Die Kinderkardiologie ist die Lehre von angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen bei Kindern. Sie ist ein Teilgebiet der Kinderheilkunde und mit der allgemeinen Kardiologie und der Kinderherzchirurgie verknüpft. Infolgedessen arbeiten in Kliniken Mediziner der diagnostischen und invasiven Kinderkardiologie und der Kinderherzchirurgie vernetzt zusammen. Durch die intensive Kooperation werden angeborene Herzfehler bei Kindern sehr früh (oft schon im Mutterleib) erkannt und können frühzeitig behandelt werden. Die Kinderkardiologie therapiert angeborene Herzfehler und andere Herzerkrankungen bei Kindern konservativ.

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Kinderkardiologie: Spezialgebiet für Erkrankungen am kindlichen Herzen

Die häufigste angeborene Fehlbildung bei Kindern tritt am Herzen auf. Etwa jedes 100. Kind hat einen Herzfehler. Herzerkrankungen von Kindern unterscheiden sich erheblich von den meist erworbenen Herzerkrankungen im Erwachsenenalter. Daher brauchen Kinder eine besondere medizinische Betreuung durch ausgebildete Kinderkardiologen. Diese arbeiten eng mit Kinderherzchirurgen zusammen. Glücklicherweise sind die Behandlungsmöglichkeiten heute sehr gut.

Kardiologie und Kinderkardiologie: unterschiedliche Kompetenzen

Nur nach erfolgreicher Weiterbildung darf sich ein Mediziner Kardiologe nennen. Er behandelt nicht nur Herzerkrankungen, er klärt auch über Möglichkeiten der Vorbeugung auf. Bei angeborenen Herzfehlern und kindlichen Herzerkrankungen spielt die Vorbeugung naturgemäß keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Kinderkardiologen sind für Herzerkrankungen von Kindern zuständig und arbeiten üblicherweise in Herzzentren, die sich auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten spezialisiert haben. Sie tun alles, damit Kinder mit Herzfehlern optimal versorgt werden. Niedergelassene Kinderkardiologen bieten ebenfalls eine gute ambulante Versorgung für betroffene Kinder.

Was bedeutet pädiatrischer Kardiologe?

Pädiatrische Kardiologen haben sich auf Kinderkardiologie als Fachgebiet spezialisiert. Eine solche Weiterbildung schließt an die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an und dauert noch einmal drei Jahre. In der Weiterbildung geht es um Diagnose- und Behandlungsmethoden bei Herzrhythmusstörungen, angeborenen Herzfehlern und anderen Erkrankungen des kindlichen Herzens. Zur Diagnose dienen unter anderem Ultraschall, Elektrokardiogramm, Kernspintomographie (MRT) und Katheteruntersuchungen des Herzens.

Die häufigsten Krankheiten, die ein pädiatrischer Kardiologe behandelt, sind angeborene Herzfehler wie

  • Ventrikelseptumdefekt (Kammerscheidewanddefekt): Loch zwischen den beiden Herzkammern
  • Atriumseptumdefekt (Vorhofseptumdefekt, Vorhofscheidewanddefekt): Loch zwischen den beiden Vorhöfen
  • Pulmonalstenose (Herzklappenengstelle): Verengung der rechten Herzklappe
  • Offener Ductus arteriosus (persistierender Ductus Botalli): nicht geschlossene Verbindung zwischen der Lungenarterie und der Aorta
  • Vertauschte große Herzschlagader
  • Unterentwicklung der linken oder rechten Herzkammer
  • Entzündung des Herzmuskels
  • Herzrhythmusstörungen

Der Ventrikelseptumdefekt ist der mit Abstand häufigste Herzfehler: Bei etwa 50 Prozent der angeborenen Herz- und Gefäßveränderungen handelt es sich um diesen Herzfehler, das heißt, etwa 5 von 1000 Neugeborenen kommen mit dieser Art von Herzfehler zur Welt.

So läuft eine Untersuchung beim Kinderkardiologen ab

Die gesamte Untersuchung ist schmerzfrei. In einem ausführlichen Gespräch mit Eltern und Kind beantwortet der Arzt alle Fragen zur Diagnostik und zum weiteren therapeutischen Vorgehen.

Während der Patientenbefragung (Anamnese) stellt der Arzt dem Kind bzw. den Eltern unter anderem Fragen zu den Beschwerden und Krankheitszeichen, zum Schwangerschaftsverlauf und den früheren Befunden.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung achtet der Kinderkardiologe auf allgemeine Hinweise eines Herzfehlers sowie auf andere körperliche Auffälligkeiten. Dazu gehören:

  • Blaufärbung der Haut (Zyanose)
  • Gedeihstörung,
  • vermehrtes Schwitzen,
  • Trinkschwäche,
  • stark beschleunigte Atmung oder sonstige Atmungsauffälligkeiten als Zeichen einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Vorwölbung des Bauchs oder des Brustkorbs
  • Veränderungen bei den Venen

Von großer Bedeutung ist das Abhören der Herztöne des Kindes. Auch das Tasten des Pulses, die Blutdruckmessung sowie die Bestimmung der Sauerstoffsättigung des Blutes können Hinweise auf eine Herzerkrankung geben. Das EKG ist Standard bei jeder kinderkardiologischen Untersuchung. Im Rahmen der körperlichen Belastungsuntersuchung (Ergometrie) kann die körperliche Leistungsfähigkeit auch unter Belastung beurteilt und bestimmte Beschwerden unter Umständen ausgelöst bzw. objektiviert werden.

