Experteninterviews

Was dieser Spruch, oder besser gesagt, diese Formel des griechischen Philosophen Heraklit mit unserem Rücken zu tun hat, sieht man noch nicht auf den ersten Blick. Das liegt daran, dass der Spruch Prof. Rischke zufolge unvollständig wiedergegeben ist. Im Original heißt es Παντα χωρει και ουδεν μενει („panta chorei kai ouden menei“, d.h. alles bewegt sich und nichts bleibt (-wie es ist)). Betrachtet man diesen im gesundheitlichen Kontext, bekommt man eine Idee, worauf Heraklit mit seiner ursprünglich kosmologischen Theorie hinaus wollte.

 Überall wo man nur hinsieht: SpiralbewegungenAuch unsere Wirbelsäule ist aufgrund ihres komplexen Aufbaus für (ständige) Bewegung vorgesehen. Der Wirbelsäulen-Experte und Chirurg Professor Rischke weiß genau, wovon er spricht: „Die Wirbelsäule bildet mit ihren 24 Wirbeln die spiralförmig bewegliche Achse des menschlichen Körpers, stützt ihn und verbindet Kopf, Brustkorb, Arme, Beine und Becken miteinander.“ Die Wirbel sind durch 23 Bandscheiben, verschiedene Bänder und eine starken Muskulatur miteinander verbunden.Dass dieses Konstrukt weiterhin einwandfrei funktioniert, hängt eng mit unserer Bewegung zusammen. Das wirklich Interessante ist – so erklärt der Züricher Mediziner Prof. Rischke – dass man diese Spiralbewegung immer wieder in der Natur vorfindet und bereits in der Erbsubstanz der DNA nachweisen kann. Denn auch die Genmoleküle sind auf der sog. Doppelhelix spiralförmig angelegt.Über unsere Bandscheiben Die zwischen den Wirbeln liegenden Bandscheiben haben eine Art Pufferfunktion. Mit ihrem gel-förmigen Inhalt trennen sie Wirbelkörper voneinander, damit diese nicht aneinander geraten, bzw. aufeinander reiben. „Wenn man so will, sind sie unsere biologischen Stoßdämpfer“, erklärt Prof. Rischke, der sein eigenes Kompetenzzentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Bandscheibenendoprothetik leitet. Im Spine-Center Rischke behandelt er Osteoporose, Wirbelfrakturen, -tumore, instabilitäten und eben auch Bandscheibenvorfälle und -degenerationen.„Insbesondere chronische Belastungen, fehlende Regenerationsfähigkeit des Gewebes im Alter, eine fehlende Blutversorgung, Entzündungen, Risse oder auch Verletzungen der Knorpelplatten angrenzender Wirbelkörper, führen zu ernsthaften Problemen an der Bandscheibe“, sagt Professor Rischke. Der Bandscheibenvorfall wird in Fachkreisen auch Diskushernie bezeichnet. Wenn dies der Fall ist, muss man schnell handeln. Nicht nur Schmerzen, sondern auch Missempfindungen oder Lähmungserscheinungen können sonst die Folge sein. So geht der Experte vorProfessor Rischke empfiehlt zunächst eine konservative Therapie, wenn nachweislich keine Störung am Nerven (Missempfindungen an den Körperstellen) vorliegt. Verbessert sich die Situation allerdings nicht, leidet der Betroffene also nach wie vor an Schmerzen, wird dringend zu einer Operation geraten. „Eine OP dient in erster Linie dazu, aufkommende (ernstzunehmende!) Nervenlähmungen zu behandeln. Dies erfolgt mikrochirurgisch. Dabei wird die Bandscheibe entfernt und durch eine visko-elastische Bandscheibenprothese ersetzt. Diese Prothese imitiert durch ihren elastischen Polymerkern ideal die natürliche Bandscheibe“, erklärt Prof. Rischke.Natürlich muss vor einem operativen Eingriff abgeklärt werden, welcher Wirbelsäulenabschnitt betroffen ist. Im Halswirbelbereich gelangt man beispielsweise seitlich neben der Luft- und Speiseröhre an die entsprechende Stelle. Im Bereich der Lendenwirbelsäule verschafft man sich einen Zugang über einen kleinen Bauchschnitt. Somit kann mit Hilfe des Endoskops auch ein minimal-invasiver Operationszugang ermöglicht werden.Professor Rischke sagt, Wirbelkörper lassen sich operativ auch miteinander versteifen. Dies führt aber oft zu Folgeerkrankungen, etwa einer Erkrankung der Nachbarsegmente oder einer Lockerung der Implantate. „Es ist daher wichtig, dass die heutige, moderne Wirbelsäulenchirurgie immer mehr in die Richtung der dynamischen Versorgung geht.“ In dem Sinne gilt besonders hier das Ziel und stellt den höchsten Anspruch an die Medizin, Panta chorein - alles bewegen (erhalten) - durch eine eben erfolgreiche und bewegungserhaltende Stabilisierung der Wirbelsäule.Wollen Sie mehr über den Arzt erfahren oder direkt Kontakt aufnehmen? Dann besuchen Sie den Leading Medicine Guide.  
Na, haben Sie beim Lesen unbewusst die eine oder andere Rückenstreckung durchgeführt? Gut so. Warten Sie nicht bis heute Abend oder bis zum nächsten Besuch im Fitness Studio. Bis dahin haben Sie es womöglich wieder vergessen. Wie wäre es gleich sofort mit ein paar effektiven Übungen, die Ihre Wirbelsäule gesund in Bewegung bringt:
  • Stellen Sie sich aufrecht hin, und legen Sie Ihre Hand (mit offener Handfläche) an den Kopf. Drücken Sie nun Kopf und Hand gegeneinander, so dass ein leichter Widerstand dabei entsteht.
  • Bleiben Sie aufrecht stehen und pressen Sie ihre Pobacken für etwa 5 Sekunden zusammen. Mehr brauchen Sie an dieser Stelle nicht tun. Wiederholen Sie die Übung einige Male.
  • Strecken Sie Ihre beiden Arme, egal ob sitzend oder stehend, abwechselnd in die Höhe und zur Seite. Halten Sie ihre Arme kurz in der jeweiligen Position. Durch kleine kreisende Bewegungen intensivieren Sie die Übung.
  • Und natürlich: gehen Sie, wann immer es möglich ist, ein paar Schritte mehr.