Experteninterviews

Nach Schätzungen von Fachleuten haben zwischen 40 und 80 Prozent aller Frauen Myome. Das sind gutartige Geschwülste in der Muskelschicht der Gebärmutter. Je nach Lage und Größe könne sie allerdings zum Teil heftige Beschwerden verursachen.

Tchartchian

Dr. med. Garri Tchartchian ist Spezialist in der minimal-invasiven Myombehandlung. Er ist Leiter des Myomzentrums der MIC – Klinik für Minimal Invasive Chirurgie – in Berlin und führt deutschlandweit die meisten Myom-Eingriffe durch. Im Jahr sind es etwa 1.000 minimal-invasive Eingriffe. Dr. Tchartchian hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zum Thema veröffentlicht und eine spezielle Operationstechnik entwickelt, die nach ihm benannt ist, die sogenannte CHANGE OVER NACH TCHARTCHIAN-Methode. Wir sprachen mit dem Myom-Spezialisten Dr. Tchartchian über die moderne Behandlung dieser Erkrankung.

Fast jede vierte Frau ist von Myomen betroffen. In den meisten Fällen machen die Myome keine Beschwerden. Ab welchem Grad ist eine Behandlung notwendig?

Dr. Tchartchian: Myome sind zu 99,94 Prozent gutartige Tumore in der Muskelwand der Gebärmutter. Je nach Lokalisation und Größe sollte man medizinisch eingreifen. Es gibt Myome, die sitzen so unglücklich, dass wir schon bei einer Größe von ein bis zwei Zentimetern etwas unternehmen. Andere können wir auch bei einer Größe von sechs bis acht Zentimetern noch beobachten. Wenn die Myome starke Blutungen verursachen oder wenn unerfüllter Kinderwunsch besteht, dann greifen wir medizinisch ein.

Frauenheilkunde

Gibt es außer der operativen Behandlung noch andere Methoden?

Dr. Tchartchian: Ja, uns stehen konservative Alternativen zur Verfügung. Das ist zum ersten die Embolisation – die Verödung der Gefäße. Diese Methode hat aber den Nachteil, dass sie heftige Schmerzsyndrome hervorrufen kann. Die zweite Möglichkeit ist eine MRgFUS-Behandlung (MR gestützte fokussierte Ultraschallbehandlung). Dabei wird das Myom mit Ultraschallwellen behandelt und zum Schrumpfen gebracht. Diese Methode verursacht keine Schmerzen, aber die Myome können nach einem Jahr wieder nachwachsen. Und wir empfehlen diese Methode nicht, wenn noch Kinderwunsch besteht. Die dritte Methode ist die hormonelle Therapie mit Esmya. Es gab in der Vergangenheit schwere Komplikationen, deshalb verwenden wir am MIC diese Methode nicht.

Sie sind deutschlandweit Spezialist für die minimal-invasive Operation von Myomen. Es gibt sogar eine Operationsmethode, die nach Ihnen benannt ist.

Dr. Tchartchian: Am MIC Berlin führen wir jährlich 1500 Myom-Eingriffe durch. Ich führe selbst ca. 1000 pro Jahr durch. Ich besitze inzwischen eine jahrelange Erfahrung auf diesem Fachgebiet und habe im Laufe der Zeit meine eigenen OP-Techniken ständig verbessert und weiterentwickelt. 99,7 Prozent der Myom-Operationen, die wir am MIC Berlin durchführen, sind minimal-invasive OPs. Selbst große Myome können wir mit der Methode „Change over nach Tchartchian“ – so heißt das Verfahren, das inzwischen auch international angewendet wird, operieren. Die Gebärmutter mit dem Myom, die wir komplikationslos minimal-invasiv operiert haben, wog über 4065 g.

Gebärmutter

Myome entwickeln sich in der Muskelschicht der Gebärmutter. Sie sind also nicht einfach so wegzuschneiden. Können Sie uns das Verfahren näher erklären?

Dr. Tchartchian: Je nach Lokalisation des Myoms kann über die Scheide operiert werden. Die meisten Myome werden allerdings minimal-invasiv behandelt. Wir nennen das „plastische Uterusrekonstruktion“(PUR), denn dabei werden die Besonderheiten der Muskelschichten der Gebärmutter berücksichtigt, gerade, wenn es sich um Patientinnen mit Kinderwunsch handelt. Das Operationsfeld wird erschlossen über zwei kleine Arbeitsschnitte im Unterbauch und einen Schnitt im Bauchnabel. Dann wird die Gebärmutter Schicht für Schicht eröffnet und das Myom freigelegt. Die Gebärmutterschichten werden dabei maximal geschont, sie bleiben intakt. Es wird Schicht für Schicht vernäht, mit resorbierbarem Material, das sich nach einiger Zeit auflöst.

Können die Patientinnen nach diesem Eingriff schwanger werden?

Dr. Tchartchian: Mit unserem Verfahren werden die tragenden, funktionellen Schichten der Gebärmutter, die für die Schwangerschaft wichtig sind, so wenig wie möglich verletzt. Die Narben werden ganz klein gehalten, so dass die Gebärmutterwand der Belastung einer Schwangerschaft durchaus gewachsen ist. Wenn wir etwa sechs Monate nach dem Eingriff mit einer Bauchspiegelung das Operationsgebiet noch einmal kontrollieren würden, sind die behandelten Stellen nahezu unsichtbar.

Schwangerschaftstest

Könnte man denn auch trotz Myom schwanger werden?

Dr. Tchartchian: Das birgt verschiedene Risiken: Myome könne Blutungen verursachen, vorzeitige Wehen auslösen und zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen. Wir empfehlen den Myom-Patientinnen, sich mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir alle möglichen Behandlungsschritte gemeinsam erörtern können. 

Wenn eine Patientin die Diagnose Myom bekommt, was sollte sie dann tun? Ist es sinnvoll, einfach ins nächste Krankenhaus zu gehen oder soll man sich an ein spezialisiertes Zentrum wenden?

Dr. Tchhttps://lmg-de.2ndred.dev/spezialisten/dr-med-gartchian: Ich rate zu einem Fachzentrum, denn dort gibt es die meiste Erfahrung. Jedes Zentrum in Deutschland hat seine eigene Ausrichtung. Unser Myomzentrum ist spezialisiert auf minimal-invasive Eingriffe bei Myomen.

Kann man auch als Kassenpatientin zu Ihnen ins MIC Berlin kommen?

Dr. Tchartchian: Wir behandeln alle Kassen und wir haben eigene Sprechstunden zu schwierigen Fällen – Difficult Cases, und wir können auch als zweite Meinung zu einer Diagnose und Therapieplan angefragt werden – Second Opinion (Zweitmeinung). Dadurch haben wir viele Patientinnen, die von außerhalb kommen. Dazu gehören auch ca. 400 Patientinnen, denen jährlich ein Bauchschnitt angeboten wurde und die wir dann aber minimal-invasiv behandeln können. Ein großer Schnitt quer im Unterbauch oder ein großer Längsschnitt verletzen die Bauchdecke stark und sind extrem belastend. Mit unseren kleinen Schnitten ist die Gefahr der Verwachsungen erheblich reduziert, die Patientinnen haben weniger Schmerzen, sind schneller wieder fit, von kosmetischen Aspekten ganz zu schweigen.

Früher wurde bei Myom-Eingriffen oft gleich die ganze Gebärmutter mitentfernt. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Tchartchian: Ich finde ich, dass man mit dem Wunsch einer Frau, die Gebärmutter auch im Alter behalten zu wollen, sehr respektvoll umgehen muss. Wir waren die ersten, die auch bei großen Myomen und älteren Patientinnen organerhaltend operiert haben. Der Beckenboden und der Intimbereich bleiben dadurch intakt, die Frauen erholen sich schneller wieder.

Herr Dr. Tchartchian, wir danken Ihnen für das interessante Interview! 


Was ist ein Myom?

Myome sind gutartige Tumore, die sich in der Muskelschicht der Gebärmutter bilden können. Meist bleiben sie unbemerkt. Erst wenn sie Beschwerden wie heftige Blutungen oder dauerhafte Unfruchtbarkeit verursachen, wird man auf sie aufmerksam. Durch Tastuntersuchung und Ultraschall kann der Arzt ihre Lage und Größe feststellen. Eine richtige Entfernung der Myome gelingt nur durch Operation. Die Gefahr eines erneuten Auftretens liegt bei etwa 15 Prozent.

Myome der Gebärmutter – Entscheidungshilfe

Wenn Sie eine Myom-Diagnose bekommen haben und sich unsicher sind, welche Entscheidung Sie bezüglich Ihrer Therapie treffen sollen, hilft Ihnen diese Internetseite vielleicht weiter:

Besuchen Sie außemdem Leading Medicine Guide und nehmen Sie noch heute Kontakt zu Dr. Tchartchian auf. Er hilft Ihnen gerne weiter.


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