Über eine Ultraschalluntersuchung des Herzens können das Herz und die Gefäße sowie der Blutfluss sehr gut beurteilt werden. In den meisten Fällen kann die Untersuchung von außen durch den Brustkorb erfolgen. Diese Untersuchung ist einfach durchzuführen und dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Da das Kind hierbei sehr ruhig sein muss, erhalten Säuglinge ein Fläschchen zum Trinken. Viele Ärzte bieten auch Filme zur Ablenkung an. In manchen Fällen muss der Ultraschallkopf allerdings unter Sedierung (Beruhigung) bzw. Narkose in die Speiseröhre eingeführt werden.

Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie elektrophysiologische Untersuchung bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen. Ist eine Herzkatheter-Untersuchung bei einem Säugling mit angeborenem Herzfehler erforderlich, findet diese unter OP-Bedingungen und in der Regel unter Sedierung statt. Mithilfe eines Herzkatheters können auch therapeutische Eingriffe vorgenommen werden.
Weitere bildgebende Untersuchungsverfahren, die bei bestimmten Fragestellungen eingesetzt werden, sind Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT).

Behandlung in der Kinderkardiologie

Eine Klinik für Kinderkardiologie bietet modernste Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten. Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose. So werden angeborene Fehlbildungen anders behandelt als erworbene Herzerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen. Das Spektrum ist so vielfältig, dass hier nicht alles aufgezeigt werden kann. Ein Kind kann beispielsweise einen Herzschrittmacher benötigen, der direkt unter die Haut implantiert wird. Auch größere Operationen am Herzen sind heute Routineeingriffe. Der behandelnde Arzt informiert betroffene Familien im Einzelfall, welche Spezialklinik für sie infrage kommt.

Große Fortschritte in der Kinderherzchirurgie

Im Bereich der operativen Herztherapie hat die Medizin in wenigen Jahrzehnten rasante Fortschritte gemacht. Der Beginn der Herzchirurgie wird üblicherweise auf das Jahr 1896 datiert, als eine Stichwunde am Herz eines 22-jährigen Patienten mit einer Naht versorgt wurde. Allerdings war es in den 1930er-Jahren noch kaum möglich, einen diagnostizierten Herzfehler adäquat zu behandeln. Nach und nach wurden die ersten Operationsmethoden in der Kinderherzchirurgie entwickelt. Die Blalock-Taussig-Anastomose (benannt nach dem amerikanischen Herzchirurgen Blalock und der Kardiologin Helen Brooke Taussig) wurde erstmals 1944 durchgeführt und war damals eine Sensation. Durch eine künstliche Gefäßverbindung wurde die Lungendurchblutung verbessert, und die sogenannten Blue Babies hatten zum ersten Mal eine Überlebenschance. Noch heute wird diese Methode in modernisierter Form bei bestimmten Herzfehlern angewendet.

Ein Herzfehler beim Kind belastet die ganze Familie

Kinder und ihre Eltern erleben die Diagnose Herzfehler als Schock und fühlen sich oft, als würde man ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Auch vor und nach einer erforderlichen Herzoperation sind die betroffenen Familien sehr angespannt und benötigen psychologische Unterstützung. Deshalb sind in den meisten kinderkardiologischen Kliniken Psychologen angestellt, die den Familien als Ansprechpartner zur Seite stehen – auch längere Zeit nach dem Eingriff.

Kinder und ihre Eltern erleben die Diagnose Herzfehler als Schock und fühlen sich oft, als würde man ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Auch vor und nach einer erforderlichen Herzoperation sind die betroffenen Familien sehr angespannt und benötigen psychologische Unterstützung. Deshalb sind in den meisten kinderkardiologischen Kliniken Psychologen angestellt, die den Familien als Ansprechpartner zur Seite stehen – auch längere Zeit nach dem Eingriff.

Quellen

  • Breuer J. (2019) Angeborene Herz- und Gefäßanomalien: Epidemiologie und Ätiologie. In: Hoffmann G., Lentze M., Spranger J., Zepp F., Berner R. (eds) Pädiatrie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
  • Bundesärztekammer (2013) (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 28.06.2013. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf
  • Buheitel G. (2019) Herz- und Gefäßkrankheiten bei Kindern und Jugendlichen: allgemeine Symptomatik, Anamnese, klinische und ergänzende Untersuchungen. In: Hoffmann G., Lentze M., Spranger J., Zepp F., Berner R. (eds) Pädiatrie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) et al. (2013) Ventrikelseptumdefekt im Kindes- und Jugendalter. S2k Leitlinie. AWMF-Register-Nr. 023-012. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/023-012l_S2k_Ventrikelseptumdefekt_Kinder_Jugendliche_2014-06.pdf
  • Leitz K.H. (2010) Geschichte der Herzchirurgie in Deutschland. In: Herzchirurgie. Springer, Berlin
  • Paul T. (2019) Herzrhythmusstörungen bei Kindern und Jugendlichen. In: Hoffmann G., Lentze M., Spranger J., Zepp F., Berner R. (eds) Pädiatrie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin