Luftröhrenkrebs - Medizinische Experten

02.02.2021
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Luftröhrenkrebs ist ein bösartiger (=maligner) Tumor, der im Bereich der Luftröhre auftritt. Da die Luftröhre in der medizinischen Fachsprache auch Trachea genannt wird, werden Krebserkrankungen der Luftröhre auch als Tracheakarzinom oder Trachealkarzinom bezeichnet. Diese malignen Atemwegstumoren treten sehr selten auf: Nur etwa eine Person unter einer Million Menschen erkrankt pro Jahr an Luftröhrenkrebs, das entspricht einer Häufigkeit von etwa einem halben Prozent aller Krebserkrankungen. Insbesondere Männer im fortgeschrittenen Alter sind davon betroffen: Das durchschnittliche Alter, zu dem der Krebs diagnostiziert wird, liegt zwischen 60 und 65 Jahren.

ICD-Codes für diese Krankheit: C33

Empfohlene Spezialisten

Luftröhrenkrebs Fälle in Deutschland

800 Fälle im Jahr 2019
820 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Formen

Primärer und sekundärer Luftröhrenkrebs

Grundsätzlich können beim Luftröhrenkrebs primäre von sekundären Formen unterschieden. Von einem primären Tracheakarzinom wird dann gesprochen, wenn der Tumor in der Luftröhre seinen Ausgang nimmt. Dagegen liegt ein sekundäres Tracheakarzinom vor, wenn der Ursprungsort des Tumors (sogenannter Primärtumor) nicht die Luftröhre selbst, sondern ein anderes Organ oder die benachbarten Lymphknoten sind. Häufig liegen die Primärtumoren in der Lunge, im Kehlkopf, im Hypopharynx (unterster Teil des Rachens), in der Speiseröhre oder in der Schilddrüse

Die Tumorzellen können sich aber auch an einer anderen Stelle des Körpers vom Primärtumor (wie von einem Brustkrebs, Darmkrebs, Nierenkrebs oder Melanom) lösen und über das Blut in den Bereich der Luftröhre transportiert werden, wo sie dann Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden. Die angrenzenden Tumoren oder die Metastasen wachsen dann in die Luftröhre ein und können die Luftröhre verengen, was zu den unten genannten Beschwerden führt. 

Primärer Luftröhrenkrebs ist selten

Die meisten Tracheakarzinome können den sekundären Formen zugerechnet werden, primärer Luftröhrenkrebs kommt nur selten vor. Während primäre Trachealtumoren beim Erwachsenen überwiegend bösartig sind, sind sie bei Kindern normalerweise gutartig.

Das Plattenepithelkarzinom ist der häufigste Tumortyp

Je nach Ursprungsgewebe der Krebszellen können verschiedene histologische Typen beim primären Luftröhrenkrebs unterschieden werden. Meist handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome, seltener um langsam wachsende adenoid-zystische Karzinome und noch seltener um Adenokarzinome oder andere Tumortypen. Diese Unterscheidung spielt bei der Beurteilung der Prognose eine wichtige Rolle.

Symptome

Hauptsymptom: Atemnot

Zu Beginn verursacht Luftröhrenkrebs keine Beschwerden. Häufig kommt es erst dann zu Beschwerden, wenn die Geschwulst etwa die Hälfte der Luftröhre verschließt. Erstes Anzeichen ist oft Atemnot. Bedingt durch die Verengung der Luftröhre durch den Tumor kommt es zu weiteren klinischen Beschwerden, wie Hustenreiz, Heiserkeit und Atemgeräuschen beim Ausatmen. Mit zunehmender Größe des Krebses kann es zu blutigem Auswurf kommen. Da die Symptome eher unspezifisch sind und auch bei anderen Erkrankungen, wie Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Lungenentzündung, vorkommen können, wird das Trachealkarzinom leider häufig erst mit einer Verzögerung von durchschnittlich 2,5 Monaten nach Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert. 

Ursachen und Risikofaktoren

Insbesondere Raucher haben ein erhöhtes Risiko, Luftröhrenkrebs zu entwickeln. So wurde herausgefunden, dass mehr als 90 Prozent der Plattenepithelkarzinome der Luftröhre bei Rauchern auftreten. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass auch andere krebsauslösende Substanzen an der Entstehung eines Trachealkarzinoms beteiligt sein könnten, wie beispielsweise inhalierte Kohlenwasserstoffe oder Asbest. Auch intensiver Alkoholkonsum könnte eine Rolle bei der Entstehung von Luftröhrenkrebs spielen.

Untersuchung und Diagnose

Wenn Sie unter anhaltender Atemnot, Heiserkeit oder Husten leiden oder blutigen Auswurf haben, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Zunächst wird er versuchen, anhand von Fragen zu Ihren Beschwerden, Lebensgewohnheiten und bereits durchgemachten Erkrankungen die möglichen Ursachen für Ihre Beschwerden einzugrenzen. 

Computertomografie gibt wichtige Hinweise

Da die Beschwerden aber oft unspezifisch sind, erfolgt häufig zunächst eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs. Allerdings ist diese Untersuchung eher weniger geeignet, um Luftröhrenkrebs festzustellen. Wenn sich nach Gabe eines bronchienerweiternden Medikaments die Beschwerden nicht bessern, bereits blutiger Auswurf besteht oder wenn die Röntgenuntersuchung Hinweise auf eine maligne Erkrankung im Bereich der Luftröhre gibt, wird in der Regel eine Computertomografie (CT) des Thorax (Brustkorb) vorgenommen. In manchen Fällen kann auch eine Lungenfunktionsprüfung mittels Spirometrie Hinweise auf die den Beschwerden zugrunde liegende Ursache geben.

Bronchoskopie in unklaren Fallen und zur Bestätigung der Diagnose

In all den Fällen, in denen nach der CT-Untersuchung der Verdacht auf eine maligne Erkrankung besteht oder in denen Unklarheit über die Beschwerden bestehen, wird eine Bronchoskopie („Lungenspiegelung“) durchgeführt. Mithilfe eines speziellen Endoskops, das meist über den Mund in die Luftröhre eingeführt wird, lassen sich krankhafte Veränderungen an der Luftröhre erkennen. 

Um festzustellen, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist, lokal auf die Schleimhaut begrenzt ist oder sich bereits ausgedehnt hat oder eine andere Ursache für die Gewebeveränderung vorliegt, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) im Rahmen der Bronchoskopie genommen und im Labor untersucht. Damit lässt sich auch feststellen, ob es sich um ein primäres Trachealkarzinom oder um einen Tumor handelt, der aus Nachbarstrukturen eingewachsen ist. Auch metastatisches Tumorgewebe sowie der genaue Tumortyp können so bestimmt werden.

PET-CT für die Ausbreitungsdiagnostik

Konnte auf Basis der bronchoskopischen Untersuchung die Diagnose Luftröhrenkrebs gestellt werden, schließen sich weitere Untersuchungen an. Es muss nun festgestellt werden, inwieweit sich der Tumor ausgedehnt hat und ob sich bereits Metastasen an anderen Stellen des Körpers gebildet haben. Für diese sogenannte Ausbreitungsdiagnostik werden weitere bildgebende Verfahren, wie die Positronenemissionstomografie (PET-CT), eingesetzt.

Allgemeines zur Behandlung

Da Luftröhrenkrebs eine seltene Erkrankung ist, sollten die Patienten von erfahrenen Experten und in spezialisierten Zentren behandelt werden. 

Wenn möglich Operation

Wenn immer möglich wird eine komplette chirurgische Entfernung des Krebsgewebes angestrebt. In früheren Stadien kann so die Krebserkrankung heilbar sein. In manchen Fällen ist es erforderlich, dass ganze Abschnitte der Luftröhre entfernt werden. 

Radio- und Chemotherapie

Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass 50 bis 70 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose einen Tumor haben, der grundsätzlich chirurgisch entfernbar ist. Allerdings gibt es Situationen, in denen der Krebs schon so weit fortgeschritten ist, dass er nicht mehr komplett herausgeschnitten werden kann. In diesen Fällen wird zusätzlich zur Operation oder, wenn eine Operation überhaupt nicht möglich ist, nur eine Strahlentherapie (Radiotherapie) durchgeführt. Die Strahlentherapie soll zum einen die Größe des Tumors reduzieren oder aber die Tumorzellen zerstören, die chirurgisch nicht entfernt werden konnten. 

Bei Patienten, bei denen der Krebs nicht vollständig entfernt werden konnte und sich der Tumor in benachbartes Gewebe ausgedehnt hat, kommt zusätzlich zur Operation und zur Strahlentherapie eine Chemotherapie in Betracht.

Palliative Versorgung

Eine alleinige Chemotherapie kommt nur dann zum Einsatz, wenn keine vollständige Heilung mehr möglich und die Lebenserwartung deutlich reduziert ist. Sie hat dann palliativen Charakter, dient also der Linderung von Beschwerden. In der palliativen Versorgung wird gelegentlich auch versucht, den Tumor mittels Laserbehandlung zu verkleinern und/oder die Luftröhre durch das Einsetzen von Stents offen zu halten und so die Beschwerden zu reduzieren.

Verlauf und Prognose

Je früher desto bester

Entscheidend für den Verlauf der Krebserkrankung und die Prognose sind der Zeitpunkt der Diagnose und damit die Punkte, ob der Tumor noch vollständig entfernt werden kann oder ob er schon benachbartes Gewebe befallen oder gar an anderen Stellen im Körper Metastasen gebildet hat. So haben Patienten, bei denen der Krebs komplett entfernt werden kann, die größten Chancen, geheilt zu werden. Das heißt: Bei Symptomen, wie sie oben beschrieben wurden, sollten Sie zum Arzt gehen, damit dieser die Ursache Ihrer Beschwerden frühzeitig klären kann.

Bedeutung des Tumortyps

Auch die feingewebliche (histologische) Einteilung des Tumorgewebes gibt hinsichtlich Überlebenschance wichtige Hinweise: So weisen Patienten mit Plattenepithelkarzinom eine schlechtere Prognose auf als solche mit adenoid-zystischem Karzinom, was wohl an dem langsameren Wachstum des adenoid-zystischem Karzinoms liegt. 

Eine 5-Jahres-Überlebensrate von bis zu 74 Prozent haben Patienten mit adenoid-zystischem Karzinom, bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom liegt diese bei bis zu 45 Prozent.

Vorbeugung

Rauchen aufhören heißt Krebsrisiko senken

Die einzige Möglichkeit, die Sie haben, wie sie das Risiko für Luftröhrenkrebs senken können, besteht darin, die den Krebs auslösenden Substanzen zu meiden, in erster Linie Tabak, aber auch übermäßiger Alkoholkonsum. Rauchen ist Hauptrisikofaktor für zahlreiche Krebserkrankungen, nicht nur der Atemwege, sowie für viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb: Versuchen Sie lieber heute als morgen, mit dem Rauchen aufzuhören. Bereits innerhalb weniger Jahre sinkt das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich. 

Aber auch Passivraucher sind gefährdet: Achten Sie darauf, nicht unbeabsichtigt den schädlichen Stoffen aufgesetzt sein. 

Sind Sie beruflich krebserregenden Substanzen (zum Beispiel Asbest) ausgesetzt, muss Ihnen Ihr Arbeitgeber entsprechende Schutzausrüstung inklusive Atemschutz zur Verfügung stellen. Tragen Sie diese gewissenhaft und entsprechend den Vorgaben. Nur so helfen sie, die gefährlichen Substanzen aus Ihrem Körper zu halten.

Quellen

Quellen

Lilenbaum RC (2019) Malignant tracheal tumors. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/malignant-tracheal-tumors

Madariaga MLL, Gaissert HA (2018) Overview of malignant tracheal tumors. Ann Cardiothorac Surg 7(2): 244–254. doi: 10.21037/acs.2018.03.04

Universitätsklinikum Freiburg (2014) Tumor der Luftröhre (Trachea). Klinisches Krebsregister - Kodierhilfe - Stand August 2014.

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