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Die Urologie – Dr. med. Robert Hefty im Gespräch

27.02.2020

Die Redaktion des Leading Medicine Guide sprach mit Dr. med. Robert Hefty, seit August 2018 Chefarzt der Klinik für Urologie der Kliniken Heidenheim – Klinik für Urologie und Kinderurologie, günstig gelegen im Dreieck Stuttgart, München und Frankfurt. Lassen Sie sich überraschen, wie vielseitig und spannend die Urologie ist, ein scheinbar in der Öffentlichkeit völlig unterschätztes Fachgebiet der Medizin.

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Dr. med. Robert Hefty, Chefarzt der Klinik für Urologie der Kliniken Heidenheim

Die Urologie – eine unterschätzte Vielfalt in der Medizin

Der Begriff Urologie stammt vom griechischen Wort οὖρον (gesprochen ouron) ab und bedeutet Harn. Ein Urologe beschäftigt sich mit Erkrankungen der Nieren, der Harnblase, der Harnleiter und der Harnröhre sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Bei Letzteren kommen noch Erkrankungen der Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenbläschen, des Penis sowie der Prostata hinzu. Damit werden also zusätzlich Bereiche der Andrologie abgedeckt, der männlichen Entsprechung der Gynäkologie.

Wenn wir auf die Geschichte der Urologie blicken, müssen wir weit in die Zeit zurückreisen, denn bereits in Ägypten ca. 1000 v. Chr. kannte man Blasenkatheter. Und während im Mittelalter fast eine Stagnation im Bereich der Weiterentwicklung der Urologie festzustellen ist, schritt die Entwicklung in der frühen Neuzeit dann deutlich voran, um im 19. und 20. Jahrhundert richtig Fahrt aufzunehmen.

„Heute sprechen wir natürlich von ganz anderen Dimensionen, was die Urologie betrifft. Innovative Laserverfahren und der Fokus auf minimal-invasive Techniken sind tonangebend und machen den Weg frei zu sehr viel angenehmeren Therapien für den Patienten“, erläutert Dr. Hefty, der im Rahmen seiner Ausbildung schon in den Neunzigerjahren in Breslau Erfahrungen mit Lasermethoden machen konnte.

„Große Prostata-Operationen zum Beispiel, die früher mittels Bauchschnitt durchgeführt wurden, nach denen der Patient zehn Tage oder länger in der Klinik bleiben musste, sind passé. Es ist nur noch ein winzig kleiner Einstich in die Haut nötig, um eine solche Behandlung durchzuführen, und der Patient ist nach drei Tagen bereit für seine Entlassung“, sagt Dr. Hefty mit Stolz in der Stimme.

Von Harndrang bis Inkontinenz: „Keine Diagnose durch die Hose!“

Viele Menschen leiden unter Problemen mit ihrer Blase und begegnen dem Alltag mit allerlei Tricks, um sie zu bewältigen. Blasenentzündungen oder Stressinkontinenz (hierbei lassen Betroffene unwillkürlich Harn, sobald sie durch körperliche Anstrengung wie Husten, Lachen oder schweres Heben Druck auf den Bauchraum ausüben) machen das Leben schwer.

Der Gang zur Toilette wird bei Blasenentzündungen zur Qual, weil die paar Tröpfchen Urin, die man hervorbringt, Schmerzen in der Harnröhre verursachen und ständig das Gefühl besteht, mal zu „müssen“. Inkontinenz lässt viele, Männer wie Frauen, zu Experten für Slip-Einlagen, Binden oder Windelhöschen werden. Bestimmte Kleidungsstücke wie kurze Röcke oder enge Hosen werden vermieden.

Frauen sind deutlich öfter betroffen, wenn es um Harnwegsinfektionen oder Blasenschwäche geht. Zum einen, weil ihr Bindegewebe grundsätzlich schwächer ist als das des männlichen Geschlechts, und zum anderen, weil die Beckenbodenmuskulatur etwa infolge von Geburten stark beansprucht wird und den Schließmuskel der Harnröhre nicht mehr optimal unterstützen kann. Auch eine rein altersgemäße Schwäche des Gewebes und der Muskulatur zählt zu den Ursachen“, erklärt Dr. Hefty. Inkontinenz ist den meisten Menschen peinlich. Sie schämen sich und versuchen, ihre Problematik möglichst lange zu verstecken. Dabei können viele der Patienten mit gezieltem Beckenbodentraining sich selbst helfen und die Kontrolle über ihren Harndrang wieder zurückgewinnen oder zumindest verbessern.

Die Herren-Welt reagiert in der Regel noch verschämter und zögert den Arztbesuch möglichst lange hinaus, da ihnen Untersuchungen „unten rum“ meist fremder sind und die Scham Oberhand gewinnt. Der Leitspruch von Dr. Hefty lautet hier: „Keine Diagnose durch die Hose!“, und er versucht mit seiner humorvollen Art, den Menschen die Angst vor den Untersuchungen zu nehmen und ihre Scham zu überwinden.

„Es gibt kaum einen Mann über sechzig ohne Tröpfchen-Inkontinenz“, verkündet Dr. Hefty. Viele Männer leiden an Belastungsinkontinenz, verlieren also Harn beim Lachen oder wenn sie etwas Schweres heben. Da muss kein Mann sich schämen. Neben einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur kann hierfür auch die Prostata verantwortlich sein, da dieses Organ ein Leben lang wächst und ihre Größe schlussendlich auf die Blase drücken kann. „Beim Mann kann man im Zweifelsfall stets über einen künstlichen Schließmuskel nachdenken“, erklärt Dr. Hefty und verdeutlicht zudem: „Der Vorteil bei notwendigen Eingriffen an der Harnröhre beim Mann liegt grundsätzlich darin, dass die Harnröhre um ein Vielfaches länger ist als bei der Frau. Während die Harnröhre bei der Frau nur ca. 3,5 cm misst, ist die eines Mannes rund 12-15 cm lang“.

Die neue Urolastic-Therapie für Frauen

Denjenigen Frauen, bei denen ein Beckenbodentraining nicht ausreicht, kann jetzt mit einer neuen Therapie, dem sogenannten „Urolastic-Verfahren“ geholfen werden. „Bei dem Urolastic-Verfahren handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff, der in lokaler Betäubung durchgeführt wird und ca. nur 15 Minuten dauert“, freut sich Dr. Hefty und führt weiter aus: „Es wird dabei in vier kleine Depots um die Harnröhre herum ein zwei-Komponenten-Füllstoff injiziert. Daraus bilden sich innerhalb nur weniger Minuten flexible Implantate, die wiederum zu einer Verengung der Harnröhre führen, diese dadurch stabilisieren und somit den Verschlussmechanismus stabilisieren“. Der nach dem Eingriff folgende „Hustentest“ zeigt den unmittelbaren Erfolg.

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Modernste Technik bei der Untersuchung und Diagnosestellung ist unverzichtbar

„Es gibt bei Stressinkontinenz auch die Methode Bänder unter der Harnröhre zu platzieren, um diese zu stabilisieren. Unsere neue Methode hat aber dabei den klaren Vorteil, dass kein Fremdkörpergefühl entsteht“, sagt Dr. Hefty, und fügt an: „Bänder werden mittels Operation und Narkose eingesetzt. Die neue Methode erfordert nur eine lokale Betäubung. Und nur weil noch keine ambulante Zulassung vorliegt, muss die Patientin eine Nacht lang stationär aufgenommen werden“, ergänzt er. Spannend ist dieses neue Verfahren vor allem für Patientinnen mit bestehendem Kinderwunsch. Denn der eingesetzte Füllstoff ist langanhaltend, verwächst nicht mit dem Gewebe, ist leicht austauschbar und verursacht beim Geschlechtsverkehr keine Schmerzen, was Patientinnen mit Bändereinsatz doch immer wieder beklagen.

„Behalten Sie den Lokus im Fokus!“

Blasenentzündungen haben einen bakteriellen Hintergrund. Was Blasenentzündungen betrifft, so findet sich die Ursache oft in übertriebener Hygiene mit scharfen Seifen im Intimbereich. „Das Milieu in der Blase bietet Schutz.

Wenn die Blasenschleimhaut angegriffen wird, dann können sich chronische Resistenzen entwickeln“, erklärt Dr. Hefty und fügt hinzu: „Urin und Stuhlgang sollten immer wieder überprüft werden. Blut im Stuhl oder im Harn sollte einen Arztbesuch immer nach sich ziehen. Hier ist dann bei Frauen der Gynäkologe gefragt, denn oft wird bei Blut im Urin nur auf Infektionen behandelt. Eine Überweisung an einen Urologen macht hier aber Sinn, da nur eine urologische Kontrolle Erkrankungen wie etwa Blasenkrebs feststellen kann“.

Liegt eine Blasenentzündung vor, hilft oft eine Trinkkur, bei der drei bis vier Liter Wasser am Tag getrunken werden müssen, sodass möglichst viele Bakterien ausgeschwemmt werden können. Kleiner Tipp am Rande: Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Frauen immer die Blase entleeren, da hiermit viele Bakterien den Körper wieder verlassen.

Blasenkrebs wächst nach Exposition zunächst langsam

Keine Panik – wer Blut im Urin hat, muss nicht sofort an Blasenkrebs denken. Um Blasenkrebs eindeutig zu diagnostizieren, ist eine Blasenspiegelung nötig. „Meist handelt es sich um flache Tumore, die nur in einer Spiegelung erkannt werden. Ultraschall, eine Computer- oder Magnetresonanztomografie können erforderlich sein, um das Stadium zu identifizieren“, berichtet Dr. Hefty.

Wichtig zu wissen ist aber, dass Blasenkrebs sehr langsam entsteht. „Zwischen 15-18 Jahre kann die Ausbildung eines Krebsgeschwürs in der Blase dauern“, erzählt Dr. Hefty und beruhigt: „Die Erfolgsquote einer Behandlung und die Heilungschancen sind sehr hoch. Die meisten Tumore, ca. 75%, sind oberflächlicher Natur und lassen sich endoskopisch abtragen. Die Herausforderung hier besteht darin, dass wir es bei Blasenkrebs mit schneller wiederkehrenden Tumoren zu tun haben und regelmäßige Nachkontrollen unumgänglich sind.“

Wenn Blasentumore sehr tief sitzen, dann kommt man an einer Blasenentfernung oft nicht vorbei. „Das Streupotenzial bei Blasentumoren ist recht groß. Stellen Sie sich ein wildwachsendes Gewächs vor, das an Blut- und Lymphgefäße andocken kann. Daher ist die Metastasierungsgefahr hoch“, erläutert Dr. Hefty und rät daher, die Nachuntersuchungen ernst zu nehmen.

Die Neoblase – segensreiche Hilfe

Wenn die Blase nicht mehr endoskopisch operabel ist, muss sie entfernt werden. Ohne Harnblase allerdings funktioniert der Toilettengang nicht. Glücklicherweise gibt es auch hier eine Ersatzoption: die Neoblase. Hierbei handelt es sich um eine künstliche Harnblase, die aus Eigengewebe des Dünndarms geformt wird. So kann der Urin über die Harnleiter, die mit der Neoblase verbunden sind, aus den Nieren in die Ersatzblase gelangen. Sie ist oberhalb des operativ erhaltenen Schließmuskels mit der Harnröhre verbunden und ermöglicht ein normales Wasserlassen.

„Die Neoblasen-Operation ist schon eine große Herausforderung und erfordert eine hohe Expertise“, verdeutlicht Dr. Hefty, der sehr viele Operationen selbst durchführt und die fehlende chirurgische Ausbildung innerhalb der Urologie bemängelt. „Mir ist es daher als Chefarzt wichtig, meine Erfahrung an meine jüngeren Kollegen weiter zu vermitteln und das Operieren weiterzugeben“, sagt der ausgewiesene Spezialist der urologischen Chirurgie. „An vielen Krankenhäusern wird Blasenerhaltend operiert, weil schlicht und ergreifend die Expertise fehlt, obwohl eine Entfernung und der Einsatz einer Neoblase sinnvoller wäre“, so Dr. Hefty.

Ein positiver Blick in die Zukunft der Urologie

Dr. Robert Hefty, gebürtiger Heilbronner mit familiären Wurzeln in den USA, lebt nach der Zielsetzung: Information – Innovation – Motivation. „Ich blicke sehr positiv in die Zukunft, was die Entwicklung der Urologie betrifft. Die Behandlung von Nierensteinen, Harnröhrenverengungen oder Prostataveränderungen und die Chirurgie bei urologischen Tumoren erfolgt auf hohem Niveau, vor allem dank der angewendeten modernen Lasertechnik. Medikamentöse Therapien werden in der Zukunft sicherlich steigen, und auch die Zellstrukturanalyse wird zunehmen, sodass eine noch individualisierte Therapie für die Patienten herausgearbeitet werden kann“, erklärt er optimistisch.

Dem medizinischen Nachwuchs rät er, die Urologie nicht aus den Augen zu verlieren. „Es gibt kaum ein Fachgebiet in der Medizin, das so vielseitig ist wie die Urologie. Urologie beinhaltet unter anderem die Andrologie, Röntgendiagnostik, Proktologie oder die Tumortherapie“, schwärmt er. Die Urologie ist tatsächlich eine Schlüsseldisziplin, wenn man die demografische Entwicklung bedenkt. „In der Zukunft werden zwanzig bis dreißig Prozent mehr Urologen gebraucht als heute, da die Menschen nun einmal immer älter werden und viele urologische Erkrankungen erst in einem späteren Lebensalter auftreten“, betont Dr. Hefty abschließend. Ein Fachgebiet mit großer Zukunft!

Dieses aufklärende und erfrischende Gespräch hat uns Freude bereitet und einen völlig neuen Blick auf das Fach Urologie ermöglicht. Vielen Dank, Dr. Hefty! Sie möchten mehr über Dr. Hefty erfahren? Dann besuchen Sie das Leading Medicine Guide Profil des Urologie-Spezialisten Dr. Hefty - mit direkter und sicherer Kontaktmöglichkeit!

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