Das Glioblastom ist eine der häufigsten Hirntumor-Arten und wird in die Gruppe der Gliome eingeordnet. Der Tumor des Hirngewebes tritt am häufigsten bei Menschen mittleren Alters (45 bis 70 Jahre) auf und ist für sein schnelles und diffuses Wachstum bekannt. Mehr zur genauen Definition eines Glioblastoms, den Symptomen, Ursachen und der Behandlung erfahren Sie hier!

ICD-Codes für diese Krankheit: C71

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Definition

Glioblastome zählen zu den sogenannten diffus infiltrierenden Hirntumoren, d. h. sie wachsen in gesundes Hirngewebe hinein, anstatt es zu verdrängen. Der Begriff „Gliom“ deutet noch auf die Vermutung hin, dass Glioblastome dem Stützgewebe des Nervensystems, den sogenannten Gliazellen, entstammen. Aufgrund seiner Eigenschaften stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Glioblastome als Grad-IV und damit als aggressiven Tumor ein. In der Mehrzahl der Fälle bildet sich das Glioblastom zuerst in einer der beiden Großhirnhälften (Abb. 1)

Glioblastom - MRT abb1
Abb. 1: Glioblastom im MRT (links) und mit Darstellung der im linken MRT nicht sichtbaren Infiltrationszone (Doppelpfeile) und Bewegungsbahn (Pfeil). [Quelle: Prof. Dr. Andreas Raabe, Inselspital Bern]

Symptome

Menschen, die an einem Glioblastom erkrankt sind, leiden zwar unter Symptomen, doch ist deren Intensität und Ausprägung davon abhängig, wo genau sich der Gehirntumor befindet. Je nach betroffener Hirnregion kommt es demnach zu völlig unterschiedlichen Symptomen, was die Diagnose häufig erschwert.

Im Allgemeinen treten die Symptome innerhalb weniger Wochen auf. Da das Gehirn innerhalb des harten Schädels keine Möglichkeit hat, dem raumfordernden Tumor auszuweichen oder sich den geänderten Druckverhältnissen anzupassen, leiden die Betroffenen in erster Linie an Kopfschmerzen – vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden. Die Patienten berichten, dass sich der Schmerz anfangs im Laufe des Tages von selbst bessert. Anders als bei anderen Kopfschmerzen kehrt der Glioblastom-Kopfschmerz jedoch in regelmäßigen Abständen wieder. Verschreibungsfreie Arzneien, wie sie in Drogerien und in der Apotheke zu kaufen sind, werden über die Zeit wirkungslos.

Daneben finden sich bei Patienten mit Glioblastom auch häufiger die folgenden Symptome, die bei allen Hirntumoren zu beobachten sind: Schwindelgefühle, Koordinationsprobleme, Sehstörungen, Krampfanfälle, Wesensveränderungen, Übelkeit sowie Müdigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen, weshalb sich Glioblastome bilden, sind nach wie vor unbekannt. Dennoch zählen diese Tumoren zu den häufigsten Hirntumoren überhaupt. Die Mehrheit der Patienten erkrankt zwischen dem 45. und dem 60. Lebensjahr. Das durchschnittliche Lebensalter bei Diagnosestellung liegt bei 64 Jahren, was jedoch nicht ausschließt, dass auch Kinder Glioblastome entwickeln können.

Interessant ist, dass Männer etwa 1,7-fach häufiger vom Glioblastom betroffen sind als Frauen. Daten des amerikanischen Hirntumorregisters belegen außerdem, dass insbesondere Menschen weißer Hautfarbe an einem Gliobastom erkranken.

Nach ihrer Entstehung werden heutzutage das primäre und das sekundäre Glioblastom unterschieden. Ein primäres Glioblastom entsteht beispielsweise aus Astrozyten, also aus bedeutenden Stützzellen des Zentralnervensystems. Da diese Astrozyten regelmäßig erneuert werden, kann es bei der Zellerneuerung zu Fehlern kommen, sodass die Zellen damit anfangen, unkontrolliert zu wachsen und am Ende das Glioblastom ausbilden. Sekundäre Glioblastome wiederum entwickeln sich aus bereits bestehenden Tumoren. Sie bilden somit das Endstadium einer bereits seit Längerem andauernden Erkrankung.

Da auch ionisierende Strahlen als ein möglicher Faktor bei der Glioblastom-Entstehung diskutiert werden, ist insbesondere das Internet voll mit Theorien und Meinungen zum Einfluss von Mobiltelefonen auf Glioblastome und deren Entstehung. Doch entstehen wirklich Hirntumore durch die Nutzung mobiler Telefone oder Smartphones?

Dazu sagen die Experten nach derzeitigem Forschungsstand: Selbst groß angelegte epidemiologische Studien an Menschen fanden bisher keine Hinweise dafür, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Hirntumors führte. Dagegen deuten aufwändige tierexperimentelle Studien auf ein erhöhtes Risiko bei männlichen Ratten und Mäusen für Tumore durch Mobilfunkstrahlung, ohne aber eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zu zeigen und ohne das Fehlen des Effektes bei weiblichen Tieren erklären zu können. Verschiedene Behörden stufen daher das Gefahrenpotenzial auch sehr unterschiedlich ein: Von „unbedenklich“ bis „möglicherweise leicht krebserregend nicht ausgeschlossen“

Untersuchungen und Diagnose

Da die Symptome des Glioblastoms in der Regel plötzlich auftreten, suchen einige Patienten zuerst einen Neurologen auf. Dieser beginnt damit, die Krankenvorgeschichte (Anamnese) zu erheben.

Das wichtigste diagnostische Mittel, um das Glioblastom sicher nachzuweisen, ist und bleibt die Magnetresonanztomografie (kurz: MRT). Dieses bildgebende Verfahren ermöglicht es den Ärzten, den Tumor sichtbar zu machen (Abb. 2).

Glioblastom abb2 MRT Kontrastmittel
Abb. 2: Axiales MRT T1 Sequenz mit Kontrastmittel (links) und T2-Sequenz des MRT (rechts). Ein Glioblastom zeigt sich typischerweise als unregelmäßige, ringförmig Kontrastmittel-aufnehmende Raumforderung. Der gelbe Pfeil zeigt den Tumor mit seinen Kompartimenten und die Weißen Doppelpfeile das umgebende Hirnödem. [Quelle: Prof. Dr. Andreas Raabe, Inselspital Bern]

Als tumorverdächtiges Areal im Gehirn gilt zum Beispiel eine helle, ringförmige Struktur auf den MRT-Bildern. Liegt der Verdacht auf ein Glioblastom vor, so bestätigen die Ärzte dies teilweise mithilfe einer Gewebeprobe, der sogenannten Biopsie. In den meisten Fällen wird der Tumor aber gleich ohne vorherige Biopsie operiert.

Allgemeines zur Behandlung

Aufgrund des schnellen Wachstums der Glioblastome sollte eine Operation möglichst zeitnah erfolgen. Mit zunehmender Zeit und Größe des Tumors wandern mehr Zellen in die Umgebung und dehnt sich der Tumor folgerichtig immer weiter aus. Gleichzeitig steigt das Operationsrisiko an. Die Operation sollte daher idealerweise innerhalb von 1–2 Wochen nach Diagnosestellung erfolgen. Bei Glioblastomen besteht die derzeitige „Standardtherapie“ aus einer Kombination von mikrochirurgischer Tumorentfernung, Bestrahlung und Chemotherapie.

Aktuell gehen die Experten davon aus, dass mindestens 80% des Tumors operativ entfernt werden müssen, damit Patienten durch die Operation einen Überlebensvorteil haben. Allerdings ist in den Studien ebenso klar geworden, dass erst eine MRT-komplette Entfernung einen deutlichen Überlebensvorteil mit sich bringt.

Operation

Zur optimalen OP-Vorbereitung wird ein spezielles MRT zur möglichst genauen Beurteilung und Operationsplanung benötigt. Je nach Lokalisation kommen dann noch weitere Untersuchungen auf die Betroffenen zu.

Die chirurgische Entfernung (Resektion) ist heute fester Bestandteil des Behandlungskonzeptes und dessen erster Schritt. Ein höheres Resektionsausmaß beeinflusst den Krankheitsverlauf günstig, insofern ist eine MRT-komplette Tumorresektion das Ziel der Operation. Desweiteren reduziert die Entfernung des Tumors den Masseneffekt und damit auch gleichzeitig die Symptome. Die operative Entfernung des Tumorgewebes ermöglicht ferner die histologische und molekularbiologische Untersuchung des jeweiligen Glioblastoms.

Zudem ist der Überlebensvorteil durch die Operation umso grösser, je mehr Tumor entfernt wird. Da die Unterscheidung zwischen Tumor und Hirngewebe speziell im Randbereich oft schwierig ist, kommen hier verschiedene moderne Technologien zum Einsatz, wie z. B. eine mikroskopgesteuerte Bildführung, die sogenannte Neuronavigation mithilfe eines GPS-ähnlichen Verfahrens für millimetergenaue Operationen.

Das leistungsstarke Operationsmikroskop erlaubt echte Feinarbeit am Gehirn. Bereits vor der Operation eingezeichnete Faserbahnen, ebenso wie der Tumor selbst und weitere wichtige Zentren, lassen sich im Operationsmikroskop virtuell einblenden und auf die Kopfoberfläche projizieren (Abb. 3). Durch diese „Augmented Reality“ kann sich der Chirurg besser orientieren und den Zugang zum Tumor maßgeschneidert – so klein wie möglich, aber so groß wie nötig – vorausplanen.

Glioblastom abb3 OP-Mikroskop
Abb. 3: Virtuelle Realität durch Einblendung des eingezeichneten Tumors und der Faserbahnen im Operationsmikroskop. In der Mitte ist ein Streifen Haut sichtbar, dieser wurde vor Beginn der Operation rasiert, desinfiziert und mit Folie abgedeckt. Darauf überlagert sich in rot der Tumor und farbig die wichtigen Faserbahnen. [Quelle: Prof. Dr. Andreas Raabe, Inselspital Bern]

Da Glioblastome jedoch sehr diffus in das Hirngewebe einwachsen, bleiben auch nach einer im MRT „kompletten“ Resektion stets ein paar Tumorzellen zurück, welche durch eine nachfolgende Bestrahlungs- und Chemotherapie zerstört werden müssen. Das bedeutet, es gibt immer eine Radiochemotherapie, unabhängig vom MRT-Bild, das nach 24 bis 48 Stunden zur Qualitätskontrolle angefertigt wird.

Wenn im frühen 24–48 h Kontroll-MRT auch nur noch ein kleiner Tumorrest nach der Operation sichtbar ist, sollte dieser in einer zweiten Operation am nächsten Tag, und sofern es die Lage erlaubt, ebenfalls entfernt werden. Die Erfahrung zeigt hier, dass trotz des Einsatzes aller technischen Hilfsmittel bei 5–10% der Patienten entfernbares Resttumorgewebe zurückbleibt und eine zweite Operation sinnvoll ist. Die Experten des Inselspitals Bern (Schweiz) zum Beispiel konnten in einer Studie bei eigenen Patienten zeigen, dass dies fast immer zur vollständigen Entfernung führt, gut toleriert wird und mit nur minimalem Risiko für die Patienten verbunden ist. Der Krankenhausaufenthalt verlängerte sich dadurch lediglich um etwa zwei weitere Tage.

Verlauf und Prognose

Glioblastome gehören zur Gruppe der Grad-IV-Tumoren und werden somit in die höchste Klassifizierungsstufe der WHO zur Beurteilung von Tumoren eingeordnet. Die Prognose und der Krankheitsverlauf nach der Diagnose Glioblastom werden deutlich von der schnell darauffolgenden Therapie und vor allem der chirurgischen Tumorentfernung verbessert. Die kontrollierte und sichere Entfernung des Tumors ist die eine Säule der Glioblastombehandlung, die andere ist die kombiniert eingesetzte Strahlen- und Chemotherapie.

Zur Lebenserwartung kann nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung bereits jetzt eine verbesserte Zahl der Patienten mit Langzeitüberleben festgestellt werden. Im Durchschnitt können heute bei optimaler und individuell angepassten Therapiebedingungen Lebenserwartungen von 2 Jahren oder mehr erreicht werden.

Die individuelle Prognose hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Die folgende Liste zeigt einige dieser Faktoren, von denen angenommen wird, dass sie sich positiv auf die Prognose auswirken, wie z. B.:

  • jüngeres Alter,
  • guter Allgemein- oder Leistungszustand,
  • keine Ausfälle neurologischer Teilfunktionen vor der Operation,
  • kurze Zeit bis zur Operation, d.h. frühestmögliche Tumor-Entfernung,
  • minimale oder keine Steriodgabe (Dexamethason) vor und nach der Operation,
  • keine Ausfälle neurologischer Teilfunktionen nach der Operation, insbesondere keine Lähmungen oder Teillähmungen, die als Komplikation einer Operation entstanden,
  • komplette Tumorentfernung im T1-Kontrastmittel-MRT,
  • keine Komplikation bei/nach der Operation.

Nicht vergessen werden darf mit Blick auf eine individuelle Krankheitsprognose, dass für die einzelnen Patienten nur eine grobe Schätzung des zeitlichen Verlaufes, aber keine exakte Vorhersage möglich ist. Alle dabei genannten Zahlen basieren letztlich auf dem „Durchschnittswert“ einer großen Anzahl Patienten und lassen keinen Rückschluss auf Einzelpatientinnen und -patienten zu.

Ein Wort zu Methadon

In den vergangenen Jahren wurde vermehrt das Thema Methadon im Zusammenhang mit dem Glioblastom diskutiert. Trotz der häufig zu findenden Beiträge in Internetforen und teilweise auch der Vorwürfe gegen die Standardtherapie basiert die Annahme, dass Methadon hilft, nicht auf systematischen, wissenschaftlich erhobenen und öffentlich zugänglichen Daten. Bis heute gibt es keinen Nachweis für die Wirksamkeit der Methadontherapie bei Glioblastomen. Des Weiteren ist Methadon nicht ohne Nebenwirkungen und kann die Lebensqualität bei unsachgemäßem Gebrauch erheblich einschränken. In diesem Zusammenhang sei zusätzlich auf die Stellungnahme der Deutschen Neuro-Onkologischen Arbeitsgemeinschaft verwiesen. [https://www.neuroonkologie.de/files/news/11-81391-gliomtherapie-mit-methadon.pdf]

Zusammenfassung

Das Glioblastom zählt zu den bösartigsten Hirntumoren. Es entwickelt sich in relativ kurzer Zeit und wird vor allem bei Menschen mittleren Alters beobachtet. Welche Risikofaktoren bestehen, ist weitestgehend unbekannt. Die humanmedizinische Literatur beschränkt sich lediglich auf die Feststellung von Vermutungen, die nicht über das Stadium einer Theorie hinausgehen. Trotz intensiver Behandlungsmethoden (z. B. Operationen oder Strahlen- bzw. Chemotherapie) liegt die Lebenserwartung bei der Hälfte der Betroffenen bei nur bei 1-2 Jahren nach Diagnosestellung, die andere Hälfte der Patienten lebt länger. Die Krankheit bleibt aber unheilbar, trotz der Fortschritte in der modernen Medizin und Forschung.

Quellen

hirntumorhilfe.de/hirntumor/tumorarten/glioblastom/ [zuletzt aufgerufen am 02.09.2019]

Inskip PD et al., Cellular-telephone use and brain tumors. N Engl J Med 2001; 344: 79–86

Jakola AS et al., Surgical resection versus watchful waiting in low-grade gliomas. Ann Oncol 2017; 28: 1942–1948

krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hirntumor/astrozytome-und-glioblastome.html [zuletzt aufgerufen am 02.09.2019]

krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/krebs-durch-handys-mobilfunk-elektrosmog.php

Lahkola A et al., Mobile phone use and risk of glioma in 5 North European countries. Int J Cancer 2007; 120: 1769–1775

S2k-Leitlinie „Gliome“ (AWMF: 030/099) [derzeit in Überarbeitung voraussichtl. bis Ende 2019]

Schucht P et al., Early re-do surgery for glioblastoma is a feasible and safe strategy to achieve complete resection of enhancing tumor. PLoS One 2013; 8 :e79846

Fachliche Unterstützung und Beratung

Prof. Dr. Andreas Raabe und Kollegen vom Inselspital Bern (Schweiz)

 

Zuletzt aktualisiert am 17.10.2019