevor man sich schließlich einer - vielleicht lebenseinschneidenden - Operation unterzieht. Seit wie vielen Jahren beraten Sie Betroffene bei ihren schweren Entscheidungen?Prof. Becht: Die Beratung von Patienten ist immer eine ärztliche Tätigkeit. Eine Zweitmeinung kann häufig zusätzliche Aspekte von Behandlungsmöglichkeiten bieten. Wichtig ist die Zweitmeinung vor allem im Zeitalter des Internets und des „Dr. Google“, da - anders als Patienten glauben - im Internet keine objektive Darstellung, die sich anhand von Leitlinien orientiert, möglich ist. Jede Krankheit ist individuell und sollte auch dementsprechend medizinisch individuell behandelt werden. Kommen auch Patienten aus dem Ausland zu Ihnen? Welche Behandlungen werden vor allem angefragt?Prof. Becht: Die Anfragen aus dem Ausland nehmen stetig zu. Meine ausländischen Patienten kommen vorwiegend aus arabischen, aber auch osteuropäischen Ländern. Ebenso behandele ich Patienten etwa aus England, den Niederlanden und den USA. Und was halten Sie von Telemedizin? Würden Sie telemedizinische Dienste selbst auch nutzen?Prof. Becht: Die Telemedizin ist in unserem Krankenhaus fest etabliert. Viele unserer Ärzte nutzen die Telemedizin bereits, um Patientenanfragen auch aus der Ferne beantworten zu können. Die meisten Anfragen kommen aus dem 12.000 km entfernten Brunei. So können wir auch die bruneiischen Mediziner via Internet-Liveübertragung anleiten. Darüber hinaus führen wir auch individuelle Sitzungen und Beratungen mit Patienten aus Osteuropa. Welche modernen Behandlungsmethoden wenden Sie aktuell in Ihrer Abteilung an?Prof. Becht: Das Krankenhaus Nordwest ist in allen Disziplinen nach den Entwicklungen der Zeit modern aufgestellt, mit erheblichen Investitionen in medizinischer Technik. Speziell in der Urologie finden Sie die neuesten Möglichkeiten der Behandlung des Prostatakarzinoms (Laparoskopie, HIFU, Kryotherapie, MR-fusionierte, zielgenaue Diagnostik und Biopsie), Green light Laser und minimal invasive Behandlung mit Dampf (Rezum), sowie alle Möglichkeiten der Inkontinenztherapie. Da Sie auch am akademischen Lehrkrankenhaus der Johann-Goethe-Universität in Frankfurt lehren, würde uns interessieren, was Sie angehenden Medizinern (mit Schwerpunkt Urologie) raten. Welche Fähigkeiten sollten sie mitbringen, um ein guter Facharzt für Urologie zu sein?Prof. Becht: Wichtig ist für junge Kollegen die Begeisterung für das Fach und natürlich auch Engagement in der Ausbildung und der Erwerb möglichst umfassender Kenntnisse durch Kongressbesuche, Literaturstudium und auch Publikationen in medizinischen Zeitschriften. „Without knowledge there is no navigation across the ocean“ (was so etwas heißt wie "ohne Bildung ist man aufgeschmissen") beschreibt dies ganz gut.Entscheidend ist es dennoch neben einem guten Mediziner und Operateur auch ein guter Arzt werden zu wollen. 
Ich bedanke mir für das informative Gespräch, Herr Professor Becht.Vielleicht wollen Sie mehr über den Arzt erfahren? Dann besuchen Sie sein Arztprofil im Leading medicine Guide. Zum Thema Arzt als Beruf können Sie hier nachlesen. Kennen Sie außerdem unseren neuen urology-guide? Auch hier erfahren Sie Wissenswertes über die Anatomie, das Krankheitsbild, über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Schauen Sie gern vorbei.