Experteninterviews

Ungewollte Kinderlosigkeit, gängige Methoden der künstlichen Befruchtung, schwanger werden im höheren Alter und Social Freezing… Wir haben uns gefragt, warum es manchmal so schwer ist, Kinder in die Welt zu setzen. Heute gibt es zahlreiche Gründe: Erkrankungen, Zyklusstörungen, schwere körperliche Belastungen, Stress und manchmal spielen einfach die Hormone verrückt. Dabei gibt es mittlerweile zahlreiche Methoden, die eine Befruchtung – auch außerhalb der Gebärmutter – möglich machen. Schon mal etwas von Social Freezing gehört? Zum Glück konnten wir unsere (und Ihre) Fragen direkt an einen unserer renommierten Fachärzte, Dr. Sydow aus Berlin, stellen.Dr. Peter Sydow leitet die Praxisklinik VivaNeo Sydow in Berlin. Der Mediziner ist Facharzt für Frauenheilkunde und insbesondere Spezialist für Reproduktionsmedizin. Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Carmen Sydow werden in der sehr modernen Praxisklinik beste Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten angeboten. Jede Patientin und jedes Paar wird beim Weg zum Wunschkind persönlich, umfangreich und ganz individuell betreut.Zu seinen herausragenden Behandlungsmethoden zählen unter anderem  Kryokonservierung, IVF, ICSI, Social Freezing und Refertilisierung, aber auch Akupunktur (erfahren Sie mehr im Leading Medicine Guide).
Herr Dr. Sydow, was sind die gängigen Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit? Sydow: Die Gründe sind sehr vielfältig. Zu den weiblichen Ursachen gehören etwa hormonelle Veränderungen, in deren Folge es zu Follikelentwicklungs- und Eisprungstörungen kommen kann. Besonders häufig findet man bei betroffenen Frauen das Syndrom der polyzystischen Ovarien mit Zyklusstörungen und dem vermehrten Auftreten männlicher Hormone.Andere Ursachen bei der Frau können entzündungsbedingt verschlossene Eileiter oder die chronische Erkrankung namens Endometriose sein.Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann manifestieren sich in einer verminderten Spermienqualität. Die Konzentration, die Beweglichkeit und die Zahl normal geformter Spermien liegen dann unterhalb der Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (dazu mehr in dieser Ausgabe).Und was sind gute Methoden für eine künstliche Befruchtung? Sydow: Medizinische Behandlungen sollten daher immer ursachenorientiert durchgeführt werden. Bei schweren Einschränkungen der Ejakulatqualität empfehlen wir die intracytoplastische Spermieninjektion, kurz ICSI. Hierbei werden die Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet. Mit einer sehr kleinen Pipette wird eine Samenzelle unter mikroskopischer Sicht in die Eizelle eingebracht.Bei weniger stark reduzierter Spermienqualität, bei verschlossenen Eileitern oder beim Vorliegen von Endometriose raten wir zur klassischen In-vitro-Fertilisation, der sogenannten IVF. Auch bei dieser Methode erfolgt die Befruchtung außerhalb des Körpers. Anders als bei der ICSI werden bei der IVF die präparierten Samenzellen den Eizellen lediglich zugesetzt. Samenzellen und Eizelle finden allein zueinander. Der Befruchtungsvorgang ist dadurch physiologischer.Wir bevorzugen nach Möglichkeit die weniger invasive und kostengünstigere IVF. Ein wichtiger Aspekt ist für uns dabei auch die Vermeidung eines möglichen Risikos für kindliche Fehlbildungen durch eine ICSI. Aber was kann man machen, wenn auch der x-te Versuch einfach nicht funktioniert? Sydow: Grundsätzlich sollten die Verfahren der modernen Reproduktionsmedizin sinnvoll eingesetzt werden. Wir wissen, dass die Chancen auf eine Schwangerschaft in den ersten 6-8 Versuchen einer IVF/ICSI gleichbleibend gut sind. Betroffene Paare sollten die Hoffnung deshalb nicht zu früh aufgeben.Sind z.B. nur noch wenige Follikel vorhanden, vermeiden wir den wenig effektiven Einsatz teurer Hormonstimulationen und punktieren die Eizelle im natürlichen Zyklus. Ob die Fortsetzung einer Kinderwunschbehandlung in schwierigen Situationen noch sinnvoll ist, muss in jedem Fall individuell besprochen werden.Richtig ist aber auch, dass wir selbst unter Ausschöpfung aller diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten nicht allen Betroffenen helfen können. Wir bieten den Paaren deshalb eine Unterstützung durch spezialisierte Psychologen an. In therapiebegleitenden Gesprächen werden die Paare positiv motiviert, lernen aber auch, sich mit den realistischen Chancen auseinanderzusetzen. Viele Betroffene setzen die psychologische Beratung nach dem Ende der Kinderwunschbehandlung fort. Frauen Ü35 und Kinderwunsch ... immer ein heikles Thema, oder? Sydow: Besonders bei der Frau ist das Alter ein wichtiger Faktor, der die Fruchtbarkeit beeinflusst. Sind Frauen älter als 35 Jahre, kann allein das Alter zum bedeutsamsten Problem werden.Die wesentliche Ursache für diesen ungünstigen Trend ist die Verschlechterung der Eizellqualität. Genetische Störungen mit Fehlverteilungen der Chromosomen in den Eizellen lassen dann eine reguläre embryonale Entwicklung nicht mehr zu. Dieser Prozess ist nicht aufzuhalten und es gibt keine Möglichkeit, die genetischen Eigenschaften der Eizellen zu verbessern.Die wichtigste Empfehlung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch lautet deshalb, die Schwangerschaft schon in jüngeren Jahren anzustreben oder nicht zu spät ein Kinderwunschzentrum aufzusuchen. Die Ärzte können zwar die Eizellqualität nicht verändern, es gibt aber mit der In-vitro-Fertilisation eine gute Möglichkeit, die noch vorhandenen Eierstockreserven effektiv zu nutzen und den Befruchtungsvorgang zu unterstützen. Es ist möglich, die Eizellen genetisch zu untersuchen und nur Embryonen mit passender Chromosomenzahl zu übertragen. Das Risiko von Fehlgeburten kann dadurch reduziert werden. Und "Social Freezing" - was versteht man darunter? Sydow: Darunter versteht man das Einfrieren unbefruchteter Eizellen auf Wunsch der Frau, um damit später eine Schwangerschaft möglich zu machen.Die wichtigsten Gründe für Frauen, Eizellen einfrieren zu lassen, sind das aktuelle Fehlen eines Partners oder die Karriereplanung mit einer erst deutlich später gewünschten Schwangerschaft.Die Kosten für einen einmaligen Behandlungszyklus liegen bei 3.000 bis 4.000 Euro. Da viele Eizellen nicht die notwendige Qualität für eine gesunde Schwangerschaft haben, raten wir, so viele Zellen einzufrieren, wie die Frau Lebensjahre alt ist. Dafür sind oft 2 bis 3 Eizellentnahmen nötig.Idealerweise sollte das Social Freezing vor dem 30. Lebensjahr durchgeführt werden.Obwohl dieses Thema in den letzten Jahren viel in den Medien diskutiert wurde, kommen nur wenige Frauen mit dieser Frage zu Beratungsgesprächen. Durchschnittlich frieren wir pro Jahr von 30 Frauen Eizellen im Rahmen des Social Freezing ein. Sehr geehrter Herr Dr. Sydow, haben Sie vielen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit und für das nette Gespräch!
Wer mehr erfahren will, kann das Leading Medicine Guide Arztprofil des Facharztes Dr. Sydow besuchen und hier direkt Kontakt zur Praxisklinik VivaNeo aufnehmen. Здесь вы можете прочитать эту статью на немецком языке.