Gallenblasenkrebs - Informationen und medizinische Spezialisten finden

29.06.2021
Prof. Dr. med. Marc Schiesser
Medizinischer Fachautor

Gallenblasenkrebs, auch als Gallenblasenkarzinom bezeichnet, ist ein bösartiger Tumor der Gallenblase. Gallenblasenkrebs ist eine seltene Krebsform. Beschwerden bemerken Patienten in der Regel erst spät bei bereits fortgeschrittener Erkrankung. Die Behandlung erfolgt wenn möglich durch das operative Entfernen der Gallenblase - und unter Umständen Teile der Leber - sowie einer Chemotherapie.

Hier finden Sie alle Informationen sowie Spezialisten für die Behandlung von Gallenblasenkrebs.

ICD-Codes für diese Krankheit: C23

Empfohlene Spezialisten

Gallenblasenkrebs Fälle in Deutschland

8.102 Fälle im Jahr 2019
8.238 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist Gallenblasenkrebs? Es handelt sich um eine bösartige Tumorerkankung der Gallenblase. Der Krebs kann bis in die Leber einwachsen oder Krebszellen in die Blut- bzw. Lymphbahnen streuen.
  • Häufigkeit: Gallenblasenkrebs ist relativ selten. In Deutschland erkranken jährlich rund 5300 Menschen. Die meisten Patienten sind über 60 Jahre alt. Frauen sind etwas häufiger betroffen.
  • Risikofaktoren: Gallensteine können zu chronischen Entzündungen der Gallenblase führen und dadurch die Bildung eines Gallenblasentumors begünstigen. Als weiterer Risikofaktor wird das Rauchen diskutiert.
  • Symptome: Im Frühstadium machen sich keine Beschwerden bemerkbar. Im fortgeschrittenen Stadium klagen Patienten häufig u. a. über Schmerzen im Oberbauch, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit. Im fortgeschrittenen Stadium können bei Gallenabflussstörungen Symptome einer Gelbsucht inklusive Juckreiz hinzukommen.
  • Diagnose: Ist die Gallenblase unnatürlich vergrößert, wird ein Blutbild erstellt, um die Gallen- und Leberwerte zu prüfen. Ultraschall, CT und MRT können als bildgebende Verfahren einen Verdacht sichern.
  • Behandlung: Im Frühstadium kann die Gallenblase und Teile der Leber entfernt werden. In fortgeschrittenen Stadien steht eine palliative Therapie im Vordergrund. Diese erfolgt in der Regel mittels Chemotherapie.
  • Prognose: Die Prognose hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Da der Gallenblasenkrebs jedoch oft spät erkannt wird, ist die Prognose häufig schlecht.

Artikelübersicht

Entstehung von Gallenblasenkrebs

Die Gallenblase hat die Aufgabe, die Galle zu speichern. Diese Flüssigkeit wird im Nachbarorgan Leber produziert. Aufgrund unterschiedlicher Faktoren kann es zu einer Tumorentwicklung kommen. Bei einem Gallenblasenkarzinom teilen sich entartete Zellen unkontrolliert und verdrängen gesundes Gewebe. In diesem Fall spricht man von einem bösartigen Tumor. Dieser Tumor ist in der Lage, von der Gallenblase aus in die Leber zu wachsen. Auch kann er den Krebs über die Blutbahn bzw. die Lymphbahnen in den gesamten Körper streuen.

Häufigkeit von Gallenblasenkrebs

Gallenblasenkrebs tritt vergleichsweise selten auf. Jährlich erkranken an Gallenblasenkrebs rund drei von 100.000 Personen, wobei die meisten Betroffenen über 70 Jahre alt sind. Dabei sind Frauen häufiger von Gallenblasenkrebs betroffen als Männer. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 2.300 Männer und knapp 3.000 Frauen an dieser Krebsform.

Frauen leiden häufiger an Gallensteinen, welche Risikofaktoren für die Entstehung von Gallenblasenkrebs darstellen. Man vermutet, dass dies ein Grund dafür ist, dass Frauen häufiger an Gallenblasenkrebs erkranken als Männer.

Die Gallensteine an sich sind jedoch nicht die Ursache für Gallenblasenkrebs. Gallensteine können jedoch zu einer anhaltenden Entzündung der Gallenblase führen. Durch eine solche permanente Reizung kann sich im Laufe der Jahre ein Gallenblasenkarzinom entwickeln. Aus diesem Grund findet man bei rund 80 Prozent der Personen, die unter Gallenblasenkrebs leiden, auch Gallensteine.

Gallensteine Gallensteine können zu einer anhaltenden Entzündung der Gallenblase führen. Aus dieser Reizung kann ein Karzinom entstehen.

Ursachen für ein Gallenblasenkarzinom und Gallengangkrebs

Ist die Gallenblase chronisch entzündet, kann sich eine Porzellangallenblase bilden, die wiederum Gallenblasenkrebs begünstigt. Bei Gallengangkrebs hingegen können folgende Faktoren eine Rolle für die Ausbildung des Tumors spielen:

  • Parasiten
  • Zigarettenrauch
  • Die chronisch entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa

Symptome von Gallenblasenkrebs

Frühe Symptome bemerken Personen, die von Gallenblasenkrebs betroffen sind, nur selten. Über Beschwerden klagen Patienten erst, wenn der Tumor bereits stark gewachsen ist. Dann kommt es häufig zu Schmerzen im Oberbauch oder Gewichtsverlust. Auch eine ausgeprägte Abgeschlagenheit oder Juckreiz können auftreten.

Erst ein weit fortgeschrittener Tumor behindert den Abfluss der Galle in den Dünndarm. Deshalb verursacht Gallenblasenkrebs häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden, wie sie bei einer Gelbsucht auftreten. Hierzu zählen dann ein heller Stuhlgang, eine dunkle Verfärbung des Urins sowie eine Gelbfärbung der Augäpfel und der Haut.

Diagnose von Gallenblasenkrebs

Wenn der Verdacht besteht, dass der Patient von Gallenblasenkrebs betroffen ist, wird ihn der Arzt zunächst nach seiner Krankheitsgeschichte fragen. Hierbei geht es auch darum, ob der Patient in der Vergangenheit unter Gallenblasensteinen zu leiden hatte. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Bei dieser tastet der Arzt vor allem den Bauch ab, um eine Vergrößerung der Gallenblase zu erfühlen.

Danach wird dem Patienten Blut abgenommen, um Veränderungen der Gallen- und Leberwerte festzustellen. Zusätzlich kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, wie etwa eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Hiermit ist es möglich, die Gallenwege und die Gallenblase darzustellen. Der Arzt kann anhand dieser Untersuchungen andere Erkrankungen, wie beispielsweise Gallensteine, vom Gallenblasenkrebs abgrenzen und eine eindeutige Diagnose stellen. Falls die Situation unklar ist, wird oft ein CT oder MRT angefertigt. Damit kann der Arzt die Größe und genaue Position des Tumors bestimmen.

MRT Mit dem MRT können Größe und Position des Tumors bestimmt werden.

Therapie bei Gallenblasenkrebs

Grundsätzlich ist die Wahl der Behandlung bei Gallenblasenkrebs abhängig von der Ausbreitung des Tumors. Sollte das Tumorwachstum noch begrenzt sein, wird die Gallenblase operativ entfernt. Dies ist vor allem in einem frühen Stadium von Gallenblasenkrebs wahrscheinlich. Häufig ist es jedoch notwendig, auch angrenzende Teile der Leber zu entfernen, weil der Tumor oft die Leber infiltriert.

Sollte der Tumor bereits Ableger im Körper gebildet haben oder lebenswichtige Gefäße umwachsen, lässt sich Gallenblasenkrebs nicht mehr heilen. Dann dient die Therapie vor allem dazu, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Beschwerden sollen gelindert und die Lebenszeit verlängert werden. Dies wird in der Regel mit einer Chemotherapie angestrebt.

Patienten, welche nicht operiert werden können und trotzdem an einer Galleabflussstörung leiden, können interventionell behandelt werden. Mittels endoskopischer Technik kann in der Regel eine Drainage eingelegt werden. Diese kleinen Röhrchen helfen dabei, dass die Gallenflüssigkeit noch ablaufen kann, was zur Entlastung der Galle führt.

Patienten mit gutem Allgemeinzustand haben mit der Strahlentherapie bzw. einer systemischen Chemotherapie zusätzliche Therapieoptionen.

Lebenserwartung bei Gallenblasenkrebs

Die Prognose bei Gallenblasenkrebs ist stark abhängig von der Aggressivität und Ausbreitung des Tumors. Aus diesem Grund lässt sich eine pauschale Aussage in Sachen Lebenserwartung bei Gallenblasenkrebs nicht so einfach formulieren. Da Gallenblasenkrebs häufig erst spät entdeckt wird, ist die Prognose bei vielen Patienten aber eher schlecht.

Welche Ärzte sind Spezialisten für Gallenblasenkrebs?

Meistens wird die Diagnose Gallenblasenkrebs von Gastroenterologen oder Chirurgen gestellt. Interventionen - wie endoskopische Drainageeinlagen in den Gallengang - werden von Gastroenterologen durchgeführt. Operative Eingriffe führen Viszeralchirurgen durch. Für Erkrankungen der Gallengänge oder Gallenblasen gibt es in Deutschland einige spezialisierte Zentren.

Quellen

  • https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/gallenblasenkrebs-gallengangkrebs/
  • https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/gallenblasenkrebs.html
Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print