Experteninterviews

Ganz in unserer Nähe findet man, im Diakonissenkrankenhaus Mannheim, einen Spezialisten für die Chirurgie am Bewegungsapparat: Dr. med. Hennig Röhl ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie mit Schwerpunkt auf komplexen rekonstruktiven Operationen nach akuten Unfallfolgen und von chronisch degenerativen Erkrankungen. Mit seinem Ärzteteam betreut er spezialisiert die Therapien am gesamten Bewegungsapparat in einem Klinikumfeld mit allen anderen Fachgebieten.

Sein Ziel ist ganz klar: Rasche Schmerzfreiheit für die Patienten und die Wiederherstellung von Wirbelsäule und Gelenken mit möglichst wenig belastenden Eingriffen! Wir konnten ihm hierzu ein paar wesentliche Fragen stellen: Herr Dr. Röhl...


Bei dem Ersatz von Gelenken setzen Sie zum Beispiel auf Computernavigation. Der Computer als Assistent bei der Operation – welche Vorteile ergeben sich dabei für den Patienten?

Dr. Röhl: Zunächst mal gibt es Vorteile für den Chirurgen, welche natürlich im Endeffekt dem Patienten zu Gute kommen. Wir haben mit der Computernavigation eine herausragende Visualisierung der Bewegungsabläufe eines Gelenks. Damit erhält der Chirurg die Möglichkeit die Operation noch gezielter an die individuellen Eigenschaften jedes Kniegelenkes anzupassen. Der Computer bietet uns dabei die Möglichkeit dreidimensionale Messungen durchzuführen und Teilschritte einer Operation vor Ihrer Ausführung zu simulieren. Die Operationsprozesse werden dadurch sicherer und die Ergebnisse vorhersehbarer. Bisherige Studien legen nahe, dass auch die Funktion der Prothesen verbessert wird. Die Anwendung eines solchen Verfahrens hilft uns nicht zuletzt auch dabei unsere Prozesse zu überprüfen und unsere Endoprothetik immer noch weiter zu verbessern.

Die die Behandlung von Verletzungen älterer Menschen ("Alterstraumatologie" genannt), nehmen in unserer alternden Gesellschaft an Bedeutung zu. Welche besonderen Anforderungen werden dabei an die behandelnden Ärzte gestellt?

Dr. Röhl: Die Alterstraumatologie ist ein Fach dem an unserer Klinik schon lange eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Als erste Klinik im Raum haben wir dem durch die Gründung des Zenturms für Alterstraumatologie Rechnung getragen. Die Chirurgie am alten Menschen steigert die Herausforderungen üblicher Sport- und Unfallchirurgie um die Gebrechlichkeit und das verringerte Heilungspotential dieser Patienten. Dem werden wir gerecht durch Anwendung spezieller Implantate und besonders Gewebe schonender Operationsverfahren. Außerdem haben wir ein Team aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Internisten und Chirurgen, um dem Patienten auch hinsichtlich seiner begleitenden Erkrankungen gerecht zu werden. Neben Erkrankungen von Herz, Lunge und Gefäßsystem fallen darunter auch neurologische oder rheumatische Erkrankungen und selbstverständlich die Osteoporose.

Wann müssen denn künstliche Gelenke ausgetauscht werden?

Dr. Röhl: Bei künstlichen Gelenken ist es wichtig, dass man sie in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Wir empfehlen unseren Patienten alle fünf Jahre eine Röntgenuntersuchung, um Verschleiß oder alterungsbedingte Abnutzung eines künstlichen Gelenkes frühzeitig entdecken zu können. Bevor größere Schäden entstehen, kann ein Gelenk dann häufig sogar nur teilweise unkompliziert ausgetauscht werden. Wir kalkulieren die Haltbarkeit eines künstlichen Gelenks auf teilweise über fünfundzwanzig Jahre. Kommt es aber zu einer knöchernen Lockerung ist es mir wichtig neben dem einfachen Austausch auch auf die Möglichkeiten einer Wiederherstellung von Knochensubstanz hinzuweisen.

Auf der Internetseite des Diakonissenkrankenhauses ist zu lesen, dass sich bei jedem dritten Menschen im Laufe des Lebens eine Fußfehlstellung entwickelt. Das ist eine Menge! Wodurch entstehen diese Fehlstellungen und unter welchen Bedingungen ist ein Eingriff notwendig?

Dr. Röhl: Das ist ganz einfach. In unserer Kultur wird die Fußinnenmuskulatur nicht richtig genutzt. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, dass wir Schuhwerk tragen und bestimmte Funktionen nicht ausreichend trainiert werden. Neben Stoffwechsel bedingten und neurologischen Ursachen führt dies in vielen Fällen zu einem Formverlust des Fußes. Solange sich dies durch eine Schuhanpassung kompensieren lässt, lassen sich viele Probleme therapieren. In fortgeschritteneren Situationen wird irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Schmerzen und der Funktionsverlust nicht mehr ertragen werden. Dann kann eine Operation nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Funktion eines Fußes wieder herstellen.

Herr Dr. Röhl, stimmt das: Das so genannte "Schulter-Engpass-Syndrom" gehört zu den häufigen Ursachen von Schulterschmerzen bei Patienten im mittleren und höheren Lebensalter. Was genau ist das? Und wie sieht Ihr Therapieansatz aus?

Dr. Röhl: Man kann sich das so vorstellen: Beim Schulter-Engpass-Syndrom verliert der Oberarmkopf allmählich seine natürliche Position. Zusätzlich werden die Sehnen der Schulter durch Verknöcherungen und Narbenbildung in Ihrem Verlauf eingeengt. Das gesamte Schultergelenk reagiert darauf mit einer schmerzhaften Entzündung. Manchmal kommt es dabei zusätzlich zur Schädigung durch Einrisse der Sehnen.

Wenn also mit Medikamenten oder Physiotherapie keine ausreichende Beschwerdebesserung (mehr) möglich ist, kann ein minimal-invasiver Eingriff den notwendigen Platz wieder herstellen. Häufig wird dieser Eingriff mit der Reparatur der Sehnen kombiniert. Und das ist äußerst hilfreich für den betroffenen Patienten!

Wussten Sie? Das passiert bei der Sehnenrekonstruktion:

Die Sehnen können durch einen Unfall, Verschleiß oder Krankheiten verletzt werden oder sogar reißen. Bei einer Sehnenrekonstruktion stellt der Chirurg die geschädigte Sehne wieder her. Ihm stehen dazu verschiedene Verfahren zur Verfügung: Auf der einen Seite kann der Operateur die Sehne nähen. Ist das nicht möglich, können Sehnenstücke aus einer gesunden Körperregion des Patienten entnommen und an den geschädigten Stellen eingenäht werden. Darüber hinaus können auch synthetische Bänder eingesetzt werden.

Sind Sie selbst betroffen oder wollen mehr über den Facharzt erfahren? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide. Hier können Sie direkt Kontakt zu Dr. Röhl aufnehmen und ihn auch bei einer Zweitmeinung heranziehen. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Haben Sie eine Krankheitsgeschichte, die Sie mit uns teilen möchten? Wir freuen uns, mit Ihnen darüber zu sprechen. Kontaktieren Sie uns.

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