Experteninterviews

Ein regelmäßig tiefer Schlaf ist erholsam und wichtig für unsere Gesundheit (hier gehts zum Thema "Ich will schlafen"). Dabei tanken wir neue Energie, verbessern unsere Konzentration und schließlich auch unsere Leistungsfähigkeit. Eine unruhige Nacht, durch Einschlafprobleme, Unterbrechungen oder andere Störungen, kann sehr frustrieren, vor allem, wenn wir ständig wach liegen. Viele Menschen leiden an einer so genannten Schlafapnoe. Darunter versteht man (unregelmäßige) Atemaussetzer, die teils schwere gesundheitliche Folgen haben.So können Aussetzer mehrere Sekunden dauern. Viele Menschen bemerken sie nicht einmal. Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall sind die Folgen. Schnarchende Menschen sind besonders gefährdet. Aber auch Alleinlebende stoßen erst sehr spät auf die Krankheit, weil sie niemand (etwa ein aufmerksamer Partner) auf die Atemaussetzer hinweist.Herr Professor Maurer ist Experte für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Katholischen Klinikum in Koblenz. Er kennt sich aus mit dem Schlafapnoe-Syndrom.Denn nicht nur Stress, eine falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, schlecht gelüftete Zimmer, eine unbequeme Matratze usw. können die Ursache für eine unruhige Nacht sein, sondern auch Atemaussetzer (Schlafapnoe-Syndrom). Ganze 4% der Erwachsenen leiden unter dieser Erkrankung. In vielen Fällen begünstigen verengte oder verlegte Atemwege eine Schlafapnoe. Menschen, die schnarchen, sollten hier also besonders aufmerksam sein. Was genau versteht man unter Schlafapnoe, Herr Professor Maurer?Prof. Maurer: Schnarchen an sich ist keine Krankheit, sondern eine laute Atmung während des Schlafes. Diese wird durch eine Vibration bestimmter Anteile des weichen Gaumens, des Schlundes und des Zungengrundes verursacht. Gestört wird dadurch meist nicht der „Schnarcher“ selbst, sondern sein Bettnachbar.Krankheitswert bekommt das Schnarchen dann, wenn es mit Atemaussetzern oder verminderter Atmung verbunden ist. Ursache dafür ist meist ein Kollaps (Obstruktion) der oberen Atemwege aufgrund ungenügender Spannung der genannten Strukturen, die bei der Einatmung zusammengesaugt werden und so eine ausreichende Atmung verhindern. Symptome sind neben dem Schnarchen und den Atemaussetzern Tagesmüdigkeit (teilweise sogar Tagesschläfrigkeit), Kopfschmerzen, nachlassende Gedächtnisleistung, Gemütsveränderungen und auch nachlassende sexuelle Aktivität. 
"Gefährlich dabei ist auch die permanente Müdigkeit und Konzentrationsschwäche während des Tages." (Prof. Maurer)
 Wie kann man das Problem medizinisch behandeln und welche Therapien eigenen sich besonders?Prof. Maurer: Es gibt verschiedenen Therapieansätze für das obstruktive Schlafapnoesyndrom. Alle haben zum Ziel, die Obstruktion der oberen Atemwege zu verhindern bzw. zu reduzieren. Goldstandard ist die so genannte CPAP-Beatmung. Darunter versteht man die Aufblähung der Lungenwege durch Lufteinblasen, um einen kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck aufzubauen (continious positive airway pressure, CPAP). So kann ein Kollaps durch den erhöhten Luftdruck im Schlund verhindert werden.Weitere Möglichkeiten sind HNO-chirurgische Maßnahmen im Sinne einer Straffung der Schlundwände und des Gaumens, teilweise auch in Verbindung mit einer Verbesserung der Nasenatmung.In neuerer Zeit werden bei schwereren Fällen auch Nervenstimulatoren eingesetzt, die im Schlaf zur einer Anspannung der Schlundmuskulatur und damit zur Aufweitung des Rachens führen. Für einige Patienten kann auch der Einsatz einer den Unterkiefer und den Zungengrund nach vorne ziehenden Protrusionsschiene hilfreich sein. Die Therapie muss in der Regel das gesamte Leben fortgeführt werden. Und mit welchen Folgeerkrankungen muss ein Schlafapnoe-Betroffener rechnen?Prof. Maurer: Wesentliche Folgeerkrankungen sind Bluthochdruck und Herz-Gefäßkrankheiten bis zum Herzinfarkt, Schlaganfall, Depression. Nicht zu vergessen ist auch die erhöhte Unfallgefahr für Fahrzeugführer. Welche Anzeichen sind deutliche Warnsignale? Wann muss man sich unbedingt an einen Facharzt wenden?Prof. Maurer: Lautes Schnarchen und das Auftreten von Atemaussetzern und erhöhte Tagesmüdigkeit sind wichtige Symptome. Auch bei den genannten Folgeerkrankungen sollte eine Schlafapnoe als Ursache in Erwägung gezogen und abgeklärt werden. Häufig ist die Diagnose durch eine ambulante Untersuchung bereits zu stellen. Die Therapie erfolgt dann individuell und in Absprache mit dem Patienten unter Abwägung der Vor-und Nachteile der verschiedenen therapeutischen Ansätze. 
"Lautes Schnarchen, das Auftreten von Atemaussetzern und erhöhte Tagesmüdigkeit sind wichtige Symptome. Dann sollten Sie sich an einen Facharzt wenden." (Prof. Maurer)
 Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Maurer! Erfahren Sie mehr über den Mediziner und besuchen Sie den Leading Medicine Guide. Hier können Sie direkt Kontakt zum HNO-Experten aufnehmen.  Mehr zum Thema Schlafprobleme (und wie man sie bezwingt!) finden Sie hier.