Veränderungen im Erbgut von Zellen des Magens können zu unkontrolliertem Wachstum führen, es entstehen sogenannte entartete Zellen. Wenn sich solche Tumorzellen in gesundes Nachbargewebe ausdehnen oder Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen bilden, handelt es sich um einen bösartigen Tumor. Ist dagegen das Wachstum nicht „zerstörerisch“ und lokal begrenzt, wird er als gutartig bezeichnet.

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Was ist der Magen?

Der Magen ist ein muskulöser Schlauch, der im linken Oberbauch liegt. Der obere Magenbereich, wo die Speiseröhre in den Magen mündet, wird Kardia oder Mageneingang genannt. Am unteren Ende liegt der Magenausgang, auch Magenpförtner oder Pylorus bezeichnet, der in den Zwölffingerdarm (Duodenum) übergeht. Weitere Abschnitte des Magens sind das Magengewölbe (Fundus), der Magenkörper (Korpus) und der Magenvorhof (Antrum). Der Magen wird von der Magenschleimhaut ausgekleidet. Eine Art Schleimschicht schützt die Magenschleimhaut vor dem Einfluss der in speziellen Drüsen gebildeten aggressiven Magensäure. Im Magen wird der Nahrungsbrei durch die Bewegungen des Magens durchmischt, Bakterien werden abgetötet und Eiweiße durch das Enzym Pepsin, das ebenfalls in der Magenwand gebildet wird, grob zerkleinert.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Magenkrebs behandelt?

Die Experten für Magenkrebs behandeln alle bösartigen Tumoren des Magens. Der am häufigsten vorkommende Tumor ist das von der Magenschleimhaut ausgehende Magenkarzinom (Magenkrebs). Die folgenden bösartigen Tumoren des Magens sind relativ selten:

  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) gehen von Bindegewebe aus (Bindegewebstumor, Weichteiltumor, Weichgewebstumor).
  • (MALT-)Lymphome gehen von lymphatischem Gewebe aus.
  • Leiomyosarkome gehen von den Muskelzellen der Magenwand aus.

Neben den bösartigen Tumorerkrankungen behandeln Spezialisten für Magenkrebs auch Patienten mit gutartigen Magentumoren, wie zum Beispiel:

  • Adenome gehen von Drüsengewebe aus und können bösartig werden.
  • Magenpolypen kommen relativ häufig vor und gehen von der Magenschleimhaut aus, sie können bösartig werden.
  • Korpusdrüsenzysten bleiben gutartig.

Auch Begleiterscheinungen des Magenkrebses und Nebenwirkungen der Magenkrebstherapie werden von den Spezialisten für Magenkrebs mitbehandelt. Dazu gehören die Behandlung von beispielsweise:

  • Krebsschmerzen
  • Schluckstörungen und wiederholtes Erbrechen infolge tumorbedingter Magenverengungen 
  • Erschöpfung und dauerhafte Müdigkeit (Fatigue), die durch den Krebs selbst oder die Behandlung ausgelöst werden können
  • Magenblutungen 
  • Wasseransammlung in der Bauchhöhle (Aszites)

Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Magenkrebs ein?

Über die Patientenbefragung (Anamnese) und die körperliche Untersuchung bekommt der Arzt Informationen über die Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamente. Um allerdings eine Krebserkrankung im Magen zu erkennen bzw. auszuschließen, müssen weitere, bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden. Folgende Diagnoseverfahren setzen Magenkrebsspezialisten ein:

  • Mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie) bzw. einer Ösophagogastroduodenoskopie (Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm) können Veränderungen der Magenschleimhaut, wie Magenkrebs, erkannt sowie die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm beurteilt werden.
  • Im Rahmen einer Magenspiegelung können Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden, die im Labor darauf hin untersucht werden, ob tatsächlich ein Magenkrebs vorliegt und um welche Art es sich genau handelt.
  • Hochauflösende Videoendoskopie
  • Magnifikation (optische und digitale Vergrößerung des zu untersuchenden Areals) und computergestützte Chromoendoskopie (Gewebeareale werden eingefärbt) zur besseren Erkennung von Gewebeveränderungen
  • Über die Ausbreitungsdiagnostik kann festgestellt werden, wie weit sich der Magenkrebs ausgedehnt hat, einerseits lokal (Magenwand) und regionär (Lymphknoten und Nachbarorgane), andererseits in tumorferne Organe (Fernmetastasen). Hierfür setzen die Magenkrebsspezialisten folgende Techniken ein:
    • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchraums
    • Computertomographie (CT) des Brustkorbs, des Bauchraums und des Beckens
    • Endoskopische Ultraschalluntersuchung (EUS)
    • Magnetresonanztomographie (MRT) bei Patienten, bei denen eine CT-Untersuchung nicht möglich ist oder einen unklaren Befund zeigte
    • Bauchspiegelung (Laparoskopie) zum Ausschluss einer Krebsstreuung in die Bauchhöhle
    • PET-CT (Positronenemissionstomographie-Computertomographie)
  • Breischluck-Untersuchung zur genaueren Beurteilung des Mageneingangs
  • Bestimmung von Tumormarkern als Ausgangswert und im Rahmen von klinischen Studien

