Die Geburtshilfe ist ein Teilgebiet der Frauenheilkunde (Gynäkologie). Sie befasst sich mit den natürlichen und krankhaften Vorgängen bei Mutter und Kind in der Zeit der Schwangerschaft, sowie während der Geburt und im Wochenbett.

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Geburtshilfe - Weitere Informationen

Worum geht es bei dem Fachbereich “Geburtshilfe”?

Ein wichtiger Bestandteil der Geburtshilfe ist die pränatale Diagnostik. Mittels verschiedener nichtinvasiver Tests und Verfahren können hier etwa chromosomal bedingte Fehlbildungen frühzeitig erkannt werden. Das geschieht zum Beispiel in Form von mütterlichen Blutproben oder Frühultraschall. Bei einem positiven Screening auf etwaige Fehlbildungen können zudem invasive Tests und Untersuchungen nötig werden – zum Beispiel in Form einer Fruchtwasserpunktion oder Nabelschnurpunktion.

Anhand dieser Untersuchungsergebnisse lässt sich der zu erwartende Schwangerschaftsverlauf der einzelnen Patientinnen schon recht genau abschätzen. Insbesondere bei Problemfällen ist eine fächerübergreifende Zusammenarbeit der Geburtsmediziner wichtig, etwa mit Hebammen, Anästhesisten, Neonatologen, Genetikern, Psychologen, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und Ernährungsberatern. So kann das Wohlergehen von Mutter und Kind sichergestellt werden.

Risikofaktoren im Bereich der Geburtshilfe

In den letzten Jahren haben vor allem zwei Risikofaktoren im Bereich der Geburtshilfe zugenommen: Einerseits bekommen immer mehr Frauen im schon fortgeschrittenen Alter Kinder und andererseits gibt es eine Zunahme von Adipositas bei Schwangeren (Schneider & Husslein & Schneider 2016). Das stellt die in diesem Bereich tätigen Mediziner, meist Fachärzte der Gynäkologie, sowie Hebammen, vor verschiedene Herausforderungen. Auf Seiten der Mütter können sich diese Risiken etwa in Form von hypertensiven (erhöhter Blutdruck) Schwangerschaftserkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 zeigen. Beim Fetus dominieren hingegen intrauterine („innerhalb der Gebärmutter“) Wachstumsstörungen und Frühgeburtlichkeit.

Frühschwangerschaft und Abort

Etwa 50 Prozent aller befruchteten Eizellen entwickeln sich nicht zu gesunden Schwangerschaften weiter. In den meisten Fällen enden diese Schwangerschaften unbemerkt als Früh-Aborte, häufig etwa in Form einer verspäteten Regelblutung. Weiterhin enden circa 15 Prozent aller klinisch diagnostizierten Schwangerschaften enden in einem Frühabort (bis zur 13. Schwangerschaftswoche (SSW)). Mit steigendem Alter der Mutter nimmt die Aborthäufigkeit zu. Bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Aborten spricht man von „habituellen Aborten“. Das kann zwar eine zufällige Reihung sporadischer Aborte sein, dennoch muss hier nach den speziellen (pathologischen) Ursachen gesucht werden. Frühestens in der 4. SSW kann eine kleine Fruchthöhle innerhalb der Gebärmutter im vaginalen Ultraschall dargestellt werden, sichtbar als kleiner schwarzer Punkt. Eine positive Herzaktion eines Embryos kann frühestens ab der 5./6. SSW nachgewiesen werden. Ab diesem Zeitpunkt sollten regelmäßige Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen stattfinden.

Wichtige Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft

  • Stoffwechselerkrankungen in der Schwangerschaft (wie etwa Diabtes mellitus Typ 1 und Typ 2 oder Schilddrüsenerkrankungen)
  • Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems (Vena-cava-Syndrom, das sich in Form von Schwindel und Atemnot äußert oder Thrombosen)
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (etwa schwangerschaftsbedingte Übelkeit und Erbrechen in unterschiedlichen Schweregraden)
  • Hämatologische Erkrankungen (in Form einer Anämie)
  • Isolierte Schwangerschafts-Thrombozytopenie (die Thrombozytenzahl im Blut fällt signifikant unter die Normgrenze)
  • Erkrankungen der ableitenden Harnwege (asymptomatische Bakteriurie, Zystitis, die häufigsten Erreger sind hier E.coli-Bakterien)
  • Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen (das wiederholte Auftreten von Blutdruckwerten von >140/90 mmHg)

Zu den möglichen Infektionen während der Schwangerschaft gehören etwa: Röteln, Parvovirus (Ringelröteln), Herpesinfektion, Zytomegalie (CMV), Toxoplasmose, Chlamydien, Streptokokken der Gruppe B, HIV und Hepatitisinfektionen.

Weitere Aufgaben im Bereich der Geburtshilfe

Die sorgfältige Betreuung bei einer Risikoschwangerschaft (aufgrund des Alters oder Gesundheitszustandes der Mutter, einer Mehrlingsschwangerschaft oder des Gesundheitszustands des Kindes), sowie die Behandlung von möglichen Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf, sind ebenso wichtige Aufgaben der Geburtshilfe. In seltenen Fällen kann es etwa zu einer vorzeitigen Plazentalösung, zu Blutgruppeninkompatibilitäten oder Fruchtwassersanomalien kommen.

Die Leitung und Überwachung der Geburt, bzw. ihre Einleitung bei einer deutlichen Terminüberschreitung (über 40 Prozent aller Schwangeren gebären nach dem errechneten Geburtstermin), fällt ebenfalls in den Verantwortungsbereich der Geburtshilfe. Das reicht von der Aufnahme in den Kreißsaal, bis hin zur etwaigen Schmerzbekämpfung und zur Untersuchung des Neugeborenen. Auch Operationen können nötig werden: Etwa in Form eines geplanten Kaiserschnitts (abdominal operative Entbindung) oder bei Notfällen während der Geburt (vaginal operative Entbindung) – in Form einer Vakuumextraktion oder Zangenentbindung, bzw. mithilfe der Kiwi-Saugglocke. Das kann zum Beispiel bei einem Nabelschnurvorfall oder einem Geburtsstillstand notwendig werden, etwa aufgrund von Wehenschwäche oder eines Kopf-Becken-Missverhältnisses. Auch die Nachversorgung der Mutter kann (kleine) operative Eingriffe erfordern, zum Beispiel bei einem Scheidenriss oder Dammriss.

Was macht unsere Ärzte zu Spezialisten für Geburtshilfe?

Im Leading Medicine Guide werden nur ausgewählte hochqualifizierte medizinische Experten und Spezialisten mit hoher fachlicher Expertise präsentiert. Alle im Fachgebiet Geburtshilfe gelisteten Ärzte haben die mehrjährige Facharztweiterbildung im Bereich Frauenheilkunde absolviert und verfügen über exzellente Erfahrungen. Sie erfüllen die strengen Aufnahmekriterien des Leading Medicine Guide.

Literatur

  • Lasch, Lidia, und Sabine Fillenberg. Basiswissen Gynäkologie und Geburtshilfe. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, 2017. Print. Springer-Lehrbuch.
  • Schneider, Henning, Peter-Wolf Husslein, und Karl-Theo Maria Schneider, Hrsg. Die Geburtshilfe. 5. Aufl. Berlin ; Heidelberg: Springer, 2016. Web. Springer Reference Medizin.