Harnröhrenverengung

30.03.2017
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Eine Harnröhrenverengung (auch als Harnröhrenstriktur bezeichnet) hat ihre Ursache meist in einer narbigen Veränderung der Harnröhre. Sie äußert sich durch vermehrte Infekte der Harnwege und einen veränderten Harnstrahl. Männer sind sehr viel häufiger betroffen als Frauen, da bei Frauen die Harnröhre deutlich kürzer ist. Eine Harnröhrenverengung sollte frühzeitig behandelt werden, da sie ansonsten die Lebensqualität stark einschränken kann. Für die Therapie stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

ICD-Codes für diese Krankheit: N35

Artikelübersicht

Symptome einer Harnröhrenverengung

Das wichtigste Symptom einer Harnröhrenverengung ist ein veränderter Harnstrahl. So kann der Strahl beispielsweise schwächer als gewöhnlich sein, er kann aber auch seine Richtung oder seine Form ändern. Darüber hinaus müssen Betroffene beim Wasserlassen oftmals bewusst pressen, was unter normalen Umständen nicht nötig ist.

Oftmals kommt es auch zu einer Verzögerung beim Wasserlassen, da der Urin die Engstelle erst überwinden muss. Danach kann zudem ein Rest Urin in der Harnblase verbleiben, was auch als Restharnbildung bezeichnet wird. Diese erhöht gemeinsam mit dem reduzierten Harnstrahl das Risiko für Infekte der Harnwege.

Darüber hinaus kann eine Harnröhrenverengung zu Unterbrechungen beim Urinieren führen sowie zu unkontrolliertem Harnverlust oder häufigem Urinieren bei kleinen Harnmengen. Auch kommt es gelegentlich zu Blut im Urin und Harnsteinen.

In schweren Fällen kann die Verengung so gravierend sein, dass die Harnröhre komplett blockiert ist und ein Harnverhalt eintritt. Dieser führt zu starken Schmerzen und der Urin staut sich bis zur Niere zurück. Dieser Rückstau kann ein lebensbedrohliches Nierenversagen auslösen, weshalb er sofort behandelt werden muss.

Ursachen für die Erkrankung

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Harnröhrenverengung:

  • Bildung von narbigem Gewebe durch Verletzungen der Harnröhre (zum Beispiel bei einer Blasenspiegelung)
  • Urethritis (Entzündung der Harnröhre)
  • Unfälle (zum Beispiel Beckenbrüche oder stumpfe Verletzungen im Schritt)
  • Hypospadie (angeborene Fehlbildung der Harnröhre)
  • Meatusstenose (Verengung der Harnröhrenöffnung)
  • Angeborene Harnröhrenklappen (Verengung der Harnröhre durch segelartige Membran)
  • Lichen sclerosus (entzündliche Hauterkrankung mit bindegewebigen Verhärtungen von Eichel und Vorhaut des Penis)
  • mechanische Ursachen (zum Beispiel Krebsgeschwüre oder Polypen)

In knapp 30 Prozent aller Fälle lässt sich keine Ursache für die Verengung der Harnröhre finden.

Diagnosestellung beim Arzt

Wenn der Verdacht auf eine Harnröhrenverengung besteht, ist ein Urologe, ein Facharzt für Erkrankungen der Harnwege, der richtige Ansprechpartner. Dieser erhebt zuerst die Krankengeschichte des Patienten und führt anschließend einige Untersuchungen durch, wie eine Urinuntersuchung, um einen Harnverhalt auszuschließen. Bei der körperlichen Untersuchung versucht der Arzt, äußerliche Ursachen für die Verengung zu identifizieren.

Der Harnfluss wird mit einem sogenannten Uroflowmeter geprüft. Dabei muss der Patient mit voller Harnblase in eine Toilette urinieren, die den Urinfluss messen kann. Liegt eine Verengung der Harnröhre vor, dauert das Urinieren länger und der Harnstrahl ist schwächer als normal.

Anschließend kontrolliert der Arzt mittels Ultraschall, ob sich noch Urin in der Harnblase befindet. Darüber hinaus wird der Zustand von Harnblase und Niere beurteilt.

Bestätigen die Untersuchungen den Verdacht einer Harnröhrenverengung, so erfolgt eine Bestimmung ihrer Art, Länge und Lage. Dafür wird entweder eine retrograde oder anterograde Urethrografie durchgeführt. Bei der retrograden Urethrografie wird ein Kontrastmittel am Ausgang der Harnröhre in die Harnwege gespritzt. Bei einer anterograden Urethrografie bringt man das Kontrastmittel durch einen Harnröhrenkatheter oder direkt durch die Bauchdecke in die Harnblase ein. Mithilfe eines im Anschluss angefertigten Röntgenbildes kontrolliert der Arzt dann die Verengung.

Alternativ kann auch eine Harnröhrenspiegelung vorgenommen werden, bei der die Harnröhre mit einer an einem Endoskop befestigten Kamera untersucht wird. Bei dieser Methode kann es jedoch vorkommen, dass das Stethoskop die Engstelle nicht passieren kann, sodass keine Aussagen über die Länge der Verengung gemacht werden können.

Behandlung der Harnröhrenverengung

Die Therapie einer Harnröhrenverengung kann unterschiedlich erfolgen, je nach Länge und Lage der Verengung. Meist wird eine operative Methode genutzt, wovon jedoch nicht alle für jede Form der Harnröhrenverengung geeignet sind.

Bougierung

Die Bougierung oder Aufdehnung ist die älteste Behandlungsmethode bei einer Harnröhrenverengung. Dabei wird ein spezieller Katheter in die Harnröhre eingeführt, welcher diese aufdehnen kann. Allerdings hält der Effekt dieser Behandlung nicht lange an, weshalb die Dehnung immer wieder durchgeführt werden muss. Die Methode ist für Personen geeignet, die keine Operation wünschen oder bei denen das Narkoserisiko zu hoch ist.

Stent

Bei diesem Verfahren wird mithilfe eines Endoskops ein Stent an der Verengung eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein kleines Rohr, das die Harnröhre offenhält. Es gibt Stents, die in der Harnröhre bleiben können, und solche, die nach mehreren Monaten ausgetauscht werden müssen. Diese Methode kann zu weiterer Narbenbildung führen und deshalb die Situation verschlimmern, weshalb sie nur in Ausnahmesituationen angewendet wird.

Rekonstruktion

Bei einer kurzen Harnröhrenverengung schneidet der Chirurg die Engstelle aus der Harnröhre heraus und vernäht die beiden Enden direkt miteinander.

Handelt es sich um eine langstreckige Verengung, kommt eine Operation mit einem anschließenden Harnröhrenersatz infrage. Dabei wird zur Rekonstruktion des herausgeschnittenen Teilstücks häufig Vorhaut oder Mundschleimhaut verwendet. Bei dieser Art der Behandlung kommt es nur selten zu Komplikationen.

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  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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