Experteninterviews

Interview mit Professor Dr. med. Dirk J. Beuckelmann, Facharzt für Kardiologie, Zentrum für Kardiologie am Klinikum Starnberg.

Kommt es im Bereich der Kardiologie, der Lehre des Herzens, zu Erkrankungen, dann ist schnell Gefahr in Verzug. Schließlich ist das Herz der Motor unseres Körpers. Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder eine allgemeine Herzschwäche sollten niemals ignoriert oder auf die leichte Schulter genommen werden. Neben einer gesundheitsfördernden Lebensweise kann bei komplexeren Problemen wie bei einer Herzinsuffizienz oder bei Veränderungen der Herzklappen manchmal nur eine medizinische und ärztliche Betreuung helfen. Die Redaktion des Leading Medicine Guide hatte die Möglichkeit mit Professor Dr. Dirk Beuckelmann, seit 2013 im Zentrum für Kardiologie am Klinikum Starnberg tätig, zu sprechen, ein ausgewiesener Spezialist in der Kardiologie, um einige Herzensangelegenheiten genauer zu beleuchten.

Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche.

Im Bereich der allgemeinen Kardiologie geht es um die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder HerzschwächeDie Zahl der Herzerkrankungen hat in den letzten Jahren insgesamt zugenommen. „Erfreulich ist, dass die Behandlungsmöglichkeiten und Erfolgsquoten in den vergangenen zehn Jahren sich deutlich verbessert haben“, ermutigt Professor Dr. Beuckelmann. „Die erhöhte Zahl der Herzerkrankungen liegt selbstverständlich auch in der demografischen Entwicklung. Die Menschen werden schließlich immer älter, und somit haben wir es in der Konsequenz mit deutlich mehr Patienten zu tun. Typische Erkrankungen im höheren Alter sind Vorhofflimmern, koronare Herzerkrankungen (Arteriosklerose). Die Herzinfarktrate hingegen hat glücklicherweise spürbar abgenommen, was in der erhöhten Aufklärung der Menschen liegt und an den vielen Präventionsmaßnahmen, von denen die Patienten profitieren“, führt Prof. Dr. Beuckelmann weiter aus. Natürlich können auch Alltagsprobleme und hoher Druck am Arbeitsplatz langfristig für einen erhöhten Blutdruck sorgen. „Hier gilt es, rechtzeitig einen Spezialisten aufzusuchen, um sich einmal gründlich kardiologisch durchchecken zu lassen. Nur dann können rechtzeitig präventive Maßnahmen auch umgesetzt werden“, empfiehlt er und fügt hinzu: „Bitte achten Sie aber grundsätzlich auf einen gesunden und entspannenden Ausgleich im Falle eines hektischen und anstrengenden Tages“.

Im Normalzustand wird pro Minute 60-90 Mal ein Herzschlag ausgelöst. 

Für den Herzschlag ist der sogenannte Sinusknoten im Herzen als natürlicher Schrittmacher verantwortlich, der dafür sorgt, dass sich die Vorhöfe des Herzens gleichzeitig zusammenziehen und entspannen, was eben den überlebensnotwendigen Herzschlag und die Blutzirkulation auslöst. Wer unter ständigem Bluthochdruck leidet, riskiert eine Arterienverkalkung der Herz-Kranz-Gefäße. Ursache hierfür ist oftmals die Kombination aus mangelnder Bewegung und schlechter Ernährung. Es besteht immer die Möglichkeit, den Bluthochdruck selbst zu verbessern, indem man seine Ernährung umstellt, mehr Fahrrad fährt oder spazieren geht und eben die Treppe nimmt statt des Fahrstuhls. Ist der Bluthochdruck aber bereits chronisch, dann muss medikamentös therapiert werden und das dann ein Leben lang“, erklärt Prof. Dr. Beuckelmann.

In Deutschland werden jährlich über 400.000 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingeliefert. An der häufigsten Herzrhythmusstörung „Vorhofflimmern“ leiden in Deutschland ca. 1,8 Millionen Menschen.

Was passiert bei einer Herzkatheter-Untersuchung?

Professor Dr. med. Beuckelmann hat sich im Besonderen auf die Prävention, die klinische und interventionelle Kardiologie spezialisiert. So kann im Klinikum Starnberg ein Herz-Check durchgeführt werden, der eine Risikoanalyse beinhaltet und die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Herzens überprüft. Zur Anwendung kommen Ergometrie (Belastungs-EKG), Spiroergometrie, Herz Echo, EKG, und spezielle Laboruntersuchungen. Nur so können Beschwerden im Vorhinein vermieden oder gemildert werden. Bei Herzrhythmusstörungen besteht auch die Option auf ein Langzeit EKG über 24-72 Stunden. Ein wesentlicher Baustein der modernen kardiologischen Untersuchungsmethoden ist aber die Herzkatheter-Untersuchung.

„Im Falle eines akuten Herzinfarkts wird natürlich sofort eine Herzkatheter-Untersuchung eingeleitet, auch bei Patienten, die mit einem Druck in der Brust in die Klinik kommen. Bei dem Verdacht einer Verengung wird mit einer Stress-Echo-Kombination die Herzleistung überprüft. Mittels stethoskopischer Untersuchung können Herzklappenfehler erkannt werden, die in der Echokardiografie sichtbar werden“, führt Prof. Dr. Beuckelmann aus.

Die Herzkatheter-Untersuchung ist eine minimal invasive Untersuchung des Herzens, durch die der Kardiologe eine Vielzahl von Erkrankungen diagnostizieren und meistens sogar gleich behandeln kann.

Eine Herzkatheter-Untersuchung sollte bei koronaren Herzerkrankungen, nach einem Herzinfarkt, bei Herzfehlern oder der Erkrankung des Herzmuskels (Kardiomyopathie) vorgenommen werden. Was sich für den Laien dramatisch anhört, erklärt Prof. Dr. Beuckelmann entspannt: „Nach einem Aufklärungsgespräch mit dem Patienten, erhält dieser eine leichte Beruhigungsspritze und eine lokale Betäubung. Vom Handgelenk aus wird dann ein feiner Schlauch durch die Arterien im Arm zum Herzen eingeführt. Durch ein gespritztes Kontrastmittel können dann am Monitor mögliche Verengungen erkannt werden. Wenn der Patient mag, kann er selbst auch die Bilder auf dem Monitor verfolgen – das bleibt ihm überlassen. Wenn nur leichte Verengungen erkennbar sind, reicht eine medikamentöse Therapie aus, bei schlimmeren Verengungen wird ein Bypass gesetzt, wenn die Verengungen fortgeschritten sind, wird mittels des Einsetzens eines Stents oder Ballons die Arterie erweitert. Stents sind eine sichere Methode, die stabil erweitern. Stents verbleiben auch im Körper und verwachsen nach und nach mit dem Gewebe“, sagt Professor Dr. Beuckelmann.

Was ist ein Stent?

Mit einem Ballonkatheter können bei einer Arteriosklerose verengte Gefäße wieder aufgedehnt werden. Damit die geweitete Stelle sich mit der Zeit nicht wieder verschließt, wird ein sogenannter Stent eingesetzt. Dies ist ein gitterförmiges Geflecht aus Edelstahl, das wie eine Röhre in das Gefäß eingesetzt wird. So kann dann das Blut ungehindert durch das Gefäß fließen.

„Wenn ein Stent zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr ausreicht, kann wiederum das Einsetzen eines zusätzlichen Ballons helfen“, erklärt er weiter. So eine Herz Katheter Untersuchung dauert in der Regel nur 30 Minuten. „Der Patient spürt dabei üblicherweise nichts. Höchstens die Ballonaufdehnung kann sich kurzfristig ungewohnt anfühlen“, beruhigt er. Liegen komplexere Probleme im Bereich der Herzchirurgie vor, können die Herzspezialisten des in Nähe gelegenen Klinikums Großhaders hinzugezogen werden.

Man darf als Arzt die Technik nicht als Selbstzweck nutzen.

Beuckelmann

Professor Dr. Beuckelmann, der seit Beginn seines Medizinstudiums immer die Kardiologie als Fachgebiet favorisiert hat, sieht die vielen fantastischen Möglichkeiten, die die Medizin zu bieten hat. „Notwendig ist aber stets die persönliche Interaktion. Man darf die Technik nicht als Selbstzweck nutzen und sich von ihr wegtragen lassen. Man muss sie beherrschen“, mahnt er. „Die Ideenentwicklung ist zurzeit sehr hoch, und die Medizintechnik ist enorm fortschrittlich. Wo früher Herzklappen nur mit offener Operation behandelt wurden, können wir das heute mittels Katheter. Für den Patienten bedeutet dies in erster Linie mehr Sicherheit und selbstverständlich eine viel schnellere Heilung ohne großen Eingriff“, erläutert er begeistert und ergänzt: „Die Hektik des Klinikalltags darf nicht an einen heran. Gleichzeitig muss man als Arzt an der Front bleiben“.

Der gebürtige Norddeutsche freut sich im Klinikum Starnberg über die hochprofessionelle Ausstattung und die damit verbundenen Möglichkeiten, seinen Patienten zu helfen. „Immer wieder bin ich bewegt, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht. Natürlich gibt es auch immer wieder durchaus lebensbedrohliche Fälle, mit denen ich konfrontiert werde. So wurde ein 38jähriger Mann unter laufender Reanimation mit schwerstem Herzinfarkt in höchstkritischem Zustand in die Klinik eingeliefert und hat dann aber alles ohne bleibende Schäden überlebt. Solche Rettungsmaßnahmen schenken immer Mut und geben Antrieb unbedingt weiterzumachen. Dass mein Arbeitsplatz in der bilderbuchähnlichen Landschaft des Starnberger Sees liegt, ist das positive Tüpfelchen, das noch hinzu kommt“, führt Prof. Dr. Beuckelmann abschließend aus.

Professor Dr. med. Dirk J. Beuckelmann, Facharzt für Kardiologie, ist seit 2013 im Zentrum für Kardiologie am Klinikum Starnberg tätig und war zuvor Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Kardiologie und Allgemeinen Innere Medizin der Schön Klinik am idyllischen Starnberger See. Professor Dr. Beuckelmann blickt auf eine langjährige Erfahrung als Kardiologe zurück und erhielt im Jahr 2000 den Fraenkel-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Er ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Deutschen Herzstiftung, im Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und in der Vereinigung der Bayerischen Internisten.