Experteninterviews

Jedes Jahr erkranken knapp 60.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs. 12.000 davon sterben. Diese Zahl könnte sich noch deutlich verringern, denn nur ca. 14 % der Männer gehen rechtzeitig zur Vorsorge. Deshalb setzt die Medizin immer stärker auf MRT-Scans. Doch diese Art von bildgebender Prostata-Diagnostik ist ganz schön herausfordernd, da sie nicht immer mit dem pathologischen Befund einer Gewebeentnahme (Biopsie) übereinstimmt. Was zunächst auffällig aussieht, muss also nicht immer gleich ein Tumor sein und umgekehrt. Neben einer hohen Expertise ist daher auch viel High-Tech zur Beurteilung eines Befundes notwendig. Deshalb wollen wir Ihnen die Conradia MVZ GmbH vorstellen und einen ganz besonderen Experten, der sich auf genau diese Aufgabe spezialisiert hat. Dr. Röthke ist Experte für bildgebende Diagnostik. 

Das Spannende ist auch, dass im Februar 2019 die neueste Errungenschaft in das zur Conradia zugehörige Medizinische Präventionszentrum Hamburg (MPCH) einzog: die multiparametrische Prostata-MRT wird jetzt mit einem 3-Tesla MRT-Gerät der neuesten Bauart durchgeführt. Das Ganze hört sich futuristisch an, ist aber sehr effektiv. Denn durch diese MRT kann eine noch präzisere Diagnostik und Früherkennung gewährleistet werden. Mit einer über 90%igen Trefferquote kann es den aggressivsten Tumorherd darstellen oder eben auch ausschließen. Die diagnostische Genauigkeit ist natürlich auch abhängig vom Beurteilungsvermögen des Radiologen, dem daher eine enorme Bedeutung zufällt.

Männliche Geschlechtsorgane

Schwierige Scans werden in unter 25 Minuten in hoher Qualität mit exzellentem Signal-zu-Rausch Verhältnis durchgeführt. Der große Vorteil für den Patienten: Prostatabiopsien können in ca. 50 % der Fälle vermieden werden. Und die Vermeidung eines noch so kleinen invasiven Eingriffs ist schließlich für jeden Menschen positiv. Gleichzeitig ist die Früherkennung von Prostatakrebs enorm wichtig, da dann die Heilungschancen sehr hoch sind. Doch fragen wir nun unseren Experten und Facharzt, Dr. Röthke: 

Was meinen Sie, Herr Dr. Röthke, ab welchem Alter sollte ein Mann zum Checkup? Viele Männer scheuen sich, zur Vorsorge zu gehen. Wer sollte sich überhaupt untersuchen lassen?

PD Dr. Röthke: Grundsätzlich sollten alle Männer, bei denen ein Verdacht auf ein Prostatakarzinom besteht, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Ein Verdacht wird in der Regel vom Urologen erhoben oder durch einen auffälligen PSA-Test beim Hausarzt ermittelt. Auch Männer, die eine familiäre Belastung mit Prostatakrebs haben, können von dieser Untersuchung profitieren.

Mann beim Urologen


Prostatavorsorgeuntersuchung – haben Sie keine Angst!

Kein Mann muss Angst oder Scheu vor einer Prostatauntersuchung haben. In der Praxis sieht es so aus: Der behandelnde Urologe stellt seinem Patienten allgemeine Fragen: Gibt es Probleme beim Wasserlassen, Erektionsschwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr, liegt eine gesundheitliche familiäre Vorbelastung vor usw. Auf der Seite liegend findet dann über das Rektum eine Tastuntersuchung (von nur 30 Sekunden!) der Prostata statt, die ja nur kastaniengroß ist. Durch eine Blutuntersuchung kann auch der PSA-Wert ermittelt werden. Bei Verdacht auf eine Veränderung der Vorsteherdrüse wird in der Regel eine endorektale Ultraschall-Untersuchung zur Abklärung durchgeführt.


LMG: Ab welchem Alter empfehlen Sie eine generelle, regelmäßige Vorsorge?

Prostata

PD Dr. Röthke: Grundsätzlich empfiehlt sich eine Früherkennungsuntersuchung analog der Regelung für Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45. Lebensjahr. Dies beinhaltet auch die Bestimmung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen). Bei einem auffälligen PSA-Wert sollte im Anschluss sofort eine MRT der Prostata gemacht werden. Dies entspricht aktuell nicht den Empfehlungen der deutschen Leitlinie, ist jedoch in vielen internationalen Leitlinien bereits berücksichtigt. Daher wird die Untersuchung, genau wie der PSA-Wert, noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Einige gesetzliche Krankenkassen bezahlen allerdings die Untersuchung auf Antrag bereits. Ich gehe davon aus, dass sich aufgrund der eindeutig positiven Bewertung des Verfahrens durch große internationale Studien bis Ende 2020 diesbezüglich ein deutlicher Fortschritt auch mit den Krankenkassen erzielen lässt.


Der PSA-Wert ist zum wichtigsten Marker in der Urologie geworden und somit ausschlaggebend ist der Diagnostik des Prostatakarzinoms. Auch bei Prostata-Gesunden ist der PSA-Wert nachweisbar, also auch bei gutartigen Prostatavergrößerungen. PSA ist somit ein Gewebemarker, nicht ein reiner Tumormarker.


Kommen wir um Einsatz neuester Technologie, auf die Sie bereits erfolgreich zurückgreifen: Ihr Ziel ist es, Früherkennung von Prostatakrebs mittels nicht invasiver MRT voranzutreiben, um unnötige Biopsien zu vermeiden. Denn dies beinhaltet für den Patienten immer einen kleinen chirurgischen Eingriff, um eine geringe Menge Gewebe zu entnehmen. Ist eine Biopsie prinzipiell gefährlich und wie wird diese im Regelfall umgesetzt?

PD Dr. Röthke: Die Biopsie der Prostata wird schon sehr lange durchgeführt und ist nicht sehr gefährlich. Neuerdings gibt es eine Zunahme der antibiotikaresistenten Darmkeime, sodass eine Alternative zur Standardbiopsie durch den Enddarm eine Biopsie durch den Damm darstellt. Hierbei ist die Infektionsgefahr noch einmal deutlich geringer. Wichtig ist es darüber hinaus, unnötige Biopsien zu vermeiden. Dies geschieht dadurch, dass man vor einer Biopsie eine multiparametrische MRT durchführt, um das Biopsie-Ziel genau zu identifizieren und dann gezielt zu biopsieren. Im Falle einer negativen MRT werden heutzutage von internationalen Leitlinien ein abwartendes Vorgehen und eine weitere Überwachung durch den Urologen empfohlen. Dies hilft, unnötige Biopsien zu vermeiden.

Technologie


Was versteht man unter einem multiparametrischen MRT? 

Diese Form des MRT ermöglicht die Lokalisation karzinomsuspekter Herdbefunde in der Prostata. Es ist somit eine wesentlich gezieltere Biopsie, die zu einer präziseren pathologischen Diagnose führt.


Seit Februar dieses Jahres verfügt die Conradia MVZ GmbH über ein 3-Tesla MRT-Gerät nach der neuesten Bauart mit der Sie die multiparametrische Prostata-MRT durchführen. Was genau kann dieses Gerät?

PD Dr. Röthke: Das Gerät stellt einen neuen Meilenstein in der MRT-Entwicklung der Firma Siemens dar. Vereinfacht gesagt, berücksichtigt das Gerät die unterschiedlichen Konstitutionen des Menschen wie Größe, Gewicht, Statur und so weiter, um daraus das Bild zu optimieren. Daraus folgt, dass insbesondere die multiparametrische MRT, die sehr aufwendige Sequenzen beinhaltet, verbessert wird. Das Gerät liefert sicher eine der bestmöglichen multiparametrischen MRTs der Prostata auf dem gesamten Markt.

Warum gibt es eigentlich Unstimmigkeiten, wenn es um eine exakte Diagnostik von Prostatakrebs geht? Ein pathologischer Befund der Gewebeentnahme stimmt nicht immer mit der Bildinterpretation einer MRT Aufnahme überein. Die onkologische Bildgebung ist daher schwierig. Warum bestehen diese Unstimmigkeiten, und was genau müssen Sie bei der Bildinterpretation beachten, um für den Patienten ein verlässliches Ergebnis zu generieren?

PD Dr. Röthke: Das Problem, das hier aufgezeigt wird, spielt auf die noch nicht flächendeckend standardisierte Befundung und Beurteilung des multiparametrischen MRT der Prostata an. International wurde ein standardisiertes PI-RADS (Prostate Imaging Reporting and Data) System eingeführt, von dem die neueste Version im März dieses Jahres veröffentlicht wurde. Bei diesem System muss der Radiologe sich auf einer Skala von 1 bis 5 festlegen, für wie auffällig er einen Befund hält. Des Weiteren werden strenge Kriterien zur Befundung vorgeschrieben. Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft für urogenitale Bildgebung der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) habe ich mich in den letzten Jahren sehr für eine Zertifizierung der deutschen Radiologen eingesetzt. Wir haben hierzu vor einem Jahr ein Qualifizierungssystem eingeführt, das die Radiologen, die eine MRT der Prostata durchführen wollen, kontinuierlich weiter schult und zertifiziert.

Untersuchung MRT

Wie hoch sind die Chancen einer erfolgreichen Prostatakrebsbehandlung, und welche Kriterien spielen hierbei eine Rolle?

PD Dr. Röthke: Die Chancen einer erfolgreichen Behandlung sind heutzutage höher als jemals zuvor. Dies liegt zum einen an der früheren Erkennung des Prostatakrebses, bei der die multiparametrische MRT der Prostata einen wichtigen Beitrag leistet. Zum anderen liegt es an den immer weiter verbesserten Behandlungsmethoden sowie der stetig wachsenden Bandbreite von Medikamenten im Falle eines metastasierten, also gestreuten Prostatakarzinoms.

Was ist Ihrer Meinung nach nötig, um die Forschung für die Prostata-Früherkennung zu optimieren, sodass noch genauere Messmethoden entwickelt werden können?

PD Dr. Röthke: Die Früherkennung wird durch die Hinzunahme von Laborparametern – dies ist in der ersten Linie der PSA-Wert und eine hochqualifizierte Bildgebung durch eine multiparametrische MRT – deutlich vorangebracht werden. Darüber hinaus werden wir in der Zukunft noch weitere spezifische Laborparameter identifizieren, die die Früherkennung im Blut einfacher möglich machen. Bis auf weiteres wird dann der zweite Schritt eine multiparametrische MRT darstellen, um den im Blut nachgewiesenen Tumor in der Prostata genau lokalisieren zu können und daraus die Biopsie und die notwendigen Therapiemöglichkeiten ableiten zu können.

Herr Dr. Röthke, herzlichen Dank für Ihre Zeit und das angenehme Interview!


Information zum Arzt:

Röthke

Priv.-Doz. Dr. med. Matthias C. Röthke gehört zu den führenden Prostata-MRT-Spezialisten Deutschlands und ist in der Conradia Radiologie und Nuklearmedizin | Conradia Hamburg MVZ GmbH tätig. Er ist Facharzt für Radiologie, Experte in der bildgebenden Prostata-Diagnostik und seit 2016 Ärztlicher Geschäftsführer der Conradia MVZ GmbH für Radiologie und Nuklearmedizin in Hamburg. Mit einem deutschlandweit vernetztem radiologischen Expertenteam bietet die Conradia MVZ GmbH neben allgemeiner Radiologie und Nuklearmedizin den höchsten Standard in Medizin, Gerätetechnik und IT und betreibt Fokuszentren für Prostata-, Herz- und Tumor-Bildgebung und für internistisch-radiologische Prävention/Check-Up.

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LMG19, MR215RK / Bildquelle: (c) auremar, (c) New Africa, (c) Leonid, (c) PIC4U, (c) Henrie – Adobe Stock.