Hyperparathyreoidismus | Spezialisten und Informationen

Dr. med. Georg Wille
Medizinischer Fachlektor
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Hyperparathyreoidismus – Störungen im Kalzium-Phosphat-Haushalt

Die etwa reiskorngroßen Nebenschilddrüsen (Parathyreoideae) befinden sich seitlich hinter der Schilddrüse (Thyreoidea). Die Nebenschilddrüsen sind wichtige Spieler des Knochenstoffwechsels sowie des damit im Zusammenhang stehenden Kalzium-Phosphat-Haushaltes.

Die häufigste Krankheit der Nebenschilddrüsen ist die Überfunktion (Hyperparathyreoidismus). Leider wird diese Erkrankung häufig viel zu spät erkannt- und verursacht bei den Betroffenen unnötiges Leid.

ICD-Codes für diese Krankheit: E21

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist Hyperparathyreoidismus? Eine Erkrankung der Nebenschilddrüse, die Störungen des Hormonhaushaltes verursacht, was zu schweren Symptomen führen kann.
  • Symptome: Osteoporose, Gelenk- und Knochenschmerzen, später auch Nierensteine. Darüber hinaus allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Neigung zu Depressionen, Herzrhythmusstörungen und mehr.
  • Diagnose: Häufig wird die Erkrankung zu spät oder nur zufällig entdeckt. Eine Bestimmung des Parathormon-Wertes im Blut liefert eine sichere Diagnose. Mit einer Szintigraphie und einer Ultraschalluntersuchung lässt sich die erkrankte Nebenniere lokalisieren.
  • Behandlung: Die Entfernung des ursächlichen Adenoms führt zur Heilung. Ist eine OP nicht möglich, helfen kalzium-verringernde Medikamente. Infusionen und eine kalziumreiche Ernährung helfen bei der Symptombekämpfung.
  • Prognose: Nach der operativen Entfernung der erkrankten Nebenschilddrüse bessern sich die Symptome und das Gesamtbefinden des Patienten sehr schnell.
  • Fachärzte: Endokrinologen diagnostizieren und behandeln einen Hyperparathyreoidismus. Die OP sollten erfahrene Chirurgen aus dem Bereich der Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie durchführen.

Artikelübersicht

Was ist unter Hyperparathyreoidismus zu verstehen?

Jeder Mensch verfügt über vier Nebenschilddrüsen. Die Hauptaufgabe dieser Drüsen besteht darin, den Gehalt an Kalzium und Phosphat im Körper mithilfe des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon) zu kontrollieren. Sowohl Kalzium als auch das Phosphat sind für den Knochenaufbau entscheidende Faktoren.

Doch auch im Nervengewebe und in den Muskeln spielt Kalzium eine sehr wichtige Rolle. Tag und Nacht messen die Nebenschilddrüsen den Gehalt an Kalzium im Blut. Fällt dieser zu stark ab, so bewirkt das Parathormon, dass mehr Kalzium aus den Knochenspeichern herausgelöst wird.

Bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (= Hyperparathyreoidismus) wird selbst dann, wenn der Kalziumspiegel im Blut stimmt, zu viel Parathormon ausgeschüttet. Das Kalzium wird aus dem Knochen gelöst, wodurch eine Osteoporose entsteht. Da sich dadurch dauerhaft mehr Kalzium im Blut befindet als der Körper braucht, wird auch vermehrt Kalzium ausgeschieden. Es entstehen Nierensteine.

Schematisch gezeichneter Knochen und Nieren

Schematisch gezeichneter Knochen und Nieren. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. Georg Wille.

Beim Hyperparathyreoidismus besteht eine gutartige Vermehrung der Nebenschilddrüsenzellen, so dass sich die Nebenschilddrüse vergrößert (meistens auf einen Durchmesser von ca. 1 cm). Diese sogenannten Nebenschilddrüsenadenome produzieren auch zuviel Parthormon und überschwemmen den Körper damit. Ein Adenom produziert weit über den Bedarf hinaus (kleine unkontrollierte Hormonfabrik).

Nebenschilddrüsenpräparat

Nebenschilddrüsenpräparat. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. Georg Wille.

Sehr häufig (ca. 80 %) betreffen solche Adenome nur eine der vier Nebenschilddrüsen. Statistiken zufolge finden sich bei Patienten in ca. 20% der Fälle zwei oder mehr betroffene Drüsen. Extrem selten verursacht ein bösartiger Tumor eine Nebenschilddrüsenüberfunktion.

Welche Symptome treten beim Hyperparathyreoidismus auf?

Infolge des gestörten Kalzium-Phosphat-Haushaltes kommt es bei einem Hyperparathyreoidismus zu Veränderungen in der Knochensubstanz. Die Knochen verlieren Kalzium und dadurch auch an Stabilität. Mediziner nennen diese „Knochenweiche“ auch Osteoporose.

Ebenso verbreitet sind Gelenk- und Knochenschmerzen. Bei den Schmerzen des Bewegungsapparates, die durch einen primären Hyperparathyroidismus verursacht werden, kommt es häufig vor, dass sie als unklare Beschwerden verkannt werden, weil keine Erkrankung entdeckt wird. Häufig wird daher auch die Verlegenheitsdiagnose Polymyalgie rheumatica gestellt. Der Schlüssel zur richtigen Diagnose wäre eine Messung des Kalziums und des Parathormons im Blut (in der gleichen Blutprobe).

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es durch den gestörten Kalzium-Phosphat-Haushalt verstärkt auch zu Nierensteinen. Kalzium-Phosphat-Ablagerungen finden sich häufig in den kleinen Gefäßen, insbesondere in den Nieren, was über längere Zeit zu einer Nierenfunktionstörung führt.

Zum typischen Bild gehören schwer fassbare Symptome wie Müdigkeit, Leistungsabfall und eine stärkere Neigung zu depressiven Verstimmungen. Bluthochdruck, Verstopfung (Obstipation) und Herzrhythmusstörungen können ebenfalls häufig vorkommen.

Wie wird der Hyperparathyreoidismus diagnostiziert?

Das rechtzeitige Erkennen einer Nebenschilddrüsenüberfunktion ist essentiell, um langfristige Schäden zu vermeiden oder diese zumindest zu begrenzen. Leider wird die Erkrankung häufig erst im Rahmen routinemäßiger Blutkontrollen entdeckt. Bei diesen ist oftmals lediglich ein leicht erhöhter Kalziumwert zu finden.

Wenn Ihr Hausarzt Ihnen sagt, dass Ihr Kalzium ein wenig zu hoch sei – dann verlangen Sie eine Bestimmung des Parathormon-Wertes (PTH im Blut). Im Fall, dass dieser Wert auch erhöht ist, liegt eine klare Überfunktion der Nebenschilddrüsen vor.

Eine Szintigraphie und die Ultraschalluntersuchungen sind als bildgebende Verfahren geeignet ,die überfunktionierende Nebenschilddrüse zu lokalisieren.

Gibt es eine Therapie bei Hyperparathyreoidismus?

Beim primären Hyperparathyreoidismus muss das ursächliche Adenom im Rahmen der Nebenschilddrüsenchirurgie operativ entfernt werden. Diese Operation ist minimal-invasiv und wird durch die Patienten sehr gut toleriert. Da in der Regel nicht alle Nebenschilddrüsen gleichermaßen betroffen sind, übernehmen die restlichen Drüsenanteile die wichtige Steuerfunktion im Kalziumhaushalt des Körpers.

Falls eine Operation nicht möglich sein sollte, oder als Überbrückung bis zum eigentlichen OP-Termin, kann der Patient medikamentös z. B. mit sogenannten Calcimimetika behandelt werden. Weitere Medikamente verringern den Kalziumgehalt im Blut und sorgen dafür, dass mehr Kalzium in das Knochengewebe eingelagert wird.

Höhere Flüssigkeitsaufnahme oder Infusionen können zudem Nierensteine verhindern. Darüber hinaus sollten Patienten kalziumreiche Lebensmittel meiden.

Wie sieht die Prognose Hyperparathyreoidismus aus?

Sobald die kranke Nebenschilddrüse operativ entfernt ist und damit das zirkulierende Kalzium normalisiert werden kann, endet auch die Schädigung der betroffenen Organe (Knochen, Niere, Herz).

Die teils jahrelang bestehenden Schmerzen verschwinden sehr häufig unmittelbar nach der Operation. Oft fühlen sich die Patienten nach ein paar Wochen deutlich vitaler, wacher und weniger erschöpft.

An wen wenden sich Patienten mit Hyperparathyroidismus?

Ärzte, die den Hyperparathyreoidismus behandeln, sind in erster Linie die Endokrinologen (saubere Diagnosestellung).

Die Operation sollte ein Chirurg mit ausgewiesener Expertise im Bereich der Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie sein. Hohe Fallzahlen der Operationen erhöhen die Expertise und reduzieren Komplikationen. Diese Tatsache wurde in letzten Jahren mehrfach wissenschaftlich belegt.

Erfahren Sie mehr zu unserem Auswahlverfahren

Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print