Analpolypen - Medizinische Experten

16.11.2020
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor
Hier finden Sie medizinische Spezialisten für den Bereich Analpolyp. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach den strengen Leading Medicine Guide-Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt. Die Experten freuen sich über Ihre Kontaktaufnahme.
ICD-Codes für diese Krankheit: K62.0

Empfohlene Spezialisten

Analpolyp Fälle in Deutschland

29.808 Fälle im Jahr 2018
30.251 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was sind Analpolypen? Kleine Gewebewucherungen am After, die immer gutartig sind. Unter Umständen wird jedoch der Schließmuskel in seiner Funktion gestört.
  • Abgrenzung: Für Laien ist nicht erkennbar, ob es sich um Analpolypen, Hämorrhoiden, Marisken, eine Analthrombose oder einen Tumor handelt. Eine sorgfältige Abklärung ist notwendig.
  • Symptome: Fremdkörpergefühl, Schmerzen, Blut beim Toilettengang, Stuhlschmieren, Juckreiz und Hautentzündungen.
  • Ursachen: Reizzustände, Entzündungen, Erkrankungen am After, operative Eingriffe sowie Verletzungen im Bereich des Afters und Enddarms können die Bildung eines Analpolypen anregen.
  • Diagnose: Durch das Patientengespräch und die darauf folgende körperliche Untersuchung stellt der Mediziner eine Verdachtsdiagnose. Mittels Analspiegelung und ggf. einer Biopsie wird die Diagnose gesichert. Weitere Verfahren kommen nur selten zum Einsatz.
  • Behandlung: Mit einer elektrischen Schlinge können Analpolypen schnell und schmerzarm entfernt werden. Nachblutungen enden in der Regel wenige Tage nach dem Eingriff.
  • Nachbehandlung: Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt einen weichen Stuhlgang. Der After sollte nur vorsichtig mit Wasser gereinigt werden. Analpolypen können sich ggf. erneut bilden.
  • Vorbeugung: Eine ausgewogene, ballaststoff- und faserreiche Ernährung ist die beste Vorbeugung gegen Analfissuren und Entzündungen, durch die sich ein Analpolyp entwickeln kann.

Artikelübersicht

Definition

Am Übergang zwischen Enddarm und After finden sich von Natur aus blattförmige Ausstülpungen der Schleimhaut, die Analpapillen genannt werden.

Diese Schleimhauterhebungen können nach Operationen, Verletzungen oder bei bestimmten Krankheiten bis zu einer Größe von mehreren Zentimetern anwachsen und in den Analkanal hinein- oder sogar aus dem After herausragen; vergrößerte (der Mediziner spricht auch von hypertrophierten) Analpapillen werden dann als Analpolypen oder Analfibrome bezeichnet.

Obwohl es sich um Gewebewucherungen handelt, sind sie immer gutartig und nicht gefährlich. Sie brauchen sich also keine Sorgen machen, dass diese Wucherungen bösartig sind oder werden. Allerdings können sie bei entsprechender Größe dazu führen, dass der After nicht mehr vollständig schließt, was sich durch nasse Stellen an der Unterwäsche zeigen kann.

Formen: Analpolyp oder doch eine Hämorrhoide?

Analpolypen können klein wie beispielsweise ein Getreidekorn sein oder aber auch die Größe einer Kirsche annehmen. Für den Laien ist meist nicht zu erkennen, ob es sich bei dem aus dem After ragenden Gewebeknötchen um eine Analpapille oder eine vergrößerte Hämorrhoide handelt, zumal beide Erkrankungen ähnliche Symptome zeigen können. Dazu gehören beispielsweise Nässen, Juckreiz, Schmerzen, Blutung und Knotenbildung. Daneben gibt es aber auch weitere Krankheitsbilder, wie

die ein ähnliches Beschwerdebild haben können. Um Sie richtig behandeln zu können, ist es deshalb wichtig, dass der Spezialist für Analpolypen Sie eingehend untersucht und die korrekte Diagnose stellt.

Symptome: Abhängig von der Größe

Solange die Analpolypen noch klein sind, verursachen sie in der Regel keine Beschwerden und werden vom Patienten nicht bemerkt. Da ein großer Analpolyp den feinen Mechanismus, der den Verschluss des Afters reguliert, beeinträchtigt, nehmen mit zunehmender Größe auch die Beschwerden zu. So kann es zu folgenden Krankheitszeichen kommen:

  • Fremdkörpergefühl im After
  • Schmerzen, vor allem beim Stuhlgang
  • Blut auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier
  • Nässen, Stuhlschmieren und Stuhlinkontinenz und infolgedessen verschmutzte Unterwäsche
  • Juckreiz und Hautentzündungen am After durch ausgetretenen Stuhl

Wenn ein größerer Analpolyp aus dem After gleitet, muss er von Hand wieder zurückgeschoben werden, da er sich nicht wieder von selbst zurückzieht.

Ursachen und Risikofaktoren

Analpolypen können grundsätzlich bei allen Menschen auftreten. Reizzustände, Entzündungen und Erkrankungen im After, operative Eingriffe und Verletzungen im Bereich des Afters und Enddarms sind Risikofaktoren dafür, dass sich die sonst Stecknadelkopf-kleinen Analpapillen vergrößern.

So kommt es bei Analfissuren (Schleimhauteinrisse im Analkanal) relativ häufig zum Wachstum der Analpapillen und damit zu Analpolypen.
Analfissur
Lokalisierung von Analfissuren am After © bilderzwerg | AdobeStock

Untersuchung und Diagnose

Spezialisten für Erkrankungen des Enddarms, das heißt des Mastdarms und des Analkanals, und damit auch für Analpolypen, heißen Proktologen. Aber auch Gastroenterologen gelten als Experten für Analpolypen (Analfibrome).

Da kleine Analpolypen meist keine Beschwerden verursachen, bleiben sie häufig unentdeckt. Symptome treten im Allgemeinen erst dann auf, wenn die Analfibrome schon eine gewisse Größe erreicht haben.

Während der Anamnese (Patientenbefragung) erkundigt sich der Arzt nach Ihren Beschwerden, also beispielsweise ob Sie Schmerzen beim Stuhlgang oder verschmutzte Unterwäsche haben. Während der Inspektion (Betrachtung) des Afters achtet der Proktologe auf Auffälligkeiten, wie Knötchen oder Entzündungen. Gegebenenfalls bittet Sie der Arzt zu pressen, so lässt sich der After noch genauer beurteilen. Mit dem Finger wird der Analkanal untersucht (digitale-rektale Untersuchung); knotige oder narbige Veränderungen können so ertastet werden.

Am besten lassen sich Veränderungen des Analkanals mithilfe des Proktoskops erkennen und beurteilen. Ein Proktoskop ist kurzes Rohr mit einer Lichtquelle und einer Optik, das über den After in den Analkanal eingeführt wird. Mit dieser Untersuchung, die auch Proktoskopie oder Analspiegelung, Mastdarmspiegelung oder Enddarmspiegelung genannt wird, lässt sich auch der Ursprung der Gewebewucherung erkennen. So kann der Proktologe beispielsweise erkennen, ob es sich um eine Hämorrhoide oder um einen Analpolypen handelt.

Wenn der Arzt Zweifel hat, um welche Krankheit es sich handeln könnte, oder auch zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose wird eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) durchgeführt. Die Gewebeprobe wird dann in der Histologie untersucht. So lassen sich auch gutartige von bösartigen Gewebeveränderungen unterscheiden.

Nur in seltenen Fällen und zum Ausschluss oder zur Bestätigung anderer Erkrankungen schließen sich weiterführende Untersuchungen an, wie Kernspintomographie (MRT), Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) oder Darmspiegelung (Koloskopie).

In den meisten Fällen wird der Arzt Ihnen aber nach der Inspektion und Untersuchung des Afters und Analkanals, der Proktoskopie und gegebenenfalls Histologie mitteilen können, woran Sie leiden.

Allgemeines zur Behandlung

Nicht jeder Analpolyp muss behandelt werden. Es wird empfohlen, dass nur solche vergrößerten Analpapillen behandelt werden, die auch Beschwerden verursachen.

Hat sich allerdings bei Ihnen durch die histologische Untersuchung herausgestellt, dass kein Analpolyp, sondern eine Gewebeveränderung vorliegt, die bösartig werden könnte, wird Ihnen der Arzt vermutlich zu einer Operation raten. Alle anderen, nicht behandlungsbedürftigen Gewebeneubildungen sollte sich der Arzt aber in regelmäßigen Abständen erneut ansehen, um Veränderungen rechtzeitig erkennen zu können.

Schneiden mit Strom

Analpolypen lassen sich schmerzarm ambulant entfernen, indem sie mithilfe eines Lasers oder einer elektrischen Schlinge (sogenannte Hochfrequenz-Diathermieschlinge) abgetragen werden. Die Entfernung von Analpolypen erfolgt in örtlicher Betäubung.

Im Rahmen der Analpolypen-OP mittels elektrischer Schlinge legt der Operateur die Schlinge um den Polypen. Nun wird Strom auf die Schlinge gelegt und vorsichtig zugezogen. Durch die Stromstöße wird der Analpolyp an seiner Basis abgetrennt.

Bei starken Komplikationen zum Arzt

Während und nach der Abtragung eines Analpolypen kann es zu OP-Schmerzen und zu Blutungen kommen. Nachblutungen enden in der Regel innerhalb weniger Tage. Gegen die Schmerzen in den ersten Tagen nach der Operation erhalten Sie ein Schmerzmittel.

Wenn Sie allerdings nach der Operation starke Schmerzen bekommen, stärker bluten oder die Blutung nach der OP nicht zum Stillstand kommt, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt aufsuchen und abklären lassen, was die Ursache für Ihre Beschwerden ist.

Nach der OP

Je nach Ursache für die Analpapille kann die Abheilung der Wunde einige Zeit (manchmal sogar einige Wochen) benötigen.

Sie können die Wundheilung unterstützen, indem Sie mithilfe einer ballaststoffreichen Ernährung auf einen geschmeidigen Stuhl achten. Gegebenenfalls wird Ihnen der Arzt auch ein leichtes Abführmittel für die ersten Tage empfehlen. Für die vorsichtige Reinigung des Afters nach jedem Stuhlgang sollten Sie nur Wasser und keine Seifen oder Ähnliches verwenden.

Wenn Sie an wiederkehrenden Entzündungen im Bereich des Enddarms leiden, können sich Analpolypen erneut entwickeln. Sie lassen sich dann aber ebenfalls wieder entfernen.

Vorbeugung

Da Analpolypen oft als Folge einer Entzündung oder eine Verletzung im Enddarmbereich entstehen, muss zum einen eine etwaige Entzündung oder Erkrankung (zum Beispiel eine Analfissur) behandelt werden. Andererseits sollten Sie darauf achten, dass sich solche zugrunde liegenden Krankheitszustände erst gar nicht ausbilden.

Wenn Sie der Entstehung einer Analfissur vorbeugen, reduzieren Sie gleichzeitig das Risiko, dass sich ein Analpolyp entwickelt. Analfissuren (und damit Analpolypen) beugen Sie am besten vor, indem Sie auf einen nicht zu harten, aber auch nicht zu weichen Stuhlgang achten. Die Ernährung sollte daher ausgewogen und ballaststoff- und faserreich sein.

  • Joos AK et al. (2019) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie. S3-Leitlinie - Hämorrhoidalleiden. AWMF-Registriernummer: 081/007.
  • Lenhard B (2002) Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Hypertrophe (vergrößerte) Analpapille. AWMF-Registriernummer: 013-011p.
  • Helmes C, Pakravan F (2010) Proktologie: Die Diagnose „Hämorrhoidalleiden“ wird zu häufig gestellt. Dtsch Arztebl 107(5): A-182 / B-160 / C-156.
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  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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