Auf Basis der Ausbreitungsdiagnostik können das Tumor-Staging (Tumorstadium, mithilfe der TNM-Klassifikation) und die Prognose bezüglich Krankheitsverlauf abgeschätzt werden. Das Tumor-Staging bildet zusammen mit dem Tumor-Grading (Differenzierungsgrad des Tumors anhand der Biopsie) die Grundlage für den Therapieplan.

Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Magenkrebs?

Zum Leistungsspektrum eines Experten für Magenkrebs gehören beispielsweise folgende Behandlungsmethoden:

  • Endoskopische Entfernung (Resektion) von Krebsvorstufen und Krebs im Frühstadium
  • Magenteilentfernung (partielle oder subtotale Magenresektion)
  • Vollständige Magenentfernung (Gastrektomie
  • Mitentfernung von Teilen der Speiseröhre bei Magenkrebs am Übergang von Speiseröhre zu Magen
  • Obligat bei Magenkrebsoperation: Mitentfernung sämtlicher Lymphknoten in der Region, da diese potentiell auch tumorbefallen sind
  • Vorbereitende Chemotherapie vor der Magenkrebsoperation (neoadjuvante Chemotherapie) bei fortgeschrittenen, aber grundsätzlich noch heilbaren (operablen) Tumoren
  • Ergänzende Chemotherapie nach der Magenkrebsoperation (adjuvante Chemotherapie) zur Reduktion der Tumorrückfallrate 
  • Begleitende Chemotherapie vor und nach der Magenkrebsoperation (perioperative Chemotherapie), heute bevorzugt nach dem FLOT-Regime (das ist eine bestimmte Kombination von Zytostatika)
  • Radiochemotherapie (Chemotherapie in Verbindung mit einer Bestrahlung) bei Tumoren am Übergang Speiseröhre zu Magen oder bei Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden konnten, oder erneut gewachsen sind
  • Systemische (den ganzen Körper betreffende) palliative Behandlung mit zielgerichteten Substanzen (Antikörpern) und Chemotherapeutika, um das Wachstum des Tumors zu beschränken und damit die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität zu erhöhen
  • Operative Entfernung oder Bestrahlung einzelner Fernmetastasen
  • Einsetzen von Stents (Röhrchen), um die Nahrungspassage offen zu halten
  • Einsetzen einer Ernährungssonde für die künstliche Ernährung
  • Endoskopische Blutstillung, radiologische Embolisation (Verschluss von Blutgefäßen von innen) oder Bestrahlung bei Magenblutungen
  • Palliative Entfernung des Magens, wenn eine Magenblutung nicht anders gestillt werden kann
  • Punktion der Bauchhöhle zum Abführen von Bauchwasser (Aszites) 
  • Behandlung mit neuen Medikamenten oder Methoden im Rahmen von klinischen Studien
  • Nachsorgeuntersuchungen
  • Psychoonkologische Betreuung

Was zeichnet die Spezialisten für Magenkrebs aus?

Die Behandlung eines Patienten mit Magenkrebs gehört in die Hände von Spezialisten für Magenkrebs und sollte in Krankenhäusern erfolgen, die umfangreiche Erfahrung mit Magenkrebs haben. Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert diese onkologischen Behandlungszentren, was eine hohe Qualität in der Versorgung von Patienten mit Magenkrebs gewährleistet. Experten für Magenkrebs sind Fachärzte aus den Bereichen Gastroenterologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Chirurgie und Pathologie. In Tumorkonferenzen besprechen sie die Krebserkrankung eines Patienten und entwickeln gemeinsam eine an den Patienten angepasste Behandlungsstrategie, wobei sie aktuelle Leitlinienempfehlungen berücksichtigen. Sie sind mit allen diagnostischen und therapeutischen Verfahren bestens vertraut und haben entsprechende Fallzahlen und Leistungsausweise.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (2018) Magenkarzinom. Leitlinie. onkopedia leitlinien

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2019) S3-Leitlinie Magenkarzinom „Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs“. Langversion 2.01 (Konsultationsfassung) –Januar 2019, AWMF-Registernummer: 032/009OL

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2013) Magenkrebs. Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten

Schünke M et al. (2018) Prometheus. Innere Organe: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart