Darmkrebs: Informationen & Darmkrebsspezialisten

20.09.2021

Der Begriff “Darmkrebs” bezeichnet zusammenfassend alle bösartigen Tumorerkrankungen im Dickdarm (Kolonkarzinom) und Mastdarm (Rektumkarzinom). Mediziner bezeichnen Darmkrebs deshalb auch als kolorektales Karzinom. Die Entstehung von Tumoren im Dünndarm ist ebenfalls möglich, aber eher selten. Darmkrebs ist, geschlechtsunabhängig, die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Darmkrebsspezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: C18, C19, C20

Empfohlenen Darmkrebsspezialisten

Darmkrebs Fälle in Deutschland

269.194 Fälle im Jahr 2019
275.257 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist Darmkrebs? Darmkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung, die im Darm (Dickdarm, Dünndarm oder Mastdarm) auftritt. Sie ist bei Männern und Frauen in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung.
  • Entstehung: In den meisten Fällen entwickelt sich die Erkrankung aus gutartigen Darmpolypen, die über längere Zeit hinweg entarten können. 
  • Risikofaktoren: Begünstigt wird die Entwicklung durch Faktoren wie Vererbung, entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes und ein ungesunder Lebensstil.
  • Symptome: Beschwerden treten erst bei weit fortgeschrittener Erkrankung auf. Dazu gehören u.a. Blut im Stuhl, Durchfall und Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen und weitere.
  • Diagnose: Die Untersuchung einer Stuhlprobe kann Aufschluss über das Vorliegen von Darmkrebs bieten. Durch eine Darmspiegelung kann der Arzt einen vorhandenen Tumor sicher erkennen.
  • Behandlung: Nur eine operative Entfernung des Tumors bietet Heilungschancen. Eine Chemotherapie im Anschluss kann die Therapie unterstützen. Eine Strahlentherapie kommt nur bei Mastdarmkrebs zum Einsatz.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Darmkrebs?

Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm, Dünndarm oder Mastdarm. Dieser Tumor entsteht aus einer Umwandlung von gutartigen in bösartige Zellen der Darmschleimhaut. In den meisten Fällen entwickeln sich Tumore im Dick- oder Mastdarm. Tumore im Dünndarm sind äußerst selten.

Ärzte unterteilen Darmkrebs in folgende Fachbegriffe:

  • Kolonkarzinom bezeichnet einen Tumor des Dickdarms. Die Kolonchirurgie beschäftigt sich mit dieser Form von Darmkrebs.
  • Rektumkarzinom bezeichnet Mastdarm- bzw. Enddarmkrebs. Hier befindet sich der Tumor im letzten Teil des Darms.
  • Kolorektales Karzinom bezeichnet Tumore im Dick- und Mastdarm.

Häufigkeit von Darmkrebs

Darmkrebs liegt in Deutschland auf Platz 2 der häufigsten Krebserkrankungen sowohl für Männer als auch für Frauen (Robert-Koch-Institut 2006).

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 73 000 Menschen an Darmkrebs und ca. 28 000 Menschen sterben daran.

Statistisch gesehen erkranken im Laufe ihres Lebens in Deutschland 6 von 100 Menschen an Darmkrebs, d.h. jeder Siebzehnte von uns.

Entstehung und Ursachen von Darmkrebs

In der Regel entwickelt sich Darmkrebs aus gutartigen Darmpolypen. Die Entartung vom gutartigen Darmpolyp (Adenom) zum bösartigen Krebs (Karzinom) dauert viele Jahre an (Adenom-Karzinom-Sequenz).

Die Entartung beruht auf vielen aufeinander folgenden Genveränderungen (Mutationen) an den Schleimhautzellen der Darmwand. Diese führen letztlich zum Verlust der Wachstumskontrolle der Zellen. Diese können sich dadurch ungehindert teilen und bösartig ausbreiten.

Der Prozess der Entartung läuft in mehreren Schritten ab:

Die Schleimhautzellen beginnen sich lokal übereinander zu schieben, sodass nach und nach eine kleine Geschwulst, ein so genanntes Adenom, entsteht. Das häufigste Erscheinungsbild eines solchen Adenoms ist der Darmpolyp. Ein Polyp wächst als sichtbare Knospe in den Darm-Raum hinein. Er kann dadurch bei einer Darmspiegelung gut erkannt und ggfs. auch abgetragen werden.

Abtragung einer Polype im Rahmen einer Darmspiegelung
Abtragung einer Polype im Rahmen einer Darmspiegelung | © Ortenau Klinikum, Lizenz: CC BY 3.0

Wird der Polyp nicht erkannt, häufen sich die Genveränderungen in den Zellen, bis sie schließlich zu bösartigen Krebszellen geworden sind. Beginnen sie irgendwann in das umgebende Gewebe hinein zu wuchern, spricht man von einem „invasiven“ Tumorwachstum.

Die Tumorzellen wachsen langsam in die gesamte Darmwand vor. Außerdem können sich einzelne Zellen lösen und sich von Blut oder Lymphflüssigkeit an andere Orte des Körpers treiben lassen. Dort können sie Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Dieser gesamte Prozess, vom Polypen bis zum Krebs, wird auf eine Zeitspanne über 5-10 Jahren geschätzt. Das Risiko für eine solche Entartung steigt mit dem Alter, die meisten Darmkrebs-Patienten sind über 50 Jahre alt.

Die Genveränderungen können allerdings auch vererbt sein (ca. 20-30 % der Fälle). Das hat zur Folge, dass sich der Krebs auch schon in jüngerem Alter ausbilden kann. Gibt es in einer Familie gehäuft Darmkrebs, ist also besondere Vorsicht geboten.

Weitere Faktoren, die Gene verändern und so die Krebsentstehung fördern können, sind unter anderem

  • Tabakrauch
  • erhöhter Alkoholgenuss
  • Übergewicht
  • ungesunde Lebensweise und Ernährung (wenig Obst, Gemüse und Bewegung)
  • chronische Entzündungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
  • verschiedene Chemikalien
  • radioaktive Strahlung
  • UV-Strahlen

Auch im Rahmen bestimmter anderer Krebserkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Dazu gehören z. B. Brust– oder Eierstockkrebs.

Symptome von Darmkrebs

Im Frühstadium liegen bei Darmkrebs meist noch keine oder nur sehr wenige Krankheitsbeschwerden (Symptome) vor. Im weiteren Verlauf können sich folgende erste Anzeichen zeigen:

  • veränderte Stuhlgewohnheiten (Wechsel von Verstopfung und Durchfall, Veränderungen von Stuhlkonsistenz, -farbe, -geruch oder gehäufter Stuhldrang)
  • Blut im Stuhl

Der Nachweis von Blut im Stuhl bedeutet nicht zwangsläufig Darmkrebs. Viel häufiger sind andere Erkrankungen, wie

die Ursache. Dennoch sollte in diesen Fällen immer eine Abklärung erfolgen!

Weitere Warnzeichen sind

  • plötzlicher Leistungsabfall
  • Gewichtsabnahme
  • nächtliches Schwitzen
  • Fieber

Derartige Beschwerden sind aber keinesfalls ein Beweis für Darmkrebs. Sie können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Daher ist eine genaue Abklärung empfehlenswert.

Diagnose und Vorsorge

Die Heilungschancen für Darmkrebs sind umso besser, je früher er erkannt und behandelt wird. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann man Darmkrebs nahezu komplett verhindern bzw. heilen. Das von den gesetzlichen Krankenkassen angebotene Darmkrebsvorsorgeprogramm kann und sollte jeder ab dem 50. Lebensjahr nutzen. Bis zum 55. Lebensjahr hat man Anspruch auf eine Tastuntersuchung des Enddarms und einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl pro Jahr.

Nach dem 55. Geburtstag wird zusätzlich eine Darmspiegelung (Koloskopie) als Vorsorge angeboten, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Sind in der Familie Darmkrebs-Erkrankungen bekannt, sollte die Koloskopie unter Umständen schon früher erfolgen. Denn früh erkannt, hat Darmkrebs eine sehr gute Prognose und kann komplett geheilt werden.

Darmkrebsvorsorge
Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich Darmkrebs gut behandeln. Vorsorge ist daher sehr wichtig! © Wolfilser | AdobeStock

Untersuchungsmethoden zur Vorsorge oder zum Nachweis von Darmkrebs

Zunächst nimmt der Arzt eine Tastuntersuchung des Enddarms vor (digitale rektale Untersuchung). Dabei ertastet und beurteilt er den Enddarm, den Schließmuskel und die Prostata. Ein auffälliger Tastbefund muss mittels einer Darmspiegelung abgeklärt werden.

Ggf. folgen im Anschluss weitere Untersuchungen. Ziel ist:

  1. festzustellen, ob tatsächlich Darmkrebs vorliegt (Tumornachweis),
  2. und wenn nachgewiesen, wie weit dieser fortgeschritten ist (Tumorstaging).

In einem ausführlichen Gespräch erfragt der Arzt die aktuellen Beschwerden und die Begleiterkrankungen und Risikofaktoren.

Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest, Hämokkult)

Der Enddarm, der Schließmuskel und die Prostata können mit dem Finger ausgetastet und beurteilt werden. Ein auffälliger Tastbefund muss mittels einer Darmspiegelung abgeklärt werden.

Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest, Hämokkult)

Drei aufeinander folgende Stuhlproben werden im Labor auf mit dem bloßen Auge nicht erkennbares Blut untersucht. Bei Nachweis von Blut im Stuhl muss sich zur weiteren Klärung eine Darmspiegelung anschließen.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Nur die Darmspiegelung, in Verbindung mit der Entnahme einer Gewebeprobe, kann Darmkrebs sicher nachweisen. Zudem kann der Arzt dabei Darmpolypen als mögliche Krebsvorstufen erkennen und umgehend beseitigen.

Die Darmspiegelung kann je nach dem untersuchten Darmabschnitt und dem verwendeten Endoskop (Kamera- und Lichtinstrument) noch weiter unterteilt werden in:

  • Koloskopie (flexible Spiegelung des gesamten Dickdarms)
  • Sigmoidoskopie (flexible Spiegelung des unteren Dickdarmes und des Enddarmes)
  • Rektoskopie (starre Spiegelung des Enddarmes bis ca. 15-20cm)

Darmspiegelung mit Normalbefund
Darmspiegelung bei Normalbefund | Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Röntgendiagnostik, CT und MRT

Diese radiologischen Verfahren gehören nicht zur Routine-Vorsorge, können aber bei speziellen Fragestellungen wichtig sein. Bei der Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) werden Schichtaufnahmen des Körperinneren angefertigt. Diese werden mit speziellen Computerprogrammen zu einer dreidimensionalen Ansicht des Darminneren weiterverarbeitet.

Das Röntgen der Lunge dient neben der allgemeinen Beurteilung von Herz und Lunge zusätzlich der Suche nach möglichen Darmkrebs-Metastasen in der Lunge.

Mittels CT kann nicht nur der Tumor selbst, sondern auch mögliche Lymphnotenvergrößerungen oder Metastasen abgebildet werden.

Bei der MRT kommen keine Röntgenstrahlen zum Einsatz, sondern wechselnde Magnetfelder. Mit dieser Technik ist die exakteste Darstellung der Ausdehnung und Anatomie eines Tumors möglich. Das ist wichtig für die OP-Planung, z. B. beim Enddarmkrebs.

Wie beim CT kann man auch hier vergrößerte Lymphknoten oder sonstige Organmetastasen (besonders in der Leber) gut erkennen.

Röntgen-Untersuchung (Kolon-Kontrasteinlauf)

Beim Kolon-Kontrasteinlauf wird der Dickdarm über den After mit Kontrastmittel gefüllt und auf Röntgenbildern dargestellt. Allerdings sind Entzündungen und kleinere Polypen schlechter beurteilbar als bei einer Koloskopie. Hinzu kommen die Strahlenbelastung und die eingeschränkte Anwendbarkeit des CT/MRT für Patienten mit Metallimplantaten, Herzschrittmachern oder Platzangst.

Ultraschalluntersuchung des Bauchraums

Ultraschall (Sonographie) ist eine einfache und risikolose Untersuchungsmethode, um innere Organe wie Leber, Nieren oder Milz darzustellen.

Mit der Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen) wird geklärt, ob Darmkrebs-Metastasen in anderen Bauchorganen (z.B. Leber) vorliegen.

Ultraschalluntersuchung des Bauches
Ultraschall gehört zu den bildgebenden Verfahren in der Krebsdiagnostik © auremar | AdobeStock

Blutuntersuchungen, inklusive Tumormarker (CEA)

Mittels Blutuntersuchung könnne sogenannte Tumormarker bestimmt werden. Tumormarker sind Substanzen, die zwar verstärkt von Tumorzellen gebildet werden, jedoch auch bei Gesunden vorkommen können.

Ein negativer oder normaler Tumormarker schließt eine Krebserkrankung weder aus, noch beweist ein erhöhter Tumormarker sie.

Diese Werte dienen daher hauptsächlich der Kontrolle des Krankheitsverlaufs. Ein Anstieg der Werte würde nach erfolgter Tumoroperation auf ein Wiederauftreten der Krankheit hinweisen.

Der wichtigste Tumormarker für Darmkrebs ist das CEA (carcino-embryonales Antigen).

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Krebszellen wachsen schneller und verbrauchen deshalb mehr Energie und Zucker als normale Zellen. Bei der Positronen-Emissions-Tomographie wird dies sichtbar gemacht.

Dazu wird ein markierter Zucker gespritzt, der von den aktiven Krebszellen stärker aufgenommen wird als von normalen Zellen. Auf einem speziellen Untersuchungsbild wird die unterschiedliche Verteilung des markierten Zuckers dann sichtbar gemacht.

Die PET gehört nicht zu den Routineuntersuchungen bei Darmkrebs, sondern wird nur bei speziellen Fragestellungen eingesetzt. Dazu gehören z. B.

  • Ansprechen auf eine Chemo- oder Strahlentherapie oder
  • Rezidivdiagnostik.

Anhand der Untersuchungsergebnisse ist zugleich eine Risikoabschätzung für einen operativen Eingriff möglich (Operabilität). Dazu gehört auch eine gründliche Überprüfung der Funktion von lebenswichtigen Organen wie Herz und Lunge.

Behandlung von Darmkrebs

Die operative Entfernung des Tumors ist der wichtigste Teil im Behandlungskonzept für Darmkrebs. Die Operation stellt in der Regel die einzige Chance auf völlige Heilung dar.

Im Allgemeinen kann die Heilung jedoch nur dann erfolgen, wenn noch keine Streuung der Tumorzellen in andere Organe stattgefunden hat. Nur in bestimmten Konstellationen kann heutzutage auch in diesen Fällen noch eine Heilung möglich sein.

Deswegen ist es sehr wichtig, dass vor jeder Operation eine genaue Abklärung des Krankheitsausmaßes (Staging) erfolgt.

Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs)

Handelt es sich um ein Kolonkarzinom, so erfolgt die Operation baldmöglichst nach Diagnosestellung und Staging. Der Patient kann nur geheilt werden, wenn der Tumor vollständig entfernt wird.

Um dies sicherzustellen, wird der entfernte Tumor nach der Operation von einem Pathologen beurteilt und weiter untersucht. Dieser kontrolliert sowohl die Schnittränder des Präparates als auch die mitentfernten Lymphknoten.

Je nach Ergebnis wird im Anschluss eine zusätzliche Chemotherapie notwendig.

Dickdarm Anatomie
© bilderzwerg / Fotolia

Rektumkarzinom (Enddarmkrebs)

Im Falle des Rektumkarzinoms muss nach Diagnosestellung zuerst die genaue Größe und Eindringtiefe des Tumors geklärt werden.

Bei kleineren Tumoren wird die sofortige operative Entfernung des Tumors empfohlen. Bei großen Tumoren erfolgt meistens zunächst eine Vorbehandlung mit Chemo- und Strahlentherapie (oder alleinige Strahlentherapie) zur Verkleinerung des Tumors.

Dies dient zur Vereinfachung und Risikominderung der Operation und senkt das Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors nach der OP.

Bestrahlungstherapie
Medizinischer Linearbeschleuniger zur onkologischen Strahlentherapie © Thomas Hecker / Fotolia

Die Bestrahlung bedarf einer genauesten Planung. Sie erfolgt ambulant für wenige Minuten an 5 Tagen in der Woche, etwa über einen Zeitraum von 5 Wochen. Auch hier gibt es Nebenwirkungen, dazu zählen

  • Durchfall
  • Hautreizungen (Trockenheit, Rötung)
  • gelegentlich Hautverfärbungen
  • Verhärtungen des Unterhautfettgewebes

Ob nach der Operation noch eine zusätzliche Chemotherapie notwendig ist, hängt von verschiedenen histopathologischen Kriterien ab.

Die Strahlentherapie (meist in Kombination mit einer Chemotherapie) kommt allerdings nur bei Enddarmkrebs zum Einsatz. Vor der Operation (neoadjuvant) dient sie zur Verkleinerung des Tumors, während sie nach der Operation (adjuvant) Rezidive verhindern soll.

Welche Information liefert die pathologische Untersuchung des Operationspräparates?

Nach der Operation beginnt die Arbeit des Pathologen. Dieser führt die feingewebliche Untersuchung von Operationspräparaten durch. Hierbei wird sowohl das Präparat als auch sämtliche entfernte Lymphknoten in dünnste Schichten geschnitten. Danach folgt eine Behandlung mit speziellen Färbungen, durch die sich Tumorgewebe besser erkennen lässt.

Erst diese Untersuchungen können

  • die exakte Größe des Tumors,
  • die Ausbreitungstiefe und
  • den Differenzierungsgrad

bestimmen.

Außerdem überprüft der Pathologe die Schnittränder auf Tumorfreiheit, um sicherzustellen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde. In der Regel wohnt er der OP bei. So kann er anweisen, weiteres Gewebe ggf. zu entfernen.

Feingewebliche Untersuchung bei Darmkrebs
Gewebe des Darms bei 400facher Vergrößerung. Hier kann der Pathologe Krebszellen direkt erkennen © lukszczepanski | AdobeStock

Tumor-Klassifikation

Durch die Aufarbeitung des Operationspräparates können wichtige Informationen gewonnen werden. Dadurch ist eine genaue Klassifikation des Tumors möglich.

Diese Klassifikation bezeichnet man als TNM-Klassifikation. Sie gibt das individuelle Ausmaß des Tumorbefalls für jeden einzelnen Patienten wieder. Das ist für die weitere Therapie entscheidend. Bei der TNM-Klassifikation werden 3 Punkte wie folgt beurteilt:

  • T= Tumor: Dient zur Beurteilung von Eindringtiefe und Ausdehnung des Tumorbefalls auf die einzelnen Darmabschnitte (T1 bis T4)
  • N= Nodus (Lymphknoten): Dient zur Beurteilung von regionalen Lymphknotenmetastasen (N0=keine, N1=wenige bis N2=zahlreiche). Lymphknotenmetastasen sind generell mit einer schlechteren Prognose für den Patienten assoziiert, daher wird ab dem Stadium N1 eine anschließende Chemotherapie empfohlen.
  • M= Metastasen: Dient zur Beurteilung von Fernmetastasen in anderen Organen. Das M-Stadium wird in M0 (=keine Metastasen) oder M1 (=Metastasen) eingeteilt.

Tumorstadium

Anhand der erhobenen Tumorbefunde und der daraus resultierenden TNM-Klassifikation erfolgt eine Einordnung nach UICC-Kriterien. Man unterscheidet 4 Stadien I–IV:

  • Stadium I: T1 oder T2 N0 M0
  • Stadium II: T3 oder T4 N0 M0
  • Stadium III: jedes T N1 oder N2 M0 (vorhandene Lymphknotenmetastasen)
  • Stadium IV: jedes T jedes N M1 (vorhandene Fernmetastasen)

Zusätzlich wird außerdem noch das „Grading“ beurteilt, das die Differenzierung des Tumors angibt. Der Differenzierungsgrad beschreibt, wie ähnlich das Tumorgewebe noch seinem ursprünglichen Darmgewebe ist. Je entarteter das Gewebe bereits ist, desto aggressiver ist der Krebs:

  • G1=gut differenziert,
  • G2=mäßig differenziert und
  • G3=schlecht differenziert.

Ein weiterer wichtiger Faktor für Prognose und Therapie ist die R-Klassifikation. Sie beschreibt, ob Resttumor im Körper verblieben ist (residualer Tumorstatus).

Hierbei werden im Körper verbliebene Metastasen und die Schnittränder des Operationspräparates beurteilt. Je größer der Abstand der Schnittränder zum Tumor, desto besser ist die Prognose für den Patienten:

  • R0= feingeweblich kein Tumor mehr sichtbar
  • R1 = Feingeweblicher Nachweis von Resttumor
  • R2 = Mit bloßem Auge erkennbar zurückgebliebener Resttumor oder Metastasen.

Nach der Darmkrebs-Operation

Im Tumorstadium III – IV kommt eine zusätzliche Rezidiv- bzw. Metastasen-Therapie nach der Darmkrebs-Operation in Betracht. Die Tumornachsorge wird unter Einbezug aller beteiligten Ärzte geplant und organisiert. Voraussetzungen dafür sind

  • eine vollständige Koloskopie vor oder baldmöglichst nach der Darmoperation und
  • die Beurteilung des Allgemeinzustandes des Patienten.

Ob und wie oft im Einzelfall eine Tumornachsorge indiziert ist, kann erst beurteilt werden, wenn alle Befunde vollständig sind.

Das Ziel der Nachsorge ist es, möglichst früh zu erkennen, falls

  • der Tumor wieder anfängt zu wachsen (Rezidiv) oder
  • neue Tochtergeschwülste (Metastasen) ausbildet.

In den ersten zwei Jahren nach der Darmkrebs-Operation ist das Risiko hierfür am größten. Regelmäßige Kontrollen sind daher unerlässlich. Danach sinkt das Rezidiv-Risiko mit der Zeit immer weiter ab. Die Abstände zwischen den Kontrollen können daher nun immer weiter verlängert werden:

  • beim Dickdarm-Krebs in den ersten 3 Jahren alle 6 Monate, im 4. und 5. Jahr im jährlichen Rhythmus
  • beim Enddarmkrebs sind hingegen im ersten Jahr 3-monatige Abstände empfehlenswert.

Nach 5 Jahren kann die Darmkrebs-Nachsorge für gewöhnlich beendet werden.

Was beinhaltet eine Tumor-Nachsorge bei Darmkrebs?

Zur Basis-Nachsorge gehören

  • das ärztliche Gespräch
  • die körperliche Untersuchung
  • die Kontrolle von Laborparametern im Blut
  • die Bestimmung des Tumormarkers CEA
  • eine Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle
  • eine Röntgenaufnahme der Lunge

Ein weiterer fester Bestandteil der Nachsorge ist die Darmspiegelung.

Beim Dickdarmkrebs empfiehlt man, die Koloskopie einmal pro Jahr durchführen zu lassen. Die Rektoskopie ist beim Enddarmkrebs vor allem an Anfang bei jeder Nachsorgeuntersuchung zu empfehlen.

Die Computertomographie (CT) wird innerhalb der Darmkrebs-Nachsorge nicht routinemäßig eingesetzt. Sie kann jedoch hilfreich sein, um nach der Operation den Anfangsstatus festzuhalten und so schon kleinste Veränderung schnell entdecken zu können.

Ernährung nach einer Darmkrebs-Operation

Durch die Ernährung kann der Patient nach einer Darmkrebs-Operation gezielt Einfluss auf

  • die Stuhlkonsistenz,
  • auf Blähungen sowie
  • das allgemeine Wohlbefinden

nehmen. Dennoch gibt es weder verbindliche Diätempfehlungen, noch pauschale Verbote.

Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel

Grundlage der Ernährungstherapie ist die „Leichte Vollkost“, also das Meiden von Speisen und Getränken, die erfahrungsgemäß häufig zu Unverträglichkeiten führen. Hierzu gehören

  • Hülsenfrüchte
  • Pilze
  • Kohlgemüse
  • rohe Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Lauch
  • frittierte Speisen
  • Vollkornbrot mit ganzen Körnern
  • frisch gebackenes Brot
  • hart gekochte Eier
  • säurehaltige Lebensmittel
  • stark Gebratenes
  • Geräuchertes
  • scharf Gewürztes
  • zu heiße sowie zu kalte Speisen und Getränke
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • unreifes Obst

Es empfiehlt sich, zur individuellen Einschätzung der Nahrungsverträglichkeit ein Mahlzeiten- und Beschwerde-Tagebuch zu führen.

Empfehlungen zur Ernährung

Manchmal wird bei der Darmkrebs-Operation ein künstlicher Darmausgang im Dünndarmbereich angelegt (Ileostoma oder Jejunostoma). In diesem Fall fehlt die Funktion des Dickdarms, was zu einer verminderten Wiederaufnahme von Wasser und Elektrolyten führt. Dadurch kommt es zu dünnflüssigen, breiigen Stühlen und einer erhöhten Stuhlfrequenz.

Für den Betreffenden ist es wichtig zu wissen, dass jede Aufnahme von Speisen und Getränken zu einer Entleerung führt. Langsames Essen und Trinken sowie gründliches Kauen kann hier sehr hilfreich sein.

Langfristig empfiehlt es sich, die Essgewohnheiten auf die mediterrane Küche umzustellen. Sie beugt nicht nur Herzerkrankungen und Übergewicht vor, sondern auch bestimmten Formen von Krebs vor. Zur mediterranen Ernährung zählen

  • der tägliche und reichliche Verzehr von Obst, Gemüse und Salat
  • die Bevorzugung pflanzlicher Fette, wie Raps-, Oliven- oder Sojaöl
  • die Reduktion von Fett (Milchprodukte in Maßen, seltener Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren)
  • der häufige Verzehr von Fisch (2-3 Portionen / Woche)
  • möglichst mäßiger Genuss von Alkohol

Außerdem schließt die mediterrane Ernährung auch

  • eine gesunde Lebensweise,
  • Ruhe und Zeit beim Essen sowie
  • regelmäßige körperliche Bewegung

mit ein.

Mediterrane Küche
Die mediterrane Küche hilft, den Körper nach einer Darmkrebsbehandlung zu unterstützen © aamulya | AdobeStock

Brauche ich eine Chemotherapie nach der Darmkrebs-Operation?

Sollten tumorbefallene Lymphknoten nachgewiesen werden, wird die Durchführung einer postoperativen (adjuvanten) Chemotherapie empfohlen.

In diesem Fall wurde zwar der Tumor selbst vollständig entfernt. Es besteht jedoch das Risiko (bis zu 50 %), dass sich bereits einzelne Krebszellen in anderen Körperregionen abgesiedelt haben. Diese lassen sich mit den heutigen Methoden nicht entdecken.

Großangelegte Studien haben gezeigt, dass eine prophylaktische (adjuvante) Chemotherapie das Rückfallrisiko deutlich senkt.

Weitere Indikationen für eine adjuvante Chemotherapie wären zum Beispiel auch in niedrigeren Tumorstadien, wenn

  • der Tumor bei der Darmkrebs-Operation aufgebrochen war,
  • der Tumor eine schlechte Zelldifferenzierung (G3) aufweist oder
  • bei der Operation weniger als 12 Lymphknoten entfernt wurden.

In diesen Fällen müssen die Experten individuell entscheiden, ob eine Chemotherapie angezeigt ist oder nicht.

Sollte der Darmkrebs erst im späten Stadium entdeckt worden sein, hat er bereits Metastasen gebildet. Hier ist die sogenannte palliative Chemotherapie angezeigt. Eine Heilung ist dann meistens nicht mehr möglich. In diesem Fall ist das Therapieziel die Verbesserung der Lebensqualität und die Lebensverlängerung.

In manchen Fällen kann die Chemotherapie Darmkrebs-Metastasen so weit verkleinern, dass sie chirurgisch entfernt werden können.

Informationen zur Chemotherapie bei Darmkrebs

Der Angriffspunkt einer Chemotherapie sind Zellen, die sich – wie Krebszellen – schnell teilen. Das betrifft aber leider auch gesundes Gewebe mit einer hohen Teilungsrate, wie etwa Haarzellen. Das Blut verteilt die Medikamente, auch Zytostatika genannt, im ganzen Körper, es handelt sich also um eine „systemische Therapie“.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Mittlerweile steht eine Vielzahl verschiedener Medikamente zur Verfügung. Die Onkologen wählen und kombinieren sie je nach individuellem Fall des Patienten aus.

Meistens werden mehrere Medikamente nach einem festen erprobten Schema eingesetzt (z.B. FOLFOX-Schema). Sofern keine gesundheitlichen Probleme dagegen sprechen, kann eine Chemotherapie ambulant durchgeführt werden. Für die Verabreichung der Medikamente kann die Implantation eines venösen Portkatheters erforderlich sein. Das macht die Behandlung für den Darmkrebs-Patienten einfacher und angenehmer.

Eine adjuvante Chemotherapie dauert normalerweise ein halbes Jahr. Die Behandlungsdauer kann sich allerdings im metastasierten Stadium je nach Therapieansprechen verlängern.

In diesen Fällen können neben den klassischen Zytostatika auch so genannte Antikörper (z.B. Cetuximab, Bevacizumab) eingesetzt werden. Antikörper binden sich an bestimmte Oberflächenstrukturen auf Krebszellen, die für das Tumorwachstum wichtig sind, und blockieren diese.

In der regulären „adjuvanten“ Therapie haben Antikörper jedoch (bisher) noch keinen Stellenwert.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Chemotherapie auftreten?

Die möglichen auftretenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie beruhen darauf, dass sich schnell teilende gesunde Zellen ebenfalls getötet werden. Sie treten aber nicht zwingend auf.

Hierzu gehört beispielsweise das Knochenmark, in dem sich die verschiedenen Blutzellen bilden, sodass es im Laufe der Therapie zu

  • Blutarmut,
  • Blutungen und
  • Infektionen

kommen kann.

Die weißen Blutkörperchen sind für die Infektionsabwehr am wichtigsten. Sie erfordern während einer Chemotherapie unbedingt eine regelmäßige Kontrolle (Blutbild). Fällt ihre Zahl zu stark ab, muss die Therapie für eine Erholungszeit unterbrochen werden.

Auch der Verdauungstrakt zählt zu den schnell teilenden Geweben. Hier kann es bei einer Chemotherapie zu verschiedenen Nebenwirkungen. Dazu zählen

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Geschmacksstörungen
  • Durchfälle

Glücklicherweise gibt es gegen diese Nebenwirkungen einige sehr effiziente Medikamente (z.B. Antiemetika).

Chemotherapie
In manchen Fällen kommt bei Darmkrebs eine Chemotherapie zum Einsatz © Elnur | AdobeStock

Eine weitere mögliche Nebenwirkung von manchen Zytostatika ist der Haarausfall. Jedoch ist bei den gegen Darmkrebs eingesetzten Medikamentenkombinationen kein vollständiger Haarausfall zu erwarten.

Auf alle Fälle wachsen die Haare nach Ende der Behandlung wieder nach. Auch die anderen oben genannten Nebenwirkungen verschwinden nach Therapieende wieder.

Bei den bereits erwähnten Antikörpern sind im Allgemeinen nur wenige Nebenwirkungen zu befürchten. Da es sich um Eiweiße handelt, kann es selten zu allergischen Reaktionen kommen (z.B. akneförmiger Hautausschlag bei Cetuximab).

Allgemein sollte Ihr behandelnder Onkologe Sie über die entsprechend dem Therapie-Schema zu erwartenden Nebenwirkungen aufklären. Gegebenenfalls behandelt er sie mit zusätzlichen Medikamenten.

Psychoonkologische Therapie

Die Forschung hat gezeigt, dass es keine allgemeinen Faktoren gibt, die unsere Lebensqualität verbessern oder verschlechtern. Der Begriff Lebensqualität meint die persönliche Erfahrung der Krebserkrankung. Dazu gehören Empfindungen und Beschwerden im seelischen, körperlichen und sozialen Leben.

Zwischen verschiedenen Personen bestehen also große Unterschiede im Umgang mit der Erkrankung. Jeder Patient verarbeitet die Belastungen, die die Erkrankung oder Behandlung verursachen kann, anders.

Viele dieser Belastungen sind vorübergehend, aber sie können auch anhalten und eine psychologische Behandlung erforderlich machen.

Während der Behandlung im Krankenhaus steht oft die Angst vor der Operation im Vordergrund. Wichtig ist es, in den Gesprächen mit dem behandelnden Arzt so viel zu fragen, wie man wissen und verstehen möchte. Auch die eigene Unruhe und Sorgen sollten zur Sprache kommen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus entwickelt sich aus vielen Anforderungen oft eine Überforderung.

Die Hauptsorge vieler Krebskranken ist, dass die Erkrankung wieder auftreten oder sich ausweiten („Progredienzangst“) könnte. Diese Sorge ist normal und angemessen, allerdings kann sie auch überhandnehmen.

In dieser Situation kann es hilfreich sein, darüber zu sprechen und sich der Angst anzunähern. Die Bedeutung der psychischen Krankheitsverarbeitung wird zunehmend anerkannt. Daher gibt es heute eine Vielzahl von entsprechenden Unterstützungsmöglichkeiten in der Psychoonkologie.


Heilungschancen bei Darmkrebs

Die Gesamtprognose bei Darmkrebs hängt vor allem davon ab, wie vollständig der Tumor entfernt werden konnte. Je früher der Tumor erkannt und entfernt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Aufgrund der verbesserten Vorsorgeuntersuchungen sind heutzutage über 50 % der Fälle heilbar. Sind jedoch bei Diagnosestellung bereits Darmkrebs-Metastasen in anderen Organen oder Lymphknoten vorhanden, ist die Prognose deutlich schlechter.

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