Experteninterviews

In unserer Gesellschaft haben sich Rückenschmerzen zu einem weit verbreiteten Problem entwickelt. Oftmals ist der Besuch beim Arzt das letzte Mittel, um wieder schmerzfrei zu werden und in einigen Fällen bringt erst ein chirurgischer Eingriff die gewünschte Hilfe. Dabei sollte man sich unbedingt an einen Spezialisten wenden: Schließlich geht es um Ihren Rücken und leider hört man immer wieder Horrorstorys, bei denen der Arzt gepfuscht hat.

Wir haben uns heute deshalb für Sie an einen Facharzt gewendet, der auf komplexe und schwierige Eingriffe am Rücken spezialisiert ist. Dr. med. Miguel Alquiza ist Chefarzt im Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie am Evangelischen Waldkrankenhaus in Spandau.Hier leistet der Mediziner und Chirurg zusammen mit seinem erfahrenen Team außergewöhnliche Arbeit im Bereich der Wirbelsäule: Dazu gehören die Behandlung von Bandscheibenvorfällen, Wirbelbrüchen, Schädigungen des Rückenmarks, sowie die Entfernung von Tumoren und Metastasen im Bereich des der Wirbelsäule. Schauen wir uns seine Tätigkeit genauer an.

Herr Doktor Alquiza, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Welche Art von Operationen kommen in Ihrem Klinikalltag besonders häufig vor?

Dr. Alquiza: Wir haben es sehr häufig mit verschleißbedingten Erkrankungen der Wirbelsäule zu tun. Dementsprechend führen wir oft Spinalkanalerweiterungen und Korrektur-Operationen durch. Ebenso bedienen wir aber auch alle anderen Indikationen mit entsprechender Häufigkeit. 
GUT ZU WISSEN: Was ist eigentlich eine Wirbelsäulenverengung (auch Spinalkanalstenose genannt)? Besonders bei älteren Menschen kommt es oft zu Verschleiß und Knochenauswüchsen an den Wirbelgelenken und den Wirbelbögen. Dabei kann der Wirbelkanal stark eingeengt werden, was zum Druck auf die betroffenen Nerven führen kann. Das geschieht manchmal in Kombination mit einem Bandscheibenvorfall. Dem Rückenmark fehlt dadurch der notwendige Raum. Das kann zu Lähmungserscheinungen führen. Hier ist der Arzt gefragt! Mit einer Spinalkanalerweiterung können Rückenmarkskanal und die Nerven wieder entlastet werden.
 

Sie haben verschiedene Methoden, wie man einen Wirbelbruch behandelt, richtig? Können Sie uns kurz erklären, was man genau unter den Begriffen Kyphoplastie und Vertebroplastie versteht?

Dr. Alquiza: Gerne. Beide Verfahren stabilisieren einen Wirbelkörperbruch mit Knochenzement. Auf der einen Seite haben wir das Verfahren Vertebroplastie - hierbei wird der Zement in die natürlichen, schwammartigen Hohlräume des Wirbels injiziert.Bei der Kyphoplastie kann eine Fraktur zuvor mittels eines Ballonexpanders aufgerichtet werden. Dabei werden unter Röntgenkontrolle durch Hohlnadeln Kanäle im Wirbelkörper geschaffen, durch die ein kleiner Ballon eingeführt wird. Dieser Ballon wird langsam gedehnt, um damit die ursprüngliche Höhe des geschädigten Wirbelkörpers wiederherzustellen.Des Weiteren gibt es noch spezielle Expander aus Titan, die wie ein Scherenwagenheber im Wirbel wirken und somit den Wirbel aufrichten können. Diese Implantate werden dann noch zusätzlich mit Knochenzement „umspritzt“. Dieses Verfahren findet insbesondere bei komplexen Frakturen Anwendung.

Und man hört es immer wieder: Manchmal sind Wirbelkörper nicht mehr zu retten. Wann ist eine Wirbelkörperersatz-Operation notwendig?

Dr. Alquiza: Bei den sogenannten Berstungsbrüchen und bei Tumoren muss oft der betroffene Wirbelkörper tatsächlich ersetzt werden. Selten passiert das auch bei Entzündungen. Hierbei spielt die Beeinträchtigung des Spinalkanals durch Knochenstücke oder Tumore eine wichtige Rolle. Es ist für uns oft nur durch einen kompletten Wirbelkörperersatz möglich, den Wirbelkanal zu entlasten und die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Auch bei Bandscheibenproblemen können künstliche Bandscheiben  - also Bandscheibenendoprothesen - Verwendung finden, nicht wahr? Unter welchen Voraussetzungen werden solche Prothesen von Ihnen eingesetzt?

Dr. Alquiza: Das geschieht vorwiegend bei einem Bandscheibenverschleiß, bei dem noch die Wirbelgelenke weitestgehend intakt sind. Wir haben dafür intern einen ausführlichen Kriterien-Katalog angelegt.

Etwa 1% der Bevölkerung über 60 Jahre leidet an einer schmerzhaften Verengung des Wirbelsäulenkanals. Was sind die Warnzeichen einer Spinalkanalstenose und wann muss sie operiert werden? 

Dr. Alquiza: So pauschal kann man das nicht sagen. Meist aber verschlechtert sich die Gehstrecke mit zunehmender Einengung des Wirbelkanals. Das heißt, dass die Betroffenen beim Gehen „schwere Beine“ bekommen, stehen bleiben müssen und sich dann oft nach vorne beugen müssen. Rückenschmerzen stehen meist jedoch nicht im Vordergrund. Eine Operation erfolgt nur, wenn der Leidensdruck des Patienten diesen Schritt notwendig macht.

Eine Operation will jeder von uns eigentlich so lang es geht vermeiden. Aber manchmal muss ein chirurgischer Eingriff einfach sein. Können Sie uns jetzt noch zum Schluss verraten, bis zu welchem Grad sich die Gesundheit zum Beispiel nach einer Wirbelkörperersatz-Operation wiederherstellen lässt?

Dr. Alquiza: So lange keine kompletten Nervenschäden eingetreten sind, rechnen wir mit einer sehr guten Genesung. Moderne Operationsmethoden ermöglichen zudem eine sehr schnelle Mobilisation. Längere Bettruhephasen sind nach Wirbelsäulenoperationen nicht mehr nötig. Nur bei längerstreckigen Versteifungsoperationen ist natürlich mit einer gewissen Bewegungseinschränkung zu rechnen

Herr Dr. Alquiza, vielen Dank für dieses Gespräch!


Möchten Sie sich selbst mit Dr. Alquiza in Verbindung setzen? Besuchen Sie sein Profil auf Leading Medicine Guide und kontaktieren Sie ihn noch heute bei Fragen rund um die Wirbelsäule.

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