Experteninterviews

Viele Menschen kennen das: Schwere Beine, geschwollene Knöchel und Besenreiser oder Krampfadern - diese Beschwerdebilder sind typische Anzeichen für eine gestörte Venentätigkeit, die wir nicht ignorieren sollten. Doch was tun bei derartigen Symptomen, die nicht nur ästhetisch stören, sondern manchmal den Alltag erschweren oder gar Schmerzen bereiten? Die meisten Betroffenen werden es bereits bemerkt haben: Sport und gesunde Ernährung allein werden hier kaum helfen. Da Krampfadern & Co. bereits auf ein ernstzunehmendes gesundheitliches Problem hinweisen, sollten sie medizinisch begutachtet werden. Und wer kann das besser als der Leading Medicine Guide Experte Dr. Pelle. Der in Aachen ausgebildete Humanmediziner mit Spezialisierung auf Phlebologie führt heute seine eigene chirurgische Praxis im Aargau (Schweiz). Auf diese Weise erreicht er endlich die Qualität, die ihm im eng durchtakten und nach klaren Regeln strukturierten Krankenhausbetrieb nie möglich gewesen wäre. Dr. Pelle beschäftigt sich neben der allgemeinen Chirurgie schließlich mit einer Erkrankung, an der viele Menschen chronisch leiden - ob sie es wissen oder nicht! “Bin ich etwa auch betroffen? Woran kann man es ausmachen?” Fragen wir doch den Facharzt:  Herr Dr. Pelle, wenn man sich so seine Beine anschaut… woran erkennt man denn, dass man vielleicht bereits an einem Venenleiden erkrankt ist? Betrifft das hauptsächlich Frauen? Dr. Pelle: Vielen Dank für Ihre Frage. Tatsächlich kommen solche Symptome häufiger vor als man denkt. Sehr oft werden venöse Probleme als rein kosmetisches Problem betrachtet und interessanterweise auch häufig von Hausärzten unterschätzt. Zwei große Studien haben gezeigt, dass Männer und Frauen nahezu gleichhäufig an einer chronisch-venösen Insuffizienz leiden. Es hat sich gezeigt, dass etwa jede 5. Frau und jeder 6. Mann an einer behandlungsbedürftigen Venenschwäche erkrankt ist. Hässliche Krampfadern und müde Beine - was sind sonst typische Beschwerden? Dr. Pelle: Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein, häufig zeigen sich die Beschwerden aber auch in einer Kombination derselben. Dies sind insbesondere:  
  • müde Beine mit einem Schweregefühl,
  • unruhige Beine,
  • Schwellneigung mit Zunahme der Beschwerden im Tagesverlauf,
  • Nächtliche Wadenkrämpfe,
  • Hautveränderungen (von der sehr trockenen Haut bis hin zu Ekzemen mit mehr oder weniger Juckreiz),
  • Braunverfärbungen an den Unterschenkeln,
  • bläulich oder violett verfärbte, ganz oberflächig verlaufende sehr geschlängelte kleine Äderchen im Bereich der Innenknöchel,  
  • aber auch Schmerzen in den Fußsohlen, bedingt durch den Rückstau und die Schwellneigung.
 Wenn Sie beispielsweise Krampfadern - eine doch relativ häufige Erkrankung - diagnostiziert haben, wie würde eine Behandlung therapeutisch aussehen und welche Verfahren kommen dabei zum Einsatz? Dr. Pelle: Heutzutage ist der „Werkzeugkoffer“ eines Phlebologen erfreulicherweise mit vielen Möglichkeiten gefüllt, so dass wir je nach Stadium der Erkrankung und auch Wünschen der Patienten das geeignete Verfahren auswählen können.  Wie steht es mit Schmerzen? Wird man stationär behandelt und wie lange fällt man aus? Dr. Pelle: Nein, heute nicht mehr! Alle modernen Therapieverfahren können inzwischen ambulant, und sehr schmerzarm, manche sogar ohne örtliche Betäubung durchgeführt werden. Sie gehen dabei, wenn überhaupt, nur mit einer kurzen Arbeitsunfähigkeit einher. Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass die klassische Operation durch die neuen Katheterverfahren abgelöst worden ist. Wir haben unterschiedliche Optionen, die auf den einzelnen Patienten angepasst werden können. In meiner Praxis biete ich folgende  Behandlungsmöglichkeiten an, wobei ich häufig auch eine Kombination verschiedener Verfahren anwende:
  • Das endovenös-thermische Katheter-Verfahren (Radiofrequenz- oder Laser Katheter). Dabei wird die Veneninnenwand durch Hitze verödet und die nicht mehr funktionierende Vene somit ausgeschaltet.
  • Das mechano-chemische Katheter-Verfahren (ClariVein). Hierbei ritzt ein kleiner Propeller die innere Venenwand an. Beim sehr langsamen Zurückziehen des Katheters wird das Verödungsmittel gleichzeitig eingespritzt. Durch das Anspritzen der inneren Venenwand erhöht sich die Wirksamkeit des Verödungsmedikamentes und Studien zeigen sehr gute Ergebnisse,  die nahe an die ausgezeichneten Ergebnisse der thermischen Katheterverfahren heranreichen. Ein Vorteil ist, dass es keine örtliche Betäubung braucht.
  • Auch ohne örtliche Betäubung kommen Katheter-Verfahren aus, bei denen über einen Katheter Klebstoffe den Verschluss der nicht funktionierenden Vene erzeugen.
  • Die klassische Verödungstherapie mit flüssigem oder aufgeschäumtem Verödungsmittel. Es zeigt vor allem in der Kombination beim Einsatz mit den oben erwähnten Katheterverfahren sehr schöne Ergebnisse.
  • In manchen Fällen ist jedoch nach wie vor die klassische Crossektomie mit der invertierenden Stripping-Operation sowie auch die Phlebektomie erforderlich. Diese Techniken werden allgemein als „Krampfadern ziehen“ bezeichnet.
  • Bei der Valvuloplastie wird eine Art Manschette um die erweiterte und nicht mehr funktionierende Vene platziert. Somit kann sich die Vene nicht mehr erweitern und die Klappenfunktion kann sich wieder regenerieren.
Und kommen wir zurück zum “schweren Bein”: Dieses ist neben der Schwellneigung ein Haupt Symptom der chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) Was muss man hier beachten und wie gehen Sie hierbei vor? Dr. Pelle: Wie der Name chronisch-venöse Insuffizienz sagt, handelt es sich um eine chronische, fortschreitende Erkrankung im venösen Blutgefäßsystem, wobei es aufgrund einer Bindegewebsschwäche zu meist entzündlichen Veränderungen der Venenwand und der Venenklappen kommt. Hierdurch wird die Funktion der Venenklappen zunehmend beeinträchtigt und letztendlich ganz aufgehoben. Die Folge ist, dass es nicht mehr zu einem regelrechten Rückfluss des sauerstoffarmen Blutes zum Herzen hin kommt. Es bilden sich ein Rückstau und ein venöser Bluthochdruck. Daher treten die Beschwerden auch nicht plötzlich von heute auf morgen auf, sondern entwickeln sich langsam! Das führt dazu dass sich die Patienten häufig erst dann beim Arzt melden, wenn die Beschwerden/Symptome ausgeprägt sind. Ganz wichtig ist hier eine detaillierte Abklärung, bei der die Beschwerden des Patienten, die Befunde der klinischen Untersuchung und der apparativen Ultraschall Untersuchung mittels Duplex-und Dopplersonographie dokumentiert werden. Wie oben bereits gesagt richtet sich dann die Therapie nach diesen individuellen Untersuchungsergebnissen. Wie hängt eine Thrombose damit zusammen? Dr. Pelle: Tatsächlich besteht neben den oben erläuterten Symptomen und Beschwerden auch zusätzlich ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer tiefen Beinvenenthrombose von ca. 25 %. Das Risiko erhöht sich zusätzlich, wenn  neben der chronisch-venösen Insuffizienz eine oberflächige Venenentzündung vorliegt. “Krampfader ist nicht gleich Krampfader” - wie kann man diese entsprechend einteilen und wonach richten Sie die Therapie? Dr. Pelle: Anhand der objektiven Befunde der klinischen Untersuchung und der Ultraschalluntersuchung wird der Schweregrad bewertet und einer Stadieneinteilung zugeordnet. Es handelt sich hierbei um die international gebräuchliche CEAP Klassifikation. Anhand dieser Klassifikation können wir aus den oben genannten Behandlungsmöglichkeiten das Verfahren oder die Kombination verschiedener Verfahren auswählen, die dem individuellen Patienten am besten helfen. Im Vordergrund steht hierbei, so schonend wie möglich die erkrankten Venen auszuschalten und die gesunden Venen zu erhalten. Diese von Ihnen beschriebene Stadieneinteilung berücksichtigt jedoch die subjektiven Beschwerden nicht so sehr. Ist das so richtig?Dr. Pelle: Ja das stimmt, deshalb benutze ich gerne noch zusätzlich die Gliederung nach Widmer und Marshall :Grad 1: sichtbare Krampfadern ohne nennenswerte Beschwerden; keine Komplikationen.Grad 2: sichtbare Krampfadern; Beschwerden im Sinne von Missempfindungen, Juckreiz, Schweregefühl, Spannungsgefühl, Schwellneigung, Wadenkrämpfe, Schmerzen; keine Komplikationen.Grad 3: sichtbare Krampfadern; Beschwerden (wie Grad 2 nur stärker ausgeprägt); zusätzliche Komplikationen: trophische Hautstörungen (Verhärtungen, Pigmentierungen, Entzündungen der Haut, Ekzem, Atrophie), Venenentzündung.Grad 4: sichtbare Krampfadern; Beschwerden (wie Grad 3); Komplikationen (wie Grad 3 jedoch stärker ausgeprägt);und schließlich das sogenannte Ulcus cruris (= offenes Bein) Was kann man selbst tun, um Venenerkrankungen vorzubeugen?Dr. Pelle: Bei Venenerkrankungen spielen erbliche Faktoren eine große Rolle. Weitere Faktoren wie Übergewicht, Nikotin- und Alkoholgenuss oder Bewegungsarmut können die Entstehung und das Fortschreiten ungünstig beeinflussen.  Und wie ist es mit Sitzen und Stehen? Wirkt sich das ebenfalls auf die Gesundheit unserer Venen aus? Wie können wir vorbeugen?Dr. Pelle: Leider ja. Langes Sitzen oder Stehen ist problematisch. Wenn sich längeres Sitzen nicht vermeiden lässt (z.B. im Flugzeug oder bei längeren Autofahrten) empfehle ich das Tragen von Kompressionsstrümpfen und zusätzlich immer wieder den Fuß auf- und ab zu bewegen, um somit die Muskelpumpe in der Wade zu aktivieren. Damit wird der Blutfluss zurück zum Herzen erleichtert und die Blutströmung insgesamt beschleunigt. Für Patienten mit stehenden Berufen wie Friseure oder Verkäufer gibt es ebenfalls die Möglichkeit - zur Vorbeugung oder auch zur Vermeidung einer Verschlechterung - Kompressionsstützstrümpfe zu tragen. Die Industrie hat hierfür sehr gute Vorschläge und bietet Strümpfe in guten und auch wirklich tragbaren Qualitäten an. Der gute alte “Gummistrumpf“gehört hiermit der Vergangenheit an. Manche Gesundheitsexperten und Mediziner schlagen Kalt-Duschen vor? Ist da was dran? Dr. Pelle: Ja, auch kaltes Wasser regt die Blutzirkulation in den Beinen an und das fördert die Venengesundheit. Gleichzeitig sollte man übermäßige Wärme vermeiden, wenn man bereits an einer Venenerkrankung leidet.    Das ist gut zu wissen! Dann ist die gelegentlich kalte Dusche ja doch sehr sinnvoll. Herr Doktor Pelle, wir danken Ihnen für Ihre hilfreichen Tipps und das nette Gespräch.
Und wenn Sie der Meinung sind, dass auch Ihre Beine häufig müde oder unruhig sind, Schwellungen oder Hautveränderungen zeigen, können Sie direkt Kontakt zum Leading Medicine Guide Experten Dr. Pelle aufnehmen. Bildquelle: © ActionGP und © deagreez  www.fotolia.com