Die Welt der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde mit Prof. Dr. med. Dr. med. Thomas Wustrow

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Leading Medicine Guide Redaktion
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Vor allem in der kälteren Jahreszeit sind die Praxen der Hals-, Nasen- und Ohrenärzte gut besucht. Schnupfen, Erkältungen und Viren sind im Winter lästige Begleiter. Das medizinische Fachgebiet der Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde, kurz HNO, umfasst aber sehr viel mehr Erkrankungen, Infektionen und Störungen im gesamten Kopf- und Halsbereich. Allein weil zwei Sinnesorgane, die Ohren und die Nase, in das Behandlungsspektrum fallen, ist das Gebiet der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde spannend. Die Redaktion des Leading Medicine Guides sprach mit Prof. Dr. Dr. Thomas Wustrow, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde im HNO-Zentrum München, um verschiedene Aspekte dieses faszinierenden medizinischen Fachbereichs näher zu beleuchten.

Ein Interviewbericht von Alexandra Pfitzmann

Ist es ein „normaler Infekt" oder doch die Grippe?

Viren sind lästig, hartnäckig und zudem auch ansteckend. Zu diesen zählt auch die Influenza, auch „echte“ Grippe oder Virusgrippe genannt, an der jedes Jahr viele Menschen in Deutschland erkranken. Neben Husten, Schnupfen und Heiserkeit kommen Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, Abgeschlagenheit, Fieberschübe, Schüttelfrost und zum Teil auch Übelkeit und Durchfall. Natürlich sollte bei einem Verdacht auf einen grippalen Infekt abgeklärt werden, ob es sich um eine Grippe oder vielleicht „nur“ um eine Erkältung handelt. „Wir sind ein Grippezentrum“, erklärt Prof. Wustrow mit Blick auf die Diagnose, „und können innerhalb von zehn Minuten mittels eines Abstrichs feststellen, ob der Patient einen Grippevirus in sich trägt“. Solch eine klare Diagnose ist wichtig, denn eine Grippe ist keine einfache Erkältung, sondern eine schwerwiegende Erkrankung, die sich über Wochen hinziehen kann und den Patienten ans Bett fesselt.


Allein in den ersten sieben Wochen des Jahres 2020 registrierte das Landesamt für Gesundheit nur im Bundesland Bayern 24.962 an Influenza erkrankte Menschen. Das sind ca. 50 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres.


Grippeimpfung – ja oder nein?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Grippeimpfung die effektivste und kostengünstigste Interventionsmaßnahme, um sich selbst und auch das Umfeld zu schützen. In den Medien ist gleichzeitig von einer schleichenden Impfmüdigkeit zu hören. „Es ist eine allgemeine weltanschauliche Ablehnung des Impfens in Deutschland festzustellen“, meint Prof. Dr. Wustrow und erklärt aber: „In unserer Praxis stellen wir eine erhöhte Impfhäufigkeit gegen Grippe fest. Die Menschen haben eine berechtigte Angst vor einer grippalen Infektion. Älteren und schwächeren Menschen ist eine Grippeimpfung dringend anzuraten“. Natürlich – man muss sich einmal vor Augen führen, dass im Winter 2017/2018 allein rund 25.000 Personen an einer grippalen Erkrankung verstorben sind – und das allein in Deutschland. „Neben der Risikogruppe der älteren Menschen und denen mit Vorerkrankungen wie Krebs, ist eine Grippeschutzimpfung auch bei bestimmten Berufsgruppen eine Frage der Verantwortung für sich selbst und seine Mitmenschen. Hierzu zählen zum Beispiel Lehrer oder Ärzte – es betrifft alle Berufsgruppen, die viel mit Menschen zu tun haben. Auch Vielflieger sollten sich schützen!“, empfiehlt Prof. Dr. Wustrow.

Hartnäckige Keime in der Nase

Wird eine Grippe verschleppt, kann sich eine lebensgefährliche Lungenentzündung bilden. Aber auch eine „ganz normale“ Erkältung kann weitreichende Folgeerkrankungen nach sich ziehen. „Wenn Keime einfach nicht verschwinden und eine Erkrankung schlecht oder nicht ausreichend behandelt und auskuriert wurde, spricht man von einer Verschleppung der Krankheit, die dann auch chronisch werden kann“, warnt Prof. Dr. Wustrow.

Die allseits unbeliebte Nasennebenhöhlenentzündung ist zum Beispiel ein Ergebnis hartnäckiger Keime. „Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung, einer sogenannten akuten Rhinosinusitis, kann ein Antibiotikum zur Heilung eingenommen werden, wenn diese etwa bakteriell bedingt und eitrig ist. Durch die Entzündung in den Nebenhöhlen ist die Belüftung gestört, was eine wunderbare Brutstätte für Keime bildet“, erklärt Prof. Dr. Wustrow und fügt an: „Zur sofortigen zusätzlichen Linderung können die Nebenhöhlen mit einem Endoskop abgesaugt werden“.

Interessant ist die Anmerkung zum Thema „Nasenspülungen“. Hier meint Prof. Dr. Wustrow: „Die Nasenspülungen, die auch in der Fernsehwerbung oft propagiert werden, sind ja per se nicht schlecht. Aber Vorsicht ist geboten, wenn eine Nasennebenhöhlenentzündung akut ist. Denn dann ist es schnell passiert, dass Keime in die Tiefe gespült werden“. Auch durch falsches Naseputzen oder Nase bohren können Keime immer wieder aktiv werden. Es ist gut, wenn durch ein Naseputzen das Sekret aus der Nase herauskommt. Aber lieber vorsichtiger schnäuzen als wie ein Elefant trompeten.

Wenn eine konservative Therapie dem Patienten nicht hilft, können bei einer chronischen Entzündung mittels endoskopischer Chirurgie die erkrankte Nasennebenhöhlenschleinhaut entfernt und eine Belüftung gewährleistet werden. Hierbei werden Engstellen oder Störfaktoren wie Nasenpolypen entfernt. Prof. Dr. Wustrow ist für solche Fälle unter anderem zusätzlich für spezielle Kopf- und Halschirurgie qualifiziert – hierauf sollten Sie als Betroffene/r unbedingt achten!

Und wenn die Mandeln raus müssen …?

Wir bleiben im operativen Geschehen. Erinnern Sie sich nicht auch: Früher wurde bei häufiger auftretenden Entzündungen der Mandeln von Kindern ganz schnell empfohlen, sie zu entfernen. Die Aussicht auf viel Eiscreme machte die Perspektive eines Krankenhausaufenthaltes zumindest erträglich. Bei weit geöffnetem Mund sind die Mandeln rechts und links im Rachen zu sehen – viel mehr wissen die meisten Menschen aber nicht über sie. Und brauchen wir sie überhaupt, wenn sie doch per Diagnose so schnell entfernt werden können? „Die Mandeln stellen u.a. die erste Abwehr nach der Geburt dar. Alle Keime stoßen die Immunabwehr bei Neugeborenen an. Mandeln sind in dieser ersten Lebensphase sehr wichtig, sie sind die erste Abwehrbarriere gegen Keime, die in die oberen Atemwege einzudringen versuchen“, erläutert Prof. Wustrow, der in der Gemeinschaftspraxis in München auch viele Kinder behandelt.


Viele Kinder haben vergrößerte Mandeln (Tonsillen). Dadurch können sich die Atemwege verengen, was dazu führt, dass ein Kind beispielsweise schnarcht und im Schlaf Atemaussetzer hat. Dauerhaft schlechter Schlaf wiederum kann zu verschiedenen Problemen und Erkrankungen führen.


Wenn Kinder dann ein Alter von einem halben Jahr oder einem Jahr erreicht haben, verlieren die Mandeln ihre Funktion“, sagt Prof. Dr. Wustrow. „Jüngste Leitlinien erfordern bei häufigeren Mandelentzündungen zunächst immer die Gabe von Antibiotika. Eine starke und anhaltende Entzündung der Mandeln kann schließlich auf die Blutbahn übergehen und Toxine einbringen, sodass man Folgeerkrankungen befürchten muss. Mandeloperationen sind auch seltener geworden, da bei dieser Operation eine erhöhte Blutungsgefahr besteht und ein Arzt permanent anwesend sein muss, um den Patienten zu überwachen. Vergrößerte Mandeln können problemlos in Form einer Tonsillotomie verkleinert werden. Hier muss auch nicht mit großem Schmerz oder hohem Blutverlust gerechnet werden, sodass dies zu den gängigen Operationen gehört“, teilt Prof. Wustrow mit, der auch Eltern stets mit viel Empathie und Sensibilität begegnet, wenn er deren Kind behandelt.

Faszination Ohr

Es gibt eine Theorie, dass das Ohr das erste komplett funktionierende Organ beim Menschen ist. Babys können bereits im Bauch der Mutter hören und nehmen Geräusche wie Sprechen und Musik deutlich wahr. Eine fehlende Reaktionsfähigkeit des Babys nach der Geburt kann also durchaus mit einer Hörschädigung oder einem Hörverlust zu tun haben. „Ob das Ohr das erste ausgebildete Organ ist, muss ich bezweifeln; hier denke ich eher an das Herz. Aber nach einer Geburt findet heute in den ersten vier Lebenstagen ein Neugeborenen-Screening statt. Dies erfolgt mittels Klick-Geräusche und stellt somit eine objektive Hörmessung dar“, erklärt Prof. Wustrow.


Etwa ein bis drei von tausend Kindern werden in Deutschland mit Hörstörungen geboren. Diese müssen schnell behandelt werden, da sie die Entwicklung des Kindes stark beeinträchtigen können. Bei einem Neugeborenen-Hörscreening wird eine Messung der otoakustischen Emissionen durchgeführt und die Funktionsfähigkeit des Innenohres bzw. der äußeren Haarzellen überprüft. Die Untersuchungen sind vollkommen schmerzfrei und können wunderbar in Schlafphasen durchgeführt werden.


Entscheidend sind die ersten sechs Lebenswochen. Häufige Gründe für eine Hörminderung bei Babys können angesammelte Flüssigkeit im Ohr sein, vergrößerte Rachenmandeln oder eine tatsächlich angeborene Schwerhörigkeit. Dann wird eine Hirnstammaudiometrie durchgeführt, bei der die Reize des Gehirns gemessen werden, vergleichbar mit einem EEG (Elektroenzephalografie). Hierdurch können Nervenreaktionen untersucht werden, die bei der Verarbeitung von Hörreizen im Gehirn stattfinden“, verdeutlicht Prof. Dr. Wustrow. Wenn dann sogar eine Taubheit diagnostiziert wird, so gibt es dennoch Abhilfe. Dank des operativen Einsatzes eines sogenannten Cochlea Implantats, einer Hörprothese für Gehörlose und Ertaubte, wird das Hören ermöglicht. Der Einsatz eines Cochlea Implantats ist natürlich auch bei Erwachsenen möglich und wird heute sogar schon bei hochgradig Schwerhörigen, also Patienten mit Hörresten, eingesetzt.

Deutlich wurde im Gespräch mit Professor Dr. Wustrow, dass er ein wahrlich begeisterter Mediziner ist. Die hervorragende Zusammenarbeit mit seinen drei Kollegen in der HNO-Gemeinschaftspraxis in München, die es bereits seit 1959 gibt, genießt Prof. Dr. Wustrow seit 1996 und bringt dort bringt er mit großem Einsatz seine Expertise ein. Vielen Dank für den eindrucksvollen Einblick in die Welt der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde! Viele weitere Informationen über das HNO-Zentrum in München und Prof. Dr. Wustrow findet man hier!

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