Experteninterviews

Die beiden Mediziner Privatdozent Dr. Kirchhoff und Dr. Hoffmann vom Universitätsspital Basel sind neu im Leading Medicine Guide. Beide Hernien-Chirurgen sind Experten für Leisten-, Narben,- Nabel- und Schenkelhernien.  Außerdem werden chronische Leistenschmerzen, lumbale Hernien, Sportlerleisten und Rektusdiastase von den medizinischen Spezialisten behandelt. Wir freuen uns, mit Dr. Hoffmann und PD Dr. Kirchhoff zwei außergewöhnliche Fachexperten im Leading Medicine Guide zu führen. Denn gemeinsam mit Dr. Kukleta - eine Koryphäe auf dem Gebiet Hernienchirurgie - wurde erstmals die Kongressreihe SWISS HERNIA DAYS entwickelt.Mit der Swiss Hernia Days wurde binnen kurzer Zeit ein Kongress ins Leben gerufen, bei dem sich nationale und internationale Hernien-Experten vernetzen können. Die Swiss Hernia Days finden erstmalig am 28. und 29. September 2017 in Basel statt. Sie dürfen gespannt sein - wir berichten! 
Im Interview lernen Sie die beiden Leading Medicine Guide Experten näher kennen:Sehr geehrter Herr Dr. Hoffmann und PD Dr. Kirchhoff, Sie haben sich im Laufe ihrer medizinischen Karriere auf die Hernien-Chirurgie spezialisiert. Wie kam es dazu?H&K: Hernien-Operation gehören zu den häufigsten Operationen. Weltweit werden ca. 20 Millionen Leistenhernien-Operationen pro Jahr durchgeführt, in Deutschland sind es ca. 300.000 und in der Schweiz ca. 18.000. Durch die Altersentwicklung in der Gesellschaft steigen die Operationszahlen jedes Jahr an.Insbesondere in den letzten 10 Jahren hat es zahlreiche, teils bahnbrechende Entwicklungen gegeben, welche die Qualität der Hernienversorgung signifikant verbessert haben. Dazu gehören die Schlüsselloch-Chirurgie, Innovationen bei den Netz-Implantaten und die Entwicklung hin zu einem individualisierten, patientenorientierten Therapieansatz (sog. „tailored approach“).Dennoch gibt es nach wie vor ungelöste Probleme in der Hernienchirurgie, z.B. chronische Schmerzen nach Hernienoperationen oder das Wiederauftreten der Hernie nach erfolgter Operation. Gleichzeitig werwarten Patienten, betreuende Hausärzte und nicht zuletzt auch Kostenträger zu Recht eine hohe Behandlungsqualität. Deswegen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, durch Spezialisierung auf die Hernienchirurgie diesen Anforderungen auf hohem Niveau gerecht zu werden.Wir können dadurch eine exzellente, individualisierte Hernienchirurgie mit hoher Behandlungsqualität anbieten. Sie haben in Basel das universitäre Hernienzentrum aufgebaut. Wie viele operative Eingriffe führen Sie jährlich durch? Und welche OPs fallen häufig an?H&K: Wir führen am universitären Hernienzentrum des Universitätsspitals Basel jährlich ca. 400 Hernienoperationen durch. Dabei behandeln wir überdurchschnittlich viele Patienten mit komplexen Hernien (z.B. gigantische Narbenhernien, Patienten nach Polytrauma), Notfälle, viele Patienten im höheren Alter mit multiplen Grunderkrankungen und Patienten deren Behandlung aufgrund der Operationsrisiken in anderen Krankenhäusern abgelehnt wurde.Rund die Hälfte unserer Patienten ist zwischen 50-80 Jahre alt, mehr als 10% sind über 80 Jahre alt und 1/3 unserer Patienten leiden an einer schweren oder sehr schweren Allgemeinerkrankung. Die Hälfte unserer Operationen sind aber nach wie vor Leistenhernien-Operationen, gefolgt von Narbenhernien (20%), Nabelhernien (17%), epigastrischen Hernien, parastomalen Hernien und Hiatus-Hernien (jeweils ca. 5%). Welcher Eingriff ist besonders schwierig/ kompliziert und warum?H&K: Natürlich können harmlos aussehende Leistenhernien durchaus einmal Probleme während der Operation bereiten, die mit entsprechender operativer Expertise gelöst werden können. Besonders schwierig ist aber vor allem die Operation bei sehr großen Narbenhernien, bei denen die Bauchorgane teilweise ihr Heimatrecht in der Bauchhöhle verloren haben und in den Bruchsack außerhalb der Bauchhöhle verlagert sind.Gleiches gilt für Patienten nach schweren Verkehrsunfällen mit offenen Bäuchen oder für Patienten, die nach anderen Operationen einen komplikationsträchtigen Verlauf mit offenem Abdomen genommen haben. Hier ist ein einfacher Verschluss der Bauchdecke meist nicht möglich und bedarf weiterer komplexer Operationsschritte. In der Versorgung dieser Patienten liegt sicher einer unserer Behandlungsschwerpunkte. Sie arbeiten eng mit der Radiologie und Gastroenterologie zusammen. Warum und welchen Vorteil hat diese Kooperation?H&K: In den meisten Fällen kann die Diagnose z.B. einer Leistenhernie durch eine gezielte Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten gestellt werden. Manchmal ist die Diagnosestellung erschwert und bedarf einer weiteren Abklärung. Hierbei ist das Zurückgreifen auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen von Vorteil.Am Universitätsspital Basel sind alle Fachabteilungen der Medizin unter einem Dach vertreten und werden von uns bei Bedarf zügig in die Diagnostik und Therapie eingebunden. Eine der ersten Schritte ist oft die bildgebende Diagnostik. Hierbei können wir schnell und unkompliziert auf die volle Palette der radiologischen Verfahren (Ultraschall, Röntgen, Durchleuchtungen, Computertomographie, Magnet-Resonanz-Tomographie, Szintigraphie usw.) zugreifen und so zeitsparend und zentriert die Diagnose erhärten.Gerade auch spezielle Fragestellungen können oft erst mit einer zusätzlichen, gezielten Bildgebung beantwortet werden. Im Falle von Hiatushernien gehört die Magenspiegelung zu den notwendigen Abklärungen vor der Operation, die von den Kollegen der Gastroenterologie im Hause zeitnah durchgeführt werden. Wie kann man sich die Qualitätssicherung Hernien-Chirurgie vorstellen. Was gehört unbedingt dazu?H&K: Die Qualität der operativen Versorgung unserer Hernien-Patienten hat höchste Priorität für uns. Als einzigem Universitätsspital der Schweiz wurde uns im November 2014 das Gütesiegel "qualitätsgesicherte Hernienchirurgie" der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) verliehen.Damit haben wir uns verpflichtet, die Hernienchirurgie anhand evidenzbasierter wissenschaftlicher Standards durchzuführen und an einem internationalen Qualitätssicherungsprogramm für die gesamte Hernienchirurgie teilzunehmen.Im Detail erfassen wir systematisch die Ergebnisse unserer Hernien-Operationen in einer anonymisierten Datenbank. Unsere Patienten werden bis zehn Jahre nach der Operation nachverfolgt, um auch später auftretende Probleme (z.B. Hernien-Rezidiv) sicher zu erkennen und kompetent zu behandeln. Auf der Basis dieser Ergebnisse können wir in Kooperation mit den internationalen Experten dann die besten Therapieoptionen für unsere Patienten erarbeiten und weiterentwickeln. Sie haben beide Zeit im Ausland verbracht. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?H: Ich war in den Jahren 2011/2012 am „Frimley Park Hospital“ in Großbritannien operativ tätig, einem Krankenhaus südwestlich von London mit einem Einzugsgebiet von ca. 400.000 Patienten. Neben der minimal-invasiven Chirurgie des Verdauungstraktes lag mein Schwerpunkt hier in der minimal-invasiven Hernienchirurgie. In dieser Zeit konnte ich intensiv Erfahrungen mit meinen britischen Kollegen austauschen, neue Therapieansätze erlernen und mich in der minimal-invasiven Hernienchirurgie weiterbilden. Dort habe ich erkannt, dass mich die Hernienchirurgie mit allen Facetten ganz besonders interessiert. Nach meiner Rückkehr habe ich dann recht bald beschlossen, zusammen mit PD Dr. Kirchhoff das universitäre Hernienzentrum Basel zu gründen.K: Ich habe einige Zeit in einem internationalen Labor an der renommierten Yale University in den USA Grundlagen-Forschung betrieben. Auch wenn dies keinen unmittelbaren Einfluss auf meine Expertise als Hernienchirurg hatte, so wirken doch die vielen Erfahrungen und Erkenntnisse bis heute in meinen beruflichen Alltag nach. Sei es die Wertschätzung der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Kollegen oder der notwendige wissenschaftliche Austausch mit Fachspezialisten über die Landesgrenzen hinaus. Die in Yale erlangte Kenntnis und Offenheit für andere Kulturen ist für mich persönlich in unserem Beruf und dem damit verbundenen Umgang mit Menschen essentiell geworden. Zu einem späteren Zeitpunkt konnte ich an der Cambridge University in Großbritannien neben dem englischen Humor auch ein breites Spektrum an chirurgischen Techniken erlernen und somit in mein Armamentarium aufnehmen. Woher kennen Sie sich?H&K: Wir arbeiten seit 2009 zusammen am Universitätsspital Basel und haben einen Teil unserer chirurgischen Ausbildung gemeinsam absolviert. Darüber hinaus sind wir seit Jahren gut befreundet, was sicherlich unsere enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit erleichtert, wenn wir als Team Höchstleistungen erbringen müssen. Uns verbindet neben unserer Freundschaft jedoch auch der Tatendrang, die Neugierde für innovative Ansätze in der Chirurgie und natürlich die Passion für die Hernienchirurgie. Durch diese vertrauensvolle Zusammenarbeit sehen wir uns in der Lage, langfristig ein hernienchirurgisches Leistungsspektrum auf höchstem Niveau für unsere Patienten anzubieten und die Hernienchirurgie am Standort Basel weiterzuentwickeln. Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit und das nette Gespräch!
Wollen Sie mehr erfahren über die medizinischen Experten? Dann besuchen Sie den Leading Medicine Guide oder die poffizielle Website der SWISS HERNIA DAYS.PD Dr. Kirchhoff und Dr. Hoffmann sind außerdem medizinische Berater des erfolgreichen hernia.guide.