Experteninterviews

Kennen Sie das WPE? Die Abkürzung steht für das Westdeutsche Protonenzentrum Essen, eines der  größten Protonenzentren an einer deutschen Universitätsklinik.

Das WPE  setzt unter Leitung von Prof. Beate Timmermann ein innovatives radioonkologisches Verfahren ein. Die international anerkannte und renommierte Expertin für Strahlentherapie und Radioonkologie kann durch den Einsatz von Protonen sämtliche gut- und bösartige Tumore bei Erwachsenen und Kindern deutlich besser behandeln. Die Protonentherapie gehört zu den modernsten, aber auch technisch aufwendigsten und teuersten Krebs-Heilverfahren der Welt. Sie ermöglicht eine genaue Bestrahlung tumorerkrankter Zellen und stellt somit einen Meilenstein in der Bekämpfung von Krebs dar.

Was aber kann man sich unter der Protonentherapie genau vorstellen?

Mit einer rasanten Geschwindigkeit (man spricht von einer Beschleunigung von bis zu 60% der Lichtgeschwindigkeit und 650 Mio. Kilometern pro Stunde) werden die Protonen auf das Tumorgewebe gelenkt. So bleibt das benachbarte Gewebe weitgehend verschont und auch schwer zugängliche Stellen können auf diese Weise gut erreicht werden. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Protonen präzise steuerbare Wasserstoff-Ionen sind, die ihre Strahlung erst abgeben, wenn sie mit dem anvisierten Gewebe in Berührung kommen. Die Tumorzellen werden sozusagen ionisiert und ihre DNA an dieser Stelle zerstört.Die Protonentherapie wird vor allem bei Patienten eingesetzt, bei denen der Tumor zu tief oder eben an empfindlichen Stellen im Körper sitzt. Dennoch kann diese Behandlung nicht von jedem Onkologen durchgeführt werden! Lediglich 6 Zentren in ganz Deutschland sind darauf ausgerichtet. Das WPE ist eines davon.

Jährlich erkranken bis zu 2.000 Kinder an Krebs

Eine Protonentherapie bei Kindern ist vor allem sinnvoll, wenn sensible Stellen wie Knochen- oder Weichteile betroffen sind. Auch bei der Therapie von Hirntumoren hat sich die Protonenbehandlung durchgesetzt. Jedes zweite an Krebs erkrankte Kind wird mittlerweile mit einer Strahlentherapie behandelt. Diese Form der Behandlung ist verträglicher für das noch junge, sensible und sich noch entwickelnde Gewebe.Natürlich kann eine parallel stattfindende Chemotherapie – je nach Befund – nicht immer vermieden werden. Nebenwirkungen können dann lokale Reizungen oder eine Blutbildveränderung sein. Oft klagen die jungen Patienten zusätzlich über Appetitlosigkeit oder Müdigkeit.Am WPE sind mehr als die Hälfte der Patienten noch nicht volljährig. Viele von ihnen sind Kleinkinder und die meisten an einem Hirntumor erkrankt. Einige haben Sarkome (bösartige Tumore im Knochen, Binde-, Muskel- oder Fettgewebe) oder gar seltene Tumorerkrankungen. Auch darauf ist das WPE mit Prof. Timmermann spezialisiert.Der Arbeits- und Forschungsschwerpunkt von Prof. Timmermann liegt neben der Behandlung von Hirntumoren und Sarkomen auch auf der Therapie von Chordomen (Geschwülste an der Wirbelsäule) und Chondrosarkomen im Kindes- und Erwachsenenalter. Sie ist eine der wenigen Experten für Strahlentherapie und Radioonkologie im deutschsprachigen Raum. 
Wollen Sie mehr erfahren oder direkt Kontakt zu Prof. Timmermann aufnehmen? Dann besuchen die Leading Medicine Guide. Lesen Sie auch   Bildquelle: © benevolente - fotolia.com