Endokrinologie und Diabetologie sind eines der neun Teilgebiete der Inneren Medizin. Der Fachbereich der Endokrinologie befasst sich mit den Grundlagen der Hormone und des Stoffwechsels, dem Zusammenspiel aller hormonproduzierenden Organe sowie den Erkrankungen aufgrund hormoneller Störungen. Die Diabetologie im Speziellen umfasst alle Aspekte von den Grundlagen über die Vorbeugung (Prophylaxe) und der Diagnose bis hin zur Behandlung und zum Management des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Übersicht

Endokrinologie und Diabetologie - Weitere Informationen

Behandlungsschwerpunkte der Endokrinologie

Hormone sind biochemische Substanzen des Körpers, deren Produktion über teils komplexe Regulationskreisläufe fein aufeinander abgestimmt ist und die für viele Funktionen des Körpers eine sehr wichtige Rolle spielen. Werden aufgrund einer organischen Störung zu viel oder zu wenig Hormone gebildet oder reagieren die hormonbindenden Zellen nicht so, wie sie sollten, hat dies oft weitreichende Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Hormone, die innerhalb des Körpers wirken, werden in sogenannten endokrinen Drüsen gebildet. Diese Hormondrüsen geben die gebildeten Hormone direkt an das Blut ab, mit dem sie an andere Stellen des Körpers transportiert werden, an denen sie dann ihre Wirkung entfalten können.

In der Endokrinologie geht es somit um den Hormonhaushalt und dessen mögliche Störungen beispielsweise bei Wachstum, Fortpflanzung, Entwicklung sowie Reaktionen auf Belastungen und Stress. Ein Endokrinologe befasst sich mit Krankheiten, die auf den Hormonhaushalt beziehungsweise die hormonproduzierenden Organe, wie

  • Schilddrüse und Nebenschilddrüsen
  • Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
  • Hypophyse (Hirnanhangdrüse)
  • Nebennieren
  • Geschlechtsorgane (Hoden und Eierstöcke)

zurückzuführen sind. Zu den Krankheitsbildern und Störungen im Bereich der Endokrinologie gehören unter anderem

  • Erkrankungen der Schilddrüse, zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Kropf (Struma)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Störungen des Fettstoffwechsels, zum Beispiel Hypercholesterinämie (zu hoher Cholesterinspiegel)
  • Störungen der Geschlechtsdrüsen (ovarielle bzw. testikuläre Dysfunktion), zum Beispiel Syndrom polyzystischer Ovarien (PCOS), Hypogonadismus
  • Erkrankungen der Hypophyse, zum Beispiel Morbus Cushing
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Hormonproduzierende Tumoren

Diagnostik- und Behandlungsverfahren der Endokrinologie

Die Anamnese, das heißt die Befragung des Patienten nach seinen Beschwerden, seiner Lebensweise und Medikamenteneinnahme und seiner Krankengeschichte bzw. die seiner direkten Verwandten, sowie die körperliche Untersuchung geben dem Arzt bereits erste Hinweise auf eine zugrunde liegende Erkrankung. Je nach Verdachtsdiagnose folgen dann Labortests und anschließend unter Umständen bildgebende Untersuchungen, um eine Störung des Hormonhaushalts sicher diagnostizieren zu können.

Hormonstörungen und Stoffwechselstörungen lassen sich oft über veränderte Laborwerte erkennen, indem beispielsweise die Blutwerte für bestimmte Hormone entweder zu hoch oder zu niedrig sind oder der Blutzucker zu hoch ist. Laboruntersuchungen sind deshalb ein wichtiger Bestandteil in der Diagnose von endokrinologischen Erkrankungen, die vor der Anwendung von bildgebenden Verfahren durchgeführt werden sollten.

Zu den bildgebenden Verfahren gehören beispielsweise:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) zum Beispiel der Schilddrüse bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung oder der Eierstöcke bei Verdacht auf ein PCOS oder anderer Organe
  • Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) zum Beispiel bei Verdacht auf hormonproduzierende Tumoren
  • Messung der Knochendichte (Untersuchung von Hüfte und Lendenwirbelsäule) zum Beispiel bei Kortisontherapie oder Verdacht auf Osteoporose
  • Dopplersonographie von Blutgefäßen zum Beispiel bei Fettstoffwechselstörungen

In den meisten Fällen können Unregelmäßigkeiten im Hormonhaushalt durch eine gezielte Hormon- oder Medikamentengabe ausgeglichen werden. Oft ist eine schrittweise Einstellung bis zur optimalen Dosierung notwendig. Mitunter ist diese Behandlung auch lebenslang erforderlich (zum Beispiel bei Störungen der Schilddrüse). Dies bedarf einer strengen Kontrolle des behandelnden Arztes. Je nach Ursache für die Hormonstörung, zum Beispiel bei einem hormonproduzierenden Tumor, kann ein operativer Eingriff erforderlich sein.

Häufig wird eine Umstellung von Ernährung und allgemeiner Lebensführung nötig (zum Beispiel bei Diabetes mellitus). In diesen Fällen ist eine eingehende Beratung des Patienten wichtig. Auch eine regelmäßige sportliche Betätigung kann die Therapie positiv beeinflussen.

Haben psychische Probleme zu den Hormonstörungen geführt, kann eine psychologische oder psychiatrische Behandlung hilfreich sein.

Behandlungsschwerpunkte der Diabetologie

Die Diabetologie befasst sich mit der Vorbeugung, der Diagnose, der Behandlung und der Erforschung von Diabetes mellitus. Die wichtigsten Varianten der Zuckerkrankheit sind

  • der Diabetes mellitus Typ 1,
  • der Diabetes mellitus Typ 2 mit sich daraus entwickelndem metabolischen Syndrom sowie
  • der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Aber auch Folge- und Begleiterkrankungen, wie

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)
  • Hyperglykämie (Überzuckerung) diabetisches Fußsyndrom
  • Nierenerkrankungen (diabetische Nephropathie),
  • Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie bzw. Polyneuropathie)

liegen im Verantwortungsbereich eines Diabetologen.

Diabetesbedingte Erkrankungen der Augen (Netzhautveränderungen) gehören in die Hände eines Facharztes für Augenheilkunde.

Diagnostik- und Behandlungsverfahren der Diabetologie

Im Rahmen der Diabetesdiagnostik erfolgen bei Verdacht auf eine Diabeteserkrankung mehrmalige Messungen des Nüchtern-Blutzuckers im Blut (bzw. des Plasmaglukosewerts) und gegebenenfalls die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT, Zuckerbelastungstest). Letzterer wird auch in der Schwangerenvorsorge durchgeführt, um einen Gestationsdiabetes auszuschließen.

Je nach zugrunde liegender Störung kommen in der Behandlung des Diabetes mellitus verschiedene Therapien und unterstützende Maßnahmen zum Einsatz, wie beispielsweise:

  • Insulintherapie, gegebenenfalls mithilfe eine Insulinpumpe
  • Blutzuckersenkende Arzneimittel
  • Schulungen (zum Beispiel zur richtigen Ernährung, zur Selbstmessung des Blutzuckers, zur Medikamentenanwendung, zur Nutzung einer Insulinpumpe)

Während der gesamten Behandlung werden regelmäßige Kontrollen des Blutzuckers und des Langzeitblutzuckers (HbA1c-Wert) durchgeführt.

Zusammenhang zwischen Endokrinologie und Diabetologie

Ursache für einen Diabetes mellitus ist entweder ein Mangel an Insulin oder eine Insulinresistenz (die Zielzellen von Insulin sind „unempfindlicher“ gegenüber Insulin). Da Insulin aber ein Hormon ist, gilt die Disziplin, die sich mit dem Diabetes mellitus befasst, nämlich die Diabetologie, als Teilbereich der Endokrinologie.

Oft werden Störungen im Zuckerstoffwechsel und damit der Diabetes mellitus von Allgemeinärzten im Rahmen von Früherkennungs- oder Routineuntersuchungen aufgedeckt. Deshalb und aufgrund der individuellen und gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Zuckerkrankheit absolvieren auch viele Allgemeinmediziner eine Weiterbildung im Bereich der Diabetologie.

Weiterbildung im Bereich Endokrinologie und Diabetologie

Nach abgeschlossenem Medizinstudium kann ein in Deutschland zugelassener Arzt sich in verschiedene Fachrichtungen weiterbilden und beispielsweise den Facharzt für Innere Medizin oder den Facharzt für Allgemeinmedizin oder direkt den Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie machen. Hierfür ist eine fünf- bis sechsjährige Tätigkeit notwendig, während der eine festgelegte Anzahl an diagnostischen Verfahren und Therapien durchgeführt werden muss. Dadurch erlangt der Experte für Endokrinologie und Diabetologie fundierte Kenntnisse in allen Bereichen der Diagnose und Behandlung von hormonellen Störungen.

Neben der direkten Möglichkeit zur Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie können sich sonstige Fachärzte für Innere Medizin oder für Allgemeinmedizin bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) nach erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung zum Diabetologen DDG zertifizieren lassen. Mit dieser Qualitätsauszeichnung werden ebenfalls umfassende Kenntnisse in der Betreuung von Diabetespatienten nachgewiesen.

Quellen:

Bundesärztekammer (2013) (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 28.06.2013. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf

Bundesärztekammer et al. (2014) Therapie des Typ-2-Diabetes. Nationale VersorgungsLeitlinie. AWMF-Register-Nr.: nvl-001g. http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/dm-therapie-1aufl-vers4-kurz.pdf

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DGG) (2019). Richtlinien zur Anerkennung als Diabetologin DDG / Diabetologe DDG. http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Weiterbildung/Diabetologe_DDG/2019_Richtlinien_zur_Anerkennung_als_Diabetologe_DDG.pdf

Feldkamp J et al. (2016) Klug entscheiden: ... in der Endokrinologie. Dtsch Arztebl 113(17): A-821 / B-696 / C-687. https://www.aerzteblatt.de/archiv/177837/Klug-entscheiden-in-der-Endokrinologie

WHO (2016) International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems 10th Revision. https://icd.who.int/browse10/2016/en