Experteninterviews

Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen von Frauen. Man spricht von einer Endometriose, wenn sich die Gebärmutterschleimhaut (altgriechisch: Endometrium) außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Hier können sich dann Verwachsungen oder Zysten bilden, auch Endometriose-Herde genannt, die oftmals unbemerkt über einen langen Zeitraum wachsen. Bis zur Diagnose Endometriose können daher durchaus Jahre vergehen.

Was sind die Symptome einer Endometriose?

Viele Frauen haben einen natürlichen Menstruationsschmerz, der schwach bis intensiv sein kann. Schmerzen, die durch eine Endometriose-Erkrankung entstehen, werden von sehr vielen Betroffenen mit Regelschmerzen verwechselt, vor allem in der Zeit der Pubertät oder auch vor den Wechseljahren. Meist treten Endometriose-Beschwerden 2-3 Tage vor Einsetzen der monatlichen Blutung ein.

Auch immer wiederkehrende Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr können auf eine Endometriose hinweisen und führen entsprechend oft zu Schwierigkeiten in der Paarbeziehung. In einigen Fällen strahlen die Schmerzen manchmal krampfartig in den Rücken oder die Beine aus. Betroffene drücken es oft als „tausend Messerstiche“ aus. Auch kann es zu Durchfall oder Übelkeit kommen. Chronische Schmerzen können darüber hinaus zu MüdigkeitReizbarkeit oder zu depressiven Verstimmungen führen.


Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) wächst in der ersten Hälfte des Monatszyklus heran und wird am Ende wieder abgestoßen.


Endometriose

Die Ansiedlungen der Gebärmutterschleimhaut sind meist gutartig. Sie sitzen dann ähnlich wie Moosgewächse an den Eileitern, den Eierstöcken, den Haltebändern der Gebärmutter, an oder in der Gebärmutterwand, der Scheide, der Harnblase, am Darm oder am Bauchfell. Sie können aber prinzipiell auch andere Organe im weiblichen Körper befallen, beispielsweise die Lunge (was allerdings selten vorkommt). Je nachdem wie stark die Endometriose ausgeprägt ist, sind die Herde oftmals nur stecknadelkopfgroß. Es können sich aber auch größere, blutgefüllte Zysten bilden, die zu Verklebungen der Eileiter und Eierstöcke führen.


Blut im Stuhl kann beispielsweise auf eine Endometriose hinweisen, nämlich dann, wenn sich die Endometriose in den Bereich der Darmschleimhaut ausbreitet.


Fatal: Betroffene Frauen leiden oftmals unter einem nicht erfüllten Kinderwunsch. Denn wenn Eierstöcke oder Eileiter durch eine Endometriose in Mitleidenschaft gezogen werden, findet eine erfolgreiche Befruchtung meist nicht statt.

Frau mit Schmerzen

Es gibt drei Formen der Endometriose:

1) Endometriosis genitalis interna (innere genitale Endometriose) – Hier liegen die Wucherungen innerhalb der Gebärmuttermuskulatur.

2) Endometriosis genitalis externa (äußere genitale Endometriose) – Es sind bei dieser Variante die Genitalbereiche außerhalb der Gebärmutter betroffen, zum Beispiel die äußere Gebärmutterwand, der Bandapparat der Gebärmutter, die Eierstöcke, die Eileiter, der sogenannte „Douglas-Raum“ zwischen Mastdarm und Gebärmutter sowie die Scheide.

3) Endometriosis extragenitalis (extragenitale Endometriose) – Darunter versteht man Organe außerhalb des Beckens, wie zum Beispiel die Lunge oder Narben nach einem Kaiserschnitt. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Endometriose zu einer bösartigen Erkrankung entwickelt, ist sehr selten. Wenn, dann sind es meistens die Eierstöcke, die betroffen sind, was im Zweifelsfall auch zu Eierstockkrebs führen kann.

Wallwiener

Ein Experte auf dem Gebiet der Endometriose ist Professor Dr. med. Dr. h.c. mult Diethelm Wallwiener aus Tübingen, Ärztlicher Direktor an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, einem überregionalen Kompetenzzentrum für alle Bereiche der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Er bezeichnet die Erkrankung Endometriose als „Chamäleon“ der Frauenerkrankungen, da sie oftmals nicht sofort erkannt wird und es leider zu vielen Fehldiagnosen kommt.

Jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter Endometriose Beschwerden“, erklärt Professor Wallwiener und appelliert an alle Frauen, sich bei ersten Anzeichen unbedingt ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt anzuvertrauen, um eine Früherkennung und entsprechende Behandlung zu ermöglichen.

Wie wird eine Endometriose diagnostiziert?

„Eine Endometriose kann nur über eine Bauchspiegelung, eine Laparoskopie, diagnostiziert werden“, erläutert Professor Wallwiener und warnt vor therapeutischen Maßnahmen ohne vorher Klarheit geschaffen zu haben. „Heutzutage ist die minimal-invasive Diagnostik in einer nur wenige Minuten dauernden Schlüsselloch-Operation so risikoarm machbar, dass Frauen keine Sorgen bei diesem kleinen Eingriff haben müssen. Es ist viel schlimmer, wenn Frauen die Verdachtsdiagnose Endometriose mit sich herumtragen und sich körperlich und psychisch belasten.“

Frau Untersuchung

Ich habe Endometriose – was kann ich tun?

„Das Wichtigste ist, dass sich die Patientin in ein zertifiziertes Endometriose Fachzentrum begibt, um eine vollständige therapeutische Behandlung zu erhalten. Es wird entschieden, ob neben der meist unumgänglichen Operation eine medikamentöse oder hormonelle Therapie zum Einsatz kommt. Oftmals wird auch schon vor der operativen Entfernung der Endometriosen-Herde eine Anti-Endometriose Hormonbehandlung angewendet, um die Herde schrumpfen zu lassen, so dass eine Operation noch gezielter erfolgen kann“, schildert Professor Wallwiener, der Frauen Mut machen möchte, sich nicht hinter der Erkrankung zu verstecken und womöglich Schuldgefühle zu entwickeln. „Auch die anschließende Anschlussheilbehandlung der Patientin wird am besten durch ein zertifiziertes Zentrum gewährleistet.“

Fazit: Viele Theorien kreisen um die Entstehung von Endometriose, die von hormonellen Ursachen bis zu einem gestörten Immunsystem reichen. Warum die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst, ist bis heute noch nicht vollständig erforscht.

Hat Ihnen die Information weitergeholfen? Wollen Sie mehr über den Universitätsprofessor Dr. Wallwiener erfahren? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide.

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