Schilddrüsenüberfunktion | Ärzte & Infos

10.11.2021
Eine Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, ist eine krankhafte Überproduktion von Hormonen durch die Schilddrüse. Dabei entsteht im Körper ein Überangebot an Schilddrüsenhormonen.

Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten und finden ausgewiesene Spezialisten für Schilddrüsenüberfunktion.

ICD-Codes für diese Krankheit: E05

Empfohlene Spezialisten

Schilddrüsenüberfunktion Fälle in Deutschland

34.059 Fälle im Jahr 2019
35.012 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion? Die Schilddrüse produziert zu viele Hormone, was zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels führt. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, bei älteren Menschen aber häufiger.
  • Ursachen: Bei jüngeren Menschen ist der Morbus Basedow die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion. Ältere Menschen haben hingegen häufiger eine sog. Schilddrüsenautonomie, z.B. bei einem hormonproduzierenden (gutartigen) Schilddrüsenknoten. Wenn von außen, also medikamentös, zu viel Schilddrüsenhormon zugeführt wird, spricht man von einer künstlichen Schilddrüsenüberfunktion.
  • Symptome: Schweißausbrüche, Herzrasen und Unruhe. Darüber hinaus treten auch Nervosität, Wärmeempfindlichkeit, Gewichtsabnahme und Durchfall auf.
  • Diagnose: Im Rahmen einer Blutuntersuchung wird zunächst der Spiegel des Schilddrüsensteuerungshormons TSH untersucht. Ein niedriger Spiegel weist dabei auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin.
  • Behandlung: Zunächst medikamentöse Hemmung der Schilddrüsenfunktion. Reicht das nicht aus, erfolgt entweder eine Radiojodtherapie oder eine OP.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

In der Medizin wird eine Schilddrüsenüberfunktion auch als Hyperthyreose bezeichnet. Bei dieser Erkrankung produziert die Schilddrüse eine größere Menge an Schilddrüsenhormonen als der Körper braucht.

Die Schilddrüse des Menschens befindet sich an der Vorderseite des Halses unter dem Kehlkopf. Sie hat die Aufgabe, aus Jod und Eiweißbausteinen die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) zu produzieren. Diese Schilddrüsenhormone wirken auf beinahe alle Organsysteme des Körpers, vor allem auf den Energiehaushalt und das Herz.

Kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse, führt dies zur Beschleunigung des Stoffwechsels. Bemerkbar macht sich dies durch einen schnelleren Puls, Schlafprobleme sowie innere Unruhe. Mithilfe einer entsprechenden Behandlung können die Betroffenen jedoch durchaus einem normalen Leben nachgehen.

Die Häufigkeit einer Schilddrüsenüberfunktion ist je nach Alter unterschiedlich. So zeigt sie sich bei Kindern nur selten und tritt mit zunehmendem Lebensalter vermehrt auf. Die Hyperthyreose stellt die zweithäufigste Schilddrüsenerkrankung dar.

Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion

Eine Überfunktion der Schilddrüse kann durch unterschiedliche Ursachen entstehen. Bei ca. 95 Prozent aller Patienten sind jedoch ein Morbus Basedow oder eine Schilddrüsenautonomie für das Auftreten der Hyperthyreose verantwortlich.

Morbus Basedow ist auch als Basedowsche Krankheit bekannt und zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Dabei bildet das eigene Abwehrsystem sogenannte Antikörper gegen den Organismus, in diesem Fall gegen die Schilddrüse. Die Antikörper docken an die Schilddrüsenzellen an und stimulieren die Hormonproduktion. Dadurch kommt es zu einem übermäßigen Anstieg der Hormonkonzentration sowie zu einer leichten Vergrößerung der Schilddrüse.

Von einer Schilddrüsenautonomie ist die Rede, wenn die Schilddrüse eigenständig Hormone bildet, d.h. unabhängig von der Steuerung der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dabei kann es sich um einzelne Schilddrüsenabschnitte, zum Beispiel Schilddrüsenknoten oder auch die komplette Schilddrüse handeln. Meist entsteht eine Autonomie der Schilddrüse auf dem Boden eines jahrzehntelangen Jodmangels. Bei einem solchen Mangel unternimmt die Schilddrüse den Versuch einer Angleichung durch Wachstum. Dies führt in ihr zur Kropfbildung sowie zu knotigen Gewebeveränderungen.

Als weitere mögliche Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion kommen eine Schilddrüsenentzündung oder eine Hormontherapie der Schilddrüse in zu hoher Dosierung infrage.

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion

Die Auswirkungen einer Schilddrüsenüberfunktion zeigen sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Fast immer wird der Stoffwechsel durch die zu hoch ausfallende Konzentration an Schilddrüsenhormonen beeinflusst und läuft schneller ab. Bemerkbar macht sich dies durch Schweißausbrüche, Herzrasen und Unruhe. Als weitere typische Symptome gelten:

  • Nervosität
  • Empfindlichkeit auf Wärme
  • verstärkter Durst
  • die Abnahme von Gewicht, obwohl ein gesteigerter Appetit besteht
  • Durchfall, gelegentlich auch Erbrechen
  • Muskelschwäche und Muskelschmerzen
  • Haarausfall
  • Zittern an den Händen
  • eine erhöhte Hauttemperatur

Die Schilddrüsenüberfunktion kann, muss aber nicht mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergehen. Im Falle von Morbus Basedow kommt es zusätzlich zu Problemen an den Augen wie Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss, das Sehen von Doppelbildern, geröteten Augen sowie das Hervortreten der Augäpfel, weil die oben erwähnten Antikörper sich auch gegen das Gewebe im Auge richten.

Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion

Als Screening eignet sich die Bestimmung des basalen TSH-Spiegels im Blut als empfindlichstem Parameter. Ist dieser normal und hat der Patient keine Symptome, müssen keine weiteren
Bestimmungen erfolgen.

Zur Unterscheidung der Erkrankungsursache werden jedoch weitere Werte bestimmt. Sind sogenannte Thyreotropin-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) nachweisbar, ist ein Morbus Basedow bewiesen. Sind fT3 und fT4 erhöht, aber der basale TSH-Spiegel im Normbereich, so besteht womöglich eine sehr seltene „zentrale Hyperthyreose“ (zum Beispiel durch ein TSH-produzierendes Hypophysenadenom bedingt). Eine Schilddrüsensonografie und eine Schilddrüsenszintigrafie gehören üblicherweise auch zum diagnostischen Programm zur weiteren Abklärung einer Schilddrüsenüberfunktion.

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

Die Therapie der Schilddrüsenüberfunktion findet meist zunächst mit Medikamenten statt. Bei den sogenannten Thyreostatika handelt es sich um Schilddrüsenblocker, die die überschüssige Bildung an Hormonen innerhalb der Schilddrüse hemmen. Als Wirkstoffe bewährt haben sich Thiamazol und Carbimazol. Im Rahmen der medikamentösen Behandlung übernimmt der Arzt, in der Regel ein Endokrinologe (Hormonspezialist), die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsen-Hormonwerte, auch um ein Wiederauftreten der Überfunktion rechtzeitig zu erkennen. Außerdem müssen das Blutbild und die Leberwerte unter einer solchen Therapie regelmäßig kontrolliert werden.
Beim Morbus Basedow ist die medikamentöse Behandlung häufig ausreichend. Ist das nicht der Fall oder kehrt die Überfunktion nach Absetzen der Medikamente zurück, muss eine sogennante definitive Therapie durchgeführt werden. Dabei handelt es sich entweder um eine Radiojodtherapie (gezielte Zerstörung des Schilddrüsengewebes durch radioaktives Jod) oder eine Operation. Welche der beiden Methoden gewählt wird, muss von Fall zu Fall sorgfältig abgewogen werden. U.a. das Alter, Vorerkrankungen und auch die Größe der Schilddrüse spielen für diese Entscheidung einer Rolle.

Leidet der Patient unter einer Schilddrüsenautonomie, wird fast immer zu einer definitiven Therapie (Radiojod oder Operation) geraten. Ausnahme sind meist sehr betagte Patienten, bei denen auch eine medikamentöse Dauertherapie erfolgen kann.

Von Bedeutung ist auch die Ernährung bei einer Schilddrüsenüberfunktion. Wurde die Erkrankung nämlich durch einen Jodmangel hervorgerufen, heißt das nicht, dass man durch den Ausgleich des Jodmangels die normale Funktion wiederherstellen kann. Im Gegenteil: bei bestehender Überfunktion soll man eine Jodeinnahme unbedingt vermeiden, denn diese kann jetzt zu einer Verschlimmerung der Überfunktion führen! Das gilt insbesondere auch für die Verwendung von jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln.

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