Leistenbruch: Informationen und Leistenbruch-Spezialisten

25.08.2021
Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling
Medizinischer Fachautor

Der Leistenbruch ist die am häufigsten vorkommende Form einer Hernie. Er muss immer operativ behandelt werden, da es sonst zu schweren Komplikationen wie zur Einklemmung des Darms kommen kann. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Leistenbruch-Spezialisten.

ICD-Codes für diese Krankheit: K40

Empfohlene Leistenbruch-Spezialisten

Leistenbruch (Leistenhernie) Fälle in Deutschland

226.829 Fälle im Jahr 2019
232.588 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist ein Leistenbruch? Eingeweide können durch eine Schwachstelle durch die Bauchdecke treten und sich dadurch nach außen wölben (Eingeweidebruch). Befindet sich die Schwachstelle in den Leisten, handelt es sich um einen Leistenbruch bzw. Leistenhernie.
  • Häufigkeit: Etwa 0,5 % der Bevölkerung erleiden jährlich einen Leistenbruch. Es ist die häufigste Hernienform und auch eine der häufigsten Erkrankungen, die chirurgisch behandelt werden. Männer sind deutlich häufiger betroffen.
  • Formen: Mediziner unterscheiden zwischen angeborenen und erworbenen sowie direkten und indirekten Leistenbrüchen.
  • Ursachen: Die Schwachstelle in der Bauchwand kann abhängig von der Form des Leistenbruchs unterschiedliche Ursachen haben, etwa eine Bindegewebsschwäche, ein unvollkommener Verschluss in der Kindheit und eine frühere Bauch-OP.
  • Risikofaktoren: Bei einer solchen Vorbelastung können das Heben schwerer Lasten, Husten, Erbrechen, Schwangerschaften und Übergewicht den Leistenbruch auslösen.
  • Symptome: Eine sicht- und tastbare Vorwölbung im Leistenbereich ist das Haupt-Symptom. Auch ein Druckgefühl und leichte ziehende Schmerzen in der Leistenregion können auftreten.
  • Diagnose: Mediziner diagnostizieren einen Leistenbruch durch eine körperliche Untersuchung. Zur genaueren Abklärung können Ultraschall und eine MRT durchgeführt werden.
  • Behandlung: Da sich ein Leistenbruch nicht voll allein zurückbildet, ist eine OP unabdingbar. Der Eingriff kann minimal-invasiv endoskopisch oder offen chirurgisch stattfinden.

Artikelübersicht

Bei einem Leistenbruch handelt es sich um einen Eingeweidebruch im Bereich des Leistenkanals. Er wird auch Leistenhernie oder Inguinalhernie genannt.

Dabei bildet sich im Leistenbereich eine Lücke in der Bauchdecke. Durch diese Lücke treten Eingeweideteile, die noch vom Bauchfell umschlossen sind, aus der Bauchhöhle nach außen hervor. Diese Lücke in der Bauchdecke wird auch als Bruchpforte bezeichnet.

Das Bauchfell, das sich mit den darin enthaltenen Eingeweideteilen sackartig durch die Bruchpforte in der Bauchdecke nach außen vorwölbt, bildet den sogenannten Bruchsack. Die im Bauchfell eingeschlossenen, hervorgetretenen Eingeweideteile, darunter beispielsweise Teile des Darms, stellen den sogenannten Bruchinhalt dar.

Leistenhernie
Auftreten und Darstellung einer Leistenhernie © designua | AdobeStock

Jedes Jahr erleiden etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung einen Eingeweidebruch im Bereich des Leistenkanals. Der Leistenbruch gehört damit zu den am häufigsten vorkommenden chirurgischen Erkrankungen des Menschen.

Zudem stellt er die häufigste Hernienform dar, da es sich bei etwa 75 bis 80 Prozent aller Eingeweidebrüche um einen Leistenbruch handelt. Männer sind dabei wesentlich häufiger betroffen als Frauen: Etwa 80 Prozent aller Leistenhernien treten bei Männern auf.

Formen des Leistenbruchs

Grundsätzlich kann zwischen einem angeborenen und einem erworbenen Leistenbruch unterschieden werden. Erworben bedeutet, dass die Krankheit erst im Verlauf des Lebens auftritt.

Zu differenzieren sind auch der direkte und der indirekte Leistenbruch. Eingeteilt wird dabei je nach Lokalisierung der Bruchpforte und in welche Richtung der Bruchsack die Bruchpforte im Leistenbereich durchtritt.

Ein direkter Leistenbruch, auch mediale Leistenhernie genannt, ist in der Regel erworben und tritt vor allem bei älteren Männern auf. Der Bruchsack dringt dabei an der Hinterwand des Leistenkanals direkt senkrecht durch die Bruchpforte aus dem Bauchraum nach außen aus.

Ein indirekter Leistenbruch, auch laterale bzw. seitliche Leistenhernie genannt, ist meist angeboren. Bei dieser Form des Leistenbruchs tritt der Bruchsack entlang des Samenstrangs (beim Mann) bzw. des Mutterbandes (bei der Frau) durch die innere Öffnung des Leistenkanals in den Leistenkanal vor. Etwa zwei Drittel aller Leistenhernien sind indirekte Leistenbrüche.

Leistenbruch - Seitenansicht
Leistenbruch bei einem männlichen Patienten © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Ursachen und Risikofaktoren des Leistenbruchs

Ein Leistenbruch entsteht aufgrund einer Schwachstelle in der Bauchdecke im Bereich des Leistenkanals. Die Ursachen unterscheiden sich, je nachdem, ob es sich um einen angeborenen oder einen erworbenen Leistenbruch handelt.

Bei einem angeborenen Leistenbruch ist die ursächliche Schwachstelle auf einen unvollständigen inneren Verschluss der Bauchwand während der frühen Kindheit zurückzuführen.

Für die zugrundeliegende Schwachstelle bei einem erworbenen Leistenbruch können unter anderem Bauchoperationen und eine angeborene Bindegewebsschwäche verantwortlich sein.

Zu den auslösenden Ereignissen und Risikofaktoren, die einen erworbenen Leistenbruch verursachen können, gehören unter anderem ein chronisch erhöhter Druck im Bauchraum, etwa beim

  • Heben schwerer Lasten,
  • beim Husten oder
  • beim Erbrechen,

sowie durch Schwangerschaften und Übergewicht.

Heben schwerer Lasten
Durch das Hochheben schwerer Lasten erhöht sich der Druck im Bauch © BalanceFormCreative | AdobeStock

Symptome des Leistenbruchs

Ein Leistenbruch äußert sich typischerweise durch eine sicht- und tastbare Vorwölbung im Leistenbereich. Sie lässt sich normalerweise gut nach innen zurückdrücken. Vor allem abends oder nach körperlichen Belastungen tritt sie deutlich hervor.

Daneben treten bei einem Leistenbruch oftmals Symptome wie ein Druckgefühl und leichte ziehende Schmerzen in der Leistenregion auf. Sie verstärken sich bei einer Druckerhöhung im Bauchraum, etwa beim

  • Husten,
  • Niesen,
  • Pressen (z.B. beim Stuhlgang) und
  • körperlicher Anstrengung.

Zu schweren Komplikationen kann es bei einem Leistenbruch kommen, wenn die im Bruchsack befindlichen Eingeweide in der Bruchpforte eingeklemmt werden. In diesem Fall treten starke Schmerzen sowie mitunter Übelkeit und Erbrechen auf. Im schlimmsten Fall droht ein Darmverschluss, der zu einem Darmdurchbruch und zu einer Bauchfellentzündung führen kann.

Diagnose des Leistenbruchs

Zunächst führt der Arzt ein Anamnesegespräch mit dem Patienten. Dabei stellt er gezielte Fragen zu seinen Symptomen und Beschwerden. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Leistenregion des Patienten begutachtet und sorgfältig abtastet.

Zusätzlich können zur Diagnose eines Leistenbruchs weitere Untersuchungen, wie etwa eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden. Mit diesen bildgebenden Verfahren kann der Arzt den Leistenbruch besser beurteilen und andere Krankheiten ausschließen.

Behandlung des Leistenbruchs

Ein Leistenbruch wird in der Regel operativ im Rahmen der Hernienchirurgie behandelt. Eine selbstständige Rückbildung ohne Behandlung ist nicht möglich. Der Eingriff ist notwendig, da der Leistenbruch sich mit der Zeit vergrößert und das Risiko einer Einklemmung von Eingeweideteilen besteht.

Nur bei Risikopatienten, z.B. bei sehr hohem Alter oder gravierenden Begleiterkrankungen, wird man versuchen, konservativ zu beobachten. Von Bruchbändern halten die Ärzte in der Regel wenig.

Leistenbruch-OP mit Netz
Leistenbruch operiert mit Netz nach dem Lichtenstein-Verfahren © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Die Leistenbruch-Operation erfolgt entweder

  • minimal-invasiv mit endoskopischen bzw. laparoskopischen Verfahren oder
  • konventionell im Rahmen eines offenen Eingriffs.

Der Operateur verlagert dabei den Bruchinhalt zunächst in den Bauchraum zurück. Danach verschließt er die Bruchpforte in der Bauchdecke.

Die Bruchpforte wird entweder per Naht oder mit einem Netz verschlossen.

Beim Nahtverfahren wird der Leistenbruch mit Nähten versorgt und verstärkt. Viel häufiger wird jedoch ein leichtes Kunststoffnetz eingesetzt.

Schauen Sie sich hier eine von Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus minimal-invasiv durchgeführte Leistenbruch-OP mit Netz (Lichtenstein-Verfahren) an.

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