Veränderungen im Erbgut von Zellen der Bauchspeicheldrüse können zu unkontrolliertem Wachstum führen, es entstehen so genannte entartete Zellen. Am häufigsten tritt dies bei Zellen des exogenen Drüsengewebes auf, es wird dann vom exokrinen Pankreaskarzinom gesprochen. In selteneren Fällen entstehen Tumorzellen aus Zellen des endogenen Gewebes (endokrine Pankreastumoren).

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Pankreaskrebs - Weitere Informationen

Was ist das Pankreas?

Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ist eine etwa 15 bis 20 cm lange Drüse, die hinter dem Magen liegt und aus zwei Arten von Drüsengeweben und einem Ausführungsgang, der zum Darm führt, besteht. Im exogenen (das heißt „nach außen abgebenden“) Drüsengewebe des Pankreas werden Verdauungsenzyme und Bikarbonat gebildet, die im Darm für die Aufspaltung von Nahrungsbestandteilen wichtig sind. Die Pankreasinseln (auch Langerhans-Inseln genannt) stellen das endokrine (hormonproduzierende) Drüsengewebe dar. Sie produzieren unter anderem Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel im Körper regulieren.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Pankreaskrebs behandelt?

Die Experten für Pankreaskrebs behandeln alle bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse. In den meisten Fällen sind dies die exokrinen Pankreaskarzinome, darunter machen die Adenokarzinome die mit Abstand größte Gruppe aus, seltener kommen Zystadenokarzinome und azinäre Tumoren vor.

Bei den seltenen Tumoren des endokrinen Pankreasgewebes ist die gebildete Substanz in der Regel namensgebend für den Tumor. Auch sie werden von Spezialisten für Bauchspeichdrüsenkrebs behandelt:

  • Das Insulinom geht von den Betazellen der Pankreasinseln aus, es ist meist gutartig.
  • Das Glukagonom produziert hohe Mengen an Glucagon und ist meist bösartig.
  • Das Gastrinom geht von gastrinproduzierenden Zellen aus und ist meist bösartig.
  • Das VIPom (Verner-Morrison-Syndrom, WDHA-Syndrom) ist durch eine Überproduktion von VIP (vasoaktives intestinales Peptid) gekennzeichnet.
  • Das Somatostatinom gibt unkontrolliert Somatostatin ab und ist extrem selten.
  • Das ACTHom produziert das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) und ist meist bösartig.
  • Das PPom bildet das pankreatische Polypeptid.
  • Neuroendokrine Tumoren (NET, neuroendokrine Neoplasien, NEN, Karzinoide) des Pankreas sind sehr selten.

Auch Symptome des Bauchspeicheldrüsenkrebses bzw. Nebenwirkungen der Behandlung werden von den Spezialisten für Pankreaskarzinom mit behandelt. Dazu gehören unter anderem:

  • Behandlung von Abflussbehinderungen von Galle (Gallenstauung, Cholestase) 
  • Behandlung von tumorbedingten Verengungen am Magenausgang und Zwölffingerdarm
  • Behandlung von Verdauungsstörungen durch die eingeschränkte exokrine Pankreasfunktion
  • Behandlung eines bestehenden Diabetes mellitus oder sich i.R. der Erkrankung manifestierenden Diabetes mellitus (pankreopriver Diabetes mellitus)
  • Behandlung der Erschöpfung und dauerhaften Müdigkeit (Fatigue), die durch den Krebs selbst oder die Behandlung ausgelöst werden können
  • Behandlung von Krebsschmerzen nach dem WHO-Stufenschema und bei starken Schmerzen im Bauchraum durch Blockade des Plexus coeliacus (Nervengeflecht)
  • Iniitierung einer psycholonkologischen Mitbehandlung und von komplementärmedizinischen Maßnahmen

Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Pankreaskrebs ein?

Basis jeder Diagnostik sind die Patientenbefragung (Anamnese) und körperliche Untersuchung. Damit erhält der Arzt Informationen beispielsweise über die Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamente. Ergibt sich daraus ein Verdacht auf eine Krebserkrankung, schließen sich weitere Untersuchungen an:

  • Abdomensonographie: Mit einer Ultraschalluntersuchung des Oberbauches lässt sich das Pankreas und die Leber mit der Gallenblase und den Gallenwegen beurteilen.
  • Endosonographie: Mit einer Magenspiegelung können nicht nur der Magen und der Zwölffingerdarm mit der Region des Gallen- und Pankreassaftaustrittes (Papillenregion) beurteilt werden, sondern mit einem zusätzlichen Gerät ein direkter Ultraschall an der Bauchspeicheldrüse und den Oberbauchorganen vorgenommen werden; damit lassen sich bereits kleinere Tumoren erkennen.
  • Computertomographie (CT): Diese radiologische Schnittbildgebung wird zur Untersuchung der Bauchspeicheldrüse und Oberbauchorgane für die Aussage über den lokalen Tumor und zu dessen Ausbreitung herangezogen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT) in Verbindung mit einer Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP): Ähnlich dem CT lassen sich damit der Pankreastumor mit seiner Ausbreitung lokal und an Bauchorganen und mit der MRCP die Gallen- und Pankreasgänge sehr gut darstellen.
  • Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) zur Diagnosesicherung oder zur Planung der Behandlung. Dies kann auf sehr unterschiedlichen Wegen geschehen: direkt, über eine Endosonographie oder mit einer Bauchspiegelung
  • Bestimmung der Tumormarker CA 19-9 und CEA beim exokrinen Pankreaskarzinom, Chromogranin und NSE bei endokrinen/neuroendokrinen Tumoren sowie die speziellen Hormone bei den selteneren endokrinen Tumoren zur deren Mithilfe bei der Diagnosesicherung und Beurteilung, ob die Therapie wirkt.
  • Ausbreitungsdiagnostik: Mithilfe Abdomensonographie, Endosonographie, Computertomographie und Magnetresonanztomographie des Oberbauchs und Röntgenuntersuchung des Brustraums lässt sich feststellen, inwieweit sich der Tumor innerhalb der Bauchspeicheldrüse ausgedehnt und ob er schon auf benachbartes Gewebe übergegriffen hat oder bereits Tochtergeschwulste in anderen Organen (Metastasen) gebildet hat.
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie) bei Verdacht auf Tumorbefall des Bauchfells (Peritoneum) oder kleine Metastasen in der Leber, die in der Schnittbildgebung nicht gesehen werden können.
  • Explorative Laparotomie bei Patienten mit endokrinen Pankreastumoren, deren genaue Lage aufgrund ihrer geringen Größe von außen nicht bestimmt werden kann: im Rahmen einer Bauchoperation wird das Pankreas freigelegt und während der Operation per Ultraschall und manuell (mit der Hand) die Bauchspeicheldrüse untersucht. Vorgehen häufig beim Insulinom.
  • Angiographische und nuklearmedizinische Verfahren (Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie, Octreotid-Scan, DOTATOC-PET/CT) bei Verdacht auf bestimmte endokrine Pankreas-tumoren.
  • Positron-Emissions-Tomographie-Computertomographie (PET-CT): Diese spezielle Untersuchung zählt zu den bildgebenden Verfahren und verbindet das CT mit einer Szintigraphie, bei dem als Marker Fluor-18-Desoxyglucose (FDG) (mit radioaktivem Fluor markierter Traubenzucker) eingesetzt wird. Ziel dabei ist einen bösartigen Tumor und Metastasen zu finden, und zwischen aktiven Tumorgewebe und einer Narbe zu unterscheiden. Entzündungen stellen sich aber ebenfalls dar, und weil das Verfahren aufwendig und teuer ist, gehört diese nicht zu den initialen Standarduntersuchungen und kann diese auch nicht ersetzen. Kann aber im Verlauf der Erkrankung indiziert sein.

Auf Basis dieser Diagnostik kann das Tumorstadium (Tumor-Staging) mithilfe der TNM-Klassifikation und das individuelle Therapiekonzept unter Berücksichtigung des körperlichen Zustandes festgelegt werden. Auch kann der Krankheitsverlauf ungefähr abgeschätzt werden. 

Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Pankreaskrebs?

Zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Bauchspeicheldrüsenkrebs gehören unter anderem folgende Behandlungsmethoden:

  • Resektion (chirurgische Entfernung) des Pankreaskarzinoms bei lokal begrenztem und damit entfernbaren Tumor
  • Kausch-Whipple-Operation zur Behandlung eines Bauchspeicheldrüsenkrebses im Pankreaskopf, bei der neben dem Pankreaskopf auch Zwölffingerdarm, Gallenblase mit Gallengang, unterer Teil des Magens (Magenausgang, Pylorus) sowie Lymphknoten entfernt werden
  • Die Pylorus-(Magenausgangs-)erhaltende Pankreaskopfresektion (PPPD) ist ähnlich der Kausch-Whipple-Operation, wobei der Magen mit dem Pylorus (Magenausgang) und ein kleiner Rest des Zwölffingerdarmes nicht entfernt werden
  • Die Bypass-Operation als Umgehungsoperation bei Feststellung einer Nichtentfernbarkeit des Tumors mit Darm-Verbindungen zum Gallenweg und zum Magen für die Nahrungsaufnahmemöglichkeit
  • Unterstützende Chemotherapie nach der Operation (adjuvante Chemotherapie)
  • Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvante Chemotherapie)
  • Bestrahlung (Radiotherapie) von lokalen Tumoren oder von Metastasen
  • Unterstützende Radiochemotherapie (Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie)
  • Systemische (den ganzen Körper betreffende) Chemotherapie und Behandlung mit zielgerichteten Medikamenten bei Tumoren, die operativ nicht entfernt werden können
  • So genannte perkutane transhepatische Cholangiodrainage (PTCD; eine Art Punktion mit einer Hohlnadel durch die Haut) zur Ableitung der Gallenflüssigkeit nach außen
  • Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP; ein spezielles endoskopisches Verfahren) mit Einsetzen von Stents (Röhrchen) oder Anlegen eines Katheters zur Behandlung der Gallenstauung
  • Bestrahlung des Tumors oder Injektion von Substanzen zur Blockade des Plexus coeliacus (Nervengeflecht) bei starken Schmerzen
  • Einsetzen von Stents in den Zwölffingerdarm, um eine Verengung des Zwölffingerdarms zu behandeln oder vorzubeugen
  • Behandlung mit neuen Medikamenten oder Methoden im Rahmen von klinischen Studien
  • Behandlung von Verdauungsstörungen und Ernährungsberatung
  • Behandlung des Diabetes mellitus und Diabetesberatung und -schulung
  • Nachsorgebehandlungen
  • Psychoonkologische Betreuung

Was zeichnet die Spezialisten für Pankreaskrebs aus?

Die Behandlung von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs sollte in Krankenhäusern erfolgen, die viel Erfahrung mit Pankreaskarzinomen haben. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert solche onkologischen interdisziplinären Behandlungszentren als Pankreaskarzinomzentren, was eine hohe Qualität in der Versorgung von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs nach den aktuellsten und modernsten Therapiemöglichkeiten (Leitlinien) gewährleistet. An diesen Krankenhäusern gibt es so genannte Tumorkonferenzen, in denen verschiedene Experten für Bauchspeicheldrüsenkrebs zusammenarbeiten, die die von Leitlinien empfohlenen diagnostischen und therapeutischen Verfahren berücksichtigen, um ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept für den individuellen Patienten zu erstellen. In der Regel sind das Fachärzte aus denen Bereichen Gastroenterologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Chirurgie und Pathologie. 

Eine äquivalente Zertifizierung als Zentrum für chirurgische Pankreaserkrankungen inklusive Bauchspeicheldrüsenkrebs wird von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) durchgeführt. Auch hier wird durch externe Gutachter regelmäßig die Einhaltung von Leitlinien und insbesondere die Qualität der Behandlung überprüft. Die Behandlung und insbesondere operative Therapie ist komplex und komplikationsträchtig, weshalb in diesen Pankreaszentren infrastrukturell eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung vorgehalten werden muss. 

Die Prognose von Patienten mit Pankreaskarzinom hat sich durch die Behandlung in zertifizierten und auf die Behandlung spezialisierten Zentren wesentlich verbessert. Die komplexen onkologischen Operationen werden heute mit großer Sicherheit für die Patienten vorgenommen und die Einführung neuer wirksamerer Chemotherapie-Regime in der letzten Dekade erlauben heute sogar multimodale Therapiekonzepte auch bei lokal fortgeschrittenen Karzinome vorzunehmen. D.h. mit einer neoadjuvanten Chemotherapie kann eine sekundäre Resektabilität des Pankreastumors erzielt werden, gefolgt von einer weiteren Chemotherapie. 

Es zeichnet sich zunehmend ab, dass die Behandlung des Pankreaskarzinom multimodal wird und große Hoffnungen bestehen in der Frühdiagnostik mittels Nachweis von im Blut zirkulierenden Tumorzellbestandteilen (Liquid Biopsy) und den Möglichkeiten der molekularen Diagnostik (NGS: Next-Generation Sequencing) mit Entwicklung neuer Medikamente, die auch eine therapeutische Beeinflussbarkeit der Tumorzellen ermöglichen.

Listen der zertifizierten Pankreaskarzinomzentren und Zentren für chirurgische Pankreaserkrankungen:

https://www.oncomap.de/centers?selectedOrgan=Pankreas (DKG, Onkozert)

http://www.dgav.de/zertifizierung/zertifizierte-zentren/chirurgische-erkrankungen-des-pankreas.html ((DGAV, DGAV GmbH (SAVC))

Quellen:

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Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2013) S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom, Langversion 1.0, AWMF Registrierungsnummer: 032/010OL; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-010OLl_S3_Exokrines_Pankreaskarzinom_21112013-abgelaufen.pdf; eine Aktualisierung wird derzeit durchgeführt.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2014) Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse. Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten, 2. Auflage

Mai C, Lutz M (2019) Pankreaskarzinom: Klinik, Labordiagnostik und bildgebende Diagnostik. In: Lehnert H et al. (eds) Springer Reference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Heidelberg

National Institute for Health and Care Excellence: Pancreatic cancer in adults: diagnosis and management. NICE Guideline NG 85, February 2018.

Neuzillet C, Gaujoux S, Williet N, et al. Pancreatic cancer: French clinical practice guidelines for diagnosis, treatment and follow-up (SNFGE, FFCD, GERCOR, UNICANCER, SFCD, SFED, SFRO, ACHBT, AFC). Digestive and Liver Disease 50 (2018) 1257–1271.

Schünke M et al. (2018) Prometheus. Innere Organe: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart.

Sohal DPS, Kennedy EB, Khorana A, et al. Metastatic pancreatic cancer: ASCO clinical practice guideline update. J Clin Oncol 2018.

Tjaden C, Hackert T, Büchler MW (2015) Chirurgische Therapie des Pankreaskarzinoms. In: Lehnert H et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Heidelberg.