Experteninterviews

Eine Erkältung, Grippe oder Bronchitis, Asthma, Lungenkrebs oder eine Mandelentzündung sind verschiedene Formen einer Atemwegserkrankungen und die kann mehrere Ursachen haben. Wir wollten mehr erfahren - denn die Atmung betrifft jeden! Deshalb haben wir uns an Prof. Taube gewandt - einen Experten für Pneumologie, der Wissenschaft über unsere Lunge.

Wer ist Professor Dr. Christian Taube?

Der Facharzt Prof. Christian Taube ist neuer Direktor an der Ruhrlandklinik und Leiter der Klinik für Pneumologie. Er kennt sich aus, wenn es sich um eine komplexe Erkrankung der Atemorgane handelt. 
 

Professor Dr. Christian Taube, bei 20 Jahren Berufserfahrung, konnten Sie eine Zunahme von Atemwegserkrankungen feststellen? Falls ja - was sind die Ursachen?

Prof. Taube: Weltweit ist eine Zunahme von Atemwegserkrankungen zu verzeichnen, insbesondere von Asthma und COPD (COPD ist eine aus dem Englischen übernommene Abkürzung für chronic obstructive pulmonary disease und bezeichnet eine chronisch-obstruktive Bronchitis (auch COB abgekürzt). Das hat verschiedene Gründe: Bei der COPD steht das inhalative Zigarettenrauchen im Vordergrund. Bei Asthma ist insbesondere eine Zunahme der Häufigkeit von Allergien ausschlaggebend.

Atemwegserkrankungen gelten weltweit als eine der häufigsten Todesursachen. Weiß die Bevölkerung genug über diese Krankheiten?

Prof. Taube: Die Bedeutung der Atemwegserkrankungen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, aber es besteht noch ungenügend Kenntnis darüber in der Bevölkerung. Als Beispiel sei die akute Verschlechterung (Exazerbation) einer COPD genannt. Zum einen gibt es dafür keinen guten und einprägsamen Begriff, wie z.B. der Herzinfarkt in der Kardiologie oder der Schlaganfall in der Neurologie. Bei diesen Begriffen weiß jeder sofort, dass es lebensbedrohende Krankheitsbilder sind, bei denen sofort gehandelt werden muss. Dazu kommt, dass Patienten mit einer akuten Exazerbation der COPD eine schlechtere Überlebensprognose haben, als Patienten mit einem Herzinfarkt. Daher muss jede Exazerbation ernst genommen werden und die Patienten schnell und gut behandelt werden. Diese Tatsachen müssen wir unbedingt noch breiter in der Öffentlichkeit bekannt machen.

Welche Atemwegserkrankungen werden am häufigsten behandelt?

Prof. Taube: In der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik behandeln wir alle möglichen akuten und chronischen Lungenerkrankungen. Dabei sind die häufigsten Krankheitsbilder der Lungenkrebs, die chronisch obstruktive Bronchitis (COPD und Asthma) und Lungenerkrankungen wie die Lungenfibrose (Vernarbung des Lungengewebes). Wir behandeln auch eine große Anzahl von Patienten mit seltenen Lungenerkrankungen: Zum Beispiel ewachsene Patienten mit Mukoviszidose, Patienten mit genetischen Lungenerkrankungen (alpha-1 Antitrypsinmangel) und seltenen Tumorerkrankungen im Brustkasten (Mesotheliom und Sarkome).

Sie arbeiten eng mit der Thoraxchirurgie (Lungentransplantationen) zusammen. Wie wichtig sind Vor- und Nachbehandlung einer Lungentransplantation durch die Pneumologie für den Erfolg?  

Prof. Taube: Im Rahmen der Lungentransplantation besteht in unserem Westdeutschen Zentrum für Lungentransplantation eine sehr enge Zusammenarbeit. Die Klinik für Pneumologie ist dabei maßgeblich an der Vorbereitung der Patienten und an der Nachsorge nach erfolgter Transplantation beteiligt. Gerade nach erfolgter Transplantation ist eine enge Patientenüberwachung notwendig, um mögliche Komplikationen, wie z.B. eine Abstoßung der transplantierten Lunge frühzeitig zu erkennen und dann zu behandeln. Durch die enge Zusammenarbeit in unserem Zentrum versuchen wir, eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.

Stimmt es, dass Patienten im sogenannten Weaningzentrum* von einer Langzeitbeatmung entwöhnt werden? Warum werden Weaningzentren immer wichtiger? *Weaning (englisch to wean – entwöhnen)

Prof. Taube: Durch die Weiterentwicklungen in der Medizin überleben immer mehr Menschen kritische Erkrankungen. Dabei ist es häufig notwendig Patienten zu beatmen. Eine Schwierigkeit ist aber, die Patienten nach längerer Beatmung wieder davon zu entwöhnen, d.h. dass sie wieder selbständig atmen (Spontanatmung). Dieser langwierige Entwöhnungsprozess wird Weaning genannt.

Die Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik ist ein zertifiziertes Weaningzentrum, in dem wir diese Entwöhnung durchführen. Unserem interdisziplinären Team gelingt diese Entwöhnung häufig. Einige Patienten können aber trotz vieler Anstrengungen nicht komplett auf eine Beatmung verzichten. Dort muss dann eine weitere Versorgung mit einer Langezeitbeatmung sichergestellt werden, entweder zu Hause oder in einer spezialisierten Einrichtung.

Was fasziniert Sie persönlich an der Pneumologie besonders?

Prof. Taube: Mich fasziniert insbesondere die Vielseitigkeit des Faches: Dieses reicht von Erkrankungen der Atemwege, wie bei Asthma und COPD, zu Veränderungen am Lungengewebe, wie bei einer Fibrose, oder einer Störung der Atempumpe oder des Blutkreislaufes in der Lunge. Die größte Herausforderung ist dabei, den Überblick über die ganzen neuen medizinischen Entwicklungen für diese Krankheitsbilder zu behalten. Daher bin ich sehr froh mit einem großen Team an Fachärzten und Spezialisten in der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik zusammenzuarbeiten, sodass wir für alle Krankheitsbilder die beste mögliche Therapie und eine Rundumversorgung anbieten können. 

Das klingt wirklich nach einem spannenden Arbeitsfeld. Vielen Dank für das sehr informative Gespräch, Herr Professor Taube!


 Erfahren Sie mehr über den Facharzt Prof. Taube auf Leading Medicine Guide und kontaktieren Sie ihn, wenn Sie eine wichtige Frage an ihn haben. Er berät Sie gerne. Bildquelle: © Robert Kneschke, © joyfotoliakid, © Kateryna_Kon, © gallofilm,  © Aaron Amat - fotolia.com