Cholestase (Gallenstauung): Infos & Cholestase-Spezialisten

17.02.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Bei einer Cholestase – auch Gallenstauung genannt – staut sich die Gallenflüssigkeit in den Gallengängen und kann nicht in den Darm abfließen. Dabei wird je nach Ursache der Gallenstauung zwischen einer intrahepatischen (nicht-obstruktiven) und einer extrahepatischen (obstruktiven) Cholestase unterschieden. Zu den charakteristischen Symptomen einer Cholestase gehören die Gelbsucht (Ikterus), ein dunkel verfärbter Harn, ein heller Stuhl und ein Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper. Die Behandlung einer Cholestase richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Cholestase-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: K71.0

Empfohlene Cholestase-Spezialisten

Cholestase Fälle in Deutschland

1.367 Fälle im Jahr 2020
1.387 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Cholestase?

Als Cholestase oder Gallenstauung wird der Rückstau der Gallenflüssigkeit innerhalb der Gallengänge bezeichnet. Gallenflüssigkeit besteht aus Bilirubin, Gallensäuren und anderen Gallenbestandteilen. Bei einer Cholestase wird die Gallenflüssigkeit in den Gallengängen zurückgehalten und kann nicht in den Darm abfließen.

Die Ursache für eine Cholestase kann

  • eine Störung der Gallenbildung in der Leber (Gallenbildungsstörung) oder
  • eine Störung des Galleabflusses (Galleabflussstörung)

sein.

Bei einer Galleabflussstörung liegt ein verminderter oder fehlender Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Darm vor. Er ist mechanisch bedingt, d.h. die Gallengänge sind nicht voll durchgängig. So können Gallensteine oder Tumoren die Durchgänge verstopfen. Eine Gallenbildungsstörung ist in der Regel auf chronische Lebererkrankungen zurückzuführen.

Eine Cholestase führt zum einen dazu, dass die aufgestauten Substanzen der Gallenflüssigkeit in die Blutbahn gelangen. Zum anderen hat eine Cholestase eine Störung der Verdauung von Fett und fettlöslichen Vitaminen im Darm zur Folge.

Diese Mechanismen führen zu den drei charakteristischen Symptomen einer Cholestase:

  • einer Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus),
  • einer Verfärbung von Urin und Stuhl (dunkler Harn und heller Stuhl) sowie
  • einem Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper.

Formen einer Cholestase

Bei einer Cholestase ist zu unterscheiden, ob die Ursachen der Gallenstauung innerhalb oder außerhalb der Leber liegen. Anhand der Ursachen unterteilt man zwei verschiedene Formen der Cholestase:

  • die intrahepatische (nicht-obstruktive) Cholestase und
  • die extrahepatische (obstruktive) Cholestase.

Die intrahepatische Cholestase entsteht durch eine Störung der Gallenbildung in den Leberzellen (Hepatozyten).

Bei einer extrahepatischen Cholestase verhindern mechanische Hindernisse in den Gallengängen den Abfluss der Gallenflüssigkeit.

Gallengang
Darstellung des Gallengangs, der in den Darm führt © lom123 | AdobeStock

Ursachen für eine Cholestase

Zu den möglichen Ursachen einer intrahepatischen (nicht-obststruktiven) Cholestase gehören

Darüber hinaus können unter anderem

  • Lebertumoren,
  • Arzneimittelnebenwirkungen,
  • hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und
  • eine Sauerstoffunterversorgung der Leber

zu einer intrahepatischen Cholestase führen.

Die extrahepatische (obstruktive) Cholestase wird durch mechanische Abflusshindernisse in den Gallengängen verursacht. Hierzu gehören beispielsweise

Weitere mögliche Ursachen einer extrahepatischen Cholestase sind

  • Verengungen eines Gallengangs,
  • narbige Einziehungen und
  • Entzündungen der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse.

Symptome einer Cholestase

Eine Cholestase äußert sich typischerweise durch

  • eine Gelbfärbung der Haut und Augen (Gelbsucht bzw. Ikterus),
  • eine Braunfärbung des Urins (dunklen Harn),
  • eine Entfärbung des Stuhls (hellen Stuhl) sowie
  • einen Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper.

Diese Beschwerden können je nach Dauer, Ausmaß und Form der Gallenstauung unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Zur Gelbfärbung von Haut und Augen kommt es, weil die überschüssigen Gallensäuren und Gallenfarbstoffe ins Blut gelangen. Normalerweise werden sie über den Darm ausgeschieden. Das überschüssige Bilirubin lagert sich daraufhin in der Haut und auch an allen inneren Organen ab.

Ikterus (Gelbsucht) mit gelben Augen
Cholestase zieht eine Gelbfärbung der Augen nach sich (Gelbsucht) © Alessandro Grandini | AdobeStock

Die Braunfärbung des Urins ist ebenfalls auf das bei einer Cholestase in den Blutkreislauf gegebene Bilirubin zurückzuführen. Es gelangt über das Blut in die Nieren und wird mit dem Urin ausgeschieden.

Die Entfärbung des Stuhls ist eine Folge des Bilirubinmangels im Darm. Die Gallensäure wird normalerweise zur Fettspaltung im Darm benötigt. Ohne Gallensäure im Darm kommt es zu einer mangelnden Aufspaltung und Aufnahme von Fett und fettlöslichen Vitaminen aus der Nahrung. Der Stuhl wird daraufhin entfärbt und hell bzw. blass.

Der Juckreiz am ganzen Körper wird durch die erhöhte Konzentration und Ablagerung von Gallensäuren im Blut und in der Haut verursacht. Hierbei werden bestimmte Gewebshormone aktiviert, die eine leichte Entzündungsreaktion in der Haut verursachen. Das Jucken führt zu einem vermehrten Kratzen und somit gegebenenfalls auch zu Hautschäden.

Je nach dem, welche Ursachen der Cholestase zugrunde liegen, können auch weitere Symptome hinzukommen. So können unter anderem auch

  • kolikartige Bauchschmerzen,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Appetitlosigkeit und
  • Fieber

auftreten.

Diagnose einer Cholestase

Die Diagnose einer Cholestase erfolgt anhand der Symptome und des körperlichen Befunds sowie durch

  • eine Laboruntersuchung des Bluts,
  • eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie),
  • eine ERCP und
  • eine Cholangiographie.

Auf Grundlage der Symptome bestimmt der Arzt, ob der Cholestase Ursachen innerhalb oder außerhalb der Leber zugrunde liegen. Die Blutuntersuchung im Labor zeigt, wie stark die Cholestase ausgeprägt ist. Hierfür werden die Leberwerte und der Bilirubinspiegel im Blut gemessen.

Weisen die Ergebnisse der Blutuntersuchung auf eine Cholestase hin, wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Sie dient der weiteren Diagnostik und Ursachenabklärung. Hierbei können beispielsweise

  • Erweiterungen der Gallenwege, wie sie bei Gallensteinen oder anderen Abflusshindernissen entstehen, sowie
  • eine prall gefüllte Gallenblase

nachgewiesen werden.

Ultraschalluntersuchung des Bauches
Zur Cholestase-Diagnostik gehört in der Regel auch ein Ultraschallbild © familylifestyle | AdobeStock

In Abhängigkeit von der Ursache der Cholestase können weitere bildgebende Untersuchungsmethoden angewandt werden. Die sogenannte Cholangiographie erlaubt zum Beispiel die röntgenologische Darstellung der Gallengänge unter Verwendung eines Kontrastmittels. Die ERCP ist eine endoskopische Röntgenkontrastdarstellung der Gallenwege.

Behandlung einer Cholestase

Die Therapie einer Gallenstauung hängt davon ab, ob es sich um eine intrahepatische oder extrahepatische Cholestase handelt.

Bei einer intrahepatischen Cholestase besteht die Therapie darin, den auslösenden Faktor, also die Grundkrankheit zu behandeln. Wurde die Cholestase beispielsweise durch eine Leberzirrhose verursacht, gilt es diese zu behandeln. Hier kann unter anderem eine Lebertransplantation in Erwägung gezogen werden. Liegen der Cholestase bestimmte Medikamente als Ursache zugrunde, müssen diese abgesetzt werden.

Bei einer extrahepatischen Cholestase ist es notwendig, die mechanischen Abflusshindernisse zu beseitigen. Dies geschieht in der Regel im Rahmen eines operativen Eingriffs, der entweder offen oder endoskopisch durchgeführt werden kann. Hierbei kann, je nach Ursache der extrahepatischen Cholestase,

  • eine Steinextraktion,
  • die Einlage eines Stents oder einer Gallenwegsendprothese im Gallengang oder
  • eine Dilatation (Erweiterung) der Gallengänge

erfolgen.

Unabhängig der Ursache kommen noch weitere Therapiemethoden zum Einsatz. Sie haben eine Behandlung und Linderung der Beschwerden und Folgeerscheinungen einer Cholestase zum Ziel.

Eine langandauernde Cholestase kann etwa zu Vitaminmangelerscheinungen wie Vitamin-K-Mangel, Vitamin-D-Mangel und Kalziummangel führen. Daher bieten sich beispielsweise diätische Maßnahmen und die Einnahme von Vitamin K und D sowie Kalzium an, um Knochenkrankheiten vorzubeugen.

Gegen den für eine Cholestase typischen Juckreiz kann zudem Colestyramin eingenommen werden.

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