Experteninterviews

Unsere Leber (Hepar) ist eines der interessantesten Organe: im gesunden Zustand ist sie spiegelglatt, weich, braunrot und bis zu 2 kg schwer. Der linke Leberlappen ist etwas kleiner als der rechte. Letzterer ist direkt mit der Gallenblase (in der Abb. grün) verbunden.Als größte Drüse im Körper  ist die Leber für wichtige Funktionen verantwortlich: Sie  arbeitet wie eine „Filteranlage“, die Giftstoffe wie Medikamente, Alkohol, Steroidhormone aber auch Ammoniak  abbaut. Auch Vitamine, Eiweiß, Zucker und Fett werden in der Leber verarbeitet, umgewandelt und gespeichert."Denn die Leber leidet leise" Ist die Leber allerdings dauerhaft überlastet (etwa durch zu viel Alkoholkonsum, Diabetes oder kalorienreiche Ernährung), kann sie sich entzünden oder sogar ernsthaft krank werden. Zu unserem Nachteil bemerken wir es allerdings nicht sofort - Denn die Leber leidet leise. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen zum Beispiel Hepatitis (Leberentzündung), Schrumpfleber (Leberzirrhose), Fettleber oder Leberkarzinom (Leberkrebs). Weitere Informationen zu verschiedenen Lebererkrankungen erfahren Sie hier. Man geht heute von etwa 330 Mio. Hepatitis-Erkrankungen weltweit aus. "Die Hälfte kann entfernt werden. Die Leber wächst nach"Ist die Leber einmal erkrankt, muss schnell gehandelt werden. Denn es gibt dank hervorragender Medizintechnik noch gute Chancen, die Leber retten – selbst wenn mehr als die Hälfte der Leber entfernt werden muss. Was viele nicht wissen: Die Leber wächst nach!Diese Erkenntnis wirft ein ganz anderes Bild auf die heutige Leber-Chirurgie, wie der Leading Medicine Guide Experte und Viszeralchirurg Professor Maurer vom Magendarmzentrum Aare bei Solothurn (Schweiz) betont. „Leberkrebs, Abszesse oder Zysten stellen kein Todesurteil (mehr) dar“ erklärt der Fachexperte. Es kommt ganz darauf an, wie viel von der Leber betroffen ist. Weist die Leber beispielsweise nur an wenigen Bereichen  Metastasen auf, können diese chirurgisch entfernt und der Rest der Leber damit gerettet werden. Einen solchen chirurgischen Eingriff bezeichnet man als Leberteilresektion. „Die Restleber hat die besondere Fähigkeit, sich schnell zu regenerieren, ja sogar zu wachsen und in kürzester Zeit die Ausgangsgröße zu erreichen“ betont Professor Maurer. Professor Maurer zufolge können daher bis zu 75% der Leber tatsächlich entfernt werden.Aufgrund des immer besseren Verständnisses über das Organ, aber auch dank moderner Verfahrenstechniken- finden chirurgische Eingriffe in den letzten Jahren immer häufiger statt. Große Lebergefäße müssen dabei laut Professor Maurer nicht mehr notwendigerweise abgeklemmt werden. Auf diese Weise bleibt die Leber durchgehend mit Blut versorgt. Auch der Einsatz feiner chirurgischer Hilfsmittel, so betont der Facharzt, begrenzt das Verletzungsrisiko und trägt zur schnelleren Regeneration bei. Alternativen zur OPDoch nicht immer muss das Skalpell helfen. Je nach Größe der Lebermetastasen besteht unter Umständen t die Möglichkeit, diese mithilfe einer (Laser- oder Radiofrequenz-basierten) Nadeltechnik zu veröden. Dann spricht man von der in-situ Ablation: „Mit einer feinen Nadel können betroffene Regionen in der Leber gezielt anvisiert und Metastasen (durch Hitze) zerstört werden“ erklärt Professor Maurer, der eine solche schonende Verödung von Lebertumoren vornimmt. Bildgebende Verfahren erlauben es, die medizinische Behandlung zu unterstützen und nachträglich zu überwachen. FazitDie Diagnose Krebs ist schon schlimm genug! Trotz alledem sollte man sich nicht verunsichern lassen. Leberkrebs heißt nicht automatisch „Endstation“. Denn Leberkrebs kann – je nach Art und Verlauf – heute medizinisch gut behandelt werden. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten. Welche die beste für den individuellen Fall ist, hängt von verschiedenen persönlichen Faktoren ab. Hierzu ist es ratsam, sofort einen Facharzt zu konsultieren und sich sorgfältig zu informieren.Professor Maurer vom Magen-Darm-Zentrum Aare, dem Kompetenzzentrum für Baucherkrankungen bei Solothurn, ist die richtige Adresse, wenn es um eine Lebererkrankung geht. Der Viszeralchirurg ist außerdem spezialisiert auf die Behandlung von Magen-Darm-Krebs, alle Arten von Lebertumoren, chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse, auf Zwerchfellbrüche, Refluxkrankheiten und Beckenbodenprobleme.