In einem Zentrum für Beckenvenenobstruktionen (Obstruktion = Verengung) werden angeborene oder erworbene Engstellen der Beckenvenen behandelt. Solche Verengungen oder Verschlüsse können zum Beispiel zu schmerzhaften Beinschwellungen oder zu Venengeschwüren führen. Die Behandlung der Beckenvenen ist der Gefäßmedizin, in der medizinischen Fachsprache auch Angiologie genannt, zuzuordnen. Genau genommen handelt es sich um den Fachbereich der Phlebologie.

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Zentrum für Beckenvenenobstruktion - Weitere Informationen

Was sind Obstruktionen der Beckenvenen?

Beckenvenenobstruktionen (Obstruktion = Verengung) gehören in das Fachgebiet der Phlebologie, das sich mit der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen der Venen insgesamt befasst. Die Beckenvenen (Vena iliaca) transportieren das venöse, sauerstoffarme Blut aus den Beinen und münden in die Hohlvene (Vena cava), die dann wiederum das Blut zur rechten Herzkammer führt. Liegt in einer der Beckenvenen eine Engstelle vor, kann das Blut nicht mehr in einem ausreichenden Maß transportiert werden. Solche Engstellen entstehen entweder durch Ablagerungen, Blutgerinnsel (Thrombosen) oder durch einen auf das Blutgefäß ausgeübten Druck, wie zum Beispiel, durch einen Tumor oder ein anderes Gefäß. Dadurch kommt es zu einem Rückstau in die Beine, der verschiedene Beschwerden wie Schwellung oder Schmerzen in den Beinen, hervorrufen kann.

Was ist ein Zentrum für Beckenvenenobstruktionen?

Bei einem Zentrum für Beckenvenenobstruktionen handelt es sich um eine Klinik, die sich auf die Behandlung von Patienten mit Verengungen der Beckenvenen spezialisiert hat. Da die Therapie häufig chirurgisch erfolgt, kann das Zentrum an eine gefäßchirurgische Klinik angegliedert sein. Die Zentren verfügen über eine modernste technische Ausstattung für die Diagnose und Therapie von Beckenvenenverengungen. Die teilweise komplexen Eingriffe erfordern ein hohes Maß an fachlicher Expertise, wie dies beispielsweise Angiologen und Gefäßchirurgen haben.

Angiologen sind Experten der Gefäßmedizin. Sie haben eine sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Angiologie absolviert und gelten somit als Spezialisten für die Diagnose sowie die konservative also auch die interventionelle (chirurgische) Behandlung von Krankheiten nicht nur der Venen, sondern auch der Arterien, der Kapillaren und der Lymphgefäße.

Die Gefäßchirurgie ist nicht Teil der Gefäßmedizin, sondern wird der Chirurgie zugeordnet. Gefäßchirurgen haben normalerweise eine ebenfalls sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie durchlaufen. Sie sind Spezialisten für alle interventionellen Eingriffe, sowohl diagnostischer als auch therapeutischer Art, aufgrund von Erkrankungen, Verletzungen, Infektionen oder Fehlbildungen des Gefäßsystems.

Welche Krankheiten werden in einem Zentrum für Beckenvenenobstruktionen behandelt?

Die Spezialisten im Zentrum für Beckenvenenobstruktionen beschäftigen sich sowohl mit erworbenen als auch mit angeborenen Verengungen sowie Verschlüssen der Beckenvenen.

Eine häufige angeborene Erkrankung ist das Beckenvenenkompressionssyndrom, auch May-Thurner-Syndrom oder Vena-iliaca-Kompressionssyndrom genannt. Hierbei wird die linke Beckenvene von der überkreuz verlaufenden Beckenarterie (Arteria iliaca) eingedrückt (komprimiert). Dadurch entstehen Schäden an der Gefäßinnenwand und eine Art „Venensporn“. Als Folge dieser Abflussbehinderung erhöht sich das Risiko für Thrombosen in den linken Becken- und Beinvenen deutlich.

Eine Verengung der Beckenvenen kann aber auch im Rahmen einer Thrombose entstehen. Bei einer Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel die Vene komplett. Auch wenn das Blutgerinnsel entfernt oder aufgelöst werden kann, kann eine Obstruktion bestehen bleiben.

