Prof. Ninkovic: „Brust-Rekonstruktion verbessert das Wohlbefinden!“

07.02.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor
Leading Medicine Guide Redaktion

Es ist ein sensibles Thema, das einen besonderen Spezialisten verlangt: Von der gelungenen Rekonstruktion einer Brust hängt nahezu immer äußerst viel ab – vor allem natürlich ein positives Lebensgefühl und aktive Freude am eigenen Körper. Die Gründe für eine Rekonstruktion können dabei sehr vielfältig sein: wenn beispielsweise nach einer Brustkrebsoperation die operierte Seite völlig anders aussieht als die gesunde Seite – oder nach einer Mastektomie, also einer chirurgischen Entfernung von Brustgewebe. In jedem Fall aber heißt es: Die Brust muss wieder aufgebaut werden. Und zwar so natürlich wie möglich. Kein Wunder, dass sich vor allem Patientinnen da gern an einen spezialisierten Hochleistungsmediziner wenden. In der München Klinik Bogenhausen gibt es einen immens erfahrenen Facharzt, der dem Leading medicine Guide auch gern ein paar Fragen zu diesem Thema beantwortet hat: Prof. Dr. med. univ. Milomir Ninkovic.

lmg_prof_ninkovic.jpg

Bei der Brustrekonstruktion stehen verschiedene Techniken und Verfahren zur Wahl. Grundsätzlich können Brüste mit Silikonimplantaten rekonstruiert werden – oder sie werden mit Eigengewebe wieder aufgebaut und modelliert. Prof. Dr. med. univ. Milomir Ninkovic besitzt als Chefarzt an der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie am Klinikum Bogenhausen über reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der chirurgischen Brustrekonstruktion.

Leading Medicine Guide: Es gibt viele verschiedene Methoden der Brustrekonstruktion. Viele Patientinnen, für die etwa nach einer Brustkrebsoperation eine dieser Methode infrage kommt, sind aber nach wie vor schlecht informiert. Woran liegt das? 

Prof. Ninkovic: Der Arzt, der die Patientin am Anfang behandelt, müsste die Informationen weitergeben. Aber zunächst geht es ja um den Tumor und darum, die passende Behandlung dafür zu finden. Da tritt die Rekonstruktion zunächst einmal in den Hintergrund. Entsprechend der Größe des Tumors und seiner Klassifikation, der Lymphknotenbeteiligung und der Histopathologie wird das chirurgische Vorgehen festgelegt. Dann wird zunächst der Tumor entfernt. Anschließend geht es dann darum, die erforderliche Therapie durchzuführen – also geht es um Themen wie Bestrahlung, Chemotherapie oder Hormontherapie.

Leading Medicine Guide: Und über die Rekonstruktion wird erst später nachgedacht?

Prof. Ninkovic: Ja, darüber wird später nachgedacht, weil zunächst akutere Dinge im Vordergrund stehen. Diese Vorgehensweise halte ich auch für die beste Lösung. 

Leading Medicine Guide: Was bewirkt denn eine Brustrekonstruktion?

Prof. Ninkovic: Mit einer Brustrekonstruktion bekommen die erkrankten Frauen in erster Linie ihr Selbstwertgefühl wieder zurück. Die Rekonstruktion verbessert das körperliche Wohlbefinden, hebt das Selbstbewusstsein und sorgt für mehr Lebensqualität. Viele Patientinnen sagen mir, dass sie jeden Morgen unter der Dusche mit ihrer Erkrankung konfrontiert werden.

Leading Medicine Guide: Und da setzen Sie an?

Prof. Ninkovic: Genau. Mit der Rekonstruktion können wir unseren Patientinnen auch ein positives Gefühl für ihren Körper zurückgeben. Die Frauen gehen wieder in die Sauna, ins Schwimmbad, sie können sich wieder weiblich nach Lust, Laune und Mode kleiden.

Leading Medicine Guide: Für solche Themen interessierten sich Ärzte früher eben weniger.

Prof. Ninkovic: Gute, empathische Mediziner interessieren sich natürlich für alle relevanten Aspekte ihrer Patientinnen. Aber auch die Möglichkeiten zur Rekonstruktion der weiblichen Brust haben sich in den letzten rund dreißig Jahren enorm weiterentwickelt. Heute sehen Sie in fast allen Fällen sehr gute Ergebnisse mit hoher Patientinnenzufriedenheit. Entscheidend für den Erfolg sind dabei mehrere Faktoren: Es braucht ein individuelles Behandlungskonzept, ein chirurgisch erfahrenes Team und umfassende Nachbehandlungsmöglichkeiten.

Nachbehandlung

Leading Medicine Guide: Welche Methoden der Rekonstruktion gibt es denn überhaupt?

Prof. Ninkovic: Bei einer Tumor-OP entsteht ein Gewebedefizit. Es geht dann bei der Rekonstruktion darum, Volumen, Haut und möglicherweise auch Brustwarze und Warzenhof wieder herzustellen. Die Mediziner unterscheiden bei der Rekonstruktion verschiedene Methoden. Einmal kann das Brustvolumen mithilfe eines Silikonimplantates wieder aufgebaut werden. Dazu wird die Hautpartie erst mit einem sogenannten Gewebsexpander entsprechend gedehnt. 

Leading Medicine Guide: Und die andere Methode?

Prof. Ninkovic: Die andere Methode besteht darin, die Brust mit Eigengewebe wieder in ihrer ursprünglichen Form herzustellen. Künstliche Brustimplantate haben, das muss man dazu sagen, eine gewisse Komplikationsrate: Spätestens nach zehn Jahren müssen sie ausgetauscht werden. Und es ist auch so, dass viele Patientinnen die Verwendung von Fremdmaterialien wegen der hohen Komplikationsrate besonders nach einer Bestrahlung und der oft unnatürlichen Konsistenz schlichtweg ablehnen.

Brust-OP

Leading Medicine Guide: Wie finden Patientinnen bei den zahlreichen Angeboten einen wirklich erfahrenen Chirurgen?

Prof. Ninkovic: Der behandelnde Arzt bespricht mit der Patientin in aller Regel auch das weitere Vorgehen – so sollte das sein. Man kann davon ausgehen, dass jeder Arzt das empfehlen wird, was er am besten kann.

Leading Medicine Guide: Das klingt nicht, als sei das immer das Beste für die Patientinnen.

Prof. Ninkovic: Tatsächlich werden leider noch viel zu oft Implantate zur Rekonstruktion empfohlen. Man sollte wissen, dass nach einer Bestrahlung ein Implantat nicht wirklich sinnvoll ist.

Leading Medicine Guide: Warum ist das so?

Prof. Ninkovic: Die bestrahlte Haut ist beschädigt. Gerade dann ist ein Implantat zusammen mit einem Gewebsexpander die falsche Wahl. Vielmehr sollte hier gesundes Gewebe eingebracht werden, das bedeutet: eine Rekonstruktion mit Eigengewebe.

Leading Medicine Guide: Dazu aber braucht es wohl einer besonderen Expertise, oder?

Prof. Ninkovic: Eben. Daher rate ich jeder Patientin, sich selbst sehr genau zu informieren. Das kann man ja heute ausführlich recherchieren, welcher Facharzt beispielsweise auf dem Gebiet der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe über eine hohe Expertise verfügt. Und ich empfehle, sich unbedingt auch eine zweite oder dritte Meinung einzuholen. 

Leading Medicine Guide: Welche Voraussetzungen müssen für eine rekonstruktive Brust-OP mit Eigengewebe gegeben sein?

Prof. Ninkovic: Ganz wichtig ist, dass die Tumorbehandlung wirklich abgeschlossen ist. Auch sollte sich die Patientin in einem guten gesundheitlichen Zustand befinden. Das Alter spielt keine Rolle für den Erfolg der Rekonstruktion. Ich hatte eine 85-jährige, die mir sagte, sie bräuchte das einfach für sich selbst. Daher: Die Entscheidung muss jede Patientin selbst treffen.

Leading Medicine Guide: Kann es bei einer solch schwierigen Operation auch Komplikationen geben?

Prof. Ninkovic: Wir haben beim Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe eine Komplikationsrate von nur drei bis fünf Prozent. Leider haben wir häufiger bei Raucherinnen Wundheilungsstörungen. Durch den Nikotinkonsum ist bei ihnen die Durchblutung gerade der feinen Gefäße gestört. Daneben kann es zu Nachblutungen kommen. Im schlimmsten Fall kann das verpflanzte Gewebe verloren gehen. 

Leading Medicine Guide: Woher entnehmen Sie das Gewebe, mit dem Sie die Brust aufbauen? 

Prof. Dr. Ninkovic: Zu meinen Patientinnen sage ich immer scherzhaft, dass sie gleichzeitig eine Bauchstraffung bekommen. Das Gewebe entnehmen wir nämlich am Bauch. Das ist die beste Methode. Die eignet sich auch für schlanke Frauen. Es gibt aber auch je nach Patientin viele andere Entnahmestellen für die Brustrekonstruktion durch Eigengewebe – wie beispielsweise an den Oberschenkeln, am Rücken oder am Gesäß. Mit einer mikrochirurgischen Transplantation wird aus dem Eigengewebe eine neue Brust geformt. Das geht, aber es ist ein Kunstwerk und braucht sehr viel Erfahrung. 

Leading Medicine Guide: Woher besitzen Sie diese große Kunstfertigkeit?

Prof. Dr. Ninkovic: Die hohe mikrochirurgische Expertise wird schon im Rahmen der Facharztausbildung in der Plastischen Chirurgie erlernt. Ich führe diese Operationen bereits seit 1989 durch. Ziel ist es, ein möglichst natürliches, symmetrisches und vor allem auch permanentes Ergebnis zu erzielen. Die Operation dauert vielleicht drei bis vier Stunden, das Resultat ist eine rekonstruierte Brust von normaler Konsistenz, die das ganze restliche Leben bleibt. 

Selbstbewusste Frau

Leading Medicine Guide: Wie lange dauert die Rekonvaleszenz? 

Prof. Dr. Ninkovic: Nach der Operation bleibt die Patientin eine Woche im Krankenhaus. Dann folgen drei Wochen zur Erholung, bevor sie wieder vollumfänglich in den gewohnten Alltag einsteigen kann. Zur Nachsorge muss eventuell eine angleichende Bruststraffung an der nicht rekonstruierten Seite stattfinden. Auch eine Brustwarzenrekonstruktion sowie eine Warzenhof-Tätowierung werden an der rekonstruierten Seite vorgenommen. Das ist alles.

Leading Medicine Guide: Sind Sie komplett gegen Implantate? Die liegen doch nach wie vor im Trend, oder?

Prof. Dr. Ninkovic: Da spielen natürlich die Medien und der Wunsch nach dem Perfekt-Sein eine wichtige Rolle. Patientinnen, die mit diesen Wünschen kommen, muss man sehr gut führen und ihnen erklären, dass ein Implantat immer ein Fremdkörper bleibt, auf den der eigene Körper mit gewissen Abwehrmechanismen reagiert. Wir machen für jede Patientin ein individuelles Konzept und gehen selbstverständlich auf ihre Wünsche ein. Entscheidend ist, die Patientin über alle Vor- und Nachteile einer ästhetischen Brustvergrößerung aufzuklären sowie über die Form und Qualität eines Brustimplantats genauestens zu sprechen. 

Leading Medicine Guide: Und welche Implantate verwenden Sie?

Bei der Auswahl der Implantate legen wir großen Wert auf die höchste Qualität, die sich unter anderem auch aus unseren langjährigen Erfahrung mit den Implantatherstellern speist. Seitdem ich Chefarzt im Klinikum Bogenhausen bin, verwenden wir nur ganz bestimmte Implantate, auf deren Qualität wir uns verlassen können. 

Vielen Dank für das sehr informative Gespräch, Herr Professor Ninkovic! 

Möchten Sie mehr über Prof. Dr. med. univ. Milomir Ninkovic erfahren? Dann nehmen Sie direkt Kontakt zu ihm auf!

Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print