Experteninterviews

Sie ist vielleicht so groß wie eine Vitamintablette, wird genauso eingenommen (über den Mund) und bleibt ungefähr 20 Stunden im Darminneren, bis sie auf natürliche Weise wieder ausgeschieden wird. Die Rede ist von einer kleinen Kamera-Kapsel.Kapselendoskopie – so nennt man das neue nicht-invasive und damit sehr schonende Verfahren, das zur Untersuchung des Verdauungstrakts bereits vereinzelt angeboten wird. Aber ganz so neu ist die Kapsel nicht. Bereits im Jahr 2000 wurden die ersten Kamera-Kapsel auf den Markt gebracht und erfolgreich von einzelnen Fachärzten angewendet.

Zu den Experten auf dem Gebiet zählt Herr Professor Dr. med. Ehehalt. Der Mediziner aus Heidelberg betreibt eine eigene Praxis für Gastroenterologie. Zu ihm kommen Patienten und Patientinnen, die an ernsthaften Magen-, Darm- und Lebererkrankungen leiden: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung), gastroösophageale Refluxerkrankungen (krankhafter Rückfluss des sauren Mageninhalts), Lebererkrankungen oder die sog. familiäre Polyposis (meist autosomal-dominant vererbte Erkrankung des Dickdarms). Neben der Endoskopie (Magen- und Darmspiegelungen) engagiert sich Professor Ehehalt auch in der Ernährungsmedizin.


Warum eine Vorsorgeuntersuchung so wichtig ist

Wer erst einmal an einem Tumor im Darmtrakt erkrankt, hat einen beschwerlichen Weg vor sich. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) haben hierzulande insgesamt eine halbe Million Menschen Krebs. Allein in den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen nahezu verdoppelt. Früherkennung kann Leben retten und eine Vorsorge wird sogar (im Alter ab 55 Jahren) von den Krankenkassen gefördert.

Leider nutzen das noch nicht viele Menschen. Bis zu 55.000 Erkrankungen könnte man sich jährlich sparen, gehen Mediziner aus.Jeder kennt’s: Manchmal stockt die Verdauung, es drückt in der Bauchregion oder der Stuhlgang schmerzt. Dafür gibt es viele Gründe – oft sind diese jedoch harmlos und nach kurzer Zeit erledigt sich das „Verdauungsproblem“ von alleine. Hält der Schmerz jedoch an, wird er schlimmer oder findet sich Blut im Stuhl, dann ist dringend ein Facharzt zu konsultieren. Es könnte sich vielleicht um eine ernstzunehmende Darmerkrankung oder aber gar Krebs handeln.

Lassen Sie es nicht darauf ankommen: Durchschnittlich erkranken Personen ab 50 am häufigsten und häufiger trifft es eher den Mann. Auch der Lebensstil spielt möglicherweise eine mitwirkende Rolle: Alkohol, Zigaretten, Übergewicht und Bewegungsarmut können die Entwicklung von Krebs begünstigen.

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Tractus intestinalis intestinum crassum.svgDie Vorteile der Kamera-Kapsel erklärt der medizinische Spezialist Prof. Ehehalt so: „Mit der Dünndarmkapsel lasse sich auch auch Erkrankungen des Dünndarms erkennen, welches sonst nicht ausreichend detektiert werden können. Mit der der Dickdarmkapsel kann man sich ggf. die übliche Darmspiegelung (Koloskopie) über den After ersparen. Bei der Darmspiegelung zur Vorsorge wird der Dickdarm in der Regel mit einem durch den After eingeführten,1,5 m langen und 1 cm dicken flexiblen Schlauch mit einer Kamera am Ende auf verdächtige Polypen abgesucht. Diese Methode ist für die meisten Patienten eher unangenehm und wird daher oft mit einer Sedierung durchgeführt“.

Mit dem Einsatz der HighTech-Kapsel im Rahmen der Kapselendoskopie denkt Prof. Ehehalt an das Wohl des Patienten: „Die Kapsel selbst nimmt der Patient gar nicht wahr. Sie ist ebenfalls ausgestattet mit einer hochauflösenden Kamera, LED-Lämpchen und einem Sensor, der Signale an einen Datenrekorder (Gurt) sendet, den wir dem Patienten während der Untersuchungszeit anlegen. Diese Signale übertragen alle notwendigen Informationen, die wir am nächsten Tag auswerten.“Mit der Kapselendoskopie werden hochqualitative Bilder des gesamte Magen- und Darmtraktes erzeugt, die verdächtige Stellen aufzeigen und vom Fachexperten bewertet werden können. Eine Entnahme von Gewebeproben ist damit allerdings nicht möglich.

Vor allem aber zur Untersuchung des Dünndarms und diagnostischen Darmkrebsvorsorge eignet sich die Kapselendoskopie hervorragend. Gerade für Vorsorge-Muffel, die den unangenehmen Weg über die intime Darmspiegelung vielleicht vermeiden wollen, kann diese Methode eingesetzt werden.Die Kosten für das bildgebende Verfahren werden im Einzelfall von Kassen bereits übernommen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse und lassen Sie sich beraten. Hier gelangen Sie direkt zum Arztprofil im Leading Medicine Guide.


Bildquelle: Von Olek Remesz (wiki-pl: Orem, commons: Orem) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5-2.0-1.0, Link und Prof. Ehehalt (mit freundlicher Genehmigung) www.hd-gastro.de