Eine akute Verengung bzw. ein akuter Verschluss der Beckenvenen ist ebenfalls häufig die Folge einer Thrombose. Ein Blutgerinnsel entsteht als Folge von Schäden der Gefäßwand und durch Veränderungen des Strömungsverhaltens des Blutes, wie Verlangsamung des Blutflusses oder Turbulenzen an bereits bestehenden Gefäßveränderungen. Langes Sitzen (zum Beispiel bei Langstreckenflügen) oder Liegen (zum Beispiel im Krankenhaus) kann die Entstehung eine Thrombose begünstigen.

Folgende Symptome können auf eine Beckenvenenobstruktion hindeuten:

  • Krampfadern
  • Schwellungen der Beine
  • Wadenkrämpfe
  • Braunfärbung der Beine
  • Schnelle Ermüdung der Extremitäten
  • Nicht heilende Geschwüre an den Beinen

Welche Diagnosemethoden werden angewandt?

Neben der Patientenbefragung (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung (Schwellungen, Schmerzen, Farbveränderungen) ist der Gefäßultraschall die wichtigste bildgebende Untersuchungsmethode der Phlebologie, auch Doppler-Duplexsonographie genannt. Das Ultraschallgerät macht durch spezielle Farbbilder den Blutfluss in den Venen sichtbar. So kann der Arzt nicht nur die Gefäßverläufe im Gewebe erkennen, sondern auch Verengungen und Verkalkungen diagnostizieren und ihre Ausdehnung vermessen. Eine moderne Methode zur Beurteilung von Obstruktionen im Beckenvenenbereich ist der intravaskuläre Ultraschall, bei dem ein miniaturisierter Ultraschallkopf in das Gefäßsystem eingebracht wird.

Nicht immer lassen sich aber alle Gefäßbereiche mittels Ultraschall ausreichend darstellen. In diesen Fällen kann eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Unter Phlebographie wird die Röntgendarstellung der Venen mithilfe eines Kontrastmittels bezeichnet. Besonders gut sind die Gefäße im CT und MRT unter Kontrastmittelgabe zu sehen. Es wird dann von CT-Angiographie (CTA) beziehungsweise MR-Angiographie (MRA) gesprochen.

Wie werden Beckenvenenobstruktionen behandelt?

Nach der Diagnose einer Beckenvenenverengung erfolgt zunächst eine Antikoagulation (Hemmung der Blutgerinnung), das heiß, über die regelmäßige Einnahme eines Medikaments soll das Risiko für die Entstehung eines Thrombus und die Gefahr einer Lungenembolie reduziert werden.

Wenn bereits ein Thrombus besteht, wird dieser aufgelöst oder entfernt. Hierfür gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten:

  • Medikamentöses Auflösen des Thrombus (systemische Fibrinolyse)
  • Entfernung des Thrombus über einen Katheter (kathetergesteuerte Fibrinolyse)
  • Chirurgische Thrombusentfernung (Thrombektomie)

Eine Verengung bzw. ein Verschluss einer Beckenvene kann der Gefäßchirurg häufig in einem minimalinvasiven Eingriff beheben. Dafür punktiert er die Leiste und führt einen Venenstent ein. Es handelt sich hierbei um ein kleines Röhrchen, das das Gefäß weitet und problemlos lebenslang im Körper verbleiben kann. Unter Röntgenkontrolle führt er den Katheter mit dem Stent bis zu Engstelle vor und setzt ihn dort frei (sogenannte Angioplastie). Je nach Ausprägung kann der Chirurg auch mehrere Stents hintereinander setzen, um eine längere Einengung der Beckenvene so dauerhaft zu eröffnen.

Quellen:

Bundesärztekammer (2013) (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 28.06.2013. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf

Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin (2015) Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. S2K-Leitlinie. AWMF Leitlinien-Register Nr.065/002. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002l_S2k_VTE_2016-01.pdf

Hague J., Ivancev K., Debus E.S. (2019) Venenthrombose der Bein- und Beckenvenen: endovaskuläre Therapie. In: Debus E., Gross-Fengels W. (eds) Operative und interventionelle Gefäßmedizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin

Ludwig M (2019) Thrombosesyndrom. In: Facharztwissen Angiologie: Diagnostik und Therapie arterieller, venöser und lymphatischer Erkrankungen. Springer, Berlin

Tató F. (2015) Venenthrombose und venöse Embolie der Bein- und Beckenvenen: Klinik und konventionelle Therapie. In: Debus E., Gross-Fengels W. (eds) Operative und interventionelle Gefäßmedizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin