Durch Veränderungen im Erbgut einer Zelle ist die Kontrolle über ihr Wachstum verloren gegangen, sie wird als entartet bezeichnet. Tumoren aus solchen entarteten Zellen sind gutartig, wenn sie zwar wachsen, aber sich nicht auf benachbarte Organe ausbreiten oder Absiedlungen in anderen Organen (Metastasen) bilden. Im anderen Fall handelt es sich um einen bösartigen oder malignen Tumor (Krebs).

Die beiden häufigsten und wichtigsten Arten von Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) sind das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom.

Übersicht

Speiseröhrenkrebs - Weitere Informationen

Was ist die Speiseröhre?

Die etwa 25 cm lange Speiseröhre (auch Ösophagus genannt) liegt hinter der Luftröhre und verbindet den Mund-Rachen-Raum mit dem Magen. Als muskulärer Schlauch transportiert sie mit ihren wellenförmigen Bewegungen die Nahrung in den Magen. Sowohl am oberen als auch am unteren Ende ist sie durch Schließmuskeln verschlossen, die während des Schluckvorgangs kurz geöffnet werden. Der untere Schließmuskel verhindert, dass der aggressive, saure Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt und es dort zu Schäden kommt. Die Speiseröhre ist von einer Schleimhautdeckschicht (einem so genannten Plattenepithel) ausgekleidet, die im Bereich des Übergangs zum Magen (ösophagogastraler Übergang) in eine Drüsenschleimhaut übergeht.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Speiseröhrenkrebs behandelt?

Die Experten für Speiseröhrenkrebs behandeln alle bösartigen Tumoren der Speiseröhre:  

  • Das Plattenepithelkarzinom entsteht aus Zellen des Plattenepithels und kann in allen Abschnitten der Speiseröhre vorkommen.
  • Das Adenokarzinom entsteht aus Zellen der Drüsenschleimhaut und wird daher in der Regel nur im unteren Abschnitt der Speiseröhre gefunden.

    Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) ist ein Überbegriff für Krebsarten des Verdauungssystems, und damit auch der Speiseröhre, die sich aus Binde- oder Stützgewebe entwickeln. GIST werden zu den Weichteilsarkomen (bösartige Weichteil- und Weichgewebstumoren) gerechnet.

    • Das Malt-Lymphom geht aus Zellen des Immunsystems hervor.
    • Beim undifferenzierten Ösophaguskarzinom lässt sich nicht mehr feststellen, aus welcher Zellart sich der Speiseröhrenkrebs entwickelt hat.

    Neben diesen bösartigen Tumoren behandeln die Speiseröhrenkrebsexperten auch gutartige Geschwulste der Speiseröhre, wie:

    • Leiomyome (Geschwulst der glatten Muskulatur)
    • Hämangiome (Neubildung der Blutgefäße, Blutschwämmchen)
    • Fibrome (Geschwulst des Bindegewebes)
    • Neurinome (Geschwulst von Teilen des Nervensystems)
    • Speiseröhrenpolypen, auch fibrovaskuläre Polypen oder Riesenpolypen des Ösophagus genannt

    Gutartige Speiseröhrentumoren kommen relativ selten vor. Da sie nicht immer zuverlässig von den bösartigen Tumoren abgegrenzt werden können, werden sie meist chirurgisch entfernt.

    Auch Symptome des Speiseröhrenkrebses bzw. Nebenwirkungen der Behandlung werden von den Spezialisten für Speiseröhrenkrebs mit behandelt. Dazu gehören unter anderem:

    • Behandlung von Krebsschmerzen nach dem WHO-Stufenschema
    • Behandlung der Erschöpfung und dauerhaften Müdigkeit (Fatigue), die durch den Krebs selbst oder die Behandlung ausgelöst werden können
    • Behandlung von Nebenwirkungen einer Therapie, wie der Schleimhautentzündung (Mukositis), die Folge einer Strahlen- und/oder Chemotherapie sein kann, Übelkeit und Erbrechen oder Durchfällen

    Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Speiseröhrenkrebs ein?

    Im Rahmen der Patientenbefragung (Anamnese) erkundigt sich der Arzt nach Vorerkrankungen und Beschwerden, nach Lebensgewohnheiten und welche Medikamente eingenommen werden. Die körperliche Untersuchung besteht unter anderem aus dem Abtasten der Lymphknoten. Berichtet der Patient von Schluckstörungen, Blutungen im Verdauungstrakt, häufigem Erbrechen, Verdauungsbeschwerden, Appetit- und unerklärlichem Gewichtsverlust wird der Arzt eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm vornehmen. Mit dieser so genannten Ösophagogastroduodenoskopie können Veränderungen an der Speiseröhre, wie Speiseröhrenkrebs, festgestellt oder ausgeschlossen werden.

    Weitere Diagnoseverfahren, die Experten für Speiseröhrenkrebs einsetzen, sind:

    • Virtuelle oder klassische Färbe-Spray-Chromoendoskopie der Speiseröhre: Verfahren der Speiseröhrenspiegelung, bei der die Speiseröhre oder Teile davon angefärbt werden
    • Computergestützte, endoskopisch einsetzbare digitale Filterverfahren zur Darstellung von Oberflächen und Gefäßen
    • Moderne endoskopische Verfahren zur Darstellung der oberen Schleimhautschichten (zum Beispiel Endozytoskopie, konfokale Laserscanning-Endomikroskopie, optische Kohärenztomographie)
    • Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) im Rahmen der Speiseröhrenspiegelung zur feingeweblichen Untersuchung; mit ihr lässt sich klären, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt und welche Art von Krebs vorliegt
    • Nachweis des humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor Typ 2 (HER2) bei Adenokarzinomen in Gewebeproben
    • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchraums und insbesondere der Leber auf Metastasen (Tochtergeschwulste)
    • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder Computertomographie (CT) des Halses auf Metastasen in den Halslymphknoten
    • Endosonographie der Speiseröhre, das heißt Ultraschalluntersuchung von innen, um festzustellen, wie tief der Tumor in die Speiseröhrenwand reicht und ob die umgebenden Lymphknoten befallen sind
    • Ausbreitungsdiagnostik mittels kontrastmittelverstärkter Computertomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) von Hals, Brustkorb und Bauchraum zur Klärung der Frage, inwieweit sich der Speiseröhrenkrebs im Körper ausgebreitet (Metastasen gebildet) hat
    • PET-CT, das ist eine Kombination aus Positronenemissionstomographie (PET) und CT, bei örtlich fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs, mit der die Ausbreitung des Tumors sehr genau beurteilt werden kann
    • Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) bei örtlich fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs
    • Beurteilung der Speiseröhre mittels Röntgenuntersuchung
    • Bauchspiegelung (Laparoskopie) um auszuschließen, dass Leber und Bauchfell bereits befallen sind
    • Mit einem Röntgenbreischluck lassen sich Schluckbewegungen und die Form und Größe der Speiseröhre beurteilen, Verengungen können erkannt werden

    Auf Basis der Untersuchungen kann das Tumorstadium (Tumor-Staging) mithilfe der TNM-Klassifikation und der Krankheitsverlauf abgeschätzt und damit die Therapie geplant werden.

    Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Speiseröhrenkrebs?

    Zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Speiseröhrenkrebs gehören unter anderem folgende Behandlungsmethoden:

    • Endoskopische Resektion (Entfernung) von früh entdeckten Tumoren: Der Speiseröhrenkrebs wird bei diesem schonenden und wenig belastenden Verfahren über die Speiseröhre lokal entfernt, die Speiseröhre bleibt erhalten
    • Operative Entfernung des Ösophaguskarzinoms in offener Technik: Je nach Lage und Stadium des Tumors wird meist die komplette Speiseröhre zusammen mit den angrenzenden Lymphknoten entfernt
    • Minimal-invasive Entfernung des Ösophaguskarzinoms (Schlüssellochtechnik) als Alternative zum offenen Verfahren
    • Alleinige Strahlentherapie in Kombination mit Chemotherapie (Radiochemotherapie) 
    • Begleitende Radiochemotherapie vor der Operation, um den Tumor vorab verkleinern
    • Begleitende Chemotherapie vor und nach Operation
    • Entfernung von befallenen Lymphknoten
    • Verfahren zur Linderung von Beschwerden (palliative Therapie):
      • Chemotherapie und Antikörpertherapie
      • Radiochemotherapie, um Beschwerden (Schluckstörungen, Blutungen, Schmerzen) zu behandeln
      • Brachytherapie (Bestrahlung von innen) zur Behandlung von Schluckstörungen
      • Einsetzten von Stents (Röhrchen) in die Speiseröhre, damit diese offen bleibt
      • Verkleinerung des Tumors mithilfe von Hitze (thermoablative Verfahren)
    • Behandlung mit neuen Medikamenten oder Methoden im Rahmen von klinischen Studien
    • Nachsorgebehandlungen
    • Psychoonkologische Betreuung

    Was zeichnet die Spezialisten für Speiseröhrenkrebs aus?

    Patienten mit Speiseröhrenkrebs sollten in Krankenhäusern mit besonderer Erfahrung auf diesem Gebiet behandelt werden. Dort arbeiten verschiedene Experten für Speiseröhrenkrebs - in der Regel Fachärzte aus denen Bereichen Gastroenterologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Chirurgie und Pathologie - in einer Tumorkonferenz zusammen, um für den Patienten eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln. Die Experten berücksichtigen dabei die von Leitlinien empfohlenen diagnostischen und therapeutischen Verfahren. Die in der Regel durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten onkologischen Behandlungszentren gewährleisten eine permanente hohe Qualität in der Versorgung von Patienten mit Speiseröhrenkrebs.

    Quellen:

    Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2018) S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, Langversion 2.0, AWMF Registrierungsnummer: 021/023OL

    Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2016) Krebs der Speiseröhre. Eine Leitlinie für Patientinnen und Patienten

    Lordick F, Hoffmeister A (2015) Ösophagustumoren. In: Lehnert H et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg

    Schünke M et al. (2018) Prometheus. Innere Organe: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart

    Zander T (2015) Ösophaguskarzinom. In: Lehnert H et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg