Mastitis (Brustdrüsenentzündung) - Informationen und Spezialisten

24.09.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Die Mastitis, die sogenannte Brustdrüsenentzündung, ist eine häufige Erkrankung bei stillenden Müttern. Darüber hinaus gibt es aber noch eine Reihe weiterer Ursachen, welche eine Brustdrüsenentzündung auslösen können. Antibiotisch behandelt, heilt die Mastitis in der Regel folgenlos wieder aus. Um Komplikationen, wie z. B. die Bildung eines Abszesses, zu vermeiden und um schwerwiegendere Krankheiten – beispielsweise Brustkrebs – auszuschließen, gehört die Brustdrüsenentzündung stets in die Hände erfahrener Mediziner. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie Spezialisten für die Behandlung einer Mastitis.

ICD-Codes für diese Krankheit: O91, N60, N61

Empfohlene Mastitis-Spezialisten

Brustentzündung (Mastitis) Fälle in Deutschland

27.416 Fälle im Jahr 2019
28.375 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Mastitis?

Ganz allgemein verstehen Mediziner unter einer Mastitis eine Entzündung der Brustdrüse (Mamma). Je nach Auslöser werden zwei verschiedene Formen der Mastitis unterschieden:

  1. Mastitis puerperalis
  2. Mastitis non-puerperalis

Die Erkrankung ist in der Regel öfter bei Frauen zu finden als bei Männern. Sie betrifft vorwiegend Frauen kurz nach der Geburt und nach dem Einsetzen des Stillens. Diese Mastitis puerperalis führt nicht selten zu einem frühen Beenden der Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind. Mastitiden anderer Ursache sind im Vergleich dazu eher selten und daher tumorverdächtig.  

Die Brustdrüsenentzündung (Mastitis, Mastadenitis) ist zumeist eine bakteriell verursachte Entzündung des Brustdrüsengewebes.

Ursachen der Brustentzündung

In der Mehrzahl der Fälle geht die Mastitis auf bakterielle Haut- bzw. Schleimhautkeime zurück. Diese siedeln auf der Haut und dringen z.B. über kleinste Hautverletzungen in die Brustdrüse ein. Am häufigsten zählen dazu:

  • Staphylokokkus aureus,
  • Streptokokken sowie
  • Pseudomonas sp.

Die Bakterien werden in der Regel beim Stillen auf die gereizten Brustwarzen übertragen und gelangen von dort über die Milchgänge bis in die Milchdrüsen. Dort führen sie zu Entzündungen bis hin zu einem Abszess. Gefördert wird die Mastitis zumeist durch kleinere Verletzungen während des Stillens sowie einen sogenannten Milchstau innerhalb der Milchdrüsen. Dieser bietet den Bakterien einen optimalen Nährboden.

Darüber hinaus können Hormone, Medikamente oder Stress zu einer vermehrten Sekretproduktion in den Milchdrüsen führen, wodurch es zu einer Immunreaktion mit auftretender Entzündung kommt.

Welche Symptome zeigt die Brustdrüsenentzündung?

Eine klassische Brustdrüsenentzündung verursacht in erster Linie grippeähnliche Symptome (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen) und je nach Ausprägung der Entzündung in der Brust auch typische Entzündungszeichen:

  • Wärme (calor),
  • Rötung (rubor),
  • Schmerz (dolor) sowie
  • Schwellung (tumor).

Auch kann es zu Sekretabsonderungen (Ausfluss) aus der Brustwarze kommen. Teilweise kommt es auch zu einer tastbaren Schwellung der Lymphknoten in den Achseln.

Wichtig ist, dass Sie bei diesen Symptomen einen Arzt aufsuchen, da sich hinter Lymphknotenschwellungen und Schmerzen in der Brust auch andere Erkrankungen verbergen können, z.B. ein Mammakarzinom (Brustkrebs). Der Befund sollte deshalb in der Regel differentialdiagnostisch mittels Ultraschall oder Mammografie sowie mit einer Biopsie ärztlich abgeklärt werden.

Darüber hinaus kann die Mastitis unbehandelt ebenso in einen Abszess (= eitrige Geschwulst) übergehen.

Wie wird eine Brustdrüsenentzündung diagnostiziert?

Die Anamnese gibt bereits erste Hinweise auf ein Entzündungsgeschehen in der Brust. Hieran schließt sich in der Regel die Abtastung der betroffenen Brust an. Abgesichert wird die Diagnose Brustdrüsenentzündung (Mastitis) mittels Bildgebung. Dies ist insbesondere bei der Brustdrüsenentzündung ohne ersichtliche Ursache nötig oder, wenn die Entzündung sich trotz Therapie als langwierig herausstellt. In diesen Fällen muss eine andere Ursache oder auch eine Krebserkrankung ausgeschlossen werden.

Behandlung der Brustdrüsenentzündung

Das erste Mittel der Wahl gegen die Entzündung der Brust (Mastitis) ist, diese zu kühlen und für einige Zeit zu schonen.

Eine bakterielle Brustdrüsenentzündung wird antibiotisch behandelt. Die Antibiotikatherapie erfolgt in der Regel systemisch, das heißt, die betroffenen Frauen nehmen das Medikament als Tabletten ein. Als Antibiotika kommen vor allem Cephalosporine, Clindamycin, alternativ auch Flucloxacillin plus Metronidazol, oder auch Oxacillin, zum Einsatz. 

Unbehandelt kann eine solche bakterielle Entzündung auch Komplikationen entwickeln, z. B. zur Abszessbildung führen. Ist es bereits zu einer solchen schmerzhaften Eiteransammlung gekommen, wird diese chirurgisch eröffnet und der Eiter anschließend abgeleitet. Dies wird medizinisch als Drainage bezeichnet.

Die abakterielle Brustdrüsenentzündung wird in der Regel mittels Prolaktinhemmern behandelt. Stoppt dies den Milchstau, so sind die Frauen in der Mehrzahl der Fälle bereits wenige Tage nach Therapiebeginn wieder beschwerdefrei.

Die S3-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit wird zudem derzeit überarbeitet und an den aktuellen Forschungsstand angepasst. Darin gibt es ebenso Empfehlungen mit Blick auf die Wirksamkeit alternativer Verfahren in Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung. Allerdings ist hierfür meist nur sehr geringe bis keine wissenschaftliche Evidenz vorhanden. 

Lässt sich einer Mastitis vorbeugen?

Einige Faktoren im Alltag können Brustdrüsenentzündungen fördern. Dazu gehören unter anderem:

  • Rauchen,
  • Brusthautverletzungen, z.B. durch ein Piercing,
  • Medikamente, wie beispielsweise Ovulationshemmer mit einem hohen Östrogenanteil,
  • Schilddrüsenstörungen,
  • Stress, Anspannung sowie
  • Fehler beim Stillen.

Die beste Prävention ist eine optimale Stilltechnik. Das Anlegen des Kindes und auch die Saugtechnik müssen dafür angepasst werden, um Verletzungen und Reizungen an den Brustwarzen zu vermeiden. Diese dienen sonst häufig den bakteriellen Erregern der Mastitis als erste Eintrittspforte. Ebenso sollte der Gebrauch von Stillhilfen, wie Milchpumpen und Stillhütchen, geübt werden. Wunde Brustwarzen sind zu behandeln.

Prognose nach Brustdrüsenentzündung

Ganz allgemein gilt bei der Brustdrüsenentzündung, dass ein möglichst früher Gang zum Arzt mit einem nachfolgenden frühzeitigen Therapiebeginn die Prognose deutlich verbessert. Zu langes Warten führt dazu, dass die Entzündung unbehandelt bleibt und sich erst richtig ausbilden kann.

Unbehandelt drohen schnell schwere Komplikationen, wie beispielsweise schmerzhafte Abszesse, die wiederum chirurgische Eingriffe nach sich ziehen können. Darüber hinaus birgt jede Operation auch wieder neue Risiken für Infektionen und Narbenbildungen, sodass die Heilung schließlich langwierig werden kann.

Welche Ärzte behandeln Brustdrüsenentzündungen?

Erste Anlaufstelle für Frauen mit Brustdrüsenentzündung sind neben Hausarzt und Hebamme (bei jungen Müttern) vor allem die Fachärzte für Frauenheilkunde (Gynäkologie). Im Falle von Komplikationen, wie beispielsweise eines Abszesses, können auch Fachärzte für Chirurgie beteiligt sein.

Nicht vergessen: Auch Männer können in seltenen Fällen Brustentzündungen haben. Für sie sind der Urologe sowie der Androloge die ersten Ansprechpartner. Bei Knoten und Schmerzen in der Brust, aber insbesondere auch bei Ausfluss oder eingezogenen Brustwarzen sollte ein Brustkrebs ebenso bei Männern durch weitere ärztliche Untersuchungen ausgeschlossen werden.

Quellen

flexikon.doccheck.com/de/Mastitis_non-puerperalis

hiv-symptome.de/krankheiten/b/brustdruesenentzuendung/

medlexi.de/Brustwarzenentz%c3%bcndung

amboss.com/de/wissen/Entz%C3%BCndliche_und_benigne_Ver%C3%A4nderungen_der_Mamma

flexikon.doccheck.com/de/Mastitis_puerperalis

frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/brusterkrankungen-gutartig/mastitis-entzuendungen-der-brustdruese/

S3-Leitlinie Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit. AWMF-Register Nr. 015/071 [Stand: 18.03.2013]: awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-071l_S3_Therapie_entz%C3%BCndlicher_Brustentz%C3%BCndungen_Stillzeit_2__2013-02-abgelaufen.pdf

Stachs A et al., Benigne Erkrankungen der weiblichen Brust. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 565-74; doi:10.3238/arztebl.2019.0565

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