Experteninterviews

…seufzen vermutlich viele von uns – laut aktueller DAK-Gesundheitsstudie sogar ganze 80% der Beschäftigten hierzulande – und quälen sich mal wieder durch die Nacht. Am nächsten Tag fühlen sich vier von fünf wie gerädert, die Konzentration lässt nach, die Leistung fällt ab, das Wohlbefinden leidet massiv darunter. Nicht selten klagen die Betroffenen über Migräne, Gereiztheit, Rückenleiden, depressive Stimmung, Appetitlosigkeit oder gar Heißhunger. Es ist wie eine Abwärtsspirale: Man will schlafen, sehnt sich nach Ruhe, kann es aber nicht und liegt die Nacht schon wieder wach!

Schlafprobleme können andere Krankheiten nach sich ziehen

Mediziner warnen: Permanenter Schlafentzug und derartige Schlafstörungen können zu Diabetes, Übergewicht oder Verdauungsproblemen führen, Herz-Rhythmus-Störungen verursachen oder aber auch eine Depression auslösen. Zudem setzen viele auf schlaffördernde Mittel und riskieren eine medikamentöse Abhängigkeit.

Das ist ein alarmierender Zustand, der uns im wahrsten Sinne des Wortes „wachrütteln“ sollte! Aber warum schlafen wir so schlecht? Wie können wir unseren gesunden Schlaf wiedererlangen? Können wir selbst etwas tun?

Alarmierend aber oft vermeidbar

In der Tat! Schlafmediziner, Neurologen und Psychologen sind schon längst an der Sache dran – und das seit mehr als 2.000 Jahren. Die Untersuchung des Schlafs ist kein modernes Phänomen. Bereits in der Spätantike wurde die Wechselwirkung von Schlaf und Wachzustand beobachtet. Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) leitete den Schlaf aus dem „Versagen des ermüdeten Zentralorgans“ ab. Schon die antiken Forscher wussten, Hygiene und Diät spielen eine wesentliche Rolle und tragen zur gesunden Lebensführung, und damit zum gesunden Schlaf bei.

Auch heute untersuchen Schlafforscher und Ärzte unser Verhaltensmuster, Bewusstseinsvorgänge und die Korrelation von Schlaf, Umwelteinflüsse und Psyche.

Dass allerdings so viele Menschen an einem Schlafdefizit leiden, ist ein relativ modernes Phänomen. Stress, Lärm, Elektrosmog, körperliche Inaktivität, falsche Ernährung und die permanente Nutzung neuer Medien (bspw. Smartphone im Bett) rauben uns den Schlaf. Doch in vielen Fällen – so die gute Nachricht – ist eine Therapie oder medikamentöse Behandlung nicht nötig! Im Grunde können wir einiges zur persönlichen Schlafqualität beitragen.

Wir wissen doch schon längst, dass

  • ein sauberes, kühles und gut durchlüftetes Schlafzimmer,
  • ein ausgeschaltetes Handy bzw. heruntergefahrener PC (und möglichst raus aus dem Schlafzimmer),
  • eine leichte Mahlzeit und
  • mindestens 10.000 Schritte am Tag

bereits sehr schlaffördernd sind (um nur einige wesentliche Basics zu nennen).

Es gibt sie noch, die Schlafwunder

Der Arzt für Gesundheitsförderung, Prävention und Vorsorge Professor Bamberger erklärt in seinem neuen Ratgeber „Schlafwunder“ (TRIAS) außerdem, wie es uns gelingt, die Nacht endlich wieder dafür zu nutzen, wofür sie da ist. Ein guter Tipp ist: Denken Sie nicht krampfhaft daran, unbedingt schlafen zu müssen. „Das setzt uns unnötig unter Druck und bewirkt schließlich das genaue Gegenteil!“, erklärt der Klinikdirektor des Medizinischen PräventonsCentrums Hamburg. Nachtruhe lässt sich auch ganz anders gestalten. Denn wenn man schon nicht schlafen kann, ist es trotzdem möglich, Ruhe und Gelassenheit zu kultivieren.

Es geht im Ratgeber nicht um „Wunder“ im eigentlichen Sinne. Aber das Einhalten von sieben simplen Tipps kann auf wundersame Weise dazu beitragen, das Zubettgehen endlich entspannter zu sehen und schließlich bald wieder durchzuschlafen. Klar rädert uns die ein oder andere durchzechte Nacht, dennoch sollten wir uns selbst vertrauen, dass wir das Schlafdefizit bald ausgleichen können und es uns weder „dumm, dick oder krank“ macht.

Was unsere Hormone mit uns machen

Als Hormon-Spezialist verweist Professor Bamberger ebenso auf die wichtige Rolle unserer körpereigenen Botenstoffe. Unser persönlicher Hormoncocktail besteht aus lauter Müdemachern und Aufpushern. Die Kunst besteht darin, die Müdemacher zu stärken, z.B. über die Zufuhr bestimmter Nahrungsmittel wie Tryptophan oder Kohlehydrate, und unser wichtigsten Wachmacherhormon, nämlich das Cortisol, herunterzufahren. Cortisol ist der Stressmacher Nr. 1 und für die meisten schlaflosen Nächte verantwortlich. Es gibt natürlich achtsamkeitsbasierte Übungen wie Meditation oder Autogenes Training, aber auch schlaffördernde Rituale wie Spazierengehen, ein „langweiliges“ Buch lesen oder Tagebuch führen (seine Probleme buchstäblich zu Papier bringen und damit aus dem Kopf verbannen), um den Stresslevel wieder herabzusetzen.

Es gibt immer eine Lösung

Klappt das Schäfchenzählen nicht auf Anhieb, rät die anfangs erwähnte Krankenkasse außerdem zu wirksamen Atemübungen und zum Ausmisten der eigenen vier Schlafzimmer-Wände: Sanfte Farben, weniger Möbel, perfekte Matratze. So wie Sie es am liebsten mögen! Nehmen Sie ihr Schlafproblem dennoch ernst und konsultieren Sie einen Arzt, wenn Sie andauernd schlecht schlafen. Bei einer Forschungsgeschichte von über mehr als 2.000 Jahren wird auch für Sie bestimmt eine geeignete Einschlaf-Hilfe dabei sein.


Hier geht es zum Arztprofil von Prof. Dr. Bamberger und hier finden Sie Experten für Schlafmedizin und Schlafapnoe. Erfahren Sie außerdem mehr zum Thema Schlafapnoe im Interview mit dem Leading medicine Guide Experten Prof. Dr. Maurer.