Prof. Rosenberg und Da-Vinci-Operationen: Ein Pionier berichtet

01.01.2000
Leading Medicine Guide Redaktion
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Leading Medicine Guide Redaktion

Hochpräzise Robotertechnik in Spezialistenhand: Prof. Dr. Robert Rosenberg zählt zu den absoluten Meistern des roboterassistierten Da-Vinci-Operationssystem. Die Robotertechnik, die in der Prostatachirurgie längst zum Standard gehört, wird auch in der Bauchchirurgie zunehmend eingesetzt. Verantworltich für diesen Trend ist auch der Chefarzt für Viszeralchirurgie am Kantonsspital Basel, der am Standort Liestal Prof. Dr. Robert Rosenberg als ausgewiesener Spezialist über internationales Renommee verfügt. Im Gespräch mit dem Leading Medicine Guide erklärt er, was genau diese hochmoderne Operationstechnologie auszeichnet. Darüber hinaus berichtet der erfahrene Hochleistungsmediziner darüber, wie es um die Heilungsprognosensteht, wenn mit dem Roboter operiert wurde.

Von Dorina Marlen Heller

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Leading Medicine Guide: Was genau zeichnet die Robotertechnologie Da-Vinci im Vergleich zu herkömmlichen Operationsmethoden aus?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Was diese Technologie auszeichnet, ist die Präzision des Roboters. Dadurch, dass man die Roboterarme punktgenau steuern kann, wird eine Präzision erreicht, die eine menschliche Hand nicht nachahmen kann. Was vielen Leuten allerdings nicht klar ist: Hier operiert noch immer ein Chirurg, also ein Mensch, nicht der Roboter! Das Besondere ist aber, dass der Chirurg oder die Chirurgin dabei an einer Konsole, also vor einem Bildschirm sitzt und nicht mehr am OP-Tisch steht. An der Konsole gibt es einen Bildschirm und das Begeisternde ist, dass man hier ein dreidimensionales Bild des Bauchraums in 10-facher Vergrößerung erhält. Über zwei Joysticks, ähnlich einem Computerspiel, steuert der Operateur die Roboterarme, die am Patienten oder der Patientin angeschlossen sind. Das Besondere an den Roboterarmen ist, dass sie Bewegungen ermöglichen, die eine menschliche Hand nicht durchführen kann: Durch die Möglichkeit, eine 360-Grad-Drehung zu vollziehen, kann man auf engstem Raum hochpräzise Schnitte und Methoden anwenden.

Leading Medicine Guide: Was für eine Innovation! Wie ist diese Technologie denn historisch gewachsen?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Die Urologie hat diese Technologie historisch groß gemacht. Aus der Prostatachirurgie kann man den Roboter heutzutage gar nicht mehr wegdenken, das gilt mittlerweile als Standard! Denn durch die präzise Präparation können Nervenfasern besonders geschont werden, so jedenfalls die gängige wissenschaftliche Meinung. Über die Jahre wurde der Roboter dann auch in der Gynäkologie und Bauchchirurgie vermehrt eingesetzt.

Leading Medicine Guide: Und wie ging es dann weiter?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Der Da-Vinci-Roboter hat sich über Jahre auch verbessert und verfeinert. In der Vergangenheit war das Operieren mit dem Da-Vinci-Roboter in der Bauchchirurgie schwieriger, denn im Rahmen einer Bauchoperation muss in verschiedenen Arealen im Bauchraum operiert werden. Sie müssen sich das so vorstellen: Bei einer Darm-OP müssen wir sowohl vom linken Oberbauch in den linken Unterbauch bis ins kleine Becken operieren. Da muss man die Roboterarme sehr viel bewegen, deshalb sind die Roboterarme zunehmend schlanker geworden und ermöglichen genau diese Beweglichkeit. Mittlerweile ist das also auch ein hervorragendes Instrument für die Bauchchirurgie. Es ist ein weltweiter Trend, dass auch zunehmend bauchchirurgisch mit der Robotertechnologie operiert wird.

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Leading Medicine Guide: Wie sieht das bei Ihnen in der Klinik aus?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Wir haben den Roboter mittlerweile bereits seit fünf Jahren. Gerade wechseln wir auf das neueste Modell und machen derzeit circa 100 Roboter-OPs im Jahr. Die meisten Operationen, die wir am Roboter durchführen, sind Darm- und Hernienoperationen sowie Zwerchfellbrüche. Das sind im Moment die drei wesentlichen Gebiete und die Ergebnisse sind allesamt sehr gut.

Leading Medicine Guide: Gibt es da manchmal Widerstände seitens der Patientinnen und Patienten, die Bedenken haben, sich mit einem Roboter operieren zu lassen?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Das ist interessanterweise gar nicht der Fall. Es gibt zwar noch wenig Nachfrage nach dem Roboter, also wenige Patientinnen und Patienten kommen auf uns zu und wollen mit Roboter operiert werden, dafür ist dem Patienten die Operationsmethode und -technik wohl zu wenig bekannt. Wenn wir unseren Patientinnen und Patienten allerdings die Methoden erklären, dann gibt es großes Interesse und uneingeschränkte Bereitschaft, mit der Robotertechnologie operiert zu werden. Wir hatten erfreulicherweise bislang auch keine negative Erfahrung mit dem Robotersystem.

Leading Medicine Guide: Durch die schlankeren Arme des Roboters und eine minimal-invasivere Operationsmethode verbessern sich auch die Heilungsprognosen, oder?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Ja, das ist zwar die Theorie, aber dies eindeutig zu messen, ist allerdings noch sehr schwierig. Die meisten Bauchchirurgen können auch schon sehr gut minimal-invasiv operieren, das ist ja bereits schon viel schonender als durch einen großen Bauchschnitt. Wenn Sie also das normale minimal-invasive oder laparoskopische Operieren mit der Robotertechnologie vergleichen, dann gibt es in manchen Situationen aufgrund der besseren Übersicht und Zugangswege einen deutlichen Vorteil, auch das Nähen ist deutlich einfacher mit dem Roboter. In wissenschaftlichen Studien ließ sich bislang aber noch nicht belegen, das es eine signifikant verbesserte Heilungsprognose durch den Einsatz der Robotertechnologie gibt. Wir haben aber das Gefühl, dass sich die Patientinnen und Patienten, die mit dem Roboter operiert wurden, nochmal ein Stück rascher erholen. Der Vorteil, den man mit dem Roboter möglicherweise hat, lässt sich jedoch wissenschaftlich schwer messen, da wir eben auch mit dem normalen minimal-invasiven Operieren bereits hervorragende Ergebnisse erzielen.

Für mich als Chefarzt eines größeren Kantonsspitals ist aber auch wichtig, dass wir Chirurgen an diesen Innovationen teilhaben können und uns mit den neuesten Technologien weiterentwickeln. Sie können sich vorstellen, wie dieser Roboter möglicherweise in zehn bis zwanzig Jahren aussehen wird. Das kommt dann wiederum unseren Patientinnen und Patienten zugute, die davon profitieren werden, dass wir uns jetzt bereits mit dieser Operationstechnologie beschäftigen.

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Leading Medicine Guide: Gibt es weitere Innovationen auf dem Gebiet der Darmchirurgie, die schon Eingang in Ihre Arbeitspraxis finden?

Prof. Dr. Robert Rosenberg: Was hervorragend ist und unsere Ergebnisse noch weiter verbessert hat, ist die innovative Überprüfung der Anastomosendurchblutung mittels eines Fluoreszenzfarbstoffs während der Operation. Und zwar funktioniert diese so: Wenn Sie ein Stück Darm entfernen, müssen Sie die beiden Darmenden wieder verbinden, damit die Darmfunktion wieder hergestellt werden kann. Um die beiden Enden zu verbinden, wird eine sogenannte Anastomose, also eine Darmverbindung, durchgeführt. Hier gibt es verschiedene Technologien, wesentlich für die Heilung ist aber die Durchblutung der beiden Darmenden. Dafür müssen die Enden bis in die letzten Spitzen durchblutet sein. Hier gibt es seit einigen Jahren die Methode von PINPOINT: Das ist ein Gerät, das einen Fluoreszenzfarbstoff verwendet, nämlich ICG, das steht für Indocyanin-Grün. Wenn ich also zwei Darmenden habe, die ich verbinden will, dann spritzt der Anästhesist bzw. die Anästhesistin ICG intravenös. Wir verdunkeln dazu den Raum und haben eine spezielle Laserkamera und durch das ICG färbt sich der Darm grün, überall dort, wo er durchblutet ist. Und wenn der Darm irgendwo nicht grün ist, dann weiß ich, dass ich hier noch ein Stück wegnehmen muss. Diese Anwendung hat die Ergebnisse in der Darmchirurgie in den letzten Jahren nochmal deutlich verbessert.

Leading Medicine Guide: Herzlichen Dank für das spannende und aufschlussreiche Gespräch, Herr Prof. Dr. Rosenberg!

Prof. Dr. med. Robert Rosenberg FACS, EMBA ist ein hochspezialisierter Tumor- und Viszeralchirurg, der als Chefarzt für Viszeralchirurgie auch das renommierte Darmkrebszentrum am Kantonsspital Basel leitet. Als zertifizierter Senior-Darmoperateur verfügt er über einen internationalen Ruf mit herausragender diagnostischer und therapeutischer Expertise. Das Chirurgie-Team bietet in Liestal das gesamte Spektrum der Viszeralchirurgie in offener, laparoskopischer sowie Roboter-assistierter Operationstechnik an. Mehr über das Kantonsspital Baselland Standort Liestal und Professor Rosenberg erfahren Sie auf der Profilseite im Leading Medicine Guide